Festsitzende Implantatprothetik


Implantatgetragener Zahnersatz im zahnlosen Kiefer: Ein Erfahrungbericht mit Steg und Teleskop

Abb. 1: Ausgangssituation mit abgebrochenen Verblendungen.
Abb. 1: Ausgangssituation mit abgebrochenen Verblendungen.

Ein Patient im besten Seniorenalter, im Oberkiefer mit festsitzender implantatgetragener Stegarbeit versorgt, beklagte das vollständige Abplatzen der Komposit-Verblendungen, das sich in schöner Regelmäßigkeit wiederholt hatte. Nun suchte er beim Zahnarzt nach einer dauerhaften Behebung dieses Ärgernisses.

Wir sahen im zahnärztlich-zahntechnischen Team die Ursache v. a. darin, dass keinerlei mechanische Retentionen auf dem Metallgerüst vorhanden waren (Abb. 1). Schließlich treten speziell bei rein implantatgetragenem Zahnersatz teils sehr starke Kaukräfte auf. Daher muss die Haftung der Verblendungen durch mechanische Retention gesichert werden. Es konnte außerdem als zweiter Grund nicht ausgeschlossen werden, dass die sehr ungünstige Angulation der Implantate (Abb. 2a u. b) und folgend eine Spannungsbildung in der alten Steg-Versorgung die Abplatzungsproblematik verstärkt hatte. Bei der Befundung zeigten sich die Implantate allesamt intakt; zusammen mit ihrer guten Verankerung im Knochen ergab dies die Indikation der bloßen Neuanfertigung der Prothetik ohne weitere implantologische Maßