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Luthers Leiden und die (Zahn-)Medizin im 16. Jahrhundert

14.11.2017

Bis zum 30. November 2017 kann man sich im Dentalhistorischen Museum in Zschadraß in die Zeit Martin Luthers versetzen lassen. Ist der Besucher, immer neugieriger werdend, im Hauptgebäude die 49 Stufen hinaufgestiegen, umfängt ihn das besondere Flair des unsanierten Dachbodens mit seinen alten Gerüchen.

Dort hinauf hat der Museumskurator ZTM Andreas Haesler mit seinen Helfern außergewöhnliche Exponate getragen, um die Medizin und Zahnmedizin von vor 500 Jahren wieder lebendig werden zu lassen. Zu sehen, ja, zu bewundern gibt es originale Holzschnitte, Schriftstücke sowie Instrumentarium und Objekte aus dem 16. Jahrhundert und auch Replika und Nachdrucke. Teils ist das Gesammelte zu nachempfundenen Szenen arrangiert, sodass man sich vorstellen kann, wie es damals zuging.

  • Dreiteiliger Zahnblock aus Bein geschnitzt, der dann mithilfe von Golddraht in der passenden Lücke an die vorhandenen Restzähne angebunden worden ist. Diese Technologie war in ganz Europa weit verbreitet. In Gräbern sind Schädel mit noch eingesetztem Zahnersatz dieser Art zu finden. Die Probleme sind natürlich offensichtlich: Das Material zersetzte sich und eine Reinigung war nur bedingt möglich. Man kann sich den faulenden Geruch sicher ungefähr vorstellen.
  • Ein erstes Mal wird 1518 von Walther Hermann Ryff, deutscher Apotheker oder Wundarzt und Verfasser medizinischer Schriften mit teils sehr hohen Auflagen, ein Holzstab mit umwickelten Leinenläppchen zur Nutzung bei der Zahnpflege genannt. „... und brauch ein rein zart Leinetüchlein umb ein höltzlin gewunden/und ein diesem Wasser genetzt/ und die Zän damit hart beribe ...“ Es ist noch keine Zahnbürste, doch wird hier erstmals ein Handinstrument beschrieben, welches zur Zahnreinigung diente. Bewusst entwickelte Ryff auch Reinigungsmittel für „Minderbemittelte“ (Arme): ein billig herzustellendes Zahnpulver. Zahnpflege sollte für alle möglich sein.
  • Dreiteiliger Zahnblock aus Bein geschnitzt, der dann mithilfe von Golddraht in der passenden Lücke an die vorhandenen Restzähne angebunden worden ist. Diese Technologie war in ganz Europa weit verbreitet. In Gräbern sind Schädel mit noch eingesetztem Zahnersatz dieser Art zu finden. Die Probleme sind natürlich offensichtlich: Das Material zersetzte sich und eine Reinigung war nur bedingt möglich. Man kann sich den faulenden Geruch sicher ungefähr vorstellen.
  • Ein erstes Mal wird 1518 von Walther Hermann Ryff, deutscher Apotheker oder Wundarzt und Verfasser medizinischer Schriften mit teils sehr hohen Auflagen, ein Holzstab mit umwickelten Leinenläppchen zur Nutzung bei der Zahnpflege genannt. „... und brauch ein rein zart Leinetüchlein umb ein höltzlin gewunden/und ein diesem Wasser genetzt/ und die Zän damit hart beribe ...“ Es ist noch keine Zahnbürste, doch wird hier erstmals ein Handinstrument beschrieben, welches zur Zahnreinigung diente. Bewusst entwickelte Ryff auch Reinigungsmittel für „Minderbemittelte“ (Arme): ein billig herzustellendes Zahnpulver. Zahnpflege sollte für alle möglich sein.

  • Johannes Stocker, Stadtarzt in Ulm, beschreibt 1513 in „Ad dolorem dentium“ („Zum Zahnschmerz“) erstmals die Verwendung von Amalgam zum Füllen eines vorbehandelten Lochs im Zahn. Stocker gab an: „Löse Vitriol mit einer starken Säure in der Schale und gib etwas Quecksilber zu. Dann koche dies, und das Quecksilber verwandelt sich in Amalgam und diese bringe in die Kavität des Zahnes und es härtet wie Stein und hält in jeder Kavität.“ Der abgebildete blau-grüne Stein ist ein Galitzenstein (Vitriol). Vitriole kommen als Oxidationsprodukte in sulfidischen Buntmetall-Erzlagerstätten vor. Hieraus wurde nach Johannes Stocker Chalkanthit (Kupfersulfat) in Säure herausgelöst. Wurde hiermit aus Quecksilber das Amalgam zubereitet, wurde es – noch heiß – in den kariösen Zahn gegossen.
  • Johannes Stocker, Stadtarzt in Ulm, beschreibt 1513 in „Ad dolorem dentium“ („Zum Zahnschmerz“) erstmals die Verwendung von Amalgam zum Füllen eines vorbehandelten Lochs im Zahn. Stocker gab an: „Löse Vitriol mit einer starken Säure in der Schale und gib etwas Quecksilber zu. Dann koche dies, und das Quecksilber verwandelt sich in Amalgam und diese bringe in die Kavität des Zahnes und es härtet wie Stein und hält in jeder Kavität.“ Der abgebildete blau-grüne Stein ist ein Galitzenstein (Vitriol). Vitriole kommen als Oxidationsprodukte in sulfidischen Buntmetall-Erzlagerstätten vor. Hieraus wurde nach Johannes Stocker Chalkanthit (Kupfersulfat) in Säure herausgelöst. Wurde hiermit aus Quecksilber das Amalgam zubereitet, wurde es – noch heiß – in den kariösen Zahn gegossen.

