Gesellschaften/Verbände


Jürgen Schwichtenberg hat schwere Aufgaben gestemmt


Nach sieben Jahren endete die Amtszeit von Jürgen Schwichtenberg als Präsident des Verbandes Deutscher Zahntechniker-Innungen (VDZI). In dieser Zeit hat der Osnabrücker Zahntechnikermeister wichtige Aufgaben angepackt. Am 10. Mai 2012 zog er vor der Presse Bilanz. Im Anschluss wählte die Jahres-Mitgliederversammlung, die in Bad Homburg zusammenkam, Zahntechnikermeister Uwe Breuer zum neuen Präsidenten.

  • Abb. 1: Jürgen Schwichtenberg vertritt die Philosophie, dass regelmäßige Wechsel an der Führungsspitze erforderlich sind. Deshalb stellte er sich nach zweieinhalb Amtsperioden nicht mehr zur Wahl. Die VDZIMitgliederversammlung, die nicht auf ihn verzichten wollte, ernannte ihn zum Ehrenpräsidenten. (Foto: Dr. Gisela Peters, Bad Homburg)

  • Abb. 1: Jürgen Schwichtenberg vertritt die Philosophie, dass regelmäßige Wechsel an der Führungsspitze erforderlich sind. Deshalb stellte er sich nach zweieinhalb Amtsperioden nicht mehr zur Wahl. Die VDZIMitgliederversammlung, die nicht auf ihn verzichten wollte, ernannte ihn zum Ehrenpräsidenten. (Foto: Dr. Gisela Peters, Bad Homburg)
Zunächst sei es ihm wichtig gewesen, erklärte Schwichtenberg (Abb. 1), neue Strukturen der Verbandsarbeit zu schaffen und die Beteiligungsmöglichkeiten bei der demokratischen Willensbildung zu erweitern. Auf seinen Vorschlag hin wurde ein viermal jährlich tagender „Hauptausschuss“ mit Partizipation aller Innungen ins Leben gerufen. Dies verbreiterte die Basis für das Einbringen von Ideen, das ausführliche Diskutieren und schließlich das Mittragen von Maßnahmen. Der Beginn von Schwichtenbergs Amtszeit 2005 wurde von so einschneidenden Ereignissen wie der Einführung von Festzuschüssen und dem gravierenden Schwund der Beschäftigten im Zahntechnikerhandwerk markiert, von einem Hoch 2004 mit 68.134 auf eine Zahl von 62.758 im folgenden Jahr(1). Schwichtenberg rückblickend: Sein persönliches Verdienst sehe er im homogenen Handeln und konkreten Umsetzen der Mitgliederbeschlüsse; das habe die Berufspolitik effizient vorangetrieben, gerade in schweren Zeiten.

Ein Daueranliegen: Zukunftsoptionen schaffen

Mit Engagement habe er sich für Zukunftsoptionen eingesetzt – angesichts der Einbrüche beim Personal, der unbefriedigenden Einkommensentwicklung und der Abnahme der Zahl an Auszubildenden im Zahntechnikerhandwerk. Lag hier der Wert 2004 noch bei 9.401, so waren es 2010 nur noch 6.211 (2).

„Ein hohes Anliegen war mir immer die Aus- und Fortbildung junger Menschen“, betonte Jürgen Schwichtenberg. „Der weithin demographisch bedingte Rückgang von Schulabgängern wird in den nächsten Jahren den Wettbewerb um den beruflichen Nachwuchs deutlich verschärfen.“ Deshalb müsse daran gearbeitet werden, die Ausbildungsvergütungen anzuheben und die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für das Zahntechnikerhandwerk entscheidend zu verbessern. Das niedrige Lohn- und Gehaltsniveau in der Zahntechnik werde „immer mehr zu einem erheblichen Wettbewerbsnachteil gegenüber anderen Branchen im Kampf um junge Fachkräfte“.

Es wurden Maßnahmen zum Gegensteuern ergriffen. So hat der VDZI zum Beispiel unter der Führung von Schwichtenberg gegenüber der Politik und den Krankenkassen „Vorschläge gemacht, wie die zahntechnischen Preise in einem angemessenen Verhältnis zur Inflations- und Kostenentwicklung anzupassen sind“. Diese Arbeit müsse der neue Vorstand fortsetzen, da die BEL-Initiative (bundeseinheitliches Leistungsverzeichnis für zahntechnische Abrechnungen) beim Gesetzgeber „leider noch kein Gehör gefunden“ habe. Die Attraktivität eines Berufs macht sich jedoch nicht allein am Einkommen fest: Daneben wird beobachtet, dass der Einsatz moderner Medien ebenfalls einen Anziehungspunkt darstellt. Schwichtenberg sagte dazu auf der Pressekonferenz (Abb. 2): „Es war uns deshalb ein großes Anliegen, für alle Auszubildenden, vor allem für jene, deren Ausbildungslabor keine CAD- und CAM-Technologie anbieten kann, eine überbetriebliche Ausbildung zu ermöglichen. In Zusammenarbeit mit dem Heinz-Piest-Institut für Handwerkstechnik wurde die neue ÜLU ZAHN4/11 mit dem Schwerpunkt CAD und CAM erarbeitet (3). Die ersten Kurse werden bereits seit März 2012 angeboten, weitere folgen im Laufe des Jahres.“ Eine flankierende Maßnahme zum Anwerben von Schulabgängern besteht in der Beteiligung an einer Ausbildungskampagne des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH) mit Plakataktionen in Schulen und an anderen geeigneten Orten (Abb. 3). Für seinen beharrlichen Einsatz und seine beachtlichen Verdienste ernannte die Mitgliederversammlung ihren bisherigen Vorsitzenden zum Ehrenpräsidenten des VDZI.

