Digitale Systeme


Basiswissen exocad – so geht‘s

Auswahl des Schrittes „Scandaten-Ausrichtung“ im Expertenmodus.
Auswahl des Schrittes „Scandaten-Ausrichtung“ im Expertenmodus.

Praxen arbeiten zunehmend mit Intraoralscannern. Labore müssen mit den gesendeten STL-Dateien professionell umgehen können. Sebastian Jellinek und Markus Lenhardt, Geschäftsführer des digital ausgerichteten Dentallabors Densera, zeigen anhand einer alltagstauglichen Schritt-für-Schritt-Anleitung, wie man die digital zugesendeten Arbeitsunterlagen handhabt.

Wir leben in einer Zeit, in der das Thema Digitalisierung in der Zahntechnik verschiedene Reaktionen auslöst – auf der einen Seite leuchtende Augen bei digital affinen Zahntechnikerinnen und Zahntechnikern sowie dem Nachwuchs, auf der anderen Seite uninteressiertes Abwinken jener, die die Zahntechnik als rein analoge Handwerkskunst kennen und lieben gelernt haben. Der folgende Artikel sei vor allem Letzteren gewidmet. Denn das Aufgabengebiet der Zahntechnik erweitert sich unaufhaltsam um diverse digitale Aspekte.

Fähigkeiten wie etwa STL-Dateien zu exportieren und per Mail zu versenden, zählen bald zu den Basisanforderungen, um im zahntechnischen Berufsfeld zukunftsfähig zu bleiben. Während „der elektronische Kram“ für die meisten Azubis kein Problem darstellt, bedeutet er für so manchen Laborinhaber eine echte Herausforderung – das zumindest legen unsere Erfahrungen aus dem Bereich der digitalen Weiterbildung nahe. Da Digitalisierung durch den zunehmenden Einsatz von Intraoralscannern nun auch mehr und mehr in den zahnärztlichen Praxen boomt, entsteht für Labore die Aufgabe, mit einer gesendeten STL-Datei ebenso professionell umzugehen wie mit einem Impregumabdruck.

Wie das geht, wird anhand einer Einzelzahnrestauration gezeigt – inklusive entscheidender Tipps und Tricks für einen gelungenen digital hergestellten Zahnersatz. Wir arbeiten dabei mit der CAD-Software von exocad.

Fall anlegen, Scandaten importieren

Einen neuen Patientenfall in der DentalDB-Anwendung von exocad anzulegen, ist recht trivial und lässt sich je nach Indikation intuitiv ausführen. Ein Fall wird entweder importiert oder mit Hilfe des Arbeitsauftrages neu definiert. Nach dem Speichern erhält er eine fortlaufende Nummer. Sie ist im Projektordner im Explorer zu finden.

Die Scandaten können anschließend im jeweiligen Projektordner abgelegt und entsprechend umbenannt werden. Ein Dateiname setzt sich aus der „Projektnummer“ und einer zusätzlichen Beschreibung wie der Kieferbezeichnung zusammen. Werden weitere Scans benötigt, lassen sich zusätzliche Beschreibungen anstelle von „-upperjaw“ auswählen.

Dazu zählen z.B. „-lowerjaw“ für den Unterkiefer, „-gingiva“ für die Gingiva, „-situ“ für Situationsmodelle, „-marker“ für Scanbody-Scans und „-wax-up“ für das Wax-Up. Sind alle Arbeitsunterlagen korrekt angelegt, geht es an das Design.

Restauration konstruieren, Präparationsgrenze anlegen

Nach dem Starten der DentalCAD-Anwendung erscheinen automatisch die Intraoralscandaten. Mithilfe der Assistenzfunktion „Wizard“ wird man grundlegend durch alle Schritte des Designs geleitet. Unabhängig davon sollten als Erstes immer die Scandaten ausgerichtet werden.

Fordert der „Wizard“ nicht selbstständig dazu auf, empfehlen wir, dies manuell zu überprüfen. Dazu muss man nach dem Programmstart in den „Expertenmodus“ wechseln. Indem man mit der rechten Maustaste in den Hintergrund klickt, öffnet sich ein Menü, welches es erlaubt, den Befehl „Scandaten-Ausrichtung“ auszuwählen. (Abb. 1).

