Industrie-Report

Systeme: Warum, wieso, weshalb, womit?

Die Welt des Galvanoformings: Teil 1

22.06.2020

Galvanogeformte Sekundärteile stellen eine High-End-Versorgung für herausnehmbaren Zahnersatz bei überschaubarem Aufwand und Kosten dar.
Galvanogeformte Sekundärteile stellen eine High-End-Versorgung für herausnehmbaren Zahnersatz bei überschaubarem Aufwand und Kosten dar.

Trotz hoher Edelmetallpreise ist Galvanoforming weiterhin aktuell und erfährt in letzter Zeit wieder steigende Popularität. In der Kombinationsprothetik oder auch in der Implantat-Suprakonstruktionstechnik – gleich ob mit Edelmetall-, Zirkoniumdioxid- oder NEM-Primärkonstruktionen gearbeitet wird – spielt diese Technik eine wichtige Rolle. Die hohe Passgenauigkeit, der adhäsive Effekt zwischen Primär- und Sekundärteil, das verschleißfreie Gleiten, die spannungsfreie Verbindung durch Verkleben, die effiziente Herstellung der Sekundärteile, aber auch das geringe Gewicht der Sekundärteile sind viele Vorteile, die modernes Galvanoforming mit sich bringt.

Gab es noch vor 15 Jahren zahlreiche Anbieter von Galvanogeräten auf dem Dentalmarkt, hat sich heute das Angebot deutlich gelichtet. Nur noch wenige Unternehmen haben in den vergangenen Jahren Zeit und Kosten investiert, um diese Technik weiterzuentwickeln und zu verbessern. Zudem haben einige negative Schlagzeilen über diese Technik die Hersteller abgeschreckt und letztlich dafür gesorgt, dass sie sich langsam aus diesem Geschäft zurückziehen. Die nicht immer konstante Qualität der galvanischen Abscheidungen, aber auch Fehler bei der Herstellung und Planung dieser Arbeiten haben dazu geführt, dass diese Technik zu Unrecht etwas vernachlässigt wurde.

Nicht so bei C.HAFNER und früher auch WIELAND, deren Verfahren systematisch weiterentwickelt wurden und bei denen ein optimales Galvanisierergebnis immer im Fokus der Bemühungen stand und steht.

Als Ergebnis dieser Bemühungen gibt es heute neben vielen Erfahrungswerten in der technischen Umsetzung eine deutlich bessere Qualität von Galvanokronen, was sich vor allem im Metallgefüge der Objekte und in einer deutlich höheren Härte (ca. 170 HV) zeigt.

Zwei Wege führen zum Ziel

Grundsätzlich existieren zwei unterschiedliche Galvanosystematiken, nämlich die kontinuierliche Ergänzung von Gold während des Abscheideprozesses oder das Ausarbeiten von Gold mit der Verringerung der Goldkonzentration im Bad. Industriell wird in der Regel immer mit der Ergänzung gearbeitet. Mit Ausnahme des Replenishing-Verfahrens (HELIOFORM) von C.HAFNER sind alle anderen Systeme am Markt nach dem gleichen Prinzip aufgebaut.

Helioform HF 700 heißt das „schicke“ und mit dem Design Award prämierte Galvanoforming-Gerät von C.HAFNER (Abb. 1). Galvanisiert wird in einem mit 24 Gramm Gold gesättigten Bad, zu dem das beim Galvanisieren verbrauchte Gold automatisch nachdosiert wird. Dieses sogenannte Replenishing-Verfahren (Nachdosieren) gewährleistet das Ausarbeiten von bis zu 28 Gramm Gold in einer immer gleichbleibenden, extrem hohen Qualität, ohne dass ein Anmischen oder Abmessen von Flüssigkeiten notwendig ist. Erreicht wird dieses Ergebnis durch die immer konstant gehaltene hohe Goldkonzentration während der gesamten Ausarbeitung. Beim anschließenden Badwechsel wird der alte Elektrolyt ersetzt und mit einem neuen Konzentrat das Gerät wieder befüllt.

Bei diesem Verfahren entfällt eine Restgoldabscheidung komplett, die bei allen anderen Systemen notwendig ist. Über eine Chipkarte wird korrekt abgerechnet, diese Karte geht mit jedem verbrauchten Bad an C.HAFNER zurück. Auf ihr ist jede einzelne Galvanisierung gespeichert. Außerdem erleichtert ein einfaches und komfortables Programmieren über ein übersichtliches Display die Bedienung des Gerätes. Wenige notwendige Systemkomponenten wie HF Silberleitlack, HF Spezialkunststoff zum Auffüllen der Kronen oder ein lichthärtender Abdecklack vervollständigen das System.

Das wichtigste Alleinstellungsmerkmal des Helioform HF 700 ist das Nachbestücken des Gerätes im laufenden Betrieb, was ein flexibles Arbeiten – bei Bedarf auch rund um die Uhr – gewährleistet. Gerade für Dentallabore, die im Jahr 50 oder mehr Gramm Galvanogold verarbeiten, ist dieses System die wirtschaftlichste Variante.

