Gesellschaften/Verbände

Interview mit Uwe Breuer, Präsident des Verbandes Deutscher Zahntechniker-Innungen

Neue Technologien üben per se Anziehungskraft aus – wie stellt sich der VDZI dazu?

01.03.2013

Uwe Breuer, Präsident des VDZI
Uwe Breuer, Präsident des VDZI

Der VDZI stellt pointiert fest: Keine Technologie kann das Wissen und Können des Zahnarztes und des Zahntechnikermeisters ersetzen, auch nicht der Intraoralscanner. Um die neuen Technologien zum höchsten Nutzen für die Patienten zu führen, ist eine noch intensivere Zusammenarbeit zwischen Praxis und Labor erforderlich. Dabei profitieren die Zahnärzte von der zahntechnischen Kompetenz und Erfahrung, sie können sich darauf verlassen. Der VDZI unterstützt die Labore, den Qualitätsgedanken nach vorne zu tragen und damit ihre Stärke zu betonen.

Kein Zweifel: Neue Technologien – wie die Abformung per Intraoralscanner – sind für Patienten attraktiv. Aber so mancher Zahntechniker fühlt sich verunsichert. Wie sehen Sie, Herr Breuer, die Situation für die Labore?

Neue Technologien, wie auch die optische Abformung, verändern die Arbeitsabläufe in der Praxis und im zahntechnischen Labor und stellen immer eine Herausforderung dar, die nicht geleugnet, sondern angenommen werden muss. Keine Technologie kann aber das Wissen und Können des Zahnarztes und des Zahntechnikermeisters ersetzen und nicht jede Technologie ist schon ein Fortschritt oder rechnet sich. Seit jeher begleiten Zahntechnikermeister vor Ort die neuen Techniken und Lösungen mit ihrem Fach- und Anwendungswissen offensiv. Von dieser Erfahrung haben Zahnärzte einen hohen Nutzen, können sich darauf verlassen und sie für die Sicherung der hohen Versorgungsqualität gemeinsam einsetzen. Die optimale – patientenorientierte – Nutzung der neuen Technologien setzt daher nach Ansicht des VDZI eine noch intensivere fachprofessionelle Zusammenarbeit zwischen den beiden Spezialisten Zahnarzt und Zahntechnikermeister voraus. Die fachkompetenten Meisterlabore vor Ort stehen für diese Zusammenarbeit bereit. Die Gespräche des VDZI mit Vertretern der Industrie und mit Zahnärzten zeigen eindrucksvoll, dass der Zahntechniker stärker denn je als Wissensexperte in allen Fragen zahntechnischer Lösungen angesehen und gebraucht wird.

Was empfehlen Sie Laboren zur Nutzung der neuen Technologien?

Die digitalen Technologien sind ja mittlerweile ein integraler Bestandteil im Zahntechniker-Handwerk und nicht mehr aus dem Alltag der Labore wegzudenken. Jedes zahntechnische Meisterlabor muss allerdings individuell entscheiden, wie es neue Technologien sinnvoll in die eigenen Laborprozesse integrieren kann, auch und gerade um Investitionsruinen zu vermeiden. Wie bei allen technologischen Entwicklungen kann es in diesem Zusammenhang sinnvoll sein, dass sich Labore zusammenschließen, um beispielsweise navigierte implantologische Angebote und CAD/CAM-gefertigte Suprakonstruktionen anzubieten. Gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten kann die Mehrheit der Betriebe die Marktnachfrage über Kooperationsmodelle, zum Beispiel über die Bildung von Netzwerken, abdecken, ohne selbst in ein Gesamtsystem investieren zu müssen. Wichtig für alle Laborinhaber ist es, sich ein genaues Bild der technologischen Möglichkeiten zu machen. In dieser Hinsicht hat sich die Internationale Dental-Schau in Köln, die vom 12. bis 16. März stattfindet, als Leitmesse der Dentalbranche bewährt. Nach der Vorstellung der erweiterten Scannertechnologie vor zwei Jahren werden die Experten des VDZI in diesem Jahr besonders auf die einzelnen Interoralscanner-Systeme schauen und diese hinsichtlich ihrer Marktreife und dem Nutzen für Zahnersatz bewerten.