  • Abb. 2: Zur Sieben-Jahres-Bilanz des VDZI stellten sich der Presse (v.l.): Gerald Temme, VDZI-Öffentlichkeitsarbeit; Guido Braun, bisher schon Vorstandsmitglied und jetzt VDZI-Vizepräsident; VDZI-Generalsekretär Walter Winkler; der scheidende VDZI-Präsident Jürgen Schwichtenberg; der bisherige VDZI-Vizepräsident und neu gewählte Präsident Uwe Breuer sowie VDZIVorstandsmitglied Volker Rosenberger. (Foto: Dr. Gisela Peters, Bad Homburg)
  • Abb. 3: Jürgen Schwichtenberg stellte die neue Plakatkampagne vor, die bei Schulabgängern wieder mehr Interesse für das Zahntechnikerhandwerk wecken soll. (Foto: Dr. Gisela Peters, Bad Homburg)
  • Abb. 2: Zur Sieben-Jahres-Bilanz des VDZI stellten sich der Presse (v.l.): Gerald Temme, VDZI-Öffentlichkeitsarbeit; Guido Braun, bisher schon Vorstandsmitglied und jetzt VDZI-Vizepräsident; VDZI-Generalsekretär Walter Winkler; der scheidende VDZI-Präsident Jürgen Schwichtenberg; der bisherige VDZI-Vizepräsident und neu gewählte Präsident Uwe Breuer sowie VDZIVorstandsmitglied Volker Rosenberger. (Foto: Dr. Gisela Peters, Bad Homburg)
  • Abb. 3: Jürgen Schwichtenberg stellte die neue Plakatkampagne vor, die bei Schulabgängern wieder mehr Interesse für das Zahntechnikerhandwerk wecken soll. (Foto: Dr. Gisela Peters, Bad Homburg)

Erfahrener Berufspolitiker

Als einen der größten Erfolge seiner berufspolitischen Tätigkeit wertete Jürgen Schwichtenberg die Neufassung und Modernisierung des Ausbildungsrahmenplans für Zahntechniker in Zusammenarbeit mit Zahntechnikermeister Reinhold Röcker, Mitglied im Vorstand des VDZI. Nicht unerwähnt ließ Schwichtenberg seine politische Mitwirkung auf Europaebene. Von 1999 bis 2004 war er Vizepräsident des europäischen und internationalen Verbandes selbstständiger Zahntechniker (Fédération Européenne et Internationale des Patrons Prothésistes Dentaires – FEPPD), danach führte er diesen Verband, bis er zum Präsidenten des VDZI gewählt wurde. Außerdem hat Schwichtenberg wesentlich darauf hingewirkt, dass Beryllium aus Dentallegierungen verbannt wurde. Dies sah der VDZI-Expräsident mit Genugtuung.

Zahntechnik zwischen Schnäppchenjagd und Hightech-Qualität

Ein weiteres heißes Eisen, das Jürgen Schwichtenberg angefasst hat, heißt Korruption. Vor der Presse berichtete er: Der VDZI sei zurzeit zusammen mit der Bundeszahnärztekammer bestrebt, die mit dem Thema Korruption verbundenen diffizilen Fragestellungen zu diskutieren und gemeinsam zu klären. Dabei haben beide Organisationen die Neuregelung des § 73 Abs. 7 SGB V im Rücken. Dort ist zum Verbot der wirtschaftlichen Vorteilsnahme und Vorteilsgewährung im ärztlichen Berufsrecht seit Anfang dieses Jahres die Möglichkeit von Sanktionen hinzugekommen. Schwichtenbergs Kommentar: „Vieles von dem, was heute entweder vom Zahnarzt vom Labor gefordert, und vieles, was vom Labor aus Wettbewerbsgründen neben den beauftragten Leistungen ‚geliefert‘ wird, dürfte dem Verbot der Vorteilsnahme und Vorteilsgewährung nicht mehr standhalten.“ Der Aufruf des neuen Ehrenpräsidenten lautete: „Zahnärzte und Zahntechniker sollten diese Neuregelungen als Chance begreifen, die objektiv vorhandenen Auswüchse, wie sie im stärkeren Wettbewerbsdruck entstanden sind, auf allen Seiten zu beenden und damit den Markt wieder stärker an einem Qualitätswettbewerb zum Wohl der Patienten auszurichten.“

Gegen die „Billigmentalität“ und „Schnäppchenjagd“ müsse die hohe Versorgungsqualität gesetzt werden. Beide Berufsstände seien in der Pflicht, einen fairen Umgang miteinander zu pflegen und sich für Fachlichkeit und Qualität einzusetzen. Schwichtenberg erinnerte daran, dass der VDZI die Zahntechniker im Bemühen um die Qualitätssicherung mit der Dachmarke „Q“ unterstütze. Über 1.000 Innungsbetriebe haben sich seit der Einführung im November 2006 diesem Konzept angeschlossen und positionieren sich mit dem Versprechen, Kompetenz, Qualität und Sicherheit zu liefern.

