Ästhetik

Teil 2: Veneer-Keramikschichtung, Oberflächengestaltung, Feinbearbeitung, abschließende zahntechnische Gedanken

Ästhetische Veneers – traditionell gefertigt, garantiert ohne CAD/CAM!


Je dünner die Verblendschale ist, desto mehr kommt es auf abgestimmte Arbeitsschritte an, um das gewünschte Endergebnis zu erzielen.

Im ersten Teil dieses Fachberichtes waren Ausführungen zur Veneer-Technik, zur Wahl des Herstellverfahrens sowie zur Modell- und Stumpfvorbereitung zu lesen. Dieser zweite Teil konzentriert sich auf die Form- und Farbgestaltung und auf die Feinbearbeitung von Veneers.

Lückenlos glücklich – mit Blick auf das Thema „Farbe und Oberflächentextur“

Die Abbildungen 28 bis 30 zeigen einzelne Schritte meiner Keramikschichttechnik mit Creation Classic, Willi Geller Creation Deutschland, Breckerfeld. Da ein deutlicher Längenunterschied der Stümpfe 11 und 21 bestand, habe ich den inzisalen Bereich mit einer Mischung aus verschiedenen chromatischen Keramikmassen – Opak-Dentin und Dentin – angepasst respektive verlängert. Im sensiblen Randbereich arbeitete ich zuerst pur mit einer glasklaren Keramikmasse (CL-O), um für den Chamäleon-Effekt einen sanften farblichen Übergang zu schaffen. Das Vervollständigen der Form erfolgte mit verschiedenen Massen, je nach den von mir gewünschten Farbeffekten – oder besser gesagt: dem entsprechend, wie die ausgesuchte Wunschfarbe des Patienten sein sollte! Die Bilder zeigen, dass durch mein gezieltes Leistenmanagement – Lichtreflexionen und Geller-Flügel – die Lücken anatomisch geschlossen werden konnten (Abb. 31 und 32).

  • Abb. 28: Die Einbettmasse-Stümpfe müssen nach den Herstellerangaben als erstes einem Entgasungsbrand unterzogen werden, danach erfolgt eine Versiegelung der Oberfläche mit CL-O Keramikmasse von Creation Classic.
  • Abb. 29: Der Höhenunterschied wurde mit chromatischen Massen ausgeglichen. Wichtig: Vor dem Auftragen der Keramikmasse müssen die Einbettmassen-Stümpfe immer gewässert werden.
  • Abb. 28: Die Einbettmasse-Stümpfe müssen nach den Herstellerangaben als erstes einem Entgasungsbrand unterzogen werden, danach erfolgt eine Versiegelung der Oberfläche mit CL-O Keramikmasse von Creation Classic.
  • Abb. 29: Der Höhenunterschied wurde mit chromatischen Massen ausgeglichen. Wichtig: Vor dem Auftragen der Keramikmasse müssen die Einbettmassen-Stümpfe immer gewässert werden.

  • Abb. 30: Nach dem ersten Hauptbrand; hier könnte ein Mal-Zwischenbrand zusätzliche Akzente setzen.
  • Abb. 31: Fertig ausgearbeitete Veneers noch auf Einbettmasse-Stümpfen mit Zahnfleischmaske.
  • Abb. 30: Nach dem ersten Hauptbrand; hier könnte ein Mal-Zwischenbrand zusätzliche Akzente setzen.
  • Abb. 31: Fertig ausgearbeitete Veneers noch auf Einbettmasse-Stümpfen mit Zahnfleischmaske.

  • Abb. 32: Ohne Maske: Zwischen 11 und 21 sieht man im zervikalen Bereich die gewollte Überkonturierung, um die Lücken schließen zu können.
  • Abb. 32: Ohne Maske: Zwischen 11 und 21 sieht man im zervikalen Bereich die gewollte Überkonturierung, um die Lücken schließen zu können.

