Festsitzende Implantatprothetik


Einblicke in ein „Kochbuch“ für meisterliche Zahntechnik


Wer kennt sie nicht, die „Da Vincis“ Achim Ludwig und Massimiliano Trombin in Meckenheim …? Jetzt jährt sich ihre Laborgründung zum 20. Mal* und das Internationale Zahntechnik Magazin wollte wissen, worauf sich ihr Erfolg gründet. ZTM Achim Ludwig gewährt im Folgenden Einblicke in sein „Majesthetisches Kochbuch“ für zahntechnische Feinschmecker.

Vor etwa 500 Jahren lebte Leonardo da Vinci (Abb. 1). Dieser Künstler und Vordenker gibt uns das Vorbild im Sinne eines ästhetischen und ethischen Lebensweges und Handelns. Aus seinem Leben und Wirken kann man als Essenz auch eine zahntechnische Philosophie ableiten. Für mich ganz konkret vermittelte darüber hinaus ZTM Rainer Semsch in der Meisterschule Freiburg die hohe Bedeutung von Ästhetik und Funktionalität, auf Zähne, Gesicht und die ganze Person des Patienten bezogen. Dies tat er in einer Art und Weise, wie ich es vorher noch nie erlebt hatte. Ich erfuhr auf der Freiburger Meisterschule unter seiner Leitung eine ganz neue Welt der Zahntechnik (Abb. 2) und war nach meiner Meisterprüfung 1992 voller Tatendrang – die Gründung unseres Labors „Da Vinci Dental“ erfolgte nur zwei Jahre später, zusammen mit Massimiliano Trombin. Wir entwickelten, bildlich gesprochen, ein „Kochbuch“ für Ästhetik – Kostproben folgen hier.

  • Abb. 1: Leonardo da Vinci hat die Sicht der Welt wesentlich beeinflusst, im Großen wie im Kleinen. Auch Achim Ludwig und Massimiliano Trombin stehen in seiner Tradition. © Aufnahme aus dem Archiv von Da Vinci Dental, Meckenheim
  • Abb. 2: Am Anfang steht das Sehen lernen. Schichtungsschema von Achim Ludwig.
  • Abb. 1: Leonardo da Vinci hat die Sicht der Welt wesentlich beeinflusst, im Großen wie im Kleinen. Auch Achim Ludwig und Massimiliano Trombin stehen in seiner Tradition. © Aufnahme aus dem Archiv von Da Vinci Dental, Meckenheim
  • Abb. 2: Am Anfang steht das Sehen lernen. Schichtungsschema von Achim Ludwig.

  • Abb. 3 a-e: Vom Gipsmodell (a) über das Wax-up (b) mit Herausarbeiten der Oberfläche (c) und Sichtbarmachen mit Silberpuder (d) hin zum natürlichen Ergebnis (e).
  • Abb. 3 a-e: Vom Gipsmodell (a) über das Wax-up (b) mit Herausarbeiten der Oberfläche (c) und Sichtbarmachen mit Silberpuder (d) hin zum natürlichen Ergebnis (e).

Die Zutaten

Bei der Auswahl der „Zutaten“ für ein „Fünf-Sterne-Kochbuch“ bzw. der Materialien für eine Fünf-Sterne- Zahntechnik gilt: Das Beste ist gerade gut genug – aber hiervon nicht zu viel. Dies ist ein minimalistisches Prinzip, welches ja auch in der Natur zu finden ist – nach Leonardo unsere größte Lehrmeisterin. Oft vertreten wir Zahntechniker die Auffassung: „Viel hilft viel“, aber das ist gerade beim Thema Keramik ein Trugschluss. Man sollte zunächst ein minimalistisches Schichtungskonzept beherrschen, muss lernen, welch reichhaltige Möglichkeiten an Ergebnissen wir mit nur drei Massen erarbeiten können; dann erst geht es weiter. Wer sich hierauf einlässt, ist oft tief beeindruckt davon, was man so alles nur mit Dentin, Schneide und einer einzigen Transpamasse zaubern kann. Vorher muss man zudem intensiv mit den Zahnformen arbeiten und sich mit den typenspezifischen Oberflächentexturen beschäftigen. Am besten trainiert man die Form und Oberfläche händisch in Wachs (Abb. 3 a-e), dies geht dann in Fleisch und Blut über und wird ein effizienter Schritt.

