Steuern

Geänderte Höchstbeträge und Abzugsquote seit Jahresbeginn

Wie kann ich als Laborinhaber Vorsorgeversicherungen steuerlich geltend machen?

03.05.2016
aktualisiert am: 01.06.2016

Der Inhaber eines Dentallabors hat wie jedermann ein elementares Inter esse daran, sich gegen die Hauptrisiken des Lebens wie Krankheit, Alter und Invalidität zu versichern. Das ist für ihn jedoch mit hohen Kosten verbunden, weil er – im Gegensatz zum sozialversicherungspflichtigen Arbeitnehmer, dessen Beitragsleistungen zur Hälfte vom Arbeitgeber getragen werden – die Versicherungsbeiträge voll aus seinem verfügbaren Einkommen aufzubringen hat. Diese Aufwendungen gehören einkommensteuerrechtlich zu den sogenannten Vorsorgeaufwendungen, die in bestimmten Grenzen steuerlich abzugsfähig sind.

Die steuerliche Abzugsfähigkeit der genannten Versicherungsbeiträge ist allerdings immer dann ausgeschlossen, wenn sie in wirtschaftlichem Zusammenhang mit steuerfreien Einnahmen stehen (§ 10 Abs. 2 Satz 1 Nr. 1 EStG) oder nicht an Sozialversicherungsträger bzw. nicht an Versicherungs unternehmen mit Sitz in einem Mitgliedstaat der Europäischen Union gezahlt werden (§ 10 Abs. 2 Satz 1 Nr. 2a EStG).

Im Jahr 2005 trat das Alterseinkünftegesetz (BGBl. 2004 I S. 1427) in Kraft. Seither können in der Erwerbsphase Beiträge für eine angemessene Altersversorgung bei der Einkommensteuer als Sonderausgabe abgezogen werden, während die auf Beiträgen beruhenden Renten erst bei Auszahlung steuerlich erfasst werden. Zu den steuerlich berücksichtigungsfähigen Altersaufwendungen gehören (§ 10 Abs. 1 Nr. 2 EStG):

  • Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung.
  • Beiträge an berufsständische Versorgungswerke, die eine den gesetzlichen Rentenversicherungen vergleichbare Leistung erbringen.
  • Beiträge an landwirtschaftliche Alterskassen.
  • Beiträge zugunsten einer eigenen kapitalgedeckten Altersversorgung, bei der die erworbenen Anwartschaften nicht beleihbar, nicht vererblich, nicht übertragbar, nicht veräußerbar und nicht kapitalisierbar sind. Diese Versicherung darf nur als monatliche lebenslange Leibrente und nicht vor Vollendung des 62. Lebensjahres ausgezahlt werden.

Da eine sofortige vollständige Steuerfreistellung der Altersvorsorgebeiträge die öffentlichen Haushalte überfordert hätte, sieht das Alterseinkünftegesetz einen schrittweisen Übergang bis zum Jahr 2025 vor. Das Volumen der abziehbaren Aufwendungen für Altersvorsorgebeiträge ist in § 10 Abs. 3 Satz 1 EStG geregelt. Es richtet sich nach dem Höchstbeitrag zur knappschaftlichen Rentenversicherung. Und dieser beträgt im Jahr 2016 für Westdeutschland 22.767 Euro und für Ostdeutschland 19.791 Euro. Bei zusammenveranlagten Ehegatten verdoppelt sich der Betrag. Damit wird jedem ein Vorsorgevolumen eingeräumt, das den steuerunbelasteten Aufbau einer adäquaten Alterssicherung ermöglicht. Dieser Betrag liegt weit oberhalb des Höchstbetrages zur gesetzlichen Rentenversicherung (2016 in Westdeutschland 18,7 % von 74.400 Euro = 13.912,80 Euro und in Ostdeutschland 18,7 % von 64.800 Euro = 12.117,60 Euro).

Als Vorsorgeaufwendungen zu berücksichtigen sind nur die aus eigenen Mitteln getätigten tatsächlichen Altersvorsorgeaufwendungen. Von dem berücksichtigungsfähigen Betrag wiederum sind im Kalenderjahr 2016 nur 82 % als Altersvorsorgeaufwendungen steuerlich abzugsfähig. Dieser Prozentsatz steigt weiter in den Folgejahren jährlich um 2 Prozentpunkte, bis im Jahr 2025 der vollständige Abzug der Altersvorsorgeaufwendungen erreicht ist (§ 10 Abs. 3 Satz 6 EStG).