Seine eigene Leidenschaft für seinen Beruf analysierend, fügte Jürgen Schwichtenberg hinzu: Die Zahntechniker gingen mit einer „schier unerschöpflichen Materialvielfalt“ um, setzten Hochtechnologie ein, seien kreativ und arbeiteten zum Wohle des Menschen. Sie könnten im Weltvergleich stolz auf ihre Leistung und hohe berufliche Qualifikation sein. Das sollte im Vordergrund stehen, nicht das Preis-Dumping.

Der VDZI verstärkt seine politische Präsenz – mit dem Berliner Büro

  • Abb. 4: VDZI-Generalsekretär Walter Winkler wird das neu geschaffene Berliner Büro leiten. (Foto: Dr. Gisela Peters, Bad Homburg)

  • Abb. 4: VDZI-Generalsekretär Walter Winkler wird das neu geschaffene Berliner Büro leiten. (Foto: Dr. Gisela Peters, Bad Homburg)
Auf die „prekäre Gehaltsentwicklung bei den Zahntechnikern“ zurückkommend, wies Schwichtenberg darauf hin, diese sei „sehr stark von der Politik verursacht“. Hier um mehr Gewicht bemüht, verkündete der Ex-Präsident einen zukunftsweisenden Beschluss: „Mit den Gesundheitshandwerken wird der VDZI unter dem Dach des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks die gemeinsamen Interessen stärker bündeln als bisher. Eine gemeinsame Anlaufstelle soll dabei sicherstellen, dass die Gesundheitshandwerke als Vertretung eines starken Mittelstandes mit über 25.000 Betrieben in Deutschland gegenüber der Politik noch nachdrücklicher Gehör finden.“

Deshalb hat die letzte Mitgliederversammlung 2011 grünes Licht für ein Berliner Büro des VDZI gegeben. Die Vertretung wird von Generalsekretär Walter Winkler (Abb. 4) geführt werden, der für den VDZI mit allen berufspolitischen Themen präsent sein wird. Das Ziel ist, die Zusammenarbeit mit den wirtschafts- und gesundheitspolitischen Entscheidungsträgern weiter zu verstärken und Positives für die Zahntechniker zu erreichen.

Schwichtenberg geht – Breuer kommt

  • Abb. 5: Der neu gewählte VDZI-Vorstand (v.l.): Thomas Lüttke, Vizepräsident Guido Braun, Präsident Uwe Breuer, Dominik Kruchen, Klaus Bartsch. (Foto: VDZI)

  • Abb. 5: Der neu gewählte VDZI-Vorstand (v.l.): Thomas Lüttke, Vizepräsident Guido Braun, Präsident Uwe Breuer, Dominik Kruchen, Klaus Bartsch. (Foto: VDZI)
Jürgen Schwichtenberg resümierte zum Abschluss seiner Rede, Berufspolitik sei ein interessanter Gestaltungsraum. „Sie lebt von immer neuen Ideen, guten Argumenten und von hohem Einsatz derjenigen, die sich dazu entscheiden. Sie muss sich aber auch stetig anpassen an neue und veränderte Rahmenbedingungen. Schon aus diesem Grund halte ich den regelmäßig stattfindenden personellen Wechsel der Führungsspitzen in freiwillig organisierten Verbänden für unverzichtbar und einen Ausdruck von Normalität. Daher war die Präsidentschaft für mich auch immer nur auf eine begrenzte Zeit angelegt.“ Ein Wechsel lasse neue Talente entdecken, die mit neuen Ideen neue Impulse setzen. Jetzt tritt der Obermeister der Zahntechniker-Innung Südbayern, Uwe Breuer, dazu an, der Politik des VDZI (Abb. 5) ihre Richtung zu geben.

Für Verbesserungen kämpfen

Breuer, mit Labor in Neuried bei München, war schon in den letzten drei Jahren Vizepräsident des VDZI. Seine dabei gewonnene Erfahrung wolle er in die Fortsetzung des konstruktiven berufspolitischen Kurses von Jürgen Schwichtenberg investieren. Als wesentliches Ziel für die vor ihm liegende dreijährige Amtszeit formulierte er: im vertrauensvollen Dialog mit der deutschen Zahnärzteschaft und den weiteren Partnern der Dentalbranche für die Sicherung der qualitätsorientierten Versorgungsstrukturen bei Zahnersatz durch die Verbesserung der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen der zahntechnischen Meisterbetriebe kämpfen.

Dr. Gisela Peters

 

Näheres zum Autor des Fachbeitrages: Dr. Gisela Peters

Bilder soweit nicht anders deklariert: Dr. Gisela Peters


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