Die Gewürzmischung

Es geht aber längst nicht nur um das praktische Vorgehen anhand der ‚Zutaten‘. „Lerne zuerst die Theorie und dann die Praxis kennen“, lautete schon Leonardos Empfehlung, der wir auch heute unbedingt folgen sollten, auf unser eigenes Metier angewendet. Zähne sind nicht nur (Kau-)Werkzeuge, sondern kleine Wesen im Spiegel der Persönlichkeit. Wir studieren daher die ästhetischen Wechselwirkungen von Zähnen im Rahmen einer ganzheitlichen Betrachtungsweise des Menschen. Mimische Bewegungsstudien, der Mund und die Lippenpartie (Abb. 4 a-d) gehören ebenso dazu wie Porträtstudien (Abb. 5 a-c) zur Berücksichtigung des gesamten Erscheinungsbildes. So lernen wir das „Baukastenprinzip“ der Natur kennen, entdecken die Gleichheit in allen Zähnen und sehen die Verbindungsglieder zwischen Front und Seitenzahn. Ein toller Moment ist es dann, wenn wir unsere Arbeit im Munde des Patienten erleben.

  • Abb. 4 a-d: Studien der Lippendynamik im Rahmen eines ganzheitlichen Betrachtungsansatzes.
  • Abb. 5 a-c: Als unabdingbarer Teil der Personenanalyse gehören Porträtaufnahmen mit Kopf-, Kinn- und Lippenbewegung auf dem Weg zum perfekten Zahnersatz.
  • Abb. 4 a-d: Studien der Lippendynamik im Rahmen eines ganzheitlichen Betrachtungsansatzes.
  • Abb. 5 a-c: Als unabdingbarer Teil der Personenanalyse gehören Porträtaufnahmen mit Kopf-, Kinn- und Lippenbewegung auf dem Weg zum perfekten Zahnersatz.

  • Abb. 6 a u. b: Über das gekonnte Aufwachsen kommt man zu Farb- und Formharmonie, das Verhältnis Aufwand-Ergebnis stimmt.
  • Abb. 6 a u. b: Über das gekonnte Aufwachsen kommt man zu Farb- und Formharmonie, das Verhältnis Aufwand-Ergebnis stimmt.

Die Anwendung

Wenn man Ästhetik erfahren und erlebt hat – am besten mit allen Sinnen –, über umfassendes Wissen zur Funktion verfügt sowie mit den Fertigkeiten zur Umsetzung versehen ist, fällt das Arbeiten leichter, weil wir auf kürzeren Wegen zu besseren Ergebnissen gelangen. Durch die detaillierte Kenntnis der Form in Wachs (Abb. 6 a u. b) wird selbst die am stärksten herausfordernde Situation bzw. Schichtung kein „Zufallsprodukt“ mehr sein und unser Handeln sowie die Resultate werden wertvoller. Das alles lässt sich, wenn man offene Augen hat, erlernen.

Epilog

Ein Lehrer, von dem man Methoden und Philosophie kennenlernt, ist aber immer auch zugleich Schüler – und Schüler können Lehrer sein. Der Effekt liegt immer in der gegenseitigen Wertschätzung und im Dialog. Das Lehrer-Schüler-Verhältnis ist etwas sehr Besonderes, es gibt keinen Platz für Gurus. Ich stimme hierin Evert van de Veen zu, der sagt: „Ein Guru zu sein führt in die Trennung, ein Lehrer zu sein bedeutet Verbindung. Es ist wunderbar, einen Lehrer zu haben, dem man folgen kann, der einem die Gelegenheit gibt, neue und inspirierende Horizonte zu entdecken, während man auf seinen Schultern steht.“

Dank

Auf den Schultern eines Lehrers zu stehen bedeutet keine Kopie dessen zu sein, sondern seinen eigenen Weg auszubalancieren, seine eigene Individualität zu entwickeln, während man gestützt wird. Daher gilt mein Dank an dieser Stelle meinem Lehrer und Mentor Rainer Semsch, der mir im richtigen Moment vor vielen Jahren den Rat gab: „Lehre und gib Kurse! Das ist der beste Weg, sich immer weiter zu entwickeln.“ Danke Rainer.

*Mehr Informationen zum VI. Da Vinci Creativ Seminar „Der bedeutendste Fall meiner Karriere“ anlässlich des 20. Jubiläums am 25.-26.September 2015 in Meckenheim finden Sie unter www.ztm-aktuell.de/davincidental

Näheres zum Autor des Fachbeitrages: ZTM Achim Ludwig

Bilder soweit nicht anders deklariert: ZTM Achim Ludwig


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