Interessant ist auch die optische Wirkung der flexiblen Zahnfleischmaske. Das Betrachten beider Varianten mit und ohne Gingivamaske führt zu unterschiedlichen Ergebnissen. Ohne Gingivamaske sehen die Veneers falsch dimensioniert aus. Man braucht also die wichtigen Informationen der Schleimhautareale rund um die Restauration, andernfalls entstünden nur ästhetische Zufallsprodukte. Und Ästhetik sollte nicht dem Zufall überlassen sein. Mit Goldpuder lässt sich sehr schön die Oberfläche kontrollieren, da sich das Auge hier auf die Form konzentrieren kann und die Farbe von Gips und Restauration nun identisch ist (Abb. 33). Sind alle Brennvorgänge abgeschlossen, sind Form und Funktion erarbeitet, müssen die Einbettmassestümpfe vorsichtig weggestrahlt werden. Es sollten hierfür Glanzstrahlperlen (Aluminiumoxid, 50 Mikrometer) mit maximal 2 bar und im Randbereich maximal 1 bar benutzt werden. Nach dem Abstrahlen und Säubern lassen sich sehr schön der Farbverlauf im Randbereich und der daraus resultierende Chamäleon-Effekt erkennen. Ein vorsichtiges Ausarbeiten im Randbereich mit Gummipolieren und Hochglanzlinse war notwendig, um die Passung zu perfektionieren. Ein Gips-Kontrollmodell nutzte ich optional, um minimale Schleifkorrekturen durchzuführen (Abb. 34 bis 38). Mit Hilfe eines Splints (Positionierungsschlüssel) lässt sich das Positionieren der Veneers in situ erleichtern. Dazu verwendete ich den lichthärtenden Modellierkunststoff picobello von picodent, Wipperfürth, der schnell und einfach aus einer Spritze aufgetragen wird. Kontrollfenster in der Inzisalkante des Schlüssels erleichterten mir eine schnelle Kontrolle in situ (Abb. 39 bis 41).

  • Abb. 33: Letzte Formkontrolle mit Goldpuder, bevor die Einbettmasse weggestrahlt wird.
  • Abb. 34: Die hitzebeständigen Pins sind durch die Brennvorgänge, wie alle Metalle, oxidiert.
  • Abb. 33: Letzte Formkontrolle mit Goldpuder, bevor die Einbettmasse weggestrahlt wird.
  • Abb. 34: Die hitzebeständigen Pins sind durch die Brennvorgänge, wie alle Metalle, oxidiert.

  • Abb. 35: Der erste Eindruck: schöne Lichtdurchlässigkeit im Randbereich (Chamäleon-Effekt).
  • Abb. 36: Mit Gummipolierern werden die Ränder noch leicht überarbeitet.
  • Abb. 35: Der erste Eindruck: schöne Lichtdurchlässigkeit im Randbereich (Chamäleon-Effekt).
  • Abb. 36: Mit Gummipolierern werden die Ränder noch leicht überarbeitet.

  • Abb. 37: Endstation Kontrollmodell – minimale Korrekturen sind noch möglich.
  • Abb. 38: Alterstypische Strukturen wurden dezent eingearbeitet.
  • Abb. 37: Endstation Kontrollmodell – minimale Korrekturen sind noch möglich.
  • Abb. 38: Alterstypische Strukturen wurden dezent eingearbeitet.

  • Abb. 39: Fast fertig - nur erhält Zahn 12 noch eine chairside zu legende Komposit-Füllung.
  • Abb. 40: Das Material picobello, das es in Spritzen- oder Stangenform gibt, ist lichthärtend.
  • Abb. 39: Fast fertig - nur erhält Zahn 12 noch eine chairside zu legende Komposit-Füllung.
  • Abb. 40: Das Material picobello, das es in Spritzen- oder Stangenform gibt, ist lichthärtend.

  • Abb. 41: Inzisale Aussparungen erleichtern die visuelle Kontrolle der Passung.
  • Abb. 41: Inzisale Aussparungen erleichtern die visuelle Kontrolle der Passung.

Den Abbildungen 42 bis 47 ist die fertige Restauration in situ zu entnehmen. Das Ergebnis entsprach den Erwartungen des Patienten voll und ganz! Jedoch steckt der Teufel im Detail ... wie unschwer zu erkennen ist, erscheint die chairside erstellte Zahnhalsfüllung bei 12 als etwas überkonturiert, zudem ist die Farbe etwas zu hell geraten. Aus meiner jetzigen Sicht hätte ich in den Veneer-Restaurationen zusätzlich mehr Farbeffekte einarbeiten müssen. Der Gesamteindruck mit Lippenbild zeigte sich jedoch versöhnlich, sodass sich die Veneers unauffällig und harmonisch integrierten. Der Patient äußerte sich beglückt, denn seine Wünsche wurden schließlich alle erfüllt.

  • Abb. 42 bis 45: Die fertigen Veneers in situ. Die chairside erstellte Zahnhalsfüllung 12 erscheint etwas zu hell …
  • Abb. 46: ... stört den Gesamteindruck mit Lippenbild jedoch nicht.
  • Abb. 42 bis 45: Die fertigen Veneers in situ. Die chairside erstellte Zahnhalsfüllung 12 erscheint etwas zu hell …
  • Abb. 46: ... stört den Gesamteindruck mit Lippenbild jedoch nicht.

