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Impulsgeber für die Kieferorthopädie

Hundert Jahre Hans Peter Bimler (10.12.1916–28.06.2003)

23.02.2017

Im Dentalhistorischen Museum im sächsischen Colditz wurde punktgenau am 10. Dezember 2016 das „Bimler-Jahr“ eingeläutet. Prof. Dr. Hans Peter Bimler hinterließ der Nachwelt insbesondere zwei grundlegende Entwicklungen der Kieferorthopädie. Er erfand das Röntgen-Fotogramm als Ausgangspunkt für kephalometrische Analysen und den „Gebissformer“ als schonende Zahnspange. Auch heute noch arbeiten Zahnärzte und Zahntechniker in der ganzen Welt nach seinen Ideen.

Aktuell werden die weltweiten Bimler Laboratorien mit Stammsitz in Wiesbaden von Dr. Barbara Bimler, Zahnärztin, geführt. Es war vor allem ihr Verdienst, wichtige Teile des fachlichen Nachlasses ihres berühmten Vaters ins Dentalhistorische Museum zu holen (Abb. 1 u. 2). Jetzt kann jeder von nah und fern in die Sonderausstellung und das zentrale Dokumentationszentrum mit Publikationen zum Leben und Werk von Prof. Bimler im Haus der Bibliotheca Dentaria eintauchen. Vor allem in Südamerika, Kuba, Japan, China, den Philippinen, der Türkei und z. B. gleichermaßen in den USA wird die Bimler-Methode auch nach der Jahrtausendwende sehr geschätzt. Ihr kommt es auf die ganzheitliche Behandlung einschließlich Korrektur der Mundmuskelkräfte an. Im Vergleich zu anderen Methoden werden Selbstheilungskräfte zur Wachstumsanregung aktiviert [1, 2].

  • Abb. 1: Prof. Dr. Hans Peter Bimler im Jahr 1990.
  • Abb. 2: Diese Schautafel, die Prof. Bimler selbst angefertigt hat, zeigt die Einzelteile seines Funktionsreglers. Sie ist unter vielen anderen prägnanten Exponaten zum Werk des bedeutenden Kieferorthopäden im Dentalhistorischen Museum ausgestellt.
  • Abb. 1: Prof. Dr. Hans Peter Bimler im Jahr 1990.
  • Abb. 2: Diese Schautafel, die Prof. Bimler selbst angefertigt hat, zeigt die Einzelteile seines Funktionsreglers. Sie ist unter vielen anderen prägnanten Exponaten zum Werk des bedeutenden Kieferorthopäden im Dentalhistorischen Museum ausgestellt.

Hans Peter Bimler wurde vor 100 Jahren in Obernigk, Schlesien (heute polnisch: Oborniki ?l?skie), geboren. Im eigens aufgebauten Bimler-Zimmer des Museums befinden sich viele seiner persönliche Dinge, bis hin zur einzigartigen Dokumentation seiner Lebensleistung von den ersten Tagen an. Schon als junger Student experimentierte er in der väterlichen Praxis in Breslau und entwickelte 1936 die ersten Röntgen-Fotogramme. Dies sind Überlagerungen von Röntgenaufnahmen und passenden Fotos des Gesichts; beide werden auf einen lichtempfindlichen Film oder Fotopapier gelegt und einer Lichtquelle ausgesetzt. Bedingt durch den Krieg, seine britische Gefangenschaft in Belgien und den Zug der Familie nach Wiesbaden begann Bimler erst 1946 wieder, in der neuen väterlichen Praxis zu arbeiten. War Hans Peter Bimler zunächst HNO-Arzt, absolvierte er eine zahnmedizinische Zusatzausbildung, um kieferorthopädisch tätig zu sein. 1949 entwickelte er als erstes Gerät eine funktionskieferorthopädische Zahnspange und veröffentlichte in der Zahnärztlichen Welt einen ersten Artikel über seinen „Gebissformer“ [3]. 1953 gründete er zusammen mit seinem Vater in Wiesbaden die Bimler Laboratorien KG.

Weit mehr als 100 Veröffentlichungen folgten sowie 19 Mitgliedschaften und Ehrenmitgliedschaften in KFO-Fachgesellschaften Europas und Amerikas. 1989 wurde ihm von der Camilo Castelo Branco-Universität in São Paulo/Brasilien der Professor ehrenhalber verliehen. In seinem letzten Interview 2003 sagte Hans Peter Bimler über seine Arbeit: „Vielleicht wird in 100 Jahren die Korrelationsanalyse der einzige Überlebende der ganzen Bimler-Analyse sein. Es ist jedenfalls ihr originellster Teil“ (der originale Wortlaut liegt dem Dentalhistorischen Museum vor).

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Weitere Informationen:

Dentalhistorisches Museum
Verein zur Förderung und Pflege des
Dentalhistorischen Museum e. V.
ZTM Andreas Haesler
www.dentalmuseum.eu


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