Gesellschaften/Verbände


Exponate der Meisterschule Halle (Saale) ins Museum gerettet

16.10.2017

Am 01. September 1955 war die einzige Meisterschule für Zahntechnik der damaligen DDR gegründet worden, am 30. Juni 2017 schloss sie ihre Türen. Sie war die zweitälteste in Deutschland, nach Stuttgart, und hatte der Fachwelt Außergewöhnliches geboten. Das Dentalhistorische Museum in Colditz rettete aus dem Bestand über 700 schriftliche Meisterarbeiten, eine riesige Diasammlung, Prüfapparate, eine interessante Bibliothek, bis 1863 zurückreichend, ... und – einzigartig – Moulagen von Gesichtern.

Als etwas Besonderes und Richtungsweisendes stellt sich dar, dass in Halle von Anbeginn an auf eine gemeinsame wissenschaftliche Zusammenarbeit rund um zahnärztliche und zahntechnische Themen Wert gelegt wurde. Man plante sogar an der Humboldt Universität in Berlin die Ausbildung zu Diplomzahntechnikern mit wissenschaftlichem Arbeiten. Selbst organisierte wissenschaftliche Tagungen begannen schon im Jahre 1956.

In den 1960er-Jahren erweiterten Dr. Eckart Ulrich und Dieter Zukunft, die Gründer dieser Schule, das Gebäude um ein modernes Materialuntersuchungs- und -prüflabor (Abb. 1), sodass mit den Meisterschülern Analysen durchgeführt werden konnten. Bis heute einmalig ist die Anfertigung einer Art Moulagen zu verschiedenen Anwendungen und Technologien im Zahntechnikerhandwerk (Abb. 2). Etwa 40 Schaukästen mit solchen Zeitzeugnissen von ganz besonderem Wert können nun in Colditz angeschaut werden. Ins Museum kamen u. a. zudem der Sonderdruck zum 10-jährigen Bestehen der Meisterschule und viele Schriftstücke, die die gesamte Zeit bis 1991 hervorragend dokumentieren. Dazu gehört auch die Zeitschrift „Zahntechnik“, von 1960 bis 1991 herausgegeben. Darüber hinaus fertigte ZTM Hans-Joachim Hantsche ab 1967 viele Replikate von historischem Zahnersatz und kieferorthopädischen Geräten an – etliche gingen in die Welt hinaus und befinden sich z. B. im Britischen Dentalmuseum in London.

  • Abb. 1: Dieser Apparat wurde 1963 von den Meisterschülern selbst entworfen und gebaut. Hiermit hat man verschiedene Dentalkunststoffe auf Dauerelastizität geprüft und somit die Langzeitqualität getestet. Die Forschungsergebnisse wurden in der Zeitschrift „Zahntechnik“ veröffentlicht.
  • Abb. 2: Die hier abgebildeten Moulagen sind um 1960 entstanden und zeigen die wichtigsten Mund-Kiefer-Situationen und die dafür zur Verwendung angezeigten Zahnformen. Die Moulagen sind sehr aufwendig gearbeitet und lassen das Einsetzen verschiedener Zahnformen zu den verschiedenen Gesichtstypen zu.
  • Abb. 1: Dieser Apparat wurde 1963 von den Meisterschülern selbst entworfen und gebaut. Hiermit hat man verschiedene Dentalkunststoffe auf Dauerelastizität geprüft und somit die Langzeitqualität getestet. Die Forschungsergebnisse wurden in der Zeitschrift „Zahntechnik“ veröffentlicht.
  • Abb. 2: Die hier abgebildeten Moulagen sind um 1960 entstanden und zeigen die wichtigsten Mund-Kiefer-Situationen und die dafür zur Verwendung angezeigten Zahnformen. Die Moulagen sind sehr aufwendig gearbeitet und lassen das Einsetzen verschiedener Zahnformen zu den verschiedenen Gesichtstypen zu.

Von Ilona Geigenüller-Roth und ihrem Mann wurde die Schule in den Jahren 1991 bis 1993 privat geführt, 1994 ging sie an die Handwerkskammer Halle zurück. Im November 2011 übernahm die Tochter die Leitung, bis am 30.06.2017 die Ära in der Heinrich-Heine-Straße 4 in Halle (Saale) zu Ende ging.

Das Gebäude befand sich in Privatbesitz und erfuhr einen privaten Besitzerwechsel mit Eigenbedarfskündigung. Bei zurückgehenden Anmeldungszahlen lehnte die Handwerkskammer eine Fortführung an anderer Stelle ab, auch das Angebot der Firma B & B Dentalservice GbR in Halle, zu gleichen Konditionen Räumlichkeiten zur Verfügung zu stellen, erbrachte keinen Stimmungswechsel.

Das Dentalhistorische Museum widmet der Meisterschule Halle (Saale) eine Dauerausstellung. Inhalt ist die umfassende zahntechnische Arbeit der Schule auf den Gebieten Prothetik, KFO, Epithetik, Musikerzahntechnik, Sport- und Künstlerzahntechnik. Die Exponate dokumentieren, wie bedeutend Halle einmal auf diesen Fachgebieten war. Lassen Sie sich überraschen im Kabinett „Zähne, Menschen und Kulturen“!


Weitere Informationen:

Dentalhistorisches Museum
Verein zur Förderung und Pflege des Dentalhistorischen Museum e. V.
ZTM Andreas Haesler
www.dentalmuseum.eu