Interview


Corona-Krise: Wie sieht der Alltag im Dentallabor aus?

14.04.2020

.
.

Die Zahl der Corona-Infizierten in Deutschland steigt weiterhin kontinuierlich an und das öffentliche Leben steht still. Auch viele Zahnarztpraxen haben nun geschlossen oder bieten nur noch einen Notdienst an. Welche Auswirkungen hat dies auf die Arbeit in den Dentallaboren? Wie es derzeit in seinem Laboralltag aussieht, schildert uns im Folgenden Felix Bußmeier. Er kommt aus dem Münsterland und ist angestellter Zahntechniker im zahntechnischen Labor Uwe Bußmeier im Stadtzentrum von Greven. Gemeinsam mit 8 Kollegen arbeitet er auf rund 180 Quadratmetern auf zwei Etagen.

  • ZT Felix Bußmeier

  • ZT Felix Bußmeier
    © privat
Aufgrund der Corona-Pandemie sagen sicher viele Patienten ihre Zahnarzt-Termine ab. Wie ist die aktuelle Situation bei Ihren Zahnarztkunden und spüren Sie Auswirkungen?

Ja, wir spüren die Auswirkungen sehr deutlich. Ein Großteil unserer Zahnarztkunden verschiebt die Vorsorgetermine, sowie geplante Behandlungen und versorgt nur noch medizinische Notfälle. Somit bleibt natürlich ein Großteil der Arbeiten aus.

Entstehen derzeit größere Lücken in Ihrem Auftragskalender?

Auf jeden Fall. Nach stark abnehmender Auftragslage Anfang April, haben wir auch Kurzarbeit einführen.

Gibt es Arbeiten, die Sie von sich aus aktuell abgesagt oder aufgeschoben haben und falls ja, warum?

Glücklicherweise ist bis jetzt keiner meiner Kollegen von dem Virus betroffen. Alle Termine konnten eingehalten werden und keine Arbeit musste aufgrund von Personalausfall abgesagt oder aufgeschoben werden.

Wie sehen Ihre Hygiene-/Schutzmaßnahmen bei der Annahme neuer Arbeiten und generell im Laboralltag aus? Wurden diese verstärkt?

Die Hygiene- und Schutzmaßnahmen in unseren Betrieb haben generell einen äußerst hohen Stellenwert, auch bevor sich das Virus über die Ländergrenzen hinaus verbreitet hat. Natürlich begleitet jeden im Arbeitsalltag eine gewisse zusätzliche Vorsicht und jeder ist angehalten, sich häufiger die Hände zu waschen bzw. zu desinfizieren. Nicht nur seiner selbst willen, sondern auch um seine Mitmenschen und vor allem die Risikogruppen zu schützen.

Wir als Zahntechniker arbeiten täglich mit Abformungen und Anproben, die ein potenzielles Infektionsrisiko darstellen. Um dieses Risiko für uns und die Patienten so gering wie möglich zu halten, befolgen wir genau die Desinfektionsverfahren und protokollieren zusätzlich jeden Arbeitsschritt durch das Qualitätssicherungskonzept QS-Dental vom VDZI. Bei direktem Patientenkontakt zur Bestimmung der Zahnfarbe oder farblicher Anpassung aufwendiger Frontzahnrestaurationen in der Praxis, arbeiten wir ausschließlich mit Schutzbrille, Schutzkittel, Mundschutz und Einweghandschuhen.

Eine weitere Veränderung betrifft den Schichtbetrieb. Um auch im Falle einer Infektion eines Kollegen den Betrieb aufrecht erhalten zu können, haben wir uns dazu entschlossen, eine Vor- und Nachmittagsschicht einzuführen. Die Kollegen wurden nach Absprache so eingeteilt, dass die Kompetenz der einzelnen Schwerpunkte äquivalent aufgeteilt ist. Nach Ende jeder Schicht werden alle Gerätschaften, von denen ein potenzielles Infektionsrisiko ausgeht, gründlich desinfiziert. Mit dieser Strategie kann auch im Falle einer Infektion der Kreis der Betroffenen eingegrenzt werden und wir können weiterhin unsere Kunden und deren Patienten versorgen. 

