Digitale Systeme


Dental Digital – was macht Sinn?

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„Die digitale Technologie ist für mich nicht die Abwesenheit der analogen Technik, sondern eine Kombination aus dem Besten beider Welten.“

Die Digitalisierung der Dentalbranche ist momentan in aller Munde. Kaum eine Praxis oder ein Labor bestreitet den zahntechnischen Alltag ohne digitale Hilfsmittel. Es werden immer mehr Möglichkeiten entwickelt bzw. gesucht, um die digitalen Herstellungs- und Verarbeitungsmöglichkeiten von Zahnersatzdaten auszubauen und/oder zu verbessern.

Der mittlerweile inflationär benutzte Begriff des digitalen Workflows ist im Laufe der Zeit immer mehr zu einer wenig präzisen Umschreibung dessen geworden, was auch nur im Entferntesten mit einer STL-Datei, einem 3D-Drucker oder einer Fräsmaschine zu tun hat. Wo aber ist der Sinn eben dieses Workflows und bei welchen Indikationen ist in der modernen Zahnmedizin und Zahntechnik ein Weglassen der digitalen Möglichkeiten undenkbar? Im Gegenzug ist es jedoch auch wichtig zu wissen, bei welchen Fällen die analoge Technik zu priorisieren ist. Diese beiden Fragen sollen in Anbetracht des aktuellen Stands der Technologien im Mittelpunkt der folgenden Betrachtungen stehen.

IO-Scanner

Das Angebot an Intraoralscannern steigt in den letzten Monaten und Jahren stetig, sodass ein klarer Favorit nicht erkennbar ist. Fakt ist, dass die marktführenden Geräte absolut zuverlässige und reproduzierbare Ergebnisse liefern. Die Zahl der Intraoralscanner, die in Deutschland im Einsatz sind, nimmt kontinuierlich zu, sodass ein Umdenken der Abläufe in der Praxis stattfinden muss. Es wäre zum Beispiel sinnvoll, den aktuellen Zahnstatus durch einen schnellen Scan innerhalb weniger Minuten zu archivieren.

Dieser kann im Falle einer anstehenden Restauration für den Zahntechniker sehr hilfreich sein, aber auch im Falle eines Gutachtens absichernd wirken. Im Gegensatz zu herkömmlichen Modellarchiven ist eine digitale Speicherung (mit Back-up-Festplatte) deutlich platzsparender und übersichtlicher. Laut der Kassenärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg (KZVBW) ist eine solche Speicherung legitim, da im „Ernstfall“ jederzeit physische Modelle gedruckt werden können.

Die perfekte Einstiegsindikation für den Einsatz von Intraoralscannern ist die Anwendung bei Schienen jeglicher Art. Von Alignern, über CMD-Schienen mit digital ausgewerteten Kiefergelenksbewegungen bis zur Schnarcherschiene lässt sich alles mühelos und vom ersten Tag an umsetzen. Kritisch zu bewerten ist der Einsatz des Intraoralscanners meines Erachtens dann, wenn Präparationsgrenzen subgingival liegen oder eine Funktionsausformung des zahnlosen Kiefers notwendig ist. Hier gilt die Devise: Der Scanner sieht nur das, was man auch mit dem Auge erkennen kann. Verständlich somit natürlich auch, dass eine dynamische Ausformung von Lippen- und Wangenbändchen nicht funktionieren kann.

Sekundärteleskop

Im Rahmen der Teleskoptechnik hat sich im zahntechnischen Bereich die digitale Fertigung von Sekundärkronen als die Königsdisziplin im Bereich CAD/CAM etabliert. Die perfekte Teleskoppassung zählt mittlerweile als Maßstab für zahntechnische Präzision. Mittels taktilen Scans der hochglänzenden, fertig ausgearbeiteten Primärteleskope kann ein hochwertiges und reproduzierbares Ergebnis erzielt werden. Die finale Passung kann dann durch angepasste und individuell programmierte Frässtrategien direkt in der Maschine fertiggestellt werden.

Die Telekoptechnik hat durch den digitalen Workflow einen klaren Schritt nach vorne gemacht und ist in Bezug auf die Homogenität des Werkstoffs sowie die bessere Reproduzierbarkeit nicht mit der analogen Technik vergleichbar. Die Fertigung in einer modernen 5-Achs-CNC-Fräsmaschine ist jedoch nur ein Teil des Prozesses. Innerhalb der CAD-Software Exocad gibt es zahlreiche Tipps und Tricks, die am Ende im Zusammenspiel mit der richtigen Frässtrategie zu der gewünschten Friktion führen.