Beispiel

Der ledige westdeutsche Inhaber eines Dentallabors zahlt im Jahr 2016 freiwillige Beiträge in die gesetzliche Rentenversicherung von 4.000 Euro. Zusätzlich hat er noch eine Leibrentenversicherung abgeschlossen und dort Beiträge in Höhe von 3.000 Euro eingezahlt. Sein Sonderausgabenabzug beträgt:

Wäre der Dentallabor-Inhaber ein Arbeitnehmer, sähe die Rechnung anders aus:

Neben den genannten Abzugsmöglichkeiten für Altersvorsorgeaufwendungen können auch sonstige Vorsorgeaufwendungen als Sonderausgaben geltend gemacht werden (§ 10 Abs. 1 Nr. 3 und 3a EStG). Darunter fallen:

  • Kranken- und Pflegeversicherung
  • Gesetzliche Arbeitslosenversicherung
  • Erwerbs- und Berufsunfähigkeitsversicherung
  • Unfall- und Haftpflichtversicherung
  • Risikolebensversicherungen, die nur für den Todesfall eine Leistung vorsehen.

Zu den sonstigen Vorsorgeaufwendungen gehören auch folgende Versicherungen auf den Erlebens- und Todesfall, wenn die Laufzeit vor dem 01. Januar 2005 begonnen hat und ein Versicherungsbeitrag bis zum 31. Dezember 2004 entrichtet wurde: Rentenversicherung ohne Kapitalwahlrecht, Rentenversicherung mit Kapitalwahlrecht nach frühestens zwölf Jahren und gegen laufende Beitragsleistung sowie Kapitalversicherungen gegen laufende Beitragsleistungen mit Sparanteil bei einer Laufzeit von mindestens zwölf Jahren.

Sonstige Vorsorgeaufwendungen können – vorbehaltlich eines noch höheren Abzugsvolumens infolge der Sonderregelung für die Basisabsicherung bei Krankheit und Pflege oder infolge der Günstigerprüfung – bis zur Höhe von 2.800 Euro beziehungsweise 1.900 Euro als Sonderausgaben angesetzt werden (§ 10 Abs. 4 EStG). Der Höchstbetrag von 1.900 Euro betrifft Steuerpflichtige, die ganz oder teilweise ohne eigene Aufwendungen einen Anspruch auf vollständige oder teilweise Erstattung oder Übernahme von Krankheitskosten haben. Der selbstständig tätige Steuerpflichtige kann also zusätzlich zu den Altersvorsorgeaufwendungen noch sonstige Vorsorgeaufwendungen bis 2.800 Euro steuerlich geltend machen, der angestellte Steuerpflichtige, der einen Arbeitgeberzuschuss zur Arbeitslosen-, Kranken-, und Pflegeversicherung erhält, hingegen nur 1.900 Euro. Bei zusammenveranlagten Ehegatten bestimmt sich der gemeinsame Höchstbetrag aus der Summe der jedem Ehegatten unter den persönlichen Verhältnissen zustehenden Höchstbeträge.

Die Beiträge für eine Basisabsicherung bei Krankheit und Pflegebedürftigkeit sind in jedem Fall absetzbar, auch wenn sie die Höchstbeträge für die sonstigen Vorsorgeaufwendungen übersteigen. Die Beiträge zur gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung gehören grundsätzlich in vollem Umfang zur Basisabsicherung ebenso wie die private Pflegeversicherung. Zur Basisabsicherung in einer privaten Krankenversicherung gehören dagegen nur die Beitragsanteile, mit denen Versicherungsleistungen finanziert werden, die in Art, Umfang und Höhe den Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung vergleichbar sind. Nicht zur Basisabsicherung gehören allerdings – wie bei der gesetzlichen Krankenversicherung – Beitragsanteile, die der Finanzierung von Komfortleistungen (z. B. Chefarztbehandlung, Einbettzimmer), des Krankenhaustagegeldes oder des Krankentagegeldes dienen.

