Gesellschaften/Verbände

Pressegespräch mit dem Präsidenten des VDZI, ZTM Uwe Breuer, anlässlich der diesjährigen Verbandstagung

Qualität – ein Merkmal der Leistungsfähigkeit des Zahntechniker-Handwerks

Engagiert und konzentriert: die Delegierten der diesjährigen Verbandstagung des VDZI. Bildnachweis: VDZI
Engagiert und konzentriert: die Delegierten der diesjährigen Verbandstagung des VDZI. Bildnachweis: VDZI

Die Delegierten des Verbands Deutscher Zahntechniker Innungen (VDZI) trafen sich am 24. und 25. Mai zu ihrer Jahrestagung in Bremen. Vor Beginn der Veranstaltung hatte die Fachpresse Gelegenheit, sich über Gegenwart und Zukunft der bundesweiten Innungsarbeit zu informieren. Neben dem VDZI-Präsidenten Uwe Breuer stand hierzu der VDZI-Generalsekretär Walter Winkler Rede und Antwort.

Uwe Breuer (Abb. 1) – vor einem Jahr auf dem Verbandstag in Bad Homburg zum VDZI-Präsidenten gewählt – zog ein Resümee seiner ersten zwölf Monate in diesem Amt und berichtete über berufspolitische Entwicklungen. Hierzu gehörten das neue bundeseinheitliche Leistungsverzeichnis (BEL), der elektronische Datenaustausch, die überbetriebliche Ausbildung sowie die bestehende Kooperation mit der European Association of Dental Technology (EADT) und die neue mit der Deutschen Gesellschaft für Orale Implantologie (DGOI). Ergänzend standen die Themen „Compliance“ (im Sinne von Vorteilsnahme und Vorteilsgewährung) sowie der berufspolitische Handlungsbedarf auf seiner Agenda zu diesem Gespräch (Abb. 2).

  • Abb. 1: Der VDZI-Präsident Uwe Breuer während des Pressegespräches. Bildnachweis: Jürgen Pohling, Hamburg
  • Abb. 2: Impression vom Pressegespräch in Bremen. Bildnachweis: VDZI
  • Abb. 1: Der VDZI-Präsident Uwe Breuer während des Pressegespräches. Bildnachweis: Jürgen Pohling, Hamburg
  • Abb. 2: Impression vom Pressegespräch in Bremen. Bildnachweis: VDZI

Das neue BEL: Aufträge unterscheiden, Abrechnungen vereinfachen

Uwe Breuer berichtete mit Freude, dass die Verhandlungen zum neuen Verzeichnis für zahntechnische Leistungen weitgehend abgeschlossenen sind, sodass dieses zum 01. Januar 2014 in Kraft treten kann. In ihm wurden die Leistungsbeschreibungen jetzt fachlich und abrechnungstechnisch konkret erfasst. Hierdurch können Labor und Zahnarztpraxis zwischen Regelversorgung und gleichartiger Versorgung besser unterscheiden, wodurch eine größere Abrechnungssicherheit entsteht.

Elektronischen Datenaustausch sichern

In der Zusammenarbeit von Praxis und Labor sind der elektronische Datenaustausch und die Sicherheit der hierüber wechselseitig mitgeteilten Informationen ein sensibles Thema. Zu häufig wird von Datenmissbrauch in vielen Fällen des Lebens berichtet, als dass die in Zahnmedizin und Zahntechnik Beteiligten den Sicherheitsaspekt im Datenaustausch unberücksichtigt lassen könnten.

Der VDZI arbeitet – zusammen mit der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung (KZBV) und dem Verband Deutscher Dentalsoftware-Unternehmen (VDDS) – seit Mitte des vergangenen Jahres verstärkt an Maßnahmen, mit denen Patienten-, Auftrags- und Abrechnungsdaten gegen Missbrauch geschützt werden. Dass diese Arbeit nicht trivial ist, zeigen die zu verhindernden Missbrauchsmöglichkeiten, wie Beschädigung, Verfälschung, Sammlung oder Auswertung der Daten. Gelöst werden soll diese Aufgabe durch ein Verschlüsselungsmodul, das in bestehende Dentalsoftware integriert werden kann. Nach den Worten des VDZI-Präsidenten „bleibt der elektronische Datenaustausch eine Daueraufgabe mit wachsenden Herausforderungen für alle Beteiligte“.

Qualität von Ausbildung und Fortbildung weiterentwickeln

Auch in dem wichtigen Bereich der Nachwuchsförderung war der VDZI aktiv. Zusammen mit dem Heinz-Piest-Institut für Handwerkstechnik entwickelte er eine überbetriebliche Ausbildung zur CAD/CAMTechnologie. Mit der auf das Kürzel ÜLU ZAHN4/11 lautenden Ausbildungsmaßnahme wird allen Auszubildenden das für diese Technologien notwendige Wissen vermittelt. Besonders erfreulich für den VDZI (und die Auszubildenden): Diese Ausbildung wird im Laufe dieses Jahres flächendeckend angeboten und weitgehend als obligatorisch angesehen.

