Ästhetik

Das Schichtkonzept mit IPS e.max Ceram Power

Sonnige Zeiten: Kraftvoll zu mehr Helligkeit

16.10.2018

Der wichtigste Wert bei der Imitation der lichtoptischen Eigenschaften natürlicher Zähne ist der Helligkeitswert (Value). Diesen gezielt steuern zu können, ist eine wesentliche Voraussetzung bei der Herstellung keramischer Restaurationen. Mit den neuen Power-Massen innerhalb des IPS e.max Ceram-Keramiksortiments wird der Zahntechniker zum Dirigenten des Helligkeitswerts.

Der Arbeitsalltag im Dentallabor und in der Zahnarztpraxis hat sich in den vergangenen Jahren stark verändert. Die Zusammenarbeit zwischen Zahnarzt und Zahntechniker ist vielseitiger und komplexer geworden. Hierdurch können die individuellen Bedürfnisse des Patienten noch besser erfüllt werden. Die Planung einer jeden prothetischen Therapie ist nach wie vor eine wichtige Grundlage. Um ein hochwertiges Arbeitsergebnis zu gewährleisten, ist für den Zahntechniker in diesem Zusammenhang der Patientenkontakt von großer Bedeutung geworden. Zudem sollte der Zahntechniker sein Handwerk beherrschen und das Verständnis für die anatomischen, funktionellen und ästhetischen Faktoren des natürlich bezahnten Gebisses besitzen.

Handling vollkeramischer Materialien

Ein weiterer wichtiger Aspekt für die erfolgreiche prothetische Therapie sind die geeigneten Materialien. In der modernen Zahnheilkunde hat der festsitzende Zahnersatz aus Vollkeramik eine hohe Relevanz im klinischen Alltag. Die auf dem Dentalmarkt befindlichen Schichtkeramiken und die Vielzahl Gerüstwerkstoffen bieten ein beachtliches Portfolio für das erfolgreiche Behandlungskonzept – abgestimmt auf die unterschiedlichen Indikationen und die jeweilige Kasuistik. Durch das große Angebot ist es jedoch nicht immer leicht, das optimale Material auszuwählen.

Aufgabe des Zahntechnikers ist es, prothetische Versorgungen zu fertigen, die eine lange Lebensdauer aufweisen. Funktionale, biologische sowie ästhetische Perfektion sollten auf die individuellen Bedürfnisse und Anforderungen des Patienten eingestellt sein. Hierfür ist es unabdingbar, sich mit den Werkstoffeigenschaften der verschiedenen Materialien auseinanderzusetzen und z. B. die Besonderheiten des entsprechenden Keramiksortiments zu kennen. So empfiehlt es sich beispielsweise für die Beurteilung der lichtoptischen Eigenschaften einer Verblendkeramik, individuell gefertigte Farbmusterproben anzufertigen. Hinsichtlich Biokompatibilität, Stabilität, Ästhetik, Verarbeitung, Chroma, Helligkeitswert und Farbton sollten die zum Einsatz kommenden Materialien ideal aufeinander abgestimmt sein.

In diesem Artikel werden die neuen IPS e.max® Ceram Power- Massen vorgestellt. Anhand eines Patientenfalles werden die Einsatzmöglichkeiten und Stärken der neuen Verblendkeramik dargestellt.

Das Power-Konzept

Das bewährte IPS e.max Ceram-Sortiment ist durch die Power Dentin- und Power Incisal-Keramiken erweitert worden. Die neuen Power-Keramikmassen besitzen einen höheren Helligkeitswert (Value). Somit integriert das IPS e.max Ceram-Keramiksortiment neue Dentinkeramikmassen mit drei unterschiedlichen Helligkeitswerten und kleinen Unterschieden in der Opazität und im Chroma.

Dentin → Deep Dentin → Power Dentin
–      Value (Helligkeit)    +
 

Die Gegenüberstellung zeigt, dass die Dentinmassen den geringsten Helligkeitswert haben und dass mit den neuen IPS e. max Ceram Power-Keramikmassen die höchsten Werte erreicht werden. Gerade bei Einzelzahnrekonstruktionen ergibt sich hieraus ein größeres Spektrum zur gezielten Wiederherstellung der Ästhetik.