  • Abb. 47: Ein lückenlos glücklicher Patient.
  • Abb. 47: Ein lückenlos glücklicher Patient.

Ein weiterer Fall wurde mit gleichartiger Vorgehensweise gelöst. Im inzisalen Randbereich lagen fast glasklare Verhältnisse vor, im mittleren Drittel der Veneers ist das Chroma sehr schwach – und doch, oder vielleicht gerade deshalb, integrieren sich diese Veneers harmonisch in ihr natürliches Umfeld. Besonderes Augenmerk verdient die lebhafte Oberflächentextur, die hier den Großteil an Illusion von Natürlichkeit erzeugt. Neben Farbe kommt es eben besonders auch auf die Formen und Strukturen an, die im Zusammenspiel eine perfekte Illusion erzeugen können (Abb. 48 bis 52).

  • Abb. 48: Zweiter Patientenfall, ähnliche Ausgangssituation, gleiche Vorgehensweise.
  • Abb. 49: Fertige Veneers warten auf ihren Einsatz …
  • Abb. 48: Zweiter Patientenfall, ähnliche Ausgangssituation, gleiche Vorgehensweise.
  • Abb. 49: Fertige Veneers warten auf ihren Einsatz …

  • Abb. 50: … hauchdünn, zart und zerbrechlich bis zur Verklebung.
  • Abb. 51: Ein schönes Ergebnis, der Chamäleon-Effekt und die passende Oberflächenstruktur ergeben eine perfekte Illusion.
  • Abb. 50: … hauchdünn, zart und zerbrechlich bis zur Verklebung.
  • Abb. 51: Ein schönes Ergebnis, der Chamäleon-Effekt und die passende Oberflächenstruktur ergeben eine perfekte Illusion.

  • Abb. 52: Der junge Patient dankt es uns mit einem glücklichen Lächeln.
  • Abb. 52: Der junge Patient dankt es uns mit einem glücklichen Lächeln.

Fazit

Damit bin ich wieder bei meiner Aussage im ersten Teil angelangt: Solch feine Strukturen können durch Fräswerkzeuge nicht geschaffen werden. Aus den vielen Möglichkeiten Veneers herzustellen, wie zum Beispiel im Pressverfahren (mit und ohne Cut-Back), digital erstellt und gefräst oder ganz traditionell keramisch geschichtet – ich habe mich entschieden, wie hier vorgestellt. Im Laufe der Zeit werden sicherlich weiter verbesserte Materialien entwickelt, um Kantenstabilität, Elastizität, Homogenität und lichtoptische Eigenschaften noch zu steigern. Allen Ansprüchen gerecht zu werden, ist sehr schwer. Die Zukunft wird es zeigen. Welche Materialien und Verfahren letztendlich zum Einsatz kommen, entscheidet das Team aus Zahnarzt, Zahntechniker und Patient. Gerüste aus dem CAD/CAM sind gut und erleichtern den Alltag. Es muss im Sinne der Ästhetik jedoch wohl überlegt werden, welches Verfahren zum individuellen Ziel führt. Unser stetes Bestreben besteht darin, naturgetreuen Zahnersatz zu gestalten. Für mich bleibt das hier gezeigte Verfahren (noch) der zuverlässigste Weg zur ästhetischen Restauration, die sich unauffällig in den Zahnbogen eingliedert. Hier dankten es mir die beiden Patienten mit einem glücklichen Lächeln.

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VERWENDETE MATERIALIEN

Superhartgips: picodent quadro-rock, elfenbeinfarben
Gingivamaske: Majesthetik-Gingiimplant
Pinsystem: smart-pin
Interdentale Blockpins: Pillar-Pin
Hitzebeständige Pins: picodent
Texturpuder: Majesthetik-Texturpuder, gold
Lichthärtender Modellierkunststoff: picobello
Dublier-Silikon: twinsil speed
> Alle Produkte: picodent, Wipperfürth

sowie:

Dublieren: Jet Dublier Küvette, Jan Langner, Schwäbisch Gmünd
Trennen: Haushalt-Frischhaltefolie
Einbetten: Feuerfeste Einbettmasse, Begoform, Bego, Bremen
Verblenden: Leuzitverstärkte Keramik, Creation Classic, Willi
Geller Creation Deutschland, Breckerfeld

Näheres zum Autor des Fachbeitrages: ZTM Thomas Weiler

Bilder soweit nicht anders deklariert: ZTM Thomas Weiler



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