Interview


Heinz-Jürgen Heppe – neues Ehrenmitglied der ADT

Auf in neue Dimensionen! Vom 12. bis 15. Februar 1997 fand das neue Dentalseminar unter Heppe-Label statt. Hier wurde große Dentalgeschichte geschrieben und die Überschrift „Visionen der Meister“ versprach nicht zu viel. Visionär waren die Themen u
Auf in neue Dimensionen! Vom 12. bis 15. Februar 1997 fand das neue Dentalseminar unter Heppe-Label statt. Hier wurde große Dentalgeschichte geschrieben und die Überschrift „Visionen der Meister“ versprach nicht zu viel. Visionär waren die Themen u

Wer wissen möchte, wie eine Idee entsteht, wie daraus ein Trend und dann eine Strömung oder sogar Selbstverständlichkeit wird, fragt am besten jemanden wie Heinz-Jürgen Heppe. Als zahntechnischer Experte und Kaufmann hat er dies alles in der Dentalwelt miterlebt und mitgesteuert. In ihm kürt die Arbeitsgemeinschaft Dentale Technologie (ADT) einen Macher der Zahntechnik zu ihrem Ehrenmitglied 2014 – auf der Jahrestagung vom 19. bis 21. Juni in Böblingen.

 

 

 

 

Herr Heppe, wie kam es dazu, dass Sie für die Zahntechnik und das Weiterbringen von Zahntechnikern regelrecht brennen?

Nach meinem Eintritt 1970 als Dentalkaufmann Außendienst in das Pforzheimer Unternehmen Wieland überredete mich ein Kunde, zur ADT-Jahrestagung mitzugehen. Dort erlebte ich Fachwissen pur! Voller Begeisterung war ich entschlossen, eine solche Veranstaltung speziell mit Fokus Zahn„Technik“ ins Leben zu rufen. Meine Idee, mein Enthusiasmus fanden bei meinem Arbeitgeber große Unterstützung. Mein erstes Wieland-Seminar startete 1973 in Stuttgart, mit über 400 Teilnehmern, eine große Sache. Für das Seminar holte ich unter anderem den damals in Europa unbekannten Keramikspezialisten Asami Tanaka. Er zog alle in seinen Bann, zeigte er doch in vielen Bildern seine revolutionäre Technik, Keramikkronen zu schichten. Ich erkannte das Bedürfnis der Zuschauer, Abläufe zu sehen, nicht nur Standbilder. Deshalb setzte ich Asami Tanaka auf dem nächsten Wieland-Seminar vor eine Studio-Filmkamera (Abb. 1). Seine Demo wurde live auf Monitoren gezeigt. Das war im Hotel Nikko in Düsseldorf. Damit habe ich die erste dentale VideoÜbertragung aus der Taufe gehoben, vor schwärmendem Publikum. Heute ist Video auf der Großleinwand Allgemeingut, aber vor jetzt vierzig Jahren habe ich den Anfang gemacht – mit faszinierender Fortbildung und einem gebührenden Rahmen in Form einer glanzvollen Abendveranstaltung (Abb. 2). Der Zuspruch beflügelte mich. Die Wieland-Seminare wurden bald „legendär“ genannt.

  • Abb. 1: Die erste Live-Übertragung in der Dentalwelt. Asami Tanaka zeigt seine Schichttechnik, die Schule gemacht hat.
  • Abb. 2: Modenschau-Reise um die Welt, 1978, mit Moderator Heinz Heppe (re.). Abendveranstaltungen wie diese schufen eine Plattform für die Teilnehmer, um sich entspannt kennenzulernen, ein Netzwerk zu knüpfen und das Gemeinschaftsgefühl der „Dentalfamilie“ zu kreieren. Sie unterstrichen den Erlebnischarakter der Seminare und den Selbstwert der Anwesenden mit dem Ziel, sagen zu können: „Ich bin etwas Besonderes und habe hier Besonderes erlebt.“
  • Abb. 1: Die erste Live-Übertragung in der Dentalwelt. Asami Tanaka zeigt seine Schichttechnik, die Schule gemacht hat.
  • Abb. 2: Modenschau-Reise um die Welt, 1978, mit Moderator Heinz Heppe (re.). Abendveranstaltungen wie diese schufen eine Plattform für die Teilnehmer, um sich entspannt kennenzulernen, ein Netzwerk zu knüpfen und das Gemeinschaftsgefühl der „Dentalfamilie“ zu kreieren. Sie unterstrichen den Erlebnischarakter der Seminare und den Selbstwert der Anwesenden mit dem Ziel, sagen zu können: „Ich bin etwas Besonderes und habe hier Besonderes erlebt.“

Welche Stationen betrachten Sie für sich selbst, für das Unternehmen Wieland und den gesamten Dentalbereich als die markantesten?

