Interview

Kurzinterview zum Standortwechsel von C.HAFNER

„Das zarte Pflänzchen ‚Fräsen in Edelmetall‘ ist zu einem starken Baum geworden“

07.02.2016

Der neue Standort in Wimsheim.
Der neue Standort in Wimsheim.

„Koffer packen!“ hieß es im vergangenen Jahr für rund 150 Mitarbeiter des Edelmetall-Technologie-Anbieters C.HAFNER: Nach Gründung und 165 Jahren Firmengeschichte in Pforzheim ist das Familienunternehmen im August in das knapp 14 km entfernte Wimsheim in einen Neubau umgesiedelt*. ZA Heiko Grusche, Leiter Vertrieb Dental bei C.HAFNER, spricht in unserem Kurzinterview über den neuen Standort, Umsatzwachstum trotz schrumpfendem Edelmetallmarkt und zukünftige Firmenziele.

Herr Grusche, vor knapp 6 Monaten ist nun C.HAFNER „auf die grüne Wiese“ nach Wimsheim umgezogen. Warum hat sich das Unternehmen für einen Neubau und Standortwechsel entschieden?

  • ZA Heiko Grusche, Leiter Vertrieb Dental bei C.HAFNER.

  • ZA Heiko Grusche, Leiter Vertrieb Dental bei C.HAFNER.
Bereits 2011 wurde nach einer Standortanalyse die Entscheidung gefällt, das Unternehmen zu verlagern. Mehrere Faktoren haben dafür den Ausschlag gegeben: Die Verteilung des Unternehmens in der Pforzheimer Innenstadt auf vier verschiedene Orte war nicht optimal. Durch die zentrale Lage war zudem eine Expansion nicht mehr möglich, aber durch neue Technologien und Maschinen notwendig geworden. Eine Ertüchtigung des bisherigen Standortes, die anfangs mit in Erwägung gezogen wurde, wurde deshalb schnell wieder verworfen. Somit war klar, es geht nur auf der grünen Wiese.

Durch umfangreiche Funktions- und Prozessanalysen wurde die ideale Gebäudestruktur ermittelt. Herausgekommen ist ein Gebäude, das Analogien zu einem menschlichen Organismus aufweist – mit einem Kopf als Steuerungselement (Vertrieb und Verwaltung), mit einem Rückgrat aus technischen Prozessen und Laboratorien sowie dem Materialfluss von außen nach innen und von innen nach außen, entsprechend dem Blutfluss des menschlichen Körpers. Dieser sorgt in den Gliedmaßen (der Fertigung von Blech, Draht, Rohr, CNC) für Bewegung.

Alles in allem konnte somit eine effiziente Struktur geschaffen werden, die so in den alten Räumlichkeiten nicht umsetzbar gewesen wäre. Dies alles natürlich unter dem Aspekt, dass wir für unsere Kunden neue Technologien und Produkte entwickeln und in bester Qualität herstellen wollen.

Der Einsatz edelmetallhaltiger Legierungen in der Dentalbranche ist weiterhin rückläufig, dennoch kann C.HAFNER steigende Umsätze in diesem Bereich vorweisen. Worin sehen Sie Ihr Erfolgsrezept und wie werden Sie sich für die Zukunft aufstellen?

Ja, der Edelmetallmarkt schrumpft seit 2005 kontinuierlich. Trotzdem ist es C.HAFNER gelungen, sich in diesem Markt mit wachsenden Marktanteilen zu behaupten. Als Erfolgsfaktor sehen wir die unbedingte Konzentration und Fokussierung auf das Edelmetall. Wir sind davon überzeugt, dass das Edelmetall beim Zahnersatz einen bestimmten Stellenwert behalten wird.

