Digitale Systeme


Warum noch eine Bissnahme analog erstellen?

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Eine Bissnahme durchzuführen, scheint einfach. Und doch ist sie ein hochkomplexer Arbeitsschritt, bei dem der in 3 Dimensionen bewegliche Unterkiefer in exakt einer Position zum Oberkiefer definiert werden muss. Genau in dieser einen Position wird dann die gewünschte Zahnversorgung im Artikulator gefertigt. Doch was passiert, wenn diese eine Position nicht exakt ermittelt werden kann? Dann kann das Team Zahnarzt/Zahntechniker an seine Grenzen stoßen. Warum also eine Bissnahme noch analog generieren, wenn es digital viel einfacher und sicherer möglich ist, zeigt ZTM Christian Wagner auf.

  • Abb. 1 Das Centric Guide 3D-System.

  • Abb. 1 Das Centric Guide 3D-System.
    © theratecc GmbH & Co. KG
Die theratecc GmbH & Co. KG hat sich seit über 10 Jahren genau auf diese Thematik der reproduzierbaren Datenerfassung am Patienten spezialisiert. Die Ergebnisse werden von vielen als zukunftsweisend bezeichnet. Genau aus diesem Grunde wurde die Entwicklung des neuen Centric Guide 3D durch das Zentrale Innovationsprogramm Mittelstand (ZIM) des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie und die Europäische Union gefördert (Abb. 1).

Das Centric Guide® 3D ermöglicht erstmalig die dreidimensionale Erfassung von Unterkieferbewegungen da wo sie stattfinden muss – im Mund des Patienten. Die patentierte Sensortechnologie darf als Hightech auf kleinstem Raum bezeichnet werden. Insgesamt 4 Sensoren sind in einem Kreuzschiebetisch integriert.

Mit diesen 4 Sensoren können alle sagittalen, transversalen und vertikalen Bewegungen für das rechte und linke Kiefergelenk erfasst werden. Dieser Kreuzschiebetisch ist in sagittaler und transversaler Richtung gleichzeitig beweglich und kann über ein innovatives Stoppersystem in der zentrischen Relation für die Bissnahme geblockt werden (Abb. 2).

  • Abb. 2: Sensor und Stützstift.
  • Abb. 2: Sensor und Stützstift.
    © theratecc GmbH & Co. KG

25-mal pro Sekunde werden die Daten der Mundsensoren an die zum System gehörende e-Box übertragen. Diese hohe Datenerfassung ermöglicht zum einen, alle Unterkieferbewegungen in Echtzeit in der Centric 3D-Software zu visualisieren, und zum anderen ist diese extrem hohe Datenerfassung der Garant für eine hohe Reproduzierbarkeit der späteren Bissnahme.

Neben der Visualisierung der zentrischen Relation des Unterkiefers werden auch die anatomischen Werte der sagittalen Gelenkbahnneigung und des Bennett-Winkels erfasst und in der Software visualisiert. Diese Daten dienen zur Programmierung eines individuellen Artikulators im analogen wie im digitalen Workflow.

Die Software passt sich individuell an

Alle Unterkieferbewegungen werden auf einem leistungsstarken 12 Zoll großen Tablet-PC in der Software für den Anwender visualisiert. Die Centric 3D-Software ist modular aufgebaut und kann an die individuellen Wünsche und Bedürfnisse der Anwender angepasst werden.

Für alle, die nur ungern Gebrauchsanweisungen lesen, hat das Unternehmen zudem einen Guidemodus entwickelt. In diesem wird der Ablauf einer Registrierung step-by-step durch kurze Anwendervideos vermittelt.

Der Anwender erlebt die wenigen Schritte des Workflows quasi live. Wie es der Name erwarten lässt, wird der Anwender quasi an die Hand genommen und sicher und einfach durch die Registrierung geleitet.

Das System basiert auf dem guten alten Stützstiftregistrat. Im Vorfeld einer Anwendung werden entsprechende Registrierschablonen für den jeweiligen Patienten gefertigt.