  • Abb. 1: Mit dem Helioform HF 700 ist ein großes Aufkommen an Galvanoteilen in höchster Qualität einfach und leicht zu bewältigen.
  • Abb. 2: Das AGC Micro Vision ist ein bewährtes Gerät für viele Galvanoanwender mit einem geringeren Aufkommen an Galvanoteilen.
  • Abb. 1: Mit dem Helioform HF 700 ist ein großes Aufkommen an Galvanoteilen in höchster Qualität einfach und leicht zu bewältigen.
  • Abb. 2: Das AGC Micro Vision ist ein bewährtes Gerät für viele Galvanoanwender mit einem geringeren Aufkommen an Galvanoteilen.

Großer und wesentlicher Unterschied der zweiten Galvanosystematik ist das Arbeiten mit nur einem Bad. Alle weiteren auf dem Dentalmarkt angebotenen Galvanogeräte arbeiten nach diesem Prinzip. Je nach Objektgröße und gewünschter Schichtstärke wird die Bad- bzw. Goldmenge bestimmt, die dann im Galvanisierprozess ausgearbeitet wird. Da bei diesem Vorgang nicht restlos alle Goldatome verarbeitet werden können, müssen diese anschließend mit einer Restgoldabscheidung zurückgewonnen werden. Seit Juli 2019 hat C.HAFNER das komplette Wieland AGC Galvanosystem von Ivoclar Vivadent übernommen. Das in den vergangenen Jahren kontinuierlich weiterentwickelte AGC Micro Vision Galvanogerät präsentiert sich in einem funktionalen und modernen Design (Abb. 2). Das Gerät ist mit einem menügesteuerten Display ausgestattet, das eine ebenso einfache und perfekte Bestückung für bis zu neun Teile ermöglicht.

Komplettiert wird das AGC System durch eine Reihe von notwendigen Komponenten wie Silberleitlack, Dubliersilikon oder auch Recycling Liquid. Je nach Wunsch kann dem Bad auch noch Härte- bzw. NEM-Aktivator hinzugegeben werden, um die Ergebnisse noch zu verbessern.

Im Gegensatz zum Replenishing-Verfahren des HF 700 Gerätes (Nachdosieren des Goldes) wird bei diesem System das Bad während des Galvanisierens mehr und mehr „verarmt“, was zu Abstrichen in der Abscheidequalität führen kann, insbesondere wenn Dosierfehler gemacht werden.

 Die Unterschiede auf einen Blick:

HF 700AGC Micro Vision
Bis zu 28 g ausarbeitbares Gold pro Bad8,75 g ausarbeitbares Gold pro Bad
Replenishing-Verfahren (Gold wird nachdosiert)Goldbad wird pro Durchgang abgemessen
Keine Restgoldabscheidung notwendigRestgoldabscheidung notwendig
Keine Zusätze notwendigHärte- oder NEM-Aktivator kann hinzugefügt werden
Gewichte der Teile auf Display ablesbarErmittlung der Gewichte über Referenzmodell
Abrechnung über Chipkarte
Objekte im laufenden Betrieb bestückbar und entnehmbar

Fazit

Mit den beiden Galvanosystemen HF 700 und AGC Micro Vision von C.HAFNER lassen sich viele Indikationen der Galvanoprothetik optimal abdecken und beide Systeme haben sich gut bewährt. Mit den Geräten können Galvanoteile gefertigt werden, die alle notwendigen mechanischen Eigenschaften erfüllen und auch jedem ästhetischen Anspruch gerecht werden (siehe Aufmacherbild).

Die zu verarbeitende Galvanogoldmenge im Dentallabor, aber auch individuelle Erfahrungen und Wünsche des Zahntechnikers entscheiden letztlich, auf welche Variante die Wahl fällt. Ohne Zweifel ist das HF 700 das wirtschaftlichste System, wenn man im Dental- oder Praxislabor häufig die Galvanotechnik benutzt.

Die nicht benötigte Restgoldabscheidung und der Verzicht auf Zugaben von Zusatzflüssigkeiten vereinfachen zusätzlich den gesamten Prozessablauf.

Das AGC Micro Vision ist für viele Anwender die beste und von den Ergebnissen ebenfalls zuverlässige Alternative, wenn entsprechend weniger Gold verarbeitet wird bzw. das System nicht so häufig zum Einsatz kommt.

In den kommenden Beiträgen dieser Serie wird sich ZT Uwe Rau mit diesen Themen beschäftigen: Haftmechanismus, Silberleitlack: Vor- und Nachteile, Zusatzmaterialien: Welche Auswirkungen haben nicht abgestimmte Materialien sowie Geräteprogrammierungen: Auswirkungen auf die Qualität.

Näheres zum Autor des Fachbeitrages: ZT Uwe Rau



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