Gesellschaften/Verbände

Die Gewinner des AG Keramik Forschungs- und des Videopreises 2015

Einflussfaktoren auf die Haltbarkeit von Veneers

08.02.2016

Die unterschiedlichen Keramik-Schichtstärken der Veneers. Bildquelle: © Hajto
Die unterschiedlichen Keramik-Schichtstärken der Veneers. Bildquelle: © Hajto

Seit dem Jahr 2000 schreibt die Arbeitsgemeinschaft für Keramik in der Zahnheilkunde alljährlich den „Forschungspreis Vollkeramik“ für innovative Arbeiten aus, die von Zahnärzten, Wissenschaftlern, Doktoranden und interdisziplinären Teams eingereicht werden. In den vergangenen Jahren wurden Autoren ausgezeichnet, deren Themen vielfach Eingang in den Therapiekanon der Zahnheilkunde gefunden haben. Die Gewinner des Forschungspreises und des Video-Wettbewerbs 2015 wurden vom Laudator Dr. Bernd Reiss auf dem 15. Keramiksymposium der Arbeitsgemeinschaft vorgestellt – im Rahmen des Deutschen Zahnärztetages am 06. November 2015 in Frankfurt am Main.

  • Abb. 1-5: Das Gewinner-Team des Forschungspreises (Bildquelle: jeweils privat).

  • Abb. 1-5: Das Gewinner-Team des Forschungspreises (Bildquelle: jeweils privat).
Mit dem Forschungspreis 2015 der AG Keramik wurde das Autorenteam Dr. Uwe Blunck, ZA Sabine Fischer, Dr. Jan Hajto, ZTM Stefan Frei und Prof. Roland Frankenberger (Abb. 1-5) für die Arbeit „Einfluss von Präparationsformen und Schichtdicke auf Bruchfestigkeit und Randverhalten von Keramikveneers“ ausgezeichnet. Die Arbeitsteilung und Zusammenarbeit der Autoren erfolgte interregional. So wurden die Präparationen und die Herstellung der Veneers mit der adhäsiven Befestigung in München durchgeführt, die Testungen im Kausimulator sowie die Auswertung der Daten erfolgten in der Berliner Charité; die wissenschaftliche Interpretation der Vorgehensweise und der Ergebnisse fand in Marburg statt.

Adhäsiv befestigte, rein schmelzgetragene labiale Keramik-Veneers sind eine klinisch bewährte Restaurationsform. Die Verwendung von Adhäsiven, die im Dentin retentiv wirken, ist heute technisch möglich, um Keramikschalen partiell oder vollständig auch im Dentin zu verankern. Dabei ist aus grundsätzlichen Erwägungen heraus vorteilhaft, bei der Präparation möglichst große Schmelzareale zu erhalten, weil der Schmelz geätzt sowie konditioniert ein optimaler Bindungspartner ist und die Schmelz-Dentin-Grenze aus biomechanischer Sicht ein stabilisierendes Element natürlicher Zähne darstellt. Deshalb ist es für den Behandler eine relevante Frage, ob es vorteilhaft ist, möglichst viel Zahnschmelz zu erhalten, auch wenn dies zulasten der Materialstärke, der Ästhetik und der späteren Zahnform erfolgt – oder auf eine funktionierende Dentinadhäsion zu vertrauen, um ein größeres Platzangebot zu nutzen.

Dünne Veneers im Dentin mit höherem Frakturrisiko

Die vorliegende Studie sollte Hinweise zu diesen Fragen liefern. Ziel der Untersuchung war, den Einfluss der Präparation und der Schichtstärken für Veneers zu untersuchen und das Frakturverhalten sowie die marginale Adaptation nach thermomechanischer Belastung zu überprüfen. Die Ausgangshypothesen waren, dass die Invasivität der Präparation, der Dentinanteil der Klebefläche, die Schichtstärke des Veneers und präexistente Kompositfüllungen keinen Einfluss auf die marginale Qualität und auf das Frakturverhalten haben. Für die Untersuchung wurden fünf verschiedene Präparationsformen genutzt (Abb. 6): Non-Prep, minimal-invasiv im Schmelz, semi-invasiv mit 50 % Dentinanteil, invasiv mit 100 % Dentin sowie semiinvasiv mit Klasse III-Kompositfüllungen. Die Veneer-Schichtstärken waren 0,2-0,5 mm und 0,5-1,2 mm (Abb. 7). Die Veneers wurden adhäsiv befestigt und nach Wasserlagerung in der Kausimulation mit Temperaturwechsel mit bis zu 3 Millionen Kauzyklen inzisal im 45° Gradwinkel belastet. Das Ergebnis zeigte nach 3 Millionen Zyklen – teilweise mit 100 N Belastung – für alle Gruppen sehr hohe Überlebensraten. Der Medianwert der Randanalyse für den „kontinuierlichen Rand“ lag zwischen 95 und 82 %. Keine Unterschiede gab es weder am Übergang Keramik/Befestigungskomposit noch am Übergang zur Zahnhartsubstanz. Dennoch – das Frakturrisiko ist signifikant höher bei dünnen Veneers mit Präparationen vollständig oder partiell im Dentin. Besser schnitten Veneers ab, deren Präparation vollständig von Schmelz umschlossen war. Keinen Einfluss hatten Kompositrestaurationen, weder auf das Randverhalten noch auf die Frakturgefährdung der Veneers.