Auf dieser Überzeugung haben wir die Strategie aufgebaut, Edelmetall digital verarbeitbar und damit zukunftsfähig zu machen. Mit „Fräsen in Edelmetall“ ist es uns gelungen, ein Gegengewicht zur allgemeinen Marktschrumpfung zu platzieren. Dieses Thema wird uns in den nächsten Jahren weiter begleiten. Mit dem Ausbau der digitalen Edelmetall-Technologien und den begleitenden Produkten wie Gusslegierungen und Galvanoforming wollen wir uns zu DEM Edelmetallspezialisten im Dentalmarkt weiterentwickeln.

Zur IDS 2011 hat C.HAFNER „Fräsen in Edelmetall“ eingeführt, um die Verarbeitung des bewährten Materials Gold mit der CAD/CAM-gestützten Fertigung zu verbinden. Wo liegen die Vorteile des Verfahrens und wie ist Ihr Fazit nach knapp 5 Jahren am Markt?

  • „Fräsen in Edelmetall“ verbindet traditionelle Materialien wie Edelmetall mit modernen CAD/CAM-Technologien.

  • „Fräsen in Edelmetall“ verbindet traditionelle Materialien wie Edelmetall mit modernen CAD/CAM-Technologien.
Die Vorteile von Fräsen in Edelmetall liegen auf der Hand und lassen sich schnell aufzählen: Gefräste Edelmetallstrukturen sind bis zu 30 % leichter als gegossene – eine Material- und Kostenersparnis für den Patienten. Edelmetallfräsen ist für den Anwender extrem wirtschaftlich, er bezieht nur die wirklich verarbeitete Goldmenge, eine Vorfinanzierung und Lagerhaltung entfallen. Ein Scanner ist in vielen Betrieben schon vorhanden und in der Regel voll kompatibel zu unserem Angebot. Gegenüber der Gusstechnik lassen sich komplexe Strukturen wie weitspannige Brücken oder Implantatarbeiten einfacher und sicherer herstellen. Und nicht zuletzt ist die Werkstoffqualität um ein vielfaches besser als im klassischen Dentalguss.

Rückblickend ist zu sagen, dass die Einführung von Fräsen in Edelmetall eine richtige Entscheidung war. Weil wir damit nicht nur der weiteren Digitalisierung im Dentalmarkt Rechnung tragen, sondern uns selbst weiterentwickelt haben. Wir stehen vor den gleichen Herausforderungen wie unsere Kunden – den Wechsel von der manuellen zur maschinellen Arbeit zu bewältigen. Diese intensive Lernphase wird C.HAFNER den Vorsprung in der Edelmetalltechnologie sichern, auch wenn wie überall Höhen und Tiefen auftreten. Es ist nicht selbstverständlich und einfach, Zahntechniker zu CAD/CAM-Spezialisten zu machen. Ich denke, jeder, der in seinem eigenen Betrieb eine Fräsanlage betreibt, kann davon ein Lied singen. Was wir in der Zukunft immer mehr brauchen werden, sind multidisziplinär aufgestellte Mitarbeiter, die sowohl die Zahntechnik exzellent beherrschen, aber eben auch NC-Maschinensteuerungen bedienen können. C.HAFNER hat den Weg gewählt, mit den Kunden gemeinsam in diesen Bereich hineinzuwachsen – das 2011 gepflanzte zarte Pflänzchen „Fräsen in Edelmetall“ ist nun zu einem starken Baum geworden.

Das und die erwähnten Erfolgsfaktoren sind die Basis für Weiterentwicklungen im Bereich Fräsen in Edelmetall. Es ist klar, dass die Zahnmedizin immer digitaler wird und eines Tages die Gusstechnik verschwindet. Für diese Zukunft rüsten wir uns – in einem attraktiven Neubau, mit Material, Technologie und Personal.


Weitere Informationen:

C.HAFNER GmbH + Co. KG,
Gold- und Silberscheideanstalt
Maybachstraße 4
71299 Wimsheim
Tel.: 07044 90333-0
Fax: 07044 90334-0
E-Mail: info(at)c-hafner.de
www.c-hafner.de