1. Beispiel

Der ledige Inhaber eines Dentallabors ist privat krankenversichert. Er hat weder einen Anspruch auf Beihilfen zu seinen Krankheitskosten noch erhält er einen steuerfreien Zuschuss zu seiner Krankenversicherung. Er zahlt im Jahr einen Krankenversicherungsbeitrag in Höhe von 2.400 Euro, wovon 10 % der Finanzierung von Komfortleistungen dienen. Auf die Basiskrankenversicherung entfällt somit ein Beitragsanteil von 2.160 Euro. Für eine Pflegeversicherung hat er 200 Euro gezahlt und andere sonstige Vorsorgeaufwendungen in Höhe von 300 Euro getätigt. Der steuerlich abzugsfähige Vorsorgeaufwand berechnet sich wie folgt:

2. Beispiel

Gleiche Annahmen wie im vorausgehenden Beispiel, nur die Krankenversicherungsbeiträge liegen mit 4.000 Euro wesentlich höher. Davon entfallen erneut 10 % auf Komfortleistungen. Auf die Basiskrankenversicherung entfällt somit ein Beitragsanteil von 3.600 Euro. Der steuerlich abzugsfähige Vorsorgeaufwand berechnet sich wie folgt:

In diesem Fall übersteigt der absetzbare Mindestbetrag von 3.800 Euro für die Basisversicherung bei Krankheit und Pflege den abzugsfähigen Höchstbetrag an sonstigen Vorsorgeaufwendungen in Höhe von 2.800 Euro um 1.000 Euro, die steuerlich zu berücksichtigen sind.

3. Beispiel

Der verheiratete Inhaber eines Dentallabors hat für sich eine private Krankenversicherung abgeschlossen. Er hat weder einen Anspruch auf Beihilfen zu seinen Krankheitskosten noch erhält er einen steuerfreien Zuschuss zu seiner Krankenversicherung. Er zahlt im Jahr einen Krankenversicherungsbeitrag in Höhe von 3.400 Euro, wovon 10 % der Finanzierung von Komfortleistungen dienen. Auf die Basiskrankenversicherung entfällt somit ein Beitragsanteil von 3.060 Euro. Für eine Pflegeversicherung hat er 200 Euro gezahlt und andere sonstige Vorsorgeaufwendungen in Höhe von 300 Euro getätigt. Seine Ehefrau ist Arbeitnehmerin mit einem Jahreseinkommen von 24.000 Euro, zahlt also 1.752 Euro an eigenen Beiträgen zur gesetzlichen Krankenversicherung (7,3 %) und erhält Arbeitgeberzuschüsse zur gesetzlichen Krankenversicherung von 1752 Euro (7,3 %). Außerdem zahlen sie und ihr Arbeitgeber hälftig die Pflegeversicherungsbeiträge von insgesamt 2,35 %, also jeweils 282 Euro. Sonstige Vorsorgeaufwendungen hat sie nicht. Der steuerlich abzugsfähige Vorsorgeaufwand berechnet sich wie folgt:

In diesem Fall übersteigt der absetzbare Mindestbetrag von 5.294 Euro für die Basisversicherung des Ehepaares bei Krankheit und Pflege den abzugsfähigen Höchstbetrag an sonstigen Vorsorgeaufwendungen in Höhe von 4.700 Euro (2.800 Euro Ehemann + 1.900 Euro Ehefrau) um 594 Euro, die steuerlich zu berücksichtigen sind.

Und noch etwas ist zu beachten: Um beim Sonderausgabenabzug mögliche Schlechterstellungen gegenüber altem Recht zu verhindern, wird weiterhin die seit dem Inkrafttreten des Alterseinkünftegesetzes im Jahre 2005 bestehende Günstigerprüfung vorgenommen. Die Günstigerprüfung umfasst die Berücksichtigung der Altersvorsorgeaufwendungen sowie der sonstigen Vorsorgeaufwendungen. Es wird somit in jedem Fall geprüft, ob bei der Berücksichtigung von tatsächlich geleisteten Vorsorgeaufwendungen die Anwendung des alten Rechtes für den Steuerpflichtigen zu einem steuerlich günstigeren Ergebnis führt. Diese Prüfung nimmt das Finanzamt automatisch vor.

Näheres zum Autor des Fachbeitrages: Dr. Hans-Ludwig Dornbusch


Patientenorientiert, digitalisiert und im Team
IDS2021 A5Q AG8014 v06 DE

Neben einer Reihe von Innovationen bei den bewährten CAD/CAM-Produkten und Materialien wird Amann Girrbach auf der IDS den Schwerpunkt auf Lösungen zur interdisziplinären Zusammenarbeit von Labor und Praxis legen. 

Besuchen Sie uns doch mal auf unserer Facebookseite! Wir freuen uns über jeden Like und sind gespannt auf Anregungen, Kommentare, Kritik und Ideen für neue Themen!

Hier geht's direkt zur Seite