Industrie-Report

Komet-Broschüre von Azubis für Azubis

LEHRGUT: Überlebenstipps fürs Zahnlabor

Beim Treffen in Lemgo präsentierten die Macher der erfolgreichen Azubi-Broschüre ausgewählten Pressevertretern exklusive Einblicke in das Making of.
Beim Treffen in Lemgo präsentierten die Macher der erfolgreichen Azubi-Broschüre ausgewählten Pressevertretern exklusive Einblicke in das Making of.


Zur IDS im März dieses Jahres präsentierte Komet eine neue Azubi-Broschüre für das Zahntechnikerhandwerk. Das Besondere: Sowohl Konzeption als auch Inhalte stammen von Auszubildenden. Unter dem Motto „Making of Azubi-Broschüre“ lud Komet am 26. Juli 2017 einige ausgewählte Pressevertreter nach Lemgo ein, um über das Entstehen der erfolgreichen Broschüre zu sprechen und mit den „Machern“ der Broschüre sowie Vertretern von Komet persönlich zu diskutieren.

Entstanden ist die Idee einer Azubi-Broschüre beim Betrachten der vorhandenen Anwendungshilfen und Produktinformationen. Alle Unterlagen sind technisch orientiert und enthalten sehr viele Informationen. Was es bis dato aber noch nicht gab, war eine Broschüre von Azubis für Azubis. Das Ziel war es, mit der neuen Broschüre die eigentliche Zielgruppe – die Azubis – bereits in der Ausbildung abzuholen und ihnen einen Leitfaden an die Hand zu geben, der ihnen die Arbeit erleichtert und den „richtigen“ Weg aufzeigt, im Sinne von: „Mit dem Werkzeug (…) und der Drehzahl (…) erreichst Du das optimale Ergebnis.“

„Lehrgut“ sollte zudem grafisch ansprechend, jung und frisch auftreten und mit vielen nützlichen Tipps & Tricks aus der Praxis die Ausbildung erleichtern.

Zahntechnik – ein echt verdammter Lieblingsberuf

Hinsichtlich der praktischen Umsetzung erschien es naheliegend, eine Broschüre, die sich an Azubis richten soll, auch maßgeblich von Azubis selbst mitgestalten zu lassen. Stellvertretend für die Zielgruppe wurden zwei Zahntechniker-Azubis aus gewerblichen Laboren und zwei Azubis aus dem Hause Komet Anfang Juni 2016 zu einem Kick-off-Meeting nach Lemgo eingeladen. Bevor es an das eigentliche Thema und Fragen zum Inhalt und Konzept der Broschüre ging, berichteten Skye Thurlow (Dentaltechnik Lutz Tamaschke, Berlin) und Roman Schömer (Christian Lang Zahndesign, Köln/Hürth) erst einmal ausführlich vom zahntechnischen Alltag eines Azubis mit all seinen Schwierigkeiten und Problemen, nicht jedoch ohne – fast im gleichen Atemzug – die schönen Seiten ihres Berufes deutlich und glaubhaft hervorzuheben. Ohne Leidenschaft ginge gar nichts, da waren sich beide einig: zu wenig Geld bei zu viel Arbeit und „die große Schwester der Stunde – die Überstunde“ immer mit im Gepäck. Dennoch – im Kopf geblieben ist ihre Begeisterung, handwerklich kreativ sein zu können, etwas Neues und Schönes zu erschaffen und am Ende des Tages Menschen zu helfen. Und eben diese Leidenschaft und der Spaß am Beruf spiegeln sich auf jeder Seite dieser Broschüre wider und lassen so den Smiley auf der ersten Doppelseite – im Zusammenhang mit der fortgeschrittenen nächtlichen (Über-)Stunde – fast schon glaubwürdig erscheinen.

Print oder digital?

  • Sie waren von der Idee bis zur gedruckten Broschüre mit federführend (v. l.): Skye Thurlow, Roman Schömer und Sarah Brandt. Nicht im Bild: Christina Reil-Miralles.

  • Sie waren von der Idee bis zur gedruckten Broschüre mit federführend (v. l.): Skye Thurlow, Roman Schömer und Sarah Brandt. Nicht im Bild: Christina Reil-Miralles.
Die erste große Frage, die zu Beginn grundsätzlich zu klären war: Was spricht die Generation der heutigen Azubis eher an – eine digitale Präsentation oder etwas Gedrucktes, das sie in die Hand nehmen können? Und da gab es nicht nur für Sarah Brandt (Auszubildende zur Industriekauffrau bei Komet), die ihre Facharbeit über die Azubi- Broschüre schrieb, sondern auch für das Team von Komet ein überraschendes Ergebnis: Die Wahl fiel übereinstimmend auf eine Printunterlage. Aus der Sicht der beiden Azubis Skye und Roman allerdings ganz einfach zu erklären. Als Zahntechniker sei man es gewohnt, alles mit den Händen zu machen bzw. in die Hand nehmen zu müssen. Darüber hinaus fehle im Arbeitsalltag die Zeit, sich am Rechner, dem Tablet oder Smartphone mit dem Lesen einer Broschüre zu beschäftigen. Auf der anderen Seite sei die Broschüre etwas, das man in die Schublade oder unter die Arbeitsunterlage legen und worauf man jederzeit einen Blick werfen kann. Erste gute Erfahrungen mit der Printunterlage machte Skye in ihrer Berufsschulklasse: „Da saßen wir mit der Broschüre in der Hand. Eine App hätten sich sicher die wenigsten auf ihr Handy runtergeladen – so etwas braucht keiner.“ Nachdem diese wichtige Frage geklärt war, folgte das eigentliche Brainstorming: Wie soll die Broschüre aussehen, welche Inhalte soll sie haben und wie soll die Sprache bzw. die Tonalität des Textes sein? Neben allgemeinem inhaltlichem Input wurden auch jede Menge hilfreicher, ganz individueller Tipps und Tricks gesammelt, nicht nur von Skye und Roman selbst, sondern auch von ihren Mitschülern, die sie dazu befragten. Die Ergebnisse des Kick-off-Meetings wurden in Form eines Kreativ-Briefings zusammengefasst und in Abstimmung mit einer externen Agentur ausgearbeitet.