  • Abb. 1: Auswahl des Schrittes „Scandaten-Ausrichtung“ im Expertenmodus.
  • Abb. 2: Okklusalseitige Ausrichtung des Arbeitsmodells.
  • Abb. 1: Auswahl des Schrittes „Scandaten-Ausrichtung“ im Expertenmodus.
    © Densera Lab
  • Abb. 2: Okklusalseitige Ausrichtung des Arbeitsmodells.
    © Densera Lab

Wichtig ist, dass das Arbeitsmodell so ausgerichtet wird, dass die Ansicht von okklusal gegeben ist (Abb. 2). Indem man auf die Schaltfläche „Weiter“ klickt, die in Abbildung 2 innerhalb der Assistenzbox zu sehen ist, folgt man anschließend wieder der Vorgehensweise des „Wizard“. Dieser führt zum Menüpunkt „Präparationsgrenze anlegen“.

Dort ist links im Bild jederzeit ersichtlich, an welchem Zahn gerade gearbeitet wird. Schritt für Schritt lassen sich so die Präparationsgrenzen anlegen. Durch einen Linksklick auf das Arbeitsmodell wird von der Software eine Linie vorgeschlagen.

  • Abb. 3: Freie Definition der Präparationsgrenze.

  • Abb. 3: Freie Definition der Präparationsgrenze.
    © Densera Lab
Diese kann kontrolliert und bestätigt oder mithilfe der Option „Ändern/Zeichnen“ angepasst werden. Sofern die Präparation bei Intraoralscandaten nicht supragingival liegt, ist diese vom „Wizard“ selten automatisch erkennbar. Wurde also ortho- oder subgingival präpariert, lässt sich die Präparationsgrenze mittels „Ändern/Zeichnen“ anlegen. Hierbei ist es hilfreich, die Funktion „Magnetisch“ auszuschalten und die Präparationsgrenze mittels der linken Maustaste Punkt für Punkt festzulegen (Abb. 3).

Kronenböden

Im nächsten Schritt widmen wir uns den Kronenböden. Unter Kronenböden versteht man die Unterseite (Kavität) des Kronendesigns. Durch die Anpassung der Werte im Bereich Kronenboden kann die Passung der Krone auf dem Modell/Stumpf eingestellt werden.

  • Abb. 4: Einschubrichtung visualisiert durch grünen Pfeil.

  • Abb. 4: Einschubrichtung visualisiert durch grünen Pfeil.
    © Densera Lab
Der Wizard führt automatisch zu dem entsprechenden Menüpunkt, nachdem die Präparationsgrenzen angelegt wurden. Dort erscheint ein Pfeil über dem präparierten Zahn. Dieser visualisiert die Einschubrichtung und ist entweder grün oder rosa (Abb. 4).

Durch einen Rechtsklick auf den präparierten Zahn erscheint die Option „Einschubrichtung festlegen“. Es öffnet sich ein neues Fenster, das es erlaubt, die optimale Einschubrichtung der Krone zu definieren und durch Linksklick auf „Blickrichtung = Einschubrichtung“ auszurichten.

Mögliche Hinterschnitte werden visualisiert. Dabei ist der Pfeil rosa gefärbt. Sollten keine Hinterschnitte existieren, ist der Pfeil hingegen grün.

Durch Bestätigen mit „OK“ lässt sich die Einschubrichtung übernehmen und man gelangt zurück zu den Kronenböden. Die Einstellung der Kronenböden ist entscheidend für die Passung des Zahnersatzes. exocad bietet vorinstallierte Werte, die als Anhaltspunkte genutzt werden können.

Um jedoch Feineinstellungen durch Erfahrungswerte vorzunehmen, ist es wichtig zu wissen, welcher Wert welchen Einfluss auf die Passung hat. Von kundenspezifischen Anpassungen, wie z.B. des Zementspalts, bis hin zur material- und maschinenbedingten Optimierung sind individuelle Anpassungen umsetzbar. Dabei gilt es, materialabhängige Mindeststärken und Randeinstellungen des Herstellers einzuhalten.

Das Unterschreiten der Mindeststärken beeinflusst das Fräsergebnis negativ und kann zu Ausbrüchen, Rissen und damit zu Fräswiederholungen führen. Hier gibt es folgende Einstellungsmöglichkeiten (Abb. 5 und 6):

  • Abb. 5: Kronenunterseite in Abhängigkeit der Axial- und Radialwerte.
  • Abb. 6: Visualisierung des Einflusses der Axial- und Radialwerte auf die Kronenunterseite.
  • Abb. 5: Kronenunterseite in Abhängigkeit der Axial- und Radialwerte.
    © Densera Lab
  • Abb. 6: Visualisierung des Einflusses der Axial- und Radialwerte auf die Kronenunterseite.
    © Densera Lab