 

Wie können sich die deutschen Labore aus Sicht des VDZI im Markt positionieren?

In der täglichen Praxis stellen Zahnärzte und Zahntechniker fest, dass Zahnersatz für Patienten ein Medizinprodukt mit vielen Unbekannten ist. Auch Zahnärzte können nur durch Augenschein den Zahnersatz prüfen und verlassen sich ansonsten auf ihre guten Erfahrungen mit ihren Partnerlaboren. Der Praxisalltag zeigt, dass die Zahnersatzversorgung erheblich mehr ist als Scannen und Fräsen, wie man bei manchem industriellen Medienhype vermuten könnte. Von der Einzelkrone bis zur aufwendigen Implantatversorgung, von der eilbedürftigen Reparatur bis hin zur Versorgung von Handicap-Patienten – all dies bedarf wohnortnaher Strukturen und einer intensiven Zusammenarbeit zwischen Zahnarzt und Meisterlabor. Um dies deutlich zu machen, kann das branchenspezifische Qualitätssicherungskonzept QS-Dental mit der Marke Q_AMZ helfen, der zahntechnischen Leistung aus dem Meisterlabor der Innung eine nachprüfbare Qualitätsaussage für Zahnarzt und Patienten zu geben. Es gibt ja die Forderung zur „Koordinierung zwischen zahnärztlichen und zahntechnischen Maßnahmen“. Hier gibt die mittels QS-Dental umgesetzte Qualitätssicherung des Labors den Praxen eine wichtige Unterstützung. Diese sind schließlich seit Beginn des Jahres 2011 verpflichtet, ein dokumentiertes Qualitätsmanagement vorzuweisen. Außerdem betont das Produktzertifikat die Verantwortung des Zahntechnikermeisters für die Qualität jedes patientenindividuellen Zahnersatzes. In Bezug auf die Vermarktung seiner zahntechnischen Leistungen kann das QS-Dental geprüfte Meisterlabor auf verschiedenste Weise mit seiner Qualifikation werblich auftreten: angefangen mit der Verwendung des Markenlogos über die Herausgabe eines Produkt-Zertifikats bis hin zur Nutzung von Anzeigen-Layouts, Pressetexten und Werbemitteln, die der VDZI anbietet. QS-Dental und die hieraus entstandene und sich fortwährend weiterentwickelnde Marke für Qualitätszahnersatz positioniert die Innungslabore auch im internationalen Kontext und bietet Zahnarzt und Patient noch mehr Sicherheit.

Wenn wir uns dem zahntechnischen Ausbildungsberuf zuwenden: Wie sieht der VDZI die digitale Entwicklung im Hinblick auf Möglichkeiten, Erfordernisse und Fertigkeiten?

Die CAD/CAM-Fertigungstechnologie wird ihren Teil dazu beitragen, die Attraktivität des Zahntechnikerberufes bei den Schulabgängern zu steigern und den sich abzeichnenden Fachkräftemangel zu bewältigen. Denn neue innovative Technologien helfen, das Image des Zahntechnikers in der Öffentlichkeit zu verbessern und junge technologieaffine Menschen für diesen Beruf zu begeistern. Über das Instrument der überbetrieblichen Ausbildung hat der VDZI gemeinsam mit dem Heinz-Piest-Institut für Handwerkstechnik die sogenannte ÜLU ZAHN4/11 mit dem Schwerpunkt CAD und CAM erarbeitet. Diese überbetriebliche Lehrlingsunterweisung stellt in ihrem Unterweisungsplan sicher, dass jeder Auszubildende in diesen Technologien umfassend ausgebildet werden kann. Darüber hinaus bieten die Zahntechniker-Innungen gerade im Bereich der neuen Technologien für ihre Auszubildenden und Zahntechniker umfangreiche Aus- und Fortbildungsprogramme an.

Vielen Dank für das Gespräch, Herr Breuer!


WEITERE INFORMATIONEN

VDZI – Verband Deutscher Zahntechniker-Innungen
Gerbermühlstraße 9
60594 Frankfurt am Main
Tel.: 069 665586-0
Fax.: 069 556686-33
E-Mail: info@vdzi.de
www.vdzi.de


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