Besonders indiziert sind die Power-Massen in folgenden Situationen:

  • reproduzierbare natürliche Helligkeit auf transluzenten Gerüsten
  • Helligkeitssteuerung
  • lebendige Wechselschichtung
  • Rekonstruktion natürlicher Zähne mit hohem Value
  • stabiler Value bei geringen Schichtstärken

Patientenfall

Eine der größten Herausforderungen für das Behandlungsteam ist die Rekonstruktion minimalinvasiv präparierter Frontzähne. Bei diesen Indikationen wird dem Zahntechniker höchste Aufmerksamkeit abverlangt. Es bedarf eines hohen Verständnisses für die lichtoptische Analyse der natürlichen Zähne und der Fähigkeit, dies mit einem individuellen Schichtschema in Keramik umzusetzen. Um eine ästhetische harmonisierte Wiederherstellung zu erzielen, ist es unabdingbar, die lichtdynamischen Merkmale des jeweiligen Keramiksortimentes zu verstehen.

  • Abb. 1: Ausgangssituation. Die Zähne 11 und 21 sollen mit Veneers versorgt werden.

  • Abb. 1: Ausgangssituation. Die Zähne 11 und 21 sollen mit Veneers versorgt werden.
    © Bastian Wagner
Die Power-Keramikmassen erweitern die Auswahlmöglichkeiten und stellen mit ihrem hohen Helligkeitswert einen deutlichen Mehrwert im IPS e.max Ceram-Sortiment dar. Der Helligkeitswert lässt sich signifikant besser steuern. Der Zahntechniker erhält die Option zur gezielten Regulierung der Helligkeit während der verschiedenen Arbeitsschritte. Anhand einer Patientensituation wird die Vielseitigkeit des erweiterten Keramiksortiments dargestellt. Im gezeigten Fall sollen bei einem Patienten die beiden oberen Frontzähne mit keramischen Veneers versorgt werden (Abb. 1). Gewünscht war eine ästhetische Verbesserung der Zahnfarbe sowie der Zahnform. Die natürlichen Zähne wurden nur minimal beschliffen. Somit wurde Platz für die keramischen Schalen geschaffen.

Farbbestimmung

Nach einer gemeinsamen Analyse der Ausgangssituation und Planung des angestrebten Ziels wurden die Zahnfarbe und die lichtoptischen Eigenschaften beurteilt. Für die Bestimmung des Farbtons (Hue), der Farbsättigung (Chroma) und der Farbhelligkeit (Value) sind grundsätzlich Farbmuster des jeweiligen Keramiksortiments wichtig. Die präoperative Farbanalyse ergab einen hohen Helligkeitswert im Körperbereich der beiden Zähne. Die anhand der Farbauswahl ermittelten Keramikmassen wurden in einem individuellen Schichtschema festgehalten. Die Abbildungen 2–4 verdeutlichen die Wichtigkeit der gezielten Farbanalyse mit fotografischer Dokumentation.

  • Abb. 2: Bestimmen der Grundzahnfarbe.
  • Abb. 3: Bestimmen der lichtoptischen Eigenschaften mit speziellen Farbstäbchen (hier Opal-Effectmassen).
  • Abb. 2: Bestimmen der Grundzahnfarbe.
  • Abb. 3: Bestimmen der lichtoptischen Eigenschaften mit speziellen Farbstäbchen (hier Opal-Effectmassen).

  • Abb. 4: Ermitteln der Zahnfarbe an den beschliffenen Zähnen.
  • Abb. 4: Ermitteln der Zahnfarbe an den beschliffenen Zähnen.

Gerade bei Zahnfarben mit hohem Value-Wert sind die neuen Power-Keramikmassen gut geeignet. Sie erleichtern die Rekonstruktion jugendlicher oder gebleichter Zähne. Die Stärke der Power-Schichtkeramik kam auch bei dieser minimalinvasiven Situation zur Geltung. 

Wenn der Helligkeitswert nicht durch ein Gerüst gesteuert werden kann, ist es umso wichtiger, eine Keramik mit hohem Value zu verwenden. Ein „Abgrauen“ der Restauration wird dadurch vermieden. Die Gefahr des Grauschimmers besteht z.B. bei einem transluzenten Gerüstmaterial sowie bei Indikationen, bei denen auf ein Gerüst verzichtet wird.