Der erste Baustein: Mein fortschreitendes Verständnis für die Bedürfnisse der Zahntechniker brachte mich dazu, neue Wege zu beschreiten, ich wollte aktiv an Verbesserungen mitwirken! „Neue Wege“ – das ist oft mit dem Nachwuchs verbunden. Folglich wollte ich jungen talentierten Zahntechnikern, die mit neuen Gedankengängen und neuen Technologien antraten, zu Bekanntheit verhelfen. Als markanteste Station nenne ich also die großen Wieland-Seminare, die bis ins Jahr 1994 stattfanden (Abb. 3), mit zum Teil über tausend Teilnehmern. Sie bildeten für mich die Möglichkeit, Dinge zu tun, die die Dentaltechnik ein Stück weit zu dem gemacht haben, wie diese heute ist.

  • Abb. 3: Horst Gründler (li.) bedankt sich bei Heinz-Jürgen Heppe für die Ausrichtung des 10. Wieland-Seminars 1994. Es sollte das letzte in dieser Art sein.
  • Abb. 4: Junge Talente zeigen ihr Können, stets von der Kamera übertragen: (v. li.) ZTM Vanik Kaufmann-Jinoian, heute Cera-Tech, Liestal, Schweiz; ZTM Kurt Reichel, Hermeskeil; ZTM Jochen Peters, Neuss.
  • Abb. 3: Horst Gründler (li.) bedankt sich bei Heinz-Jürgen Heppe für die Ausrichtung des 10. Wieland-Seminars 1994. Es sollte das letzte in dieser Art sein.
  • Abb. 4: Junge Talente zeigen ihr Können, stets von der Kamera übertragen: (v. li.) ZTM Vanik Kaufmann-Jinoian, heute Cera-Tech, Liestal, Schweiz; ZTM Kurt Reichel, Hermeskeil; ZTM Jochen Peters, Neuss.

Stellen Sie sich vor, ich hätte einen Tanaka nicht auf die Bühne gestellt! Ich habe viele gefördert … Enrico Steger, dann Jochen Peters (Abb. 4), auch zum Beispiel Andreas Hoffmann, Ihren Chefredakteur, bis hin zu Willi Geller, heute eine Ikone in der modernen Keramikwelt. Was wäre die heutige Dentalwelt ohne diesen Tausendsassa! Professor François Duret, 2013 auf der ADT-Tagung mit dem Preis für sein Lebenswerk geehrt, trat bei mir 1987 als Pionier der CAD/CAM-Technologie auf und machte ein breites Publikum damit bekannt. Etliche heutige Koryphäen gaben in „meinem“ Wieland-Seminar ihr Debüt. Mir wird Geschick nachgesagt, Talente zu erkennen.

Zwei weitere Stationen: Ich habe ein eigenes Forum für die Jungen aufgebaut, den „Talente-Schuppen“, in dem sie sich üben und vervollkommnen konnten, und ich habe den „Wieland-Arbeitskreis“ mit ins Leben gerufen. Hier wurde Neues beurteilt, viele Impulse gingen direkt an die Industrie. Der Arbeitskreis schuf sich einen beispiellosen Ruf, die Ergebnisse wurden als Credo aufgenommen.

Sie haben viele Gesichter: als Unterstützer von Talenten, als Förderer von Trends, als Entwickler des Live-Formats für Dentalveranstaltungen – außerdem auch als Mitinitiator von Wieland-Produkten. Worin sehen Sie selbst Ihre wichtigsten Beiträge in der dentalen Produktwelt?