Dass allein Basiswissen für eine erfolgreiche langjährige Berufsausübung nicht mehr ausreichend ist, wer wüsste es nicht. Deshalb besteht bereits eine Zusammenarbeit mit der EADT. Um die – nicht nur fachliche – Qualifikation der Zahntechniker weiter zu steigern und damit adäquater Partner für die Zahnärzte zu sein, hat der VDZI als Fachverband nun zusätzlich einen Kooperationsvertrag mit der DGOI geschlossen. Durch die hierdurch möglich gewordenen Fortbildungen und den Wissensaustausch allgemein soll die Versorgungsqualität weiter gesichert werden. Auch der diesjährige Internationale Jahreskongress der DGOI vom 19. bis 21. September in München, von VDZI und DGOI zusammen durchgeführt, ist Ausdruck dieses gemeinsamen Ziels: Im Tagesprogramm „Zahntechnik & Implantologie“ am 21. September halten Zahntechniker und Zahnärzte die Vorträge gemeinsam (siehe auch in diesem Heft, Rubrik „Termine“).

Versorgung von Handicap-Patienten optimieren

Die (Über-)Alterung der Gesellschaft ist auch für die Zahntechniker ein wichtiges und nicht zu vernachlässigendes Thema und so manches Labor hat sich schon eingehend mit der Geroprothetik beschäftigt. Der VDZI ist der Meinung, dass durch die Demografieveränderung eine besondere Form der Zusammenarbeit von Zahnärzten und Zahntechnikern erfolgen sollte, um eine Versorgung von älteren und/oder pflegebedürftigen Menschen optimal zu sichern. Die Arbeit der Zahnärzte entsprechend unterstützen zu wollen, habe der VDZI „der Zahnärzteschaft bereits signalisiert“, so Breuer. Der Verbandsmeinung nach könnten Kooperationsmodelle entstehen, mit denen eine „zahnmedizinische Versorgung vor Ort“ in besonderer Weise erzielt wird: Hierzu gehörten „kurze Wege“ und eine „sehr persönliche Zuwendungs- und Behandlungsorientierung“.

„Compliance“ einfordern

Ein Themenkomplex, der besonderes Fingerspitzengefühl erfordert, jedoch tabulos behandelt werden muss, ist der Bereich der „Compliance“ – des ethisch korrekten Verhaltens von Zahnarzt und Zahntechniker gegenüber Vorteilsgewährung und Vorteilsnahme. Wie der VDZI-Präsident Uwe Breuer unterstrich, gebe es hierzu sehr gute und vertrauensvolle Gespräche zwischen der Bundeszahnärztekammer (BZÄK) und dem VDZI.

In seinem Statement zum Pressegespräch betonte Uwe Breuer das „Ja zum Prinzip der Qualitätssicherung durch Qualifikation in der Zusammenarbeit von Zahnarzt und Zahntechnikermeister“. Dies ist, so der VDZI-Präsident, jedoch nur in einem fairen Wettbewerb möglich, bei dem Qualität und Leistungsfähigkeit Kriterien der Auftragsvergabe sind – und nicht etwa Anreize aus Vorteilsnahme oder Vorteilsgewährung.

Die zur Korruptionsbekämpfung zu ergreifenden Regelungen – freiwillig oder gesetzlich – sollten in jedem Fall die fachlich begründete enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen Zahnarzt und Zahntechniker berücksichtigen und dem Zahnarzt weiterhin eine freie Wahl seines Labor ermöglichen. Darüber hinaus sollten die Vorschriften so formuliert sein, dass sie eindeutig sind und keinen Spielraum für Interpretationen zulassen, durch die die Verbote von Vorteilsnahme und Vorteilsgewährung umgangen werden können.

Berufliche und unternehmerische Positionen verbessern

Für die vor ihm liegende zweite Amtsperiode als VDZI-Präsident hat Uwe Breuer für sich und seine Vorstandskollegen ein umfangreiches berufspolitisches Programm zusammengestellt. In einem Positionspapier sind Forderungen an „die Politik“ benannt, mit denen die Leistungsfähigkeit und der qualitätsorientierte Leistungswettbewerb des Zahntechniker-Handwerks gesichert werden sollen. Dieses Positionspapier stand auf der Delegiertentagung des VDZI (24. und 25. Mai) zur Diskussion und Verabschiedung.

  • Abb. 3: Der VDZI-Generalsekretär Walter Winkler. Bildnachweis: Jürgen Pohling, Hamburg

  • Abb. 3: Der VDZI-Generalsekretär Walter Winkler. Bildnachweis: Jürgen Pohling, Hamburg
Konkret formulierte der VDZI sechs Punkte zu diesen Themen: Mitwirkungsrechte bei Preisverhandlungen für Regelleistungen und Berücksichtigung der Inflations- und Kostenentwicklung, Erweiterung der Beteiligungsrechte im Gemeinsamen Bundesausschuss, Stärkung der Zusammenarbeit zwischen Zahnarzt und Zahntechnikermeister – ohne Einflussnahme durch Dritte –, Stärkung der Stellung des Zahntechnikermeisters für Qualitätssicherung und Patientenschutz, Verträge, die der Fachkompetenz der Vertragspartner entsprechen – ohne Einflussnahme durch Dritte – sowie Vertragsparität und Datensicherheit.

Politische Kontakte intensivieren

Eine besonders positive Nachricht stand am Ende des Pressegesprächs: Uwe Breuer und Walter Winkler (Abb. 3) berichteten, dass durch das im Oktober letzten Jahres bezogene VDZI-Hauptstadtbüro die bereits guten Kontakte zu nahestehenden Verbänden sowie zu Politikern weiter intensiviert werden konnten. Der jetzt in Berlin „vor Ort“ mögliche kurze, durchaus auch spontane Informationsaustausch wirke sich bereits positiv auf die Arbeit des VDZI aus.

Näheres zum Autor des Fachbeitrages: Jürgen Pohling

Bilder soweit nicht anders deklariert: Jürgen Pohling


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