  • Abb. 6: Verschiedene Präparationsformen an einem oberen mittleren Schneidezahn.
  • Abb. 7: Die unterschiedlichen Keramik-Schichtstärken der Veneers. Bildquelle: © Hajto
  • Abb. 6: Verschiedene Präparationsformen an einem oberen mittleren Schneidezahn.
  • Abb. 7: Die unterschiedlichen Keramik-Schichtstärken der Veneers. Bildquelle: © Hajto

Smartphone-Videos räumen Preise ab

Das schon in den Vorjahren erfolgreiche Filmfestival der AG Keramik brachte mit der 3. Ausschreibung des Videofilmpreises im Jahr 2015 interessante Themen auf den Bildschirm. Eine Jury – bestehend aus Hochschullehrern, niedergelassenen Zahnärzten und Zahntechnikern – bewertete die eingereichten Kurzfilme und kürte die Sieger. Die prämierten Videos geben herausragende Tipps für die Versorgung mit vollkeramischen Veneers und Kronen.

  • Abb. 8 u. 9: Den 1. Preis des Video-Wettbewerbs erhielten Dr. Andrea Klink und ZA Hanno Hagen (Universität Tübingen). Bildquelle: © Klink, Hagen
  • Abb. 8 u. 9: Den 1. Preis des Video-Wettbewerbs erhielten Dr. Andrea Klink und ZA Hanno Hagen (Universität Tübingen). Bildquelle: © Klink, Hagen

Mit dem 1. Preis wurden die Zahnärzte Dr. Andrea Klink und Hanno Hagen (Universität Tübingen) für ihren Film „Ästhetische Versorgung mit Non-Prep-Veneers“ ausgezeichnet (Abb. 8 u. 9).

Der 2. Preis ging an das Autorenteam Frank Spitznagel, Alexander Vuck und Prof. Dr. Petra Gierthmühlen (Universität Freiburg) für das Thema „Aesthetic in a Day – digital vom Mock-up zum Veneer“.

Der 3. Preis wurde an Dr. Vincent Arnetzl, ZTM Robert Zuback und Prof. Dr. Gerwin Arnetzl (Universität Graz/Österreich) für den Beitrag „Evolution of Crowns“ vergeben.

Erprobte Tipps für präparationsfreie Veneers

Bisher zählten Non-Prep-Veneers noch zu den experimentellen Restaurationen. Im Sieger-Video zeigen die Autoren Klink und Hagen das klinische und technische Prozedere und weisen darauf hin, dass der klinische Erfolg der sehr dünnen, fragilen Keramikschalen in hohem Maße auch vom handwerklichen Können des Zahntechnikers abhängt. Ohne zu präparieren wird zu Beginn ein Wax-up modelliert, das als Mock-up in den Patientenmund überführt und dort vom Behandler und Patienten endgültig beurteilt wird. Die Non-Prep-Veneers können aus Silikatkeramik sehr dünn geschichtet oder gepresst werden (Abb. 10). Übergänge auf die Labialflächen müssen sehr dünn auslaufen, um den Chamäleoneffekt im Schmelz zu nutzen. Der unpräparierte Schmelz erfordert eine verlängerte Ätzzeit. Die Einprobe erfolgt mit Try-In Pasten, die auf das Befestigungskomposit abgestimmt sind (Abb. 11). Damit kann die endgültige Farbwirkung der Restauration beurteilt und verbindlich bestimmt werden. Das Risiko von Fehlplatzierungen kann dadurch beherrscht werden, dass Veneers mit gemeinsamen Approximalkontakten zeitgleich eingesetzt werden. Die geringe Schichtdicke beschränkt jedoch den Einsatz bei dunklen Zahnverfärbungen. Differenzen zwischen Zahnfarbe und Zielfarbe können mit Bleaching minimiert werden.

