Industrie-Report

Klassiker der Zukunft

Gold – der gerade Weg zum zufriedenen Patienten

Abb. 1: Typische Legierungsplättchen.
Abb. 1: Typische Legierungsplättchen.

Der Werkstoffmix in der Zahntechnik hat sich in den vergangenen Jahren verschoben, wobei Vollkeramik und Nichtedelmetall eine größere Bedeutung gewannen. Dabei stellen Versorgungen mit Gerüsten aus hochgoldhaltigem Edelmetall einen sicheren Weg zu zufriedenen Patienten dar.

Wie kein anderes Material können hochgoldhaltige Legierungen eine jahrzehntelange, klinisch belegte Erfolgsgeschichte vorweisen [1-4] – ein Grund, weshalb nach wie vor viele Labore einen großen Teil ihrer Arbeiten mit hochgoldhaltigen Legierungen bestreiten (Abb. 1 u. 2). Neben der bewährten Sicherheit sprechen die Stabilität bei gleichzeitiger Elastizität sowie die einwandfreie biologische Verträglichkeit für diese Materialklasse.

Von der persönlichen Einschätzung zur klinischen Evidenz

  • Abb. 1-2 u. 4-8: © DeguDent, Hanau Abb. 2: Eine klassische Edelmetalllegierung wird in einer Induktions-Vakuumdruckguss-Einheit (Degutron eco, DeguDent) aufgeschmolzen.

  • Abb. 1-2 u. 4-8: © DeguDent, Hanau Abb. 2: Eine klassische Edelmetalllegierung wird in einer Induktions-Vakuumdruckguss-Einheit (Degutron eco, DeguDent) aufgeschmolzen.
Zahnärzte, die es stets genau nehmen und Stumpfpräparationen grundsätzlich unter dem Mikroskop vornehmen, wissen es aus Erfahrung: Mit hochgoldhaltigen Legierungen schaffen sie, in Zusammenarbeit mit dem Labor, einen wirklich engen Randschluss – unübertroffen von anderen Gerüstwerkstoffen. Und dieser Übergang zwischen Restauration und natürlicher Zahnhartsubstanz stellt für den Patienten eine bedeutende Schnittstelle dar. Denn hier entscheidet sich, ob Sekundärkarieserreger eine Nische finden oder nicht. Darüber hinaus schätzen Patienten den hohen Tragekomfort, der sich auf die zahnähnliche Härte hochgoldhaltiger Legierungen zurückführen lässt. Speziell bei morphologischen Goldkauflächen bleiben Antagonisten und Nachbarzähne geschont, die Bruchgefahr minimiert. Selbst kleine Schwachstellen bei ansonsten funktionell nicht ganz optimalem Restgebiss lassen sich auf diese Weise ausgleichen, wie etwa Hindernisse bei den Laterotrusionsbewegungen oder generell bei der dynamischen Okklusion. In Verbindung mit der Eigenschaft der chemischen Inertheit wird Gold, gemeinsam mit Zirkoniumdioxid (z. B. Cercon base und Cercon ht, DeguDent, Hanau), zu einem unübertroffen bioverträglichen Werkstoff.

In den vorstehenden Zeilen stecken viele persönliche Erfahrungen von Zahnärzten und Patienten. In diesem Jahrhundert haben verschiedene Langzeituntersuchungen sie auf ein höheres Evidenzniveau gehoben. Beispielhaft seien die herausstechenden Studien aus Dresden erwähnt [1, 2]. Dort hat die Arbeitsgruppe um Prof. Dr. Bernd Reitemeier 480 eingegliederte Metallkeramik- Einheiten im klassischen WAK-Bereich über eine Tragedauer von bis zu sieben Jahren beobachtet. Das wesentliche Ergebnis: Ein Versagen der Verblendkeramik wurde lediglich bei einem halben Prozent der Restaurationen festgestellt – und das war auch schon der häufigste Grund für Misserfolge.

Diese Resultate bekommen dadurch eine besonders hohe Praxisrelevanz, dass die Untersuchung auf Behandlungen durch zehn niedergelassene Zahnärzte in der eigenen Praxis fußt. Für die zugehörige statistische Auswertung zeichnete das Universitätsklinikum Dresden in Zusammenarbeit mit dem Institut für Statistik in München verantwortlich. Verwendet wurden vier klassische hochschmelzende Aufbrennlegierungen.

