Industrie-Report

IDS zeigte (auch) Produkte für die zahntechnische Handwerkskunst

Digital konzipiert – analog finalisiert

Waren Sie auch auf der IDS, die vom 12. bis 16. März in Köln stattfand? Dann gehörten Sie zu einem der über 160.000 Fachbesuchern aus über 166 Ländern. Und waren Sie auch „geflasht“ von dem Wahnsinnsangebot der Produkte, die von 2.327 Unternehmen aus über 64 Ländern präsentiert wurden? Dann wissen Sie, wie schwierig es ist, eine IDS-Nachlese zu schreiben, die „Wesentliches“ berücksichtigt – trotzdem soll es hier für den analogen Produktbereich versucht werden.

Ja, sie war wieder ein Mega-Event, die diesjährige IDS, auf der 5 Tage lang wieder Produkte für den „rundum glücklichen Arbeitsalltag“ für Praxis und Labor präsentiert wurden – die sich positiv auf den Therapieerfolg der Patienten auswirken sollen. Es waren natürlich die digitalen Angebote für Zahnarzt und Zahntechniker, die als Publikumsmagnet die Besucher anzogen und kaum ein Durchkommen an den Ständen zuließen, auf denen diese Produkte präsentiert wurden; ganz gleich, ob es Intraoralscanner oder 3D-Drucker waren.

Doch auch fern des digitalen Hypes gab es Produktpräsentationen vieler Hersteller/Anbieter, die ansehenswert waren, obwohl sie „nur“ auf die klassisch analoge Zahntechnik und deren Workflow – was im vor-digitalen Zeitalter „Arbeitsablauf“ hieß – ausgerichtet waren. Und auch hier war an manchen Ständen das Gedränge groß, weil namhafte Könner der Branche in Live-Demonstrationen mit edlen Instrumenten im richtigen Moment an richtiger Stelle Zervikal-, Dentin- und Schneidemassen ablegten – ob nun bei bredent, Creation Willi Geller, Dentaurum, Dentsply Sirona, VITA oder anderen. Gewusst wie! Und damit sind wir schon mitten im Geschehen der zahntechnisch-handwerklichen Kunst, die allerdings zunächst ganz profan beginnt: mit der Herstellung der Arbeitsunterlage. Denn die analoge Modellherstellung ist immer noch täglicher Startpunkt für die Anfertigung unterschiedlichster zahnprothetischer Rehabilitationen. Immer kommt es dabei auf eine hohe Präzision an. model-tray (Hamburg) lebt diese Modellanforderung seit seiner lange zurückliegenden Unternehmensgründung – und bleibt mit seinem „Modellherstellungssystem“ in Bezug auf Aktualität und Modernität „a Jour“ (Abb. 1). Weil dies so ist, erfreute sich der Stand regen Besuchs. Ebenfalls viel Erfahrung (nicht nur) im Bereich der Modellherstellung hat picodent (Wipperfürth), das seine Messe-Highlights pico-rock select – „die spürbar andere Modellmasse“ – und pico-arti new edition auf der IDS präsentierte (Abb. 2).

  • Abb. 1: Exakt reponierbare Modellsegmente – unverzichtbar für passgenaue Rehabilitationen.
  • Abb. 2: Modellmassen mit Abformmasse – adäquater Expansion sowie konturscharfem Kontrast – die Basis zahntechnischen Arbeitens.
  • Abb. 1: Exakt reponierbare Modellsegmente – unverzichtbar für passgenaue Rehabilitationen.
  • Abb. 2: Modellmassen mit Abformmasse – adäquater Expansion sowie konturscharfem Kontrast – die Basis zahntechnischen Arbeitens.

Dass sich Aligner einer großen Nachfrage erfreuen, ist nur allzu bekannt. Um diese in Tiefziehtechnik ökonomisch zu fertigen, hat Dreve (Unna) den Vacfomat V9 kreiert und vorgestellt (Abb. 3). Mit diesem Vakuum-Tiefziehgerät lassen sich bis zu neun Schienen in einem Tiefziehvorgang fertigen. Weil es mit diesem Gerät so schnell geht, wäre ein „Output“ von 108 Aligner- Rohlingen in einer Stunde möglich.