Herstellung der Veneers

Zur Wiederherstellung der Frontzahnästhetik wurden die Veneers auf feuerfesten Stümpfen individuell geschichtet (Abb. 5 u. 6). Bei dieser Kasuistik weisen die präparierten Stümpfe eine leichte Verfärbung auf, die es mit der Schichtkeramik zu demaskieren gilt. Anhand der hohen Reflexion (Value) konnte mit minimaler Schichtstärke die gewünschte Helligkeit erzielt werden. Für eine lebendige Schichtung wurde mit verschiedenen „Effectmassen“ gearbeitet. Hierdurch sind die natürlichen lichtoptischen Eigenschaften imitiert worden (Abb. 7–9). Eine Wechselschichtung mit den Power Incisal- und den herkömmlichen Incisal-Keramikmassen aus dem IPS e.max Ceram-Sortiment verlieh der keramischen Verblendung mit wenig Aufwand eine sehr hohe lichtdynamische Wirkung (Abb. 10). Durch die Wechselwirkung der unterschiedlichen Helligkeitswerte entstand eine natürliche Tiefenwirkung bei einer nur minimalen Schichtstärke (Abb. 11–13).

  • Abb. 5: Geller-Modell mit Einbettmassestümpfen.
  • Abb. 6: Schichtung der Veneers für den ersten Brand.
  • Abb. 5: Geller-Modell mit Einbettmassestümpfen.
  • Abb. 6: Schichtung der Veneers für den ersten Brand.

  • Abb. 7 u. 8: Wechselschichtung der bei der Farbnahme bestimmten keramischen Massen.
  • Abb. 9: Für den zweiten Brand vorbereitet.
  • Abb. 7 u. 8: Wechselschichtung der bei der Farbnahme bestimmten keramischen Massen.
  • Abb. 9: Für den zweiten Brand vorbereitet.

  • Abb. 10: Die Veneers mit hoher Lichtdynamik auf dem Modell.
  • Abb. 11 u. 12: Veneers auf den Zähnen 11 und 21. Der Helligkeitswert der benachbarten Zähne ist exakt wiedergegeben. Es zeigt sich eine natürliche Tiefenwirkung bei minimaler Schichtstärke.
  • Abb. 10: Die Veneers mit hoher Lichtdynamik auf dem Modell.
  • Abb. 11 u. 12: Veneers auf den Zähnen 11 und 21. Der Helligkeitswert der benachbarten Zähne ist exakt wiedergegeben. Es zeigt sich eine natürliche Tiefenwirkung bei minimaler Schichtstärke.

  • Abb. 13: Harmonie in Farbe und Form. Die beiden oberen Einser wirken deutlich markanter und haben die gewünscht helle Zahnfarbe.
  • Abb. 13: Harmonie in Farbe und Form. Die beiden oberen Einser wirken deutlich markanter und haben die gewünscht helle Zahnfarbe.

Fazit

Für die harmonische Farbwiedergabe natürlicher Zähne ist es wichtig, die bei der Farbanalyse gewonnenen Informationen zu den lichtdynamischen Eigenschaften widerzuspiegeln. Den wichtigsten Wert stellt der Helligkeitswert (Value) dar. Ist dieser nicht exakt getroffen, wird auch ein Laie die keramische Restauration bei geringem Sprechabstand als solche erkennen. Bei einem zu hohen Value erscheint die Restauration zu „weiß“, bei einem zu geringen Wert zu grau. Für den Zahntechniker ist es wichtig, auf den Helligkeitswert einer Verblendkeramik Einfluss nehmen zu können. Hierfür bedarf es geeigneter Keramikmassen sowie einer Arbeitsweise, die auf den Patienten abgestimmt ist. Beim Einsatz transluzenter Gerüstwerkstoffe sowie bei minimalinvasiven Restaurationen stellen die neuen IPS e.max Ceram Power-Keramikmassen ein großes Plus im Laboralltag dar. Der Helligkeitswert kann mit diesen Massen selbst zu einem späteren Zeitpunkt noch angepasst werden, z.B. wenn bei der Einprobe festgestellt wird, dass die Helligkeit erhöht werden muss. Das gibt dem Zahntechniker eine hohe Sicherheit, denn Verbesserungen lassen sich einfach umsetzen. Eine Neuanfertigung der Verblendung für die Korrektur der Helligkeit wird in vielen Fällen umgangen. Die Power Ceram-Massen bieten mehr Sicherheit, um den Helligkeitswert der natürlichen Zähne exakt imitieren zu können.

Nachdruck aus Reflect 01/2018 S. 4–7.

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Näheres zum Autor des Fachbeitrages: Bastian Wagner


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