Eine metallkeramisches System aus dem niedrigschmelzenden WAK-Bereich (GoldenGate System, DeguDent) haben Prof. Dr. Thomas Kerschbaum, Köln, und seine Mitarbeiter intensiv studiert [3]. Dabei werteten sie die Patientenkartei einer Praxis mit Praxislabor aus. Besonders beeindruckt hier die lange Spanne, in der die betreffenden Restaurationen unter Beobachtung blieben – bis zu 9,5 Jahre. Bei Studienabschluss waren noch 99 % aller Versorgungen in situ.

Fazit pro Gold, und doch: Im Markt bläst der Wind von vorn

Sowohl für hochschmelzende (z. B. Degudent U) wie auch für niedrigschmelzende Aufbrennlegierungen (z.B. Degunorm) zeigte sich die hohe Sicherheit metallkeramischer Systeme mit hochgoldhaltigen Legierungen. Weitere Untersuchungen haben die Forscher immer wieder bestätigt [4]. So deuten z. B. auch die Studienergebnisse von Terry R. Walton [2] für hochgoldhaltige Legierungen mit ihren noch längeren Beobachtungszeiten in dieselbe Richtung: Gold bildet eine hervorragende Grundlage für geringe Ausfallraten. Über einen Zeitraum von über zehn Jahren liegen demnach die technischen Erfolgsquoten bei über 95 % und nach 25 Jahren bei über 85 %.

Trotz der hohen klinischen Evidenz für „Gold + Keramik“ haben in den vergangenen Jahren vor allem Zirkoniumdioxidkeramik und Nichtedelmetall Rückenwind bekommen. In Österreich belegt Kobalt-Chrom schon seit mehreren Jahren unbestritten Platz 1 mit weit über 50 % Marktanteil [5]. Hierzulande ist es inzwischen ähnlich: 60 % NEM, 20 % Edelmetall, 10 % Zirkoniumdioxid, 10 % Glaskeramik [6]. Zuweilen wird es in der digitalen Welt gar als mutig empfunden, wenn jemand Edelmetall in den Mittelpunkt rückt, selbst wenn es viele Zuhörer seines Fachvortrags respektive Leser als geradezu wohltuend empfinden. Denn es bleibt dabei: Hochgoldhaltige Legierung lassen sich gut formen und finieren, wobei sie im Vergleich mit jedem anderen Material als Sieger vom Platz gehen. Zahnärzte merken das v. a. bei Teilkronen, Inlays oder Onlays. Die leichte Bearbeitung und die einfache Zementierung (ohne Kofferdam!) macht das vermeintlich teure Gold dabei auch zu einem besonders wirtschaftlich einsetzbaren Material. Dieses oder ein ähnliches Feedback vom Zahnarzt-Kunden kennt praktisch jedes Labor, und Patienten mit guter EMErfahrung bleiben ohnehin gern bei diesem Werkstoff [7]. Und bei Geschieben, Teleskopprothesen, Doppelkronen und zahlreichen Implantatkonstruktionen (z. B. mit Riegeln) erweisen sich die Gleiteigenschaften von hochgoldhaltigem Edelmetall als „Gold wert“ (Abb. 3 u. 4).

  • Abb. 3: Hier wird der Vorteil für Edelmetall gut sichtbar. Der entsprechende Unterzungenbügel aus Zirkoniumdioxidkeramik würde in der Mitte eine Stärke von 2,5 mm, zum Rand hin von 2 mm aufweisen (wie realisiert von Schneucker T, Hommel H, Hillmann E. Vollkeramischer Cercon-Transversalbügel. dental-praxis 2006;12,3-4:83-94). © Dr. Christian Ehrensberger, Frankfurt
  • Abb. 4: Sechsgliedrige implantatgetragene Suprastruktu.
  • Abb. 3: Hier wird der Vorteil für Edelmetall gut sichtbar. Der entsprechende Unterzungenbügel aus Zirkoniumdioxidkeramik würde in der Mitte eine Stärke von 2,5 mm, zum Rand hin von 2 mm aufweisen (wie realisiert von Schneucker T, Hommel H, Hillmann E. Vollkeramischer Cercon-Transversalbügel. dental-praxis 2006;12,3-4:83-94). © Dr. Christian Ehrensberger, Frankfurt
  • Abb. 4: Sechsgliedrige implantatgetragene Suprastruktu.