  • Abb. 3: Auch im Zeitalter des dentalen 3D-Drucks ist die Tiefziehtechnik noch „in“ – speziell für die Aligner-Fertigung.
  • Abb. 4: Ein zahntechnisch kenntnisreicher Blick auf die Schmelze reicht nicht, um „reproduzierbare“ Güsse zu erzielen – moderne Gießgeräte sind dafür beispielsweise mit Kamerasystem und Gießzeitpunktdokumentation ausgestattet.
  • Abb. 3: Auch im Zeitalter des dentalen 3D-Drucks ist die Tiefziehtechnik noch „in“ – speziell für die Aligner-Fertigung.
  • Abb. 4: Ein zahntechnisch kenntnisreicher Blick auf die Schmelze reicht nicht, um „reproduzierbare“ Güsse zu erzielen – moderne Gießgeräte sind dafür beispielsweise mit Kamerasystem und Gießzeitpunktdokumentation ausgestattet.

Für die Verarbeitung von Gusslegierungen stellte Bego (Bremen) die Weiterentwicklungen seiner Gießgeräte Fornax T, Nautilus T und Nautilus CC vor (Abb. 4). Mit Infrarotsensor (bei Fornax), Color-Touchdisplay und LAN- oder WLAN-Anbindung sowie Serviceportal-Einbindung zur Ferndiagnose (bei Nautilus) sind diese Geräte auch digital „State of the Art“.

An der Schnittstelle zwischen analog und digital befindet sich das vorgestellte Angebot von Dentsply Sirona (Bensheim), Kronen und bis zu achtgliedrige Brücken aus Edelmetall-Dentallegierungen per STL-Datenversand fräsen zu lassen. Der Kunde hat die Wahl zwischen den Legierungsklassikern Degudent U und Degunorm sowie den neueren Legierungen BiOcclus Kiss und Econolloy Au.

Dass sich mit der keramischen Presstechnik ästhetisch überzeugende Ergebnisse erzielen lassen, ist schon seit Ewigkeiten bekannt. Eine Renaissance dieser Werkstoffe wurde durch die zirkoniumdioxidverstärkte Lithiumdisilikatkeramik (ZLS) Celtra Press von Dentsply Sirona erreicht. Auf der IDS 2019 wurden für dieses High-End-Ästhetikmaterial mit MO1, MO2 und BL1 drei neue Farben vorgestellt – geeignet für vitale und leicht verfärbte präparierte Zähne (Abb. 5).

  • Abb. 5: Für die Restauration minimalinvasiver Präparationen oder für Non-Prep-Veneers sind Presskeramiken der Werkstoff der Wahl – ganz besonders dann, wen sich damit naturidentische Ergebnisse erzielen und High-end-Ästhetikansprüche erfüllen lassen.
  • Abb. 6: Aufeinander abgestimmte Press- und Schicht-Dentalkeramiken machen „ganzheitliche“ hochästhetische Ergebnisse möglich.
  • Abb. 5: Für die Restauration minimalinvasiver Präparationen oder für Non-Prep-Veneers sind Presskeramiken der Werkstoff der Wahl – ganz besonders dann, wen sich damit naturidentische Ergebnisse erzielen und High-end-Ästhetikansprüche erfüllen lassen.
  • Abb. 6: Aufeinander abgestimmte Press- und Schicht-Dentalkeramiken machen „ganzheitliche“ hochästhetische Ergebnisse möglich.

  • Abb. 7: Zähne in all ihren körperhaften und farblichen Nuancen naturidentisch imitieren – moderne Dentalkeramiken und zahntechnische Handwerkskunst macht es möglich.
  • Abb. 7: Zähne in all ihren körperhaften und farblichen Nuancen naturidentisch imitieren – moderne Dentalkeramiken und zahntechnische Handwerkskunst macht es möglich.