  • Zementspalt: Kundenspezifisch kann hier der Platz des Zementspalts definiert werden. Wichtig zu wissen ist, dass dieser nicht bis zur Präparationsgrenze als Platzhalter fungiert. Wann der Zementspalt beginnt, wird im nächsten Punkt festgelegt.
  • Start: Beschreibt, ab wann der Zementspalt angelegt werden soll. Der Bereich des Zementspalts wird gelb dargestellt. Sind die Fräsergebnisse zu eng, sodass die Krone nicht auf den Stumpf passt und händisch nachbearbeitet werden muss, reicht es nicht, den Zementspalt lediglich zu erhöhen.
  • Weitere Bereiche: Hier können Kronenböden individuell bemalt und somit Abstände hinzugefügt oder verringert werden. „Zementspalt“, „Start“ und „Weitere Bereiche“ können durch die Option des Pinsels individuell gewählt oder abgewählt werden.
  • Zusätzlicher Abstand: Zu unterscheiden ist hier zwischen axialem und radialem Abstand. Die Werte Axial und Radial dienen der Ausdehnung oder Schrumpfung der Kronenunterseite/Kavität. Somit lässt sich steuern, ob die Krone strammer oder lockerer auf dem Stumpf sitzt. Während Axial den vertikalen Abstand verändert, ist der Radiale Wert um die Krone horizontal anzupassen, ohne dabei die Deckelfläche zu verändern.
  • Rand: Hier gibt exocad Hilfestellung in Form einer Skizze. Minimale Einstellungen haben hier zwar einen positiven Effekt im Design, da alle Ränder dünn auslaufend und übergangslos dargestellt werden, jedoch macht dies eine Fertigung nahezu unmöglich, weil dadurch Probleme wie Ausbrüche der Präparationsgrenze und Risse im Material entstehen können.
  • Erweitert: Hier lassen sich Unterschnitte bearbeiten. Befinden sich an einem einzelnen präparierten Stumpf oder bei einer Brücke Unterschnitte an den präparierten Zahnstümpfen, kann ausgeblockt werden, indem der geschützte Bereich um die Präparationsgrenze auf Null gesetzt wird (Abb. 7 und 8).

  • Abb. 7: Einfluss der Kronenbodengestaltung bei falscher Einschubrichtung.
  • Abb. 8: Visualisierung des geschützten Bereichs oberhalb der Präparationsgrenze.
  • Abb. 7: Einfluss der Kronenbodengestaltung bei falscher Einschubrichtung.
    © Densera Lab
  • Abb. 8: Visualisierung des geschützten Bereichs oberhalb der Präparationsgrenze.
    © Densera Lab

Zahnaufstellung und Freiformen

Ist der Menüpunkt „Kronenböden“ in all seinen Facetten bzw. zur Anwenderzufriedenheit abgearbeitet, führt der „Wizard“ weiter zur Zahnaufstellung. Hier schlägt die Software bereits automatisch einen Zahn aus der Bibliothek vor. Dieser kann entweder durch einen anderen ersetzt oder mit Hilfe der Tasten „Shift“ und „STRG“ ausgerichtet und skaliert werden.

Im letzten Schritt kann man den Modellzahn entweder durch vordefinierte Zahnbereiche oder durch Freiformen mittels unterschiedlicher Pinseltypen, -stärken und -größen individualisieren. Außerdem ist es möglich, die Okklusion sowie die Approximalkontakte in exakt definierten Abständen abschneiden zu lassen, um möglicher Nacharbeit vorzubeugen.

Fazit

Der Umgang mit den digital übermittelten Daten ist nicht allzu komplex. Wer offen mit neuen Möglichkeiten umgeht und diese in den laborindividuellen Workflow zu integrieren weiß, stellt sich gut für die Zukunft auf. Eine Zukunft, in der es immer relevanter wird, das Beste aus der analogen mit dem Besten der digitalen Technik zu kombinieren.

Denn, so prophezeite Catharina van Delden bereits 2015, „Die Digitalisierung birgt große Chancen. Wer sie als Bedrohung oder unüberwindbare Hürde wahrnimmt, hat schon jetzt verloren.“ Denn das größte Hemmnis mit Veränderungen Schritt zu halten, besteht nicht im Verständnis, sondern in der Akzeptanz.


Quelle:
Densera Lab
Sebastian Jellinek und Markus Lenhardt
Leinenstraße 44
89143 Blaubeuren
Opens window for sending emailoffice(at)densera.de
www.densera.de
 

Näheres zum Autor des Fachbeitrages: Sebastian Jellinek - Markus Lenhardt