Nicht immer, aber immer wieder und das langfristig

So dürften sich mittelfristig Gleichgewichte in einem dreigeteilten Markt einpendeln: a) preisorientierte Varianten unter Verwendung von Nichtedelmetall, b) vollkeramische Frontzahnkronen und c) Metallkeramik mit hochgoldhaltigen Legierungen im Seitenzahnbereich. Dabei ist hier auch die Alternative des transluzenten „Premium-Zirkoniumdioxids“ (beispielsweise Cercon ht) zu erwägen. Im Gegenzug kann Metallkeramik im Frontzahnbereich die bessere Wahl sein, etwa bei stark verfärbten Stümpfen und nach endodontischer Behandlung unter Verwendung durchscheinender Stiftaufbauten.

Aus der Perspektive der Bioverträglichkeit bleibt das Thema „Materialreduzierung“ ein Dauerbrenner (Abb. 5 u. 6). Im Bereich Vollkeramik beginnen sich jetzt kombinierte Varianten zu etablieren (z. B. Zirkoniumdioxid + zirkoniumdioxidverstärktes Lithiumsilikat).

  • Abb. 5 u. 6: Ein Werkstoff- und Therapiekonzept, das die Materialvielfalt im Patientenmund deutlich reduziert – z. B. von 13 Legierungen auf eine einzige: Degunorm.
  • Abb. 7: Im wahrsten Sinne des Wortes multiindikativ – Metallverblendkeramik, hier als System-Brückenrestauration mit Geschiebe.
  • Abb. 5 u. 6: Ein Werkstoff- und Therapiekonzept, das die Materialvielfalt im Patientenmund deutlich reduziert – z. B. von 13 Legierungen auf eine einzige: Degunorm.
  • Abb. 7: Im wahrsten Sinne des Wortes multiindikativ – Metallverblendkeramik, hier als System-Brückenrestauration mit Geschiebe.

  • Abb. 8: Mit Gold: Therapie- und Werkstoffkonzept für ein ganzes Leben. Die Indikationen des GoldenGate Systems reichen von der klassischen Kronen- und Brückenprothetik bis zur komplexen Implantatprothetik.
  • Abb. 8: Mit Gold: Therapie- und Werkstoffkonzept für ein ganzes Leben. Die Indikationen des GoldenGate Systems reichen von der klassischen Kronen- und Brückenprothetik bis zur komplexen Implantatprothetik.

Für Restaurationen aus keramikverblendeten hochgoldhaltigen Legierungen hat sich das von Kerschbaum et al. untersuchte Werkstoff- und Therapiekonzept seit über zwanzig Jahren bewährt [3, 4]. Es steht generell zur multiindikativen Verwendung im Bereich der festsitzenden Versorgungen bereit (Abb. 7 u. 8) – mit Ausbaustufen zu kombiniert-herausnehmbaren Versorgungen [8].

Für Spezialaufgaben bereichern Biolegierungen für sensible Patienten oder für solche, die aus anderen Gründen auf Kupfer und Palladium lieber verzichten möchten, das Spektrum (z. B. BiOcclus, DeguDent). Für unverblendeten oder Kunststoff-verblendeten Vollguss, Modellguss und Suprastrukturen gibt es nach wie vor die bewährten hochgoldhaltigen Gusslegierungen, daneben auch ähnliche, aber palladiumfreie Zusammensetzungen (z. B. BiO Degulor M, DeguDent). Die Auswahl ist groß – zu groß, möchte man sagen, für ein reines Nischendasein. Hochgoldhaltige Legierungen sind Teil der zahntechnischen Zukunft und werden noch sehr lange den sicheren Weg zum zufriedenen Patienten weisen.

Näheres zum Autor des Fachbeitrages: Dr. Christian Ehrensberger

Bilder soweit nicht anders deklariert: Dr. Christian Ehrensberger



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