Diese sind das Trägermedium für die Sensorik im Unterkiefer und den Stützstift im Oberkiefer. Der Workflow einer Centric Guide-Registrierung ist überaus einfach und kann wahlweise klassisch analog oder digital erfolgen (Abb. 3a und b).

  • Abb. 3a und b: OK/UK-Modelle mit Schablone inkl. Stützstift und Kreuzschiebetisch/3D-Sensor.
  • Abb. 3b.
  • Abb. 3a und b: OK/UK-Modelle mit Schablone inkl. Stützstift und Kreuzschiebetisch/3D-Sensor.
  • Abb. 3b.

Die Bewegungsanalyse und Bissnahme

Die Centric Guide 3D-Registrierung besteht aus 2 Teilschritten: Schritt 1 ist die Bewegungsanalyse und Schritt 2 die Bissnahme. Im 1.Schritt führt der Patient abwechselnd Protrusions-, Retrusions- und Laterotrusionsbewegungen selbstständig und ohne Manipulation durch. Dieser Schritt dient der Muskellockerung bzw. Deprogrammierung.

  • Abb. 3 Bewegungsanalyse.
  • Abb. 3 Bewegungsanalyse.
    © theratecc GmbH & Co. KG

Im 2. Schritt erfolgt die Bissnahme. Der Patient führt die Unterkieferbewegungen wieder selbstständig, aber gezielt durch. Das heißt, der Patient führt zuerst nur Protusions- und Retrusionsbewegungen durch, danach nur Bewegungen nach links und zurück zur Mitte und anschließend nach rechts und wieder zurück zur Mitte.

Dabei durchlaufen beide Kondylen wiederholt den zentrischen Bereich beider Fossae. Mithilfe der Sensorik ist es möglich, alle Unterkieferbewegungen dort zu registrieren, wo sie stattfinden – im Mund des Patienten. In der Centric Software werden alle Bewegungen eins zu eins für den Anwender visualisiert.

  • Abb. 4: Bissregistrierung.

  • Abb. 4: Bissregistrierung.
    © theratecc GmbH & Co. KG
Um die zentrische Relation im 2. Teilschritt sofort im Mund als Bissnahme abgreifen zu können, kann der Kreuzschiebetisch in der Unterkieferschablone mit einem pneumatischen Stoppersystem geblockt werden. Die zentrische Relation kann nun wahlweise klassisch mittels Bisssilikon oder digital mittels Mundscanner registriert werden. Diese gesamte Centric Guide-Registrierung dauert nur wenige Minuten. Die Interpretation bzw. Auswertung eines herkömmlichen Pfeilwinkelregistrates ist nicht mehr notwendig (Abb. 4a und b).
  • Abb. 4a: Bissnahme analog.
  • Abb. 4b: Bissnahme digital.
  • Abb. 4a: Bissnahme analog.
  • Abb. 4b: Bissnahme digital.

Im Anschluss können die Bissregistrate wahlweise im analogen oder digitalen Workflow weiterverarbeitet werden. Dank der von theratecc entwickelten Konzepte kann das System im vollbezahnten, teil- und unbezahnten Kausystem für die Bissnahme eingesetzt werden. Vor allem in der Implantat- bzw. Kombinationsprothetik oder auch bei komplexen festsitzenden Zahnversorgungen können mit diesem System jederzeit reproduzierbare Bissnahmen generiert und bissbedingte Nacharbeiten gezielt vermieden werden (Abb. 5).

  • Abb. 5: Komplexversorgung gefertigt auf der Grundlage der digitalen Centric Guide 3D-Bissnahme.
  • Abb. 5: Komplexversorgung gefertigt auf der Grundlage der digitalen Centric Guide 3D-Bissnahme.
    © theratecc GmbH & Co. KG

Im theratecc Campus kann man unter der Überschrift „Vorsprung durch Wissen“ die digitale Bissnahme und die vielfältigen Anwendungsmöglichkeiten live erleben.

Weitere Informationen

Weitere Informationen zum Produkt und den entsprechenden Weiterbildungen finden Interessierte auf www.theratecc.de.

Näheres zum Autor des Fachbeitrages: ZTM Christian Wagner


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