Interview

Teilnehmerin ZTM Mandy Skibba im Interview

Einzelner Frontzahn und One-Bake-Technique: Patienten-Workshop mit Nondas Vlachopoulos

13.12.2019

Das Labor Dental Design Schnellbecher & Roland in Klein-Winternheim bot ideale Möglichkeiten, um sowohl bei einem einleitenden Vortrag als auch bei der praktischen Demonstration das optimale Lernergebnis zu erzielen.
Das Labor Dental Design Schnellbecher & Roland in Klein-Winternheim bot ideale Möglichkeiten, um sowohl bei einem einleitenden Vortrag als auch bei der praktischen Demonstration das optimale Lernergebnis zu erzielen.

Mitte November 2019 fand in Klein-Winternheim (Dental Design Schnellbächer & Roland) ein ganz besonderer Workshop von Kuraray Noritake und Gold Quadrat statt. Zahntechniker und Referent Nondas Vlachopoulos (Athen) widmete sich der keramischen Schichtung einer einzelnen Frontzahnkrone und faszinierte die Teilnehmer mit der Kunst der One-Bake-Technique (Cerabien ZR) auf einem Zirkonoxidgerüst (KANATA Zirconia). Die erfahrene Keramikerin ZTM Mandy Skibba aus Pößneck (Dentallabor Grüttner) nahm am Workshop teil.

Frau Skibba, seit wann sind Sie Zahntechnikerin und wie lange arbeiten Sie als Keramikerin?

Mandy Skibba: Meine Ausbildung habe ich im Jahr 1994 begonnen und im Dentallabor Grüttner in Pößneck abgeschlossen. Schon am Anfang der Lehre faszinierte mich die Arbeit der Keramiker im Labor. Ich beobachtete deren Tun und wusste, dass ich genau das machen möchte. Die Chance erhielt ich bereits im 2. Lehrjahr; anfangs mit kleineren Sachen und schon bald besuchte ich Keramikkurse. Noch vor der Gesellenprüfung war ich als Keramikerin tätig und bin dies bis heute mit Leidenschaft – mittlerweile seit mehr als 20 Jahren, und ich lerne noch immer jeden Tag dazu.

Trotz der langen Erfahrung besuchen Sie immer noch Fortbildungen? Warum?

Mandy Skibba: Selbstverständlich. Dieser Blick über den Tellerrand abseits der Alltagsroutine ist Bestandteil meines Berufslebens. Mein Arbeitgeber bietet uns die Chance dafür und ich nutze diese gern. Wir haben oft in unserem Labor Fortbildungen mit namhaften Referenten, z.B. Jochen Peters zum Thema „Funktion“ oder Andreas Piorreck zu „Direktes Schichten von Veneers“. Für mich bedeutet jedes Seminar eine Horizonterweiterung, die mich für den Arbeitsalltag motiviert und inspiriert.

Sie waren bei einem Workshop von Nondas Vlachopoulos. Was hat den Tag besonders gemacht?

Mandy Skibba: Viele Dinge, ich bin noch immer fasziniert und beeindruckt. Kuraray Noritake und Gold Quadrat haben mit dem Kurs ein Highlight geboten. Es war ein Live-Patientenkurs und als solcher deutlich nachhaltiger, als wenn auf dem Modell gearbeitet wird. Unsere tagtägliche Herausforderung sind Kronen, die in den Patientenmund passen müssen. Das ist beim einzelnen Frontzahn oft eine große Schwierigkeit, also war ich gespannt auf das Konzept von Nondas Vlachopoulos. Und es war unglaublich. Ich bin begeistert davon, wie er mit nur einem Brand die Krone als Pendant zum natürlichen Nachbarzahn schichtete. Das ist für mich unfassbar. Von der One-Bake-Technique habe ich zwar schon gehört, es dann mit eigenen Augen zu erleben, fasziniert und motiviert zugleich.