Aus der Vielzahl der Verblendwerkstoffangebote sollen hier, völlig wertfrei, die als IDS-Messeneuheit gezeigten Lithiumdisilikat-Rohlinge Creation LS Press (Abb. 6) und die dazugehörige Verblendkeramik Creation LS vorgestellt werden, die am wie immer überlaufenen Stand von Creation Willi Geller (Breckerfeld) präsentiert wurden. Auch Dentaurum (Ispringen) hatte keramisch Neues zu bieten, wie das ceraMotion One Touch Concept für die Charakterisierung monolithischer Lithiumdisilikat- und Zirkoniumdioxid-Restaurationen mit 2D- und 3D-Pasten. Von Kulzer (Hanau) wurde die Metallkeramik HeraCeram Saphir vorgestellt (Abb. 7). Eine Keramik, die mit opaleszenten Effekten die lichtdynamischen Eigenschaften des Zahnschmelzes imitiert. Neu auf dem deutschen Markt ist die von R-dental (Hamburg) vertriebene Verblendkeramik Art Oral by Klaus Müterthies – sie gibt es für Zirkoniumdioxid und Lithiumdisilikat (ZR) sowie für den klassischen Legierungsbereich (KM). VITA (Bad Säckingen) zeigte in diesem Segment als Labor-„Highlights“ die Keramikmalfarben VITA Akzent Plus Stains sowie das Verblendkomposit VITA VM LC flow.

Über eine Rot-weiß-Ästhetik wird meistens im Zusammenhang mit festsitzender implantatgetragener Zahnprothetik gesprochen – nicht aber, dass diese auch für die herausnehmbare (Total-)Prothetik bedeutsam ist. Mit „Pink the Gum“ nach ZTM German Bär stellte Shofu (Ratingen) auf der IDS Komponenten vor, mit denen eine naturnahe rote Ästhetik erzeugt werden kann (Abb. 8). Das Farbkonzept vereint „pastöse Ceramage Komponenten mit den viskosen Cermage UP Massen und den lichthärtenden Lite Art Malfarben.“

  • Abb. 8: Die naturnahe Nachbildung der Rot-weiß-Ästhetik macht die „ganze“ Prothetik aus und lässt sie harmonisch „wirken“ – weil Lachlinie, Zähne und Gingiva eine Einheit sind.
  • Abb. 9: Analoges Modellieren und Feinbearbeiten vergrößert sehen – für ermüdungsfreies Sehen und präzise Ergebnisse.
  • Abb. 8: Die naturnahe Nachbildung der Rot-weiß-Ästhetik macht die „ganze“ Prothetik aus und lässt sie harmonisch „wirken“ – weil Lachlinie, Zähne und Gingiva eine Einheit sind.
  • Abb. 9: Analoges Modellieren und Feinbearbeiten vergrößert sehen – für ermüdungsfreies Sehen und präzise Ergebnisse.

Um alle analogen Arbeiten präzise und augenschonend ausführen zu können, hat Renfert (Hilzingen) mit dem EASY view 3D ein ausgezeichnetes* 3D-Video-Mikroskop an seinem IDS-Stand prominent präsentiert (Abb. 9). Auch wenn das Gerät keine IDS- 2019-Neuheit ist: Mit dem *Innovationspreis Baden-Württemberg prämiert, ist es hier unbedingt nennenswert.

Unübersehbar viele Unternehmen und deren Produkte können hier nicht genannt werden. Ob Candulor, bredent, Briegel, Dentona, Flussfisch, Ivoclar Vivadent, GC, MPF, Primotec, Reitel, Schütz oder, oder, oder …. – sie alle stellten (auch) ihre Angebote für die analoge Zahntechnik prominent heraus. Für nur drei IDS-Besuchstage war es eine Angebotsfülle, die schwindlig machen konnte – wo hingehen, worauf verzichten, was verpassen – und die dazu führt, dass diese analog orientierte IDS-Nachschau wirklich nur ein ganz kleines IDS-„Flashlight“ sein kann. So bleibt es dem Zahntechniker-Lieferanten-Gespräch vorbehalten, über individuell interessierende „Highlights“ zu sprechen und technische Unterschiede auszuloten. Um dann bei Bewährtem zu bleiben oder Neues auszuprobieren – und so vielleicht das „Wesentliche“ der IDS 2019 für sich selbst zu entdecken.

Auf ein Wiedersehen 2021

Die nächste Internationale Dental-Schau ist für den 09. bis 13. März 2021 terminiert und findet wieder in Köln statt. Schon jetzt ist klar, dass sich bis dahin digitale dentale Verfahren weitere zahntechnische Fertigungsbereiche erobert haben werden. Ebenso klar ist aber, dass auch dann noch die Dentalprodukte einen hohen Stellenwert haben, die von Zahntechnikern nach allen Regeln der zahntechnisch-handwerklichen Kunst analog patientenindividuell be- und verarbeitet werden. Das ist so gut wie sicher!  

Näheres zum Autor des Fachbeitrages: Jürgen Pohling


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