Zu der Zeit, in der Martin Luthers mutiger Aufbruch beginnt, beginnt auch der Aufbruch in die Moderne der Medizin und Zahnmedizin. Neugewonnenes stellt sich neben überkommene, teils gruselige Praktiken und wiederentdecktes medizinisches Wissen. Wer die Sonderausstellung im Dentalhistorischen Museum anschaut und auf die im vorliegenden Heft abgebildeten Exponate trifft, kann nachvollziehen, warum sich Luthers körperliche und seelische/psychische Leiden mit damaligen Mitteln kaum lindern oder heilen ließen.

  • Auf dem Dachboden des Dentalmuseums ist die wiederentstandene Praxis eines reisenden „Zahnarztes“ aus den Jahren um 1530 zu sehen. Dieser Rekonstruktion liegt das erste Büchlein zur Zahnheilkunde aus dem Jahr 1530 zugrunde: „Arzney Buchlein wider allerlei krankhyten und gebrechen der tzeen, ...“. In dieser ersten Ausgabe befindet sich ein Holzschnitt, der dem Museum mit anderem als Vorlage diente. Zusätzlich trug ZTM Andreas Haesler passende Bilder aus dem 16. Jh. zusammen und entwarf danach die dargestellte Werbefahne. In der damaligen Zeit konnten nur wenige Menschen lesen, so mussten sich reisende „Mediziner“ über solche Zeichensprache ankündigen. Da noch niemand von der Zahnheilkunde alleine leben konnte, musste alles mögliche andere angeboten werden. Laut dieser Fahne arbeitete der Behandler auf den Gebieten Würmer, Zahnleiden, Läuse und Bauchbeschwerden.
  • Alte Hausmittel gab es zu Luthers Zeiten noch viele, so auch dieses (hier zu Schauzwecken an einem extrahierten Zahn demonstriert): „Stochere mit einem neuen Nagel an den leidenden Zähnen, bis der Nagel blutig ist. Schlage ihn dann im Keller ein, wo keine Sonne noch Mond hinscheint. Das Zahnweh wird aufhören.“ Jetzt muss man nur noch daran glauben ... bzw. den Schmerz aushalten, bis der Nerv abgestorben ist, ob der Nagel nun im dunklen Keller hängt oder nicht.
  • Auf dem Dachboden des Dentalmuseums ist die wiederentstandene Praxis eines reisenden „Zahnarztes“ aus den Jahren um 1530 zu sehen. Dieser Rekonstruktion liegt das erste Büchlein zur Zahnheilkunde aus dem Jahr 1530 zugrunde: „Arzney Buchlein wider allerlei krankhyten und gebrechen der tzeen, ...“. In dieser ersten Ausgabe befindet sich ein Holzschnitt, der dem Museum mit anderem als Vorlage diente. Zusätzlich trug ZTM Andreas Haesler passende Bilder aus dem 16. Jh. zusammen und entwarf danach die dargestellte Werbefahne. In der damaligen Zeit konnten nur wenige Menschen lesen, so mussten sich reisende „Mediziner“ über solche Zeichensprache ankündigen. Da noch niemand von der Zahnheilkunde alleine leben konnte, musste alles mögliche andere angeboten werden. Laut dieser Fahne arbeitete der Behandler auf den Gebieten Würmer, Zahnleiden, Läuse und Bauchbeschwerden.
  • Alte Hausmittel gab es zu Luthers Zeiten noch viele, so auch dieses (hier zu Schauzwecken an einem extrahierten Zahn demonstriert): „Stochere mit einem neuen Nagel an den leidenden Zähnen, bis der Nagel blutig ist. Schlage ihn dann im Keller ein, wo keine Sonne noch Mond hinscheint. Das Zahnweh wird aufhören.“ Jetzt muss man nur noch daran glauben ... bzw. den Schmerz aushalten, bis der Nerv abgestorben ist, ob der Nagel nun im dunklen Keller hängt oder nicht.

  • Diese Rezeptur zur Zahnbehandlung ist noch in dem Büchlein „Zene Artzney“, Ausgabe von 1532, aufgeführt. Die sehr mittelalterlich anmutende Spülung kann wohl nur einen Placebo-Effekt gehabt und durch Zauberei gewirkt haben.
  • Diese Rezeptur zur Zahnbehandlung ist noch in dem Büchlein „Zene Artzney“, Ausgabe von 1532, aufgeführt. Die sehr mittelalterlich anmutende Spülung kann wohl nur einen Placebo-Effekt gehabt und durch Zauberei gewirkt haben.

 

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Weitere Informationen:

Dentalhistorisches Museum
Verein zur Förderung und Pflege des
Dentalhistorischen Museum e. V.
ZTM Andreas Haesler
www.dentalmuseum.eu


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