  • Abb. 5: Die erste galvanisierte Frontzahnkrone von Heinz-Jürgen Heppe. Sie wurde mit der Keramik Vita VM 68, Vita Zahnfabrik, Bad Säckingen, verblendet. Dieser Versuch legte den Grundstein für das A.G.C.-Galvanoforming- System von Wieland Dental + Technik, Pforzheim.

  • Abb. 5: Die erste galvanisierte Frontzahnkrone von Heinz-Jürgen Heppe. Sie wurde mit der Keramik Vita VM 68, Vita Zahnfabrik, Bad Säckingen, verblendet. Dieser Versuch legte den Grundstein für das A.G.C.-Galvanoforming- System von Wieland Dental + Technik, Pforzheim.
Ich nenne Ihnen gern zwei – oder drei – Entwicklungen, an denen ich wesentlich beteiligt war. In den frühen 1980er Jahren wurden im Wieland-Geschäftsbereich großvolumige Schmuckstücke galvanisch hergestellt. Mir flog geradezu die Idee zu, dieses Verfahren auf die Zahntechnik anzuwenden. Ich trug wie beim Versilbern von Gipsmodellen Silberleitlack auf Stümpfe auf und fragte unseren Chemotechniker danach, diese im Schmuck-Feingoldbad mitzugalvanisieren. Dann bat ich ein Dentallabor um die Verblendung mit Keramik (Abb. 5). Ich war euphorisch! Und eines Tages war es marktreif, das dentale Galvanoforming-System von Wieland – mit dem Namen A.G.C. Auro-Galva-Crown.

Die zweite Produktgruppe, in die ich mich eingebracht habe, betrifft die Legierungen. Maßgeblich habe ich für Wieland bei der Konzeption gelber hochgoldhaltiger Bio-Aufbrennlegierungen sowie speziell der silberfreien Palladiumbasislegierung Simidur S2 mitgewirkt. Die Simidur-Familie brachte Wieland große Erfolge, die Marke hat auch im aktuellen Produktprogramm ihren Stellenwert. Als „mein“ Produkt Nummer drei bezeichne ich die Kängurutasche – klein, aber mit großer Wirkung. Die Zahntechniker beschwerten sich oft über feuchte Auftragszettel, vor allem, wenn diese zusammen mit Abformungen ins Labor geschickt wurden. Diese Taschen werden heute überall auf der Welt umgesetzt. Auch Leute, die jetzt mit dem Namen „Heppe“ nichts anfangen können, haben mit Sicherheit solche Versandbeutel in der Hand gehabt.

Heute befinden Sie sich im Pensionsalter, aber keinesfalls im Ruhestand. Sie sind eigenständiger Unternehmer und Ihre Firma wird als „feine Ideenschmiede“ bezeichnet – was bewegt beziehungsweise bewegen Sie hier?

Vordenken bewegt mich – und die Frage, was ich persönlich zur dentalen Weiterentwicklung beitragen kann. Deshalb habe ich auf meinem eigenen „Heppe“-Seminar 1997 (siehe großformatiges Bild auf Seite 358 oben) gezeigt, wie die Welt zehn Jahre weiter aussehen könnte. In Zusammenarbeit mit der Universität Wien gab es eine Live-Übertragung per Satellit aus dem Operationssaal: eine Implantat- Insertion mithilfe einer stereolithographisch hergestellten Bohrschablone. Und die Präsentation der ersten dentalen Digital-Spiegelrefl exkamera. Dazu haben wir visionäre Diskussionen geführt: zum 3D-Druck und vor allem auch zur Kommunikation Zahnarzt-Zahntechniker-Patient – eine Internetkonferenz hat dies den Seminarteilnehmern gezeigt.