  • Abb. 10: Die Non-Prep-Veneers sind sehr dünn und eignen sich für Korrekturen von Zahnformen.
  • Abb. 11: Einprobe der Veneers mit Try-in Pasten, die das spätere Farbbild mit dem Befestigungskomposit zeigen. Bildquelle: © Klink, Hagen
  • Abb. 10: Die Non-Prep-Veneers sind sehr dünn und eignen sich für Korrekturen von Zahnformen.
  • Abb. 11: Einprobe der Veneers mit Try-in Pasten, die das spätere Farbbild mit dem Befestigungskomposit zeigen. Bildquelle: © Klink, Hagen

Digitales Wax-up verkürzt die Behandlung

Die zweitplatzierten Freiburger Video-Autoren zeigten eine ausschließlich digitale Vorgehensweise bei der Veneer-Versorgung einer Patientin mit hypoplastischen Frontzähnen. Anstatt eines aufwendigen, zahntechnischen Wax-up wurde für die Ästhetikanalyse und für die virtuelle Anprobe ein digital erzeugtes Wax-up auf dem Bildschirm modelliert und mit der anatomischen Situation des Patienten abgestimmt (Abb. 12-14). Das Veneer-Design wurde computergestützt als Mock-up aus Kunststoff gefräst. Die Anprobe am Patienten erlaubte eine Bewertung des angestrebten Behandlungsziels. Das Mock-up diente auch als Präparationshilfe für den minimalinvasiven Substanzabtrag zur Aufnahme der Veneers aus Lithium-Disilikat. Dieses computergestützte Verfahren erfordert gegenüber konventionellen Methoden weniger Aufwand, zeigt prospektiv das anvisierte Therapieziel und erfüllt alle Kriterien einer wirtschaftlichen Restauration.

  • Abb. 12: Patientin mit hypoplastischen Frontzähnen (Ausgangssituation).
  • Abb. 13: Vom digital erzeugten Wax-up wurden Kunststoffschalen als Mock-up gefräst und einprobiert. Der Substanzabtrag (Präp-Scan im Bild) wurde vom Platzbedarf des Mock-up als Präparationshilfe bestimmt.
  • Abb. 12: Patientin mit hypoplastischen Frontzähnen (Ausgangssituation).
  • Abb. 13: Vom digital erzeugten Wax-up wurden Kunststoffschalen als Mock-up gefräst und einprobiert. Der Substanzabtrag (Präp-Scan im Bild) wurde vom Platzbedarf des Mock-up als Präparationshilfe bestimmt.

  • Abb. 14: Die eingegliederten Veneers (regio 11-13, 21-23) nach der adhäsiven Eingliederung. Bildquelle: © Gierthmühlen, Spitznagel, Vuck
  • Abb. 14: Die eingegliederten Veneers (regio 11-13, 21-23) nach der adhäsiven Eingliederung. Bildquelle: © Gierthmühlen, Spitznagel, Vuck

Das mit dem 3. Platz prämierte Video „Evolution of Crowns“ aus Graz fokussiert auf die visuelle Patientenberatung vor Behandlungsbeginn und auf die virtuelle Einbindung des Zahntechnikers. Die digitale Intraoralabformung des defekten Zahns wird mit einer Software bearbeitet, sodass der Patient das spätere Ergebnis, die Keramikkrone, hinsichtlich Form und Ästhetik bewerten kann. Nach der Präparation erhält der Zahntechniker den Datensatz online zugesandt: Die Dokumente enthalten die Ausgangssituation, ein virtuelles Modell mit Präparation, den Gegenbiss, das statische und dynamische Bissregistrat, den biogenerischen Konstruktionsvorschlag und Daten zur Zahnfarbe. Damit kann der Zahntechniker das in der Planung festgelegte Design 1:1 umsetzen. Das computergestützte Verfahren sichert damit ein vorhersagbares Ergebnis, senkt den Zeitaufwand und spart Kosten.

Das Video – ein universelles Medium

  • Abb. 15: Das Smartphone ist das schnellste „Werkzeug“, um klinische und technische Tipps als Video zu erfassen. Bildquelle: © AG Keramik/Weber

  • Abb. 15: Das Smartphone ist das schnellste „Werkzeug“, um klinische und technische Tipps als Video zu erfassen. Bildquelle: © AG Keramik/Weber
Videos bringen uns die Umwelt näher. Spontan, schnell und aktuell kann dieses Medium für uns Notizbuch, Erinnerungsspeicher, Kontakter für Grußbotschaften, Dokumentationsfiles und vieles mehr sein. Ein Blick in Fortbildungsveranstaltungen von Zahnärzten und Zahntechnikern zeigt neuerdings, dass das Video – ob mit Smartphone oder handlicher Digitalkamera – zunehmend genutzt wird, um Referate, PowerPoint-Präsentationen, Factsheets, klinische und technische Prozedere sowie Produktinfos in Bild und Ton aufzunehmen und später zuhause auszuwerten. Damit wird der Videoclip zum Medium zur Vertiefung von Fachbotschaften (Abb. 15).

 

 


Weitere Informationen:

Die Einreichungsfrist für den Forschungspreis wurde bis zum 30. Juni 2016 verlängert. Auch Filme für den Video-Preis können bis zu diesem Datum eingereicht werden. 

Manfred Kern
Schriftführung Arbeitsgemeinschaft für Keramik in der Zahnheilkunde (AG Keramik)
E-Mail: info(at)ag-keramik.de
www.ag-keramik.de 

 

 

 

 


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