Interview

Majed Al Hamwi und sein Ausbilder ZTM Stefan Kloos im Interview

Wie der Kuraray Noritake Azubi-Award angehende Zahntechniker inspiriert

ZTM Stefan Kloos (links) und sein Azubi Majed Al Hamwi im Labor in Kaltenkirchen.
ZTM Stefan Kloos (links) und sein Azubi Majed Al Hamwi im Labor in Kaltenkirchen.

Majed Al Hamwi (Dentallabor Jung, Kaltenkirchen) lernt den Beruf des Zahntechnikers. Er gewann den ersten Platz beim Azubi-Award (Level 2) von Kuraray Noritake. Zusammen mit seinem Chef, ZTM Stefan Kloos, beantwortet er im Interview einige Fragen zum Wettbewerb, zur Ausbildung als Zahntechniker und wie er inspiriert wurde.

Wie fühlt es sich an, Gewinner eines Keramik-Awards zu sein?

Majed Al Hamwi: Ganz ehrlich? Ich hätte nicht gedacht, dass ich unter den Gewinnern sein kann. Dass ich es nun geschafft habe, ist für mich ein großes Glücksgefühl. Mit meiner eigenen Leistung ein so tolles Ergebnis erzielt zu haben, freut mich sehr.

Wie kam es zu der Entscheidung, am Azubi-Award von Kuraray Noritake teilzunehmen?

Majed Al Hamwi: Bereits zu Beginn meiner Ausbildung habe ich mich entschlossen, dass ich jede Gelegenheit nutzen werde, um mich intensiv mit dem Beruf zu beschäftigen. Ich möchte ein richtig guter Zahntechniker werden und viele Erfahrungen sammeln. Dieser Wettbewerb bot mir die tolle Möglichkeit, mich mal abseits vom Ausbildungsrahmenplan mit einer neuen Aufgabe zu beschäftigen.

Wie war die Teilnahme an dem Wettbewerb und wo lag die größte Hürde?

  • Kuraray Noritake Azubi-Award: Majed Al Hamwi (Erstplatzierter Level 2) und Hannah Ziegler.

  • Kuraray Noritake Azubi-Award: Majed Al Hamwi (Erstplatzierter Level 2) und Hannah Ziegler.
    © Kieschnick
Majed Al Hamwi: Die Aufgabenstellung empfand ich spannend und als eine echte Herausforderung. Die beiden größten Herausforderungen waren die Materialien, die ich bis zu diesem Zeitpunkt nicht kannte, und das knappe Zeitfenster. Es war nicht ganz einfach, das Herstellen der Wettbewerbsarbeit mit dem Blockunterricht in der Berufsschule zu vereinen. Letztlich kam ich jedoch mit den Materialien gut zurecht und habe die Zeit gut „gemanagt“. Durch die Herausforderung habe ich auch viel gelernt!

Was nehmen Sie aus der Wettbewerbsteilnahme für sich persönlich mit?

Majed Al Hamwi: Mir ist bewusst geworden, dass man sich seine eigenen Wünsche und Ziele erfüllen kann. Dazu braucht es Motivation und den festen Willen, etwas Neues zu lernen.

Herr Kloos, Sie sind der Ausbilder von Majed Al Hamwi. Warum haben Sie ihn für die Teilnahme am Wettbewerb motiviert?

ZTM Stefan Kloos: Ehrlich gesagt, brauchte ich ihn gar nicht zu motivieren. Er war sofort bereit und interessiert, an dem Wettbewerb teilzunehmen – sogar ohne zu wissen, was da auf ihn zukommt. Das hat mich sehr gefreut. Wir brauchen motivierte und talentierte junge Menschen in unserem Beruf. Ich versuche, allen Mitarbeitern und Azubis die gleichen Möglichkeiten zu bieten, und unterstütze sie, sich selbst auszuprobieren und weiterzuentwickeln. Es gibt zukünftig immer größere Herausforderungen, die wir nur mit engagiertem Nachwuchs meistern werden.

Für wie relevant erachten Sie einen solchen Wettbewerb in Zeiten des Fachkräftemangels?

ZTM Stefan Kloos: Ich halte solche Wettbewerbe für sehr wichtig und eine tolle Ergänzung in der Ausbildung! Wir brauchen Anreize auf möglichst vielen Ebenen, um in der Zahntechnik gute Fachkräfte zu bekommen und zu halten. Sich frühzeitig im Berufsleben Ziele zu setzen, aus Erfahrungen zu lernen und eine Wertschätzung für erbrachte Leistungen zu bekommen, sind Möglichkeiten, Motivation zu erhalten und zu fördern. Wir wollen schließlich nicht „nur“ Fachkräfte, sondern richtig gute und motivierte Zahntechnikerinnen und Zahntechniker. Unser Beruf wird immer komplexer und die Erwartungen von Zahnärzten sowie Patienten werden sich weiter verändern.