Interimsprothesen

Für schnelle Interimsversorgungen zum Ersatz von einzelnen Zähnen oder Schaltlücken bietet die digitale Zahntechnik eine wirklich tolle Lösung. Der Hersteller Dentalplus bietet z.B. mit dem Material EldyPlus eine Alternative für Labore, die einen hohen Durchlauf an Valplast-Prothesen haben. Mit thermoplastischen und allergikerfreundlichen Eigenschaften ist es eine gute Möglichkeit, mittels digitaler Verfahren eine qualitativ sehr hochwertige Arbeit zu liefern.

In der CAD wird dazu die Prothesenbasis mit Klammern als Grundgerüst modelliert, danach die zu ersetzenden Zähne als Pontic darüber und mit einem minimalen Spalt an die Prothese angepasst. Diese Anpassung funktioniert dank der optimierten Algorithmen innerhalb weniger Sekunden – einfach per Mausklick. Anschließend werden Basis und Prothesenzähne nacheinander gefräst und analog fertiggestellt. Als Material der gefrästen Zähne wird ein stabiles Multilayer-PMMA von Dentalos verwendet. Zur Langlebigkeit des Materials im Mund können aktuell noch keine genauen Aussagen getroffen werden. Für eine Langzeitversorgung (> 6 Monate) ist es aber aus unserer Sicht nicht geeignet, da die Abrasionsbeständigkeit im direkten Vergleich zu Composit-Konfektionszähnen nicht sicher gewährleistet werden kann.

Digitale Totalprothesen

Die digitale Totalprothese ist ein zweischneidiges Schwert. Den 3D-Druck für eine definitive Versorgung zu nutzen, ist aktuell meines Erachtens unverantwortlich, die Prothesenbasen zu fräsen und mit Konfektionszähnen fertigzustellen jedoch die beste Lösung, die die Technologie ermöglicht. Gedruckte Prothesenbasen weisen durch ihre physikalischen und chemischen Eigenschaften nach wenigen Monaten bereits Plaque-Affinität und Sprödigkeit auf. Durch den nahezu nicht vorhandenen Restmonomergehalt in industriell gefertigten rosa PMMA-Blanks kann eine schrumpfungsfreie Prothesenbasis gefertigt werden, die eine erfahrungsgemäß gute Passung intraoral bietet.

Durch das Auf- und Fertigstellen von konfektionierten Kompositzähnen ist die CAD/CAM-gefertigte Totalprothese qualitativ optimiert und durch die Kompositzähne von gleichem Abrasionsverhalten wie eine komplett analog hergestellte Prothese. Es ist somit eine hybride Herstellungsmethode, die auf jeden Fall Vorteile zum analogen Verfahren hat, jedoch sicher nicht die geeignetste Anwendung, um die maßgeblichen Vorteile der digitalen Zahnheilkunde und Zahntechnik zum Vorschein zu bringen. Hierzu gehören dann Themengebiete wie digital geplante Implantation oder endodontische Behandlungen mittels DVT-Daten. Diese würden aber den Umfang sowie den Einsteiger-Charakter dieses Artikels sprengen.

Fazit

Grundlegend lässt sich sagen, dass die digitalen Möglichkeiten seit Jahrzehnten rasant zunehmen. Kopierfräsmaschinen werden mittlerweile durch 5-Achs-Fräsmaschinen ersetzt und Laser-Scanner durch präzise und schnelle Streifenlichtscanner. Lichthärtende Löffelplatten treten zunehmend durch den 3D-Drucker in den Hintergrund – sowohl in der Arbeitsvorbereitung als auch der Kunststoffabteilung. Wann der Intraoralscanner wiederum durch ein neues Gerät bzw. eine verbesserte Technologie abgelöst wird, bleibt abzuwarten.

Bei aller Betrachtung des technologischen Fortschritts ist es jedoch von höchster Wichtigkeit, den Faktor Mensch nicht außer Acht zu lassen. Jeder digitale Ablauf wird durch Personal in der Zahnarztpraxis oder dem Zahntechnischen Labor eingeleitet und kann somit zu guten oder weniger guten Resultaten führen. Das digitale Ergebnis aus dem 3D-Drucker oder der Fräsmaschine wird immer nur so gut sein wie das analoge Wissen des Individuums, welches vor dem Bildschirm sitzt. Heute wie früher gilt es, die Dinge voller Motivation und Wissensdurst anzupacken.


Fortbildung

Grundlage dieses Artikels ist ein Fortbildungskurs, der am 08.04.2022 zum 2. Mal im Schulungszentrum Fundamental in Remscheid stattfinden wird. Ziel des Kurses ist es, firmenunabhängige Einschätzungen zum aktuellen Stand der Technik zu geben und den individuellen Einstieg in die digitale Welt für Zahnärzt/innen und Zahntechniker/innen zu beschreiben und zu begleiten.
Weitere Informationen: www.fundamental.de

Näheres zum Autor des Fachbeitrages: Markus Lenhardt


Passt immer wieder!
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