Gesellschaften/Verbände


Vor und noch während Philipp Pfaffs Zeit: Der terrorisierte Patient

24.11.2016

Als das Dentalhistorische Museum im sächsischen Colditz daran ging, sich auf das „Pfaff-Jahr“ vorzubereiten, gelangte eine interessante Porzellanskulptur in seinen Bestand. Die Figurengruppe mit dem Titel „Dentist terrorisiert Patient“ war im Juni 2013 aus London ‚angereist’. Sie hat eine Größe von etwa 20 x 18 cm und stammt aus der Zeit um 1750. Schon vom Motiv her und aus der Entstehungszeit heraus war sie sehr willkommen – macht sie doch durch ihre bildnerische Gegensatz-Aussage das Bestreben von Philipp Pfaff (1713-1766) um so deutlicher, zu einer echten Zahnheilkunde in geordneten Bahnen und an der Wissenschaft ausgerichtet zu gelangen.

„Dentist terrorisiert Patient“ (Abb. 1) ist eine der vielen kleinen und großen sensationellen Objekte, die das Museum und Wissenschaftszentrum heute beherbergt. Fest steht, dass es sich hier um das einzige bekannte Stück dieser Ausformung einer Porzellanmanufaktur handelt, aus Frankreich oder Deutschland. Mit meinen Studien gehe ich eher davon aus, dass die Gruppe in Frankreich entstanden sein muss. Dieser Schluss liegt nahe, wenn man das Werk mit bekannten Stücken (Abb. 2) wie solchen von Johann Joachim Kändler, 1741, maßgeblicher Modelleur der Meißener Porzellanmanufaktur, und karikaturistischen bildlichen Darstellungen der Zeit vergleicht. Der einzige Hinweis auf die Herkunft ist ein mit blauer Farbe auf der Unterseite des Sockels gezeichnetes – gl – . Hier muss noch weiter geforscht werden. Die Porzellanskulptur befindet sich noch im unrestaurierten und nicht gereinigten Zustand. Es fehlen die oberen Glieder des kleinen Fingers an der linken Hand des Patienten, und leider ist ein Teil des Extraktionsinstrumentes abgebrochen. Dieses muss im Vergleich mit verschiedenen bildlichen Darstellungen dieser Zeit wie ein Geißfuß (Abb. 3) ausgesehen haben und soll zu einem späteren Zeitpunkt entsprechend restauriert werden.

  • Abb. 1: Als sensationell muss diese Porzellanfi gurengruppe im Dentalhistorischen Museum Colditz bezeichnet werden. Das Werk ist ein Original aus der Zeit Philipp Pfaffs und stellt, was nur sehr selten von Künstlern thematisiert wurde und wird, eine Zahnbehandlung dar.
  • Abb. 2: Fotografie einer Porzellanskulptur von Johann Joachim Kändler, 1741. Der Stil unterscheidet sich stark vom Werk „Dentist terrorisiert Patient“. Das Bild gehört zum Bestand des Dentalhistorischen Museums und stammt aus der Sammlung Siegfried Lorenz, Dresden. Kändlers Skulptur bildet im Rokoko-Stil eine Zahnextraktion auf dem Jahrmarkt nach. Der Patient befühlt die Extraktionsstelle. Der extrahierte Zahn in der Hand des Schaustellers ist durch seine Übergröße betont. Getreue Kopien dieser Skulptur sind heute noch erhältlich, da die Meißener Porzellanmanufaktur im Besitz der Originalformen zum Gießen ist.
  • Abb. 1: Als sensationell muss diese Porzellanfi gurengruppe im Dentalhistorischen Museum Colditz bezeichnet werden. Das Werk ist ein Original aus der Zeit Philipp Pfaffs und stellt, was nur sehr selten von Künstlern thematisiert wurde und wird, eine Zahnbehandlung dar.
  • Abb. 2: Fotografie einer Porzellanskulptur von Johann Joachim Kändler, 1741. Der Stil unterscheidet sich stark vom Werk „Dentist terrorisiert Patient“. Das Bild gehört zum Bestand des Dentalhistorischen Museums und stammt aus der Sammlung Siegfried Lorenz, Dresden. Kändlers Skulptur bildet im Rokoko-Stil eine Zahnextraktion auf dem Jahrmarkt nach. Der Patient befühlt die Extraktionsstelle. Der extrahierte Zahn in der Hand des Schaustellers ist durch seine Übergröße betont. Getreue Kopien dieser Skulptur sind heute noch erhältlich, da die Meißener Porzellanmanufaktur im Besitz der Originalformen zum Gießen ist.

  • Abb. 3: Replik eines „Geißfußes“, historisches – und von Patienten sehr gefürchtetes – Zahnextraktionsinstrument. Das Original aus dem 16. Jahrhundert befindet sich in der Sudhoffschen Sammlung in Leipzig. Das Dentalhistorische Museum konnte einen Abdruck nehmen. Die im Museum ausgestellte Replik besteht aus Silber mit Kunststoffgriff (ursprünglich: Silber mit Elfenbein). Der abgebildete Geißfuß ist ein besonders schönes und seltenes Objekt, da es die Namensgebung verdeutlicht.
  • Abb. 3: Replik eines „Geißfußes“, historisches – und von Patienten sehr gefürchtetes – Zahnextraktionsinstrument. Das Original aus dem 16. Jahrhundert befindet sich in der Sudhoffschen Sammlung in Leipzig. Das Dentalhistorische Museum konnte einen Abdruck nehmen. Die im Museum ausgestellte Replik besteht aus Silber mit Kunststoffgriff (ursprünglich: Silber mit Elfenbein). Der abgebildete Geißfuß ist ein besonders schönes und seltenes Objekt, da es die Namensgebung verdeutlicht.

Die dargestellten Personen, Patient und Zahnbrecher, lassen erahnen, wie es in der Zahnmedizin des Adels um 1750 zugegangen ist, Horror und Terror aus der Sicht des 21. Jahrhunderts. Zumindest ist ein gepolsterter Sessel vorhanden, alles andere unterscheidet sich kaum von dem, was das einfache Volk zu erwarten hatte. Wie im Gästebuch des Museums oft geschrieben steht: „Gut, dass wir heute leben“. Aber hierhin sind wir erst durch die Forschungen und Aufzeichnungen wie die des großen Philipp Pfaff gekommen. Er legte 1756 seine „Abhandlung von den Zähnen des menschlichen Körpers und deren Krankheiten“ vor, das erste deutsche Lehrbuch der Zahnheilkunde. Eine Zahnarztpraxis im Geist Pfaffs mit Original- Exponaten aus der Zeit um 1750 befindet sich im Dentalhistorischen Museum, Abbildungen wurden in den diesjährigen Kalender des Museums aufgenommen. 


Weitere Informationen:

Dentalhistorisches Museum
Verein zur Förderung und Pflege des
Dentalhistorischen Museum e. V.
ZTM Andreas Haesler
Im Park 9b · 04680 Colditz OT Zschadraß
E-Mail: dentalmuseum(at)gmx.de
www.dentalmuseum.eu


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