Interview


Kompetenz ist das A und O eines optimalen Arbeitsprozess – der IDS-Besuch stärkt sie

Freuen sich auf die IDS 2021: Dominik Kruchen (2.v.l.), Präsident des VDZI, hier während des diesjährigen Europäischen Presse-Gesprächs des Verbandes der Deutschen Dental-Industrie (VDDI) mit Dr. Peter Engel (l.), Past-Präsident
der BZÄK, Dr. Marc
Freuen sich auf die IDS 2021: Dominik Kruchen (2.v.l.), Präsident des VDZI, hier während des diesjährigen Europäischen Presse-Gesprächs des Verbandes der Deutschen Dental-Industrie (VDDI) mit Dr. Peter Engel (l.), Past-Präsident der BZÄK, Dr. Marc

Digitale Technologien ändern die Spielregeln im Markt für Zahntechnik. Ein stärker arbeitsteiliges Zusammenspiel der Akteure wird möglich. Doch ist es nicht per se immer und überall attraktiv für das Labor. Ein Besuch der IDS kann Klarheit schaffen.

Herr Kruchen, im Grunde befindet sich jedes Unternehmen ständig in einem mehr oder weniger großen Umbruch. Wo liegen zurzeit speziell für das zahntechnische Labor die größten Herausforderungen?

  • Dominik Kruchen, Präsident des VDZI.

  • Dominik Kruchen, Präsident des VDZI.
    © Koelnmesse / IDS Cologne / Thomas Klerx
Dominik Kruchen: Man kann es gar nicht auf den einen einzigen Punkt bringen. Das Medizinproduktegesetz mit der damit verbundenen Bürokratie, die Digitalisierung und vieles mehr – zahlreiche Aspekte machen die Zahntechnik aktuell zu einem dynamischen und herausfordernden Gebiet.

Oft müssen wir klug abwägen: Welche Dinge werden sich am Ende durchsetzen? Das betrifft zum Beispiel die digitale Totalprothese: Was ist hier schon marktreif? Und für welche von unseren Kunden eignet sich das? Die Beantwortung dieser Fragen erfordert von uns Zahntechnikern eine breite Aufstellung – auch in unserem Wissen.

Man hört viele gegenteilige Ratschläge. Mal soll sich ein Labor neuen Technologien öffnen, mal soll es sich auf seine hochwertigsten Fähigkeiten konzentrieren, klassischerweise etwa auf die ästhetische Verblendung. Aus Ihrer Erfahrung: Was muss ein zahntechnisches Labor heute unbedingt können?

Dominik Kruchen: Das Wichtigste ist, wie wir den Kunden ansprechen und wie wir ihn anschließend leiten – besonders auf seinem Weg durch die digitale Welt. Die Voraussetzung dafür schaffen wir, indem wir uns mit unserem Equipment in geeigneter Weise aufstellen. Zum Beispiel brauchen wir eine Portalanbindung für den Intraoralscanner des Zahnarztes.

Der Austausch über E-Mail funktioniert ja in vielen Fällen nicht, weil die Anbieter die Kommunikation bevorzugt über ein eigenes Portal ermöglichen. Auf diese Weise können sie dann besser wertvolle Daten sammeln. Und sie werden mit verschiedenen Services sowohl zu Partnern als auch zu Konkurrenten des Labors.

Was muss definitiv nicht jedes Labor selbst können? Welche Tätigkeiten lassen sich auslagern? Welches Equipment ist dementsprechend nötig oder auch verzichtbar?

Dominik Kruchen: Laser Melting im eigenen Hause ist für ein Labor in den seltensten Fällen sinnvoll. Das trifft auch für andere additive Fertigungsoptionen zu, also zum Beispiel auf den Kunststoff-Druck. Es kann wirtschaftlich sein, all dies auszulagern.

Dies ist allerdings abzuwägen gegen Wartezeiten, die sich aus begrenzten Produktionskapazitäten bei Zentralfertigern oder industriellen Netzwerkservices sowie durch Zeitverlust durch den Versand von Werkstücken ergeben. Zahnärzte und Patienten akzeptieren dies zunehmend weniger. Insofern kann mittelfristig der Aufbau eigener Kapazitäten, je nach Ausrichtung des einzelnen Labors, doch interessant werden.

Welche Mitarbeiter braucht ein Labor dafür verstärkt?

Dominik Kruchen: Wir brauchen vielseitige Leute. Dazu zählt der digital affine Zahntechniker mit der Fähigkeit, sich in die marktführenden Softwares einzuarbeiten.

Dazu kommen inzwischen vermehrt Fragen der Datensicherung, der Datensicherheit, Dinge, die sich auch fortlaufend verändern. Bis zu einem bestimmten Punkt kann sich ein Zahntechniker darum kümmern, doch bei zunehmender Komplexität oder in größeren Laboren wird ein IT-Fachmann unentbehrlich.

Um es auf den Punkt zu bringen: Welche Fertigungstiefe muss ein Labor heute haben? Bis wohin kann sie vernünftigerweise reichen?

Dominik Kruchen: Ich persönlich habe dazu eine ganz klare Haltung: Eine gewisse Tiefe müssen wir haben, weil der Sachverstand sonst nicht da ist. Nur als Vermittler von Dienstleistungen, die andere erbringen, wird ein zahntechnisches Labor nie funktionieren. Denn der Zahnarzt verlangt Kompetenz!

Diese erstreckt sich auf Materialtechnik, Werkstoffkunde, Fertigung, Ästhetik – auf praktisch alles entlang der Prozesskette. Sicher wird es schwerer, dafür die richtigen Mitarbeiter zu bekommen. Für mich ist der Königsweg: selbst ausbilden.

Herr Kruchen, die Internationale Dental-Schau steht vor der Tür. Was kommt auf uns zu?

Dominik Kruchen: Welche Innovationen dann im Einzelnen herausragen, kann ich im Moment noch nicht sagen – aber, wenn ich einmal spekulieren darf: vielleicht etwas aus dem Bereich der druckfähigen Materialien und Verarbeitungsverfahren. Das könnte in Richtung einer längeren Haltbarkeit, einer verbesserten Oberflächengüte, Polierbarkeit und Hygienefähigkeit bei Schienen und Prothesen gehen.

Sie haben anlässlich des Europäischen Pressegesprächs im Vorfeld der IDS gesagt, dass sich die Zahntechniker freuen, auf der Messe wieder mit Gleichgesinnten zusammenkommen zu können. Wie sollten sie sich auf die IDS vorbereiten?

Dominik Kruchen: Dieses Jahr ist eine stringente Planung besonders wichtig. Dazu gehört es, sich schon im Vorfeld genau zu informieren: Welche Aussteller sind da? Welche davon möchte ich gezielt ansteuern?

Wie wähle ich meinen Weg durch die Hallen? Und das dann in Köln konsequent durchziehen! Ich persönlich werde es jedenfalls so handhaben und verspreche mir eine IDS 2021, die die Zahntechniker in den Messehallen in ihrer Kompetenz stärkt und so ihre Labore für die Zukunft auf die Erfolgsspur bringt.

Besten Dank für das Gespräch.

Näheres zum Autor des Fachbeitrages: Dr. Christian Ehrensberger


Patientenorientiert, digitalisiert und im Team
IDS2021 A5Q AG8014 v06 DE

Neben einer Reihe von Innovationen bei den bewährten CAD/CAM-Produkten und Materialien wird Amann Girrbach auf der IDS den Schwerpunkt auf Lösungen zur interdisziplinären Zusammenarbeit von Labor und Praxis legen. 

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