Die Broschüre füllt sich – Seite für Seite

  • Komet-Broschüre von Azubis.

  • Komet-Broschüre von Azubis.
Der erste Entwurf ließ nicht lange auf sich warten. Chronologisch angeordnet, in Anlehnung an die zahntechnische Ausbildung, wurden die einzelnen Seiten mit entsprechenden Inhalten, Werkzeugen und Werkstoffgruppen gefüllt. Durch viele kleine Feinheiten, die man zum Teil erst beim zweiten Durchblättern entdeckt, ist es gelungen, die grafische Darstellung der gesammelten Ideen zielgruppengerecht – frisch und mit Witz – umzusetzen. So boten sich beispielsweise bei Metallen die „Pommesgabel“ und eine E-Gitarre mit Griffen aus dreigliedrigen Brücken an oder beim Gips das Bild einer Gipsköchin mit dem Slogan „Die Gipsküche empfiehlt“, bezugnehmend auf die unendlich vielen Stunden, die die Azubis insbesondere im ersten Lehrjahr dort verbringen. Im Laufe der Zeit hat das Ganze eine Eigendynamik entwickelt; die Azubis kamen mit immer neuen Ideen und die Agentur bei der Umsetzung und Gestaltung immer mehr in Fahrt. Und so ist in Abstimmung mit den Azubis Seite für Seite mit passendem Text und Bildern zur jeweiligen Materialklasse entstanden, abgerundet durch praxiserprobte Tipps und Tricks aus dem zahntechnischen Alltag: Sei es, beim Modellguss ein Schminkei zu benutzen, um die Wachsplatte sauber an das Modell anzudrücken, oder bei der Herstellung von individuellen Löffeln die Frischhaltefolie als Isolierung umzufunktionieren – noch nie gehört, und doch fällt es einem schon beim Lesen wie Schuppen von den Augen, dass „es“ funktioniert! Was auffällt, ist auch die – passend zu den Grafiken – sehr frische und jugendliche Sprache, in der die Texte geschrieben sind, wie z. B. „der Debütant im Porzellanladen“ oder schon die Headline „Lehrgut“. Aber auch das ist einfach zu erklären, denn der Input der Azubis wurde fast unverändert übernommen, eben dem Motto folgend „von Azubis für Azubis“ – also nicht nur inhaltlich, sondern auch sprachlich an der Zielgruppe orientiert, die angesprochen werden soll.

Ein gewagtes Experiment – und doch „das Beste, was Komet je gemacht hat“

Nicht nur für die Azubis, sondern vielmehr für Komet – bekannt als Innovationsführer für rotierende Instrumente und Systeme – war diese doch etwas ungewöhnliche Machart der neuen Azubi-Broschüre ein gewagtes Experiment. Insbesondere über den zum Teil bewusst provokanten Text („Ausbilder müssen draußen bleiben“), der auch mit viel Negativem behaftet ist („Zahntechnikerlehre ist ein anderes Wort für viel Arbeit, wenig Geld, mit wenig Pausen und vielen Überstunden“), wurde viel diskutiert. Aber die Befürchtung, jemanden verärgern zu können, stellte sich sehr schnell als unbegründet heraus. Erstes positives Feedback gab es bereits im März 2017 auf der IDS, wo die Broschüre vorgestellt wurde: „Endlich tut mal die Industrie wieder etwas für die Azubis“, lobten Laborbesitzer und fügten hinzu: „Nicht nur für Azubis, sondern auch für Gesellen (und vielleicht auch den einen oder anderen Meister) bietet die Broschüre eine sinnvolle Hilfestellung bei ihrer täglichen Arbeit.“

Pläne für die Zukunft

Die erste Auflage der Azubi-Broschüre beträgt 10.000 Exemplare. Die Broschüren gehen in erster Linie an Berufsschulen, werden aber auch an Meisterschulen geschickt oder durch Komet Fachberater in Laboren verteilt. Der Wunsch und das Ziel für die Zukunft wären natürlich, das Ganze am Leben zu halten und insbesondere seitens der Berufsschulen nicht aus den Augen zu verlieren. Auch wenn die grundsätzliche Struktur steht und so gut funktioniert, wird selbstverständlich bei jeder Neuauflage die Aktualität geprüft und die Broschüre gegebenenfalls um neue Produkte bzw. Tipps & Tricks ergänzt. Man könne sich vorstellen, in Zukunft auch in speziellen Online-Communitys über die Azubi-Broschüre zu informieren, die bei Komet kostenlos bestellt bzw. heruntergeladen werden kann, und vielleicht auch einen Aufruf an die Azubis zu starten, noch mehr eigene Tipps und Tricks zu sammeln und zu veröffentlichen. Es bleibt spannend ...

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Näheres zum Autor des Fachbeitrages: Dr. Simona Sorkalla


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