Was war die Herausforderung bei diesem Fall?

Mandy Skibba: Der einzelne Frontzahn ist die Königsdisziplin für jeden Keramiker. Hier handelte es sich um eine Implantatkrone für eine Patientin, die einen längeren Leidensweg hinter sich hat. Bei einem Unfall im Kindesalter frakturierte ein Frontzahn. Der devitale Zahn war dann mit einer Krone versorgt. Aufgrund einer Zyste musste der Zahn später extrahiert werden. Im Vorfeld einer Implantation wurde Knochen augmentiert und mit einem Weichgewebetransplantat die rote Ästhetik optimiert. Der Fall war also eine komplexe Herausforderung für Zahnarzt, Chirurg und Patientin. Die Herstellung der keramischen Krone ist nun das „Finale“ gewesen. Der Druck in einer solchen Situation ist hoch. Das Implantat regio 21 war mit einer Klebebasis mit Zirkonoxidaufbau versorgt. Auf dieser Basis fertigte ZTM Björn Roland – der Kurs fand in seinem Labor statt – im Vorfeld 4 Gerüstkappen aus unterschiedlichen Zirkonoxidfarben (KATANA Zirconia) und überließ dem Referenten die Wahl.

  • ZTM Mandy Skibba zusammen mit dem Referenten Nondas Vlachopoulos.

  • ZTM Mandy Skibba zusammen mit dem Referenten Nondas Vlachopoulos.
    © Giuliano Moustakis

Es wurden 2 Kronen gefertigt. Warum?

Mandy Skibba: Problematisch war, dass trotz des Zirkonoxidaufbaus die Titanklebebasis (Hybridabutment) durchschimmerte. Solche Situationen kennen wir aus dem Alltag. Um einen „Graustich“ zu verhindern, muss das Gerüstmaterial wohl überlegt gewählt werden. Nondas Vlachopoulos erläuterte, dass es weniger um den eigentlichen Farbton geht, sondern vielmehr um den Helligkeitswert. Der Referent entschied sich nach einer Einprobe für ein sehr opakes Gerüstmaterial, ein fast schon weißes Käppchen, und wählte zudem ein Gerüst aus einem polychromatischen, voreingefärbten Zirkonoxid in A1. Beide Gerüste wurden mit dem Anspruch verblendet, 2 identische Kronen herzustellen. Es war erstaunlich, wie sehr sich die Ergebnisse – ungeachtet variierender Gerüstfarbe und abweichendem Schichtkonzept – ähnelten.

Welche der Kronen hat „gewonnen“?

Mandy Skibba: Beide Kronen sahen großartig im Mund aus und doch wirkte die Krone auf dem weiß-opaken Zirkonoxidgerüst einen Touch natürlicher. Für die Einprobe wurde eine Try-in-Paste verwendet. Panavia V5 hat 5 verschiedenfarbige Try-in-Pasten, mit denen das Ergebnis präzise beurteilt werden kann. Der Referent verdeutlichte, welchen Einfluss die Zementfarbe für das Ergebnis hat. Die finale Krone war herausragend gut und verdient aus meiner Sicht das Wort „perfekt“. Zu sehen, wie emotional die Patientin auf das ästhetische Ergebnis reagierte, zeigte mir einmal mehr, wie viel wir als Zahntechniker für das Wohlbefinden beitragen können.

Was hat Sie an der Vorgehensweise des Referenten besonders beeindruckt? 

Mandy Skibba: Beeindruckend waren zum einen die Ruhe und Konzentration, mit denen er sich der Herausforderung widmete und zum anderen die One-Bake-Technique mit der Cerabien ZR. Absolut begeistert hat mich, wie Nondas die vielen Massen in exakter Dimension übereinandergelegt hat, und dass nach dem Brand die Schichtung sowie Dimension exakt dem Wunsch entsprachen. Im vestibulären Bereich war relativ viel Keramik aufzubauen. Hier die Schrumpfung so zu berechnen, dass nur ein Brand zum Ergebnis führt, grenzt an Zauberei. Dentinmassen, Lustermassen, Inzisal-, Valuemassen, Internal-Stains für Schmelzrisse und Mamelons etc., am Ende war nichts zu viel und nichts hat gefehlt. Sehr gut gefallen hat mir zudem, dass Nondas uns wirklich mitgenommen hat in seine Welt der Vollkeramik. Von der Analyse der Situation über die Gerüstwahl bis zur Verblendung und der Einprobe erläuterte er sein Vorgehen ausführlich.

Können Sie sich vorstellen, die One-Bake-Technique im Alltag anzuwenden?

Mandy Skibba: Ja, das reizt mich und ich werde es bei einer Seitenzahnkrone testen. Eine Frontzahnkrone werde ich sicherlich auch mal auf diesem Weg angehen, aber ich glaube nicht, dass ich es mit nur einem Brand schaffe. Dies ist zwar eine Motivation, doch letztlich zählt das Ergebnis. Wenn ich einen 2. Brand benötige, die Krone am Ende toll aussieht und Patient sowie Zahnarzt glücklich sind, bin ich es auch. Ausschlaggebend für die One-Bake-Technique ist – neben dem Können – das ideale Gerüst in Morphologie sowie Farbe. Für den Alltag ist daher das Wissen um die Stumpffarbe wichtig. Für den Seminarfall wurde KATANA Zirconia als Gerüstmaterial verwendet; die breite Palette an Zirkonoxidfarben ist ein großer Vorteil für uns Zahntechniker. Die Vielfalt eröffnet sagenhaft viele Möglichkeiten.

KATANA Zirconia und Cerabien ZR – das Erfolgs-Duo? 

Mandy Skibba: Der Referent betonte immer wieder die Wichtigkeit des Gerüstmaterials. Aus meiner Sicht ist es gut, innerhalb eines abgestimmten Systems zu arbeiten, wie beispielsweise mit KATANA Zirconia und CZR. Ich bin generell ein Freund davon, Dinge miteinander zu kombinieren, die aus „einer Hand“ kommen. Das bietet mir als Anwenderin Sicherheit. In unserem Labor verblenden wir seit vielen Jahren mit der Cerabien ZR. Es ist eine wunderbare und sehr zuverlässige Keramik. Man spürt, dass der Hersteller fundierte Erfahrung mit Verblend- und Gerüstkeramiken hat. Die CZR ist optimal auf Zirkonoxid abgestimmt und diese Zuverlässigkeit schätze ich im Tagesgeschäft.

Was nehmen Sie aus dem Workshop mit nach Hause?

Mandy Skibba: Der Tag motivierte dazu, die „Alltagsschiene“ zu verlassen, Neues zu probieren und der Kreativität Raum zu geben. Jeder, der seit Jahren als Keramiker arbeitet, kennt das: Routiniert wird immer eine ähnliche Schichttechnik angewandt. Der Tag mit Nondas inspirierte mich, Frontzahnkronen mal wieder ein etwas „anderes Leben“ einzuhauchen, eingefahrene Wege zu verlassen und Massen aus der Schublade zu holen, die nicht so oft benutzt werden. Den positiven Esprit, mit dem Nondas Vlachopoulos angesteckt hat, werde ich auf jeden Fall gleich am Montag nutzen. Der Workshop war für mich sehr gewinnbringend und hat den zahntechnischen Horizont wieder ein Stück mehr erweitert.

Frau Skibba, wir danken Ihnen für das Gespräch.


Verwendete Materialien:

  • Gerüstkeramik: KATANA Zirconia (Kuraray Noritake)
  • Verblendkeramik: Cerabien ZR (Kuraray Noritake)
  • Try-in-Paste: PANAVIA V5 (Kuraray Noritake)

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