Mein erstes wichtiges Produkt aus meiner „Ideenschmiede“: die niedrigschmelzende normal expandierende Aufbrennkeramik MagiCCeram für Galvanogold und hochgoldhaltige gelbe Biolegierungen. Hinzu kam MagiCCristallon, mit der speziell Zirkoniumdioxid verblendet wird. Diese umgeht das Chipping-Problem auf eigene Art. Zirkoniumdioxid trieb und treibt mich um! Übliche Schichtkeramiken für ZrO2 wurden aufgrund von Titan-Verblendmaterialien entwickelt, aber beide Werkstoffe haben geradezu konträre Wärmeleitfähigkeiten! Bei MagiCCristallon war die Idee neu, farbige Grundlasuren je nach gewünschter Zahnfarbe auf die weißen Zirkoniumdioxid-Gerüste aufzubringen: für die Farbdynamik aus der Tiefe. Das war bahnbrechend. Aus meiner Firma kamen im Jahr 2000 außerdem die ersten Presspellets, die MagiCCoating Caps CC, verblendbar mit normal expandierender MagiCCeram und den entsprechenden Schichtkeramiken – heute finden Sie ein solches System bei vielen anderen Dentalunternehmen. Im nächsten Jahr werde ich eine neue Keramik-Philosophie und -Technik vorstellen. Diese kann in jedem Labor mit gängigen Produkten nachvollzogen werden. Das bringt neue Gedanken in die keramische Welt der Schichten. Auch schon jetzt in Böblingen auf der ADT-Jahrestagung werden viele Keramikhersteller präsent sein, aber ich will nichts vom Zaun brechen. Deshalb lüfte ich das Geheimnis auf der Internationalen Dental-Schau in Köln und ich freue mich, wenn dort der eine oder andere Ihrer Leser mit mir darüber diskutiert.

Zum Schluss, Herr Heppe: Welche Schlagwörter fallen Ihnen spontan ein, um die dentale Zukunft zu umreißen?

Am liebsten beantworte ich Ihre Frage unter dem Aspekt: Was möchte ich jungen Menschen mit auf den Weg geben? Neugierig sein. Dinge in Frage stellen. Ganz wichtig: sich ständig weiterbilden, aber handwerkliches Wissen trotz CNC-Fräsen und 3D-Druck nicht vergessen. Ästhetik, besser noch: Kosmetik! Es ist wünschenswert, dieses Thema in die Ausbildung – ob nun Zahnärzte, Techniker, Helferinnen – einzubauen. Denn Lebensqualität durch ein schönes Gesicht, Kosmetik, Ausstrahlung wird eine immer bedeutendere Rolle spielen. Das habe ich schon 1976 kommen sehen. Damals war der Bedarf der Patienten nach Aufklärung über Versorgungsmöglichkeiten, über Materialien unsäglich groß. Deshalb habe ich bei Wieland eine knapp sechzigseitige Patienteninformation herausgebracht: „Zahnkosmetik – ein Stück Lebensqualität“. Das Heft schlug ein, war schon nach wenigen Tagen vergriffen … und das Thema ist immer noch hochaktuell. Die Wiederherstellung der Funktion wird von den Patienten vorausgesetzt, ihre Forderung geht in Richtung Ausstrahlung, Verschönern und Sympathie.

Noch ein Schlagwort: Netzwerken! Am Anfang meiner Wieland-Tätigkeit waren die Zahntechniker eher Einzelkämpfer, mit wenig Zahnarzt-Kommunikation. Meine Seminare haben mit ihren prächtigen und geselligen Abendveranstaltungen dazu beigetragen, diese Mentalität zu ändern. Daran sollte auch in Zukunft weitergearbeitet werden. Zahnärzte und Zahntechniker müssen untereinander Kontakte knüpfen, sich gegenseitig stärken, ihr Selbstwertgefühl weiterentwickeln. Ich habe die Vision, das schreckliche Wort Zahn„ersatz“ in Frage zu stellen. Womit wir den Patienten helfen, ist kein Ersatz wie ein Holzbein. Wir wollen sie sogar beglücken, deshalb sollten wir mindestens von Zahn„versorgung“ sprechen – wir müssen unser Tun und uns selbst gemeinsam mit den Zahnärzten positiv darstellen, gegenüber den Patienten!

Vielen Dank für die interessanten Einblicke, Herr Heppe! Herzlichen Glückwunsch zu Ihrer Ehrenmitgliedschaft in solch einer renommierten Institution wie der Arbeitsgemeinschaft Dentale Technologie!

Das Interview führte Dr. Gisela Peters, Bad Homburg


Heinz-Jürgen Heppe

Geschäftsführer von Heppe – der Partner
Blumenstraße 16
50670 Köln
E-Mail: mail(at)heppe.de
www.heppe.de (bei Drucklegung im Relaunch)

Näheres zum Autor des Fachbeitrages: Dr. Gisela Peters

Bilder soweit nicht anders deklariert: Dr. Gisela Peters