Gesellschaften/Verbände


Des Meisters Gipsmodelle der eigenen Zähne

20.07.2017

Im Dentalhistorischen Museum im sächsischen Colditz stellen zurzeit Originaldokumente und -exponate von Prof. Dr. Hans Peter Bimler ein besonderes Highlight dar. Die Sonderausstellung „Der Mensch – die Berufung – das Fachgebiet“ zeigt aus Anlass seines 100. Geburtstages die von ihm gemachten Erfindungen für die Kieferorthopädie. Von Prof. Bimler ist sogar die Dokumentation eines Selbstversuches auf den eigenen Zähnen bewahrt geblieben.

Interessant ist, dass jeder, der heute entsprechende Gebissformer- Lehrgänge und Veranstaltungen in der ganzen Welt besucht, dies immer noch so macht: Der Teilnehmer, ob aus der zahnärztlichen Praxis oder dem zahntechnischen Labor, muss Modelle von sich selbst mitbringen. Mithilfe der vorgefertigten Teile des Gebissformers aus der Bimler Laboratorien KG können die Probanden dann die kieferorthopädischen Geräte in kurzer Zeit selbst anfertigen. Die Apparaturen werden über Nacht getragen, und am nächsten Tag bespricht man im Kurs die eigenen Erfahrungen. Dieses heutige Konzept geht tatsächlich auf die erste Arbeit und Selbsterfahrung von Prof. Bimler zurück.

  • Abb. 1a u. b: Original-Gipsmodelle der Kiefer von Prof. Dr. Hans Peter Bimler mit darauf gefertigtem Gebissformer. Selbstversuch um 1950. Die Vorher- und Nachher-Situation einer frühen Arbeit mithilfe des neuen Gebissformers.

  • Abb. 1a u. b: Original-Gipsmodelle der Kiefer von Prof. Dr. Hans Peter Bimler mit darauf gefertigtem Gebissformer. Selbstversuch um 1950. Die Vorher- und Nachher-Situation einer frühen Arbeit mithilfe des neuen Gebissformers.
Die Exponate des Museums (Abb. 1a u. b) entstanden um 1950, hier fehlt die exakte Datierung. Auf seinen eigenen Modellen fertigte Prof. Bimler ein einfaches Gerät. In einem Bericht in der „Zahnärztlichen Welt“ vom März 1950 schreibt er: „Der Erfolg einer ärztlichen Behandlung wird niemals durch die angewandten Heilmittel, sondern immer nur durch die Persönlichkeit des Arztes garantiert, der durch Diagnose, Indikationsstellung und Anwendungsvorschrift die therapeutischen Möglichkeiten eines Heilmittels auf den individuellen Fall abstimmt und durch geeignete psychische Beeinflussung erreicht, dass die Patienten im vollen Vertrauen zu seinen Maßnahmen seine Anordnung auch befolgen.“ Dieser Bericht beweist das eigene große Vertrauen in seine Arbeit und alle Kenntnisse im zahntechnischen und kieferorthopädischen Fachgebiet. Den Vorteil beschreibt Bimler folgend: „Die Gebissformer sind locker in das Gebiss eingefügte Geräte, die keine Befestigung durch Bänder oder Klammern an den Zähnen suchen. Sie werden durch die transversalen und vertikalen Bewegungen des Unterkiefers aktiviert und alle auftretenden Kräfte sind reziprok wirksam.“ Hinzu kommt der Vorteil einer preisgünstigen Herstellung des kieferorthopädischen Gebissformers.

  • Abb. 2: Bimlers selbst skizzierter Entwurf für ein Logo.

  • Abb. 2: Bimlers selbst skizzierter Entwurf für ein Logo.
Bis Ende November 2017 ist dieses einzigartige Zeugnis – neben vielen anderen Objekten aus dem Privatleben und seinen Entwicklungen – noch in der Sonderausstellung zu sehen. Danach befindet sich alles aus dem Nachlass von Prof. Dr. Hans Peter Bimler im Dokumentationszentrum des Museums und kann auf Voranmeldung für wissenschaftliche Arbeiten genutzt werden.

Ein weiteres kleines Highlight aus dem Jahr 1953 ist der originale Entwurf aus der Hand von Bimler für ein Logo für seine Laboratorien (Abb. 2). Solche Entwürfe sind sehr selten, und die Museumsleitung ist stolz, diesen und einige andere Entwürfe zu weiteren Themen der Nachwelt zu bewahren.

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Weitere Informationen:

Dentalhistorisches Museum
Verein zur Förderung und Pflege des
Dentalhistorischen Museum e. V.
ZTM Andreas Haesler
www.dentalmuseum.eu


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