Wie gut sind Sie bevorratet, was Desinfektionsmittel & Co. angeht oder gibt es hier (Liefer-)Schwierigkeiten?

Wir sind ausreichend bevorratet, haben aber zusätzliche Reserven aufgebaut, um im Falle von Lieferengpässen diese zu überbrücken. Zusätzlich haben wir einen Vorrat von Isopropylalkohol (99,9%), mit dem man nach Rezept der WHO unter Zugabe von Wasserstoffperoxid, Glycerin und abgekochtem Wasser ein wirksames Desinfektionmittel gegen den Coronavirus selbst mischen kann.

Ist Ihr Laborteam aufgrund einer eventuellen Kinderbetreuung Ihrer Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen im Arbeitsprozess eingeschränkt?

Bei uns gibt es keinerlei Einschränkungen durch die Kinderbetreuung. Da auch ein Ehepartner im Homeoffice arbeitet, kann durch die Belegung der Schicht die Betreuung aufgeteilt werden.

Wie reagiert bzw. agiert Ihr Personal derzeit in der Corona-Krise?

Die Corona-Krise hat schwerwiegende Folgen für eine Vielzahl von Unternehmen und somit auch für die gesamte Wirtschaft. Ich denke, man kann durchaus ein Verständnis dafür entwickeln, dass beispielsweise Kurzarbeit eingeführt werden muss, um auch in Zukunft die Arbeitsplätze zu erhalten und im Extremfall die Existenz eines Betriebes nicht zu gefährden. Zumal die eigentliche Ursache dafür in den allermeisten Fällen nicht auf die Wirtschaftlichkeit eines Unternehmens zurückzuführt werden kann. Unter den Kollegen ist jeder der Situation mit Verständnis begegnet.

Haben Sie ein schlechtes Gefühl, derzeit zur Arbeit im Labor zu gehen (z. B. weil Sie persönlichen Kontakt zu Patienten und/oder Zahnärzten haben)?

Ich persönlich habe kein schlechtes Gefühl. Das mag möglicherweise auch daran liegen, dass ich nicht zur Risikogruppe gehöre. Jede Altersgruppe geht mit der Situation anders um. Beim Kontakt mit Patienten oder Ärzten in den Zahnarztpraxen kann man sich in Deutschland auf ein hohes festgelegtes Hygieneniveau verlassen. Trotzdem sollte sich jeder an die geltenden Verhaltens- und Hygienevorschriften halten. So lässt sich das Risiko einer Infektion deutlich verringern.

Fühlen Sie sich von offiziellen Stellen gut informiert, was Ihre Situation im Labor (eventuelle Betriebschließung, Maßnahmen, Mitarbeiter etc.) angeht?

Ich fühle mich was das anbelangt gut informiert. Natürlich kann ich nur von meiner Situation als Arbeitnehmer sprechen. Einige Schutzmaßnahmen und Vorgehensweisen lassen sich aus den Veröffentlichungen der Zahnärztekammer Westfalen-Lippe und den Informationen der Anfrage des Verbandes Deutscher Zahntechniker-Innungen (VDZI) an die Berufsgenossenschaft Energie Textil Elektro Medienerzeugnisse (BG ETEM) entnehmen. Über die betriebliche Situation und eventuelle Maßnahmen wurden wir ausführlich durch den Betriebsleiter aufgeklärt.

Herr Bußmeier, wir danken Ihnen für das Gespräch!


Besuchen Sie uns doch mal auf unserer Facebookseite! Wir freuen uns über jeden Like und sind gespannt auf Anregungen, Kommentare, Kritik und Ideen für neue Themen!

Hier geht's direkt zur Seite