Wenn ich einen Wunsch frei hätte, würde ich mir wünschen, dass sich auch die Berufsschulen noch mehr mit neuen Möglichkeiten beschäftigen, wie sie die Azubis fördern können, und derartige Wettbewerbe und Azubi-Kongresse oder Fortbildungen speziell für Azubis bewerben und bekannt machen. Wenn wir die Weiterentwicklung und Wertschätzung für junge Menschen fördern, werden wir attraktivere Rahmenbedingungen schaffen und können dem Fachkräftemangel entgegenwirken.

Warum haben Sie sich für den Beruf „Zahntechniker“ entschieden?

  • Jurymitglied ZTM Jochen Peters übergab den Preisscheck und die Siegerurkunde an Majed Al Hamwi.

  • Jurymitglied ZTM Jochen Peters übergab den Preisscheck und die Siegerurkunde an Majed Al Hamwi.
    © Kieschnick
Majed Al Hamwi: Zahntechnik ist für mich ein Beruf, der viele innovative Entwicklungen mit einem künstlerisch- handwerklichen Tun vereint. Das ist eine interessante Mischung. Wir müssen die Formen und Funktionen der Natur verstehen und nachahmen oder kopieren. Das ist alles so vielseitig und deshalb ein Traumberuf für mich.

Was motiviert Sie in Ihrem Arbeitsalltag?

Majed Al Hamwi: Über meine Motivation denke ich oft nach. Ich komme aus Syrien und bin erst seit ein paar Jahren in Deutschland. Das Land, die Mentalität und die Sprache sind neu für mich und ich lerne jeden Tag dazu. Mich motiviert es, diesen Beruf als Grundlage für meine Existenz zu erlernen. Ich möchte mit einer qualitativ hochwertigen zahntechnischen Arbeit einen großen Schritt in meine Zukunft gehen.

Herr Kloos, wie unterscheidet sich die Ausbildung im Dentallabor „heute“ von der Ausbildung vor zehn Jahren?

  • Die Modelle für die Wettbewerbsarbeit. Anzufertigen waren vollkeramische Kronen auf den Zähnen 23 und 24.

  • Die Modelle für die Wettbewerbsarbeit. Anzufertigen waren vollkeramische Kronen auf den Zähnen 23 und 24.
    © Kieschnick
ZTM Stefan Kloos: Wir haben aus meiner Sicht einen wirklich großen Wandel in der Ausbildung – bedingt durch die Art der Ausbildung und insbesondere durch die jungen Auszubildenden an sich. Die Herausforderungen an eine umfassende Ausbildung steigen mit jedem neuen System, welches wir in unsere Labore integrieren. Die erforderlichen Grundkenntnisse im Bereich Herstellungstechniken, Material, Handwerk und Kommunikation werden anspruchsvoller. Wir brauchen ein immer umfassenderes Wissen, um digitale Systeme sicher und sinnhaft zu bedienen und einzusetzen. Gleichzeitig bekommen wir mehr Materialien mit unterschiedlichen Eigenschaften und Vorgaben bei der Verarbeitung, was eine große Fachkompetenz erfordert. Andererseits sind die Auszubildenden in ihren Erwartungen und in dem, was sie – vielleicht zum Teil aus ihrer Herkunft bedingt – mitbringen, sehr verschieden. Da brauchen wir als Ausbilder eine große soziale Kompetenz und müssen die junge Generation wahrnehmen und verstehen, um gemeinsam Ziele zu erreichen. Ich denke, heute wird von Azubis viel mehr hinterfragt und infrage gestellt als einst.

Herr Al Hamwi, was sind Ihre beruflichen Ziele bzw. in welchem Bereich der Zahntechnik würden Sie sich am wohlsten fühlen?

Majed Al Hamwi: Ich fühle mich in jeder Abteilung und in jedem Bereich des Labors sehr wohl, weil jeder Schritt in der Herstellung wesentlich und interessant ist. Die Zahntechniker ergänzen sich, um die beste Arbeit für den Patienten herzustellen. Mir macht die Zusammenarbeit im Team sehr viel Spaß und ich denke, dass es diese Arbeitsumgebung ist, in der ich mich wohlfühle. In welchen Bereich der Zahntechnik ich mal meinen beruflichen Schwerpunkt legen möchte, entscheide ich nach der Ausbildung. Erst mal will ich alles lernen und verfolge mit großem Interesse die vielen Veränderungen, die es im Labor gibt.

Vielen Dank für die Antworten. 

Näheres zum Autor des Fachbeitrages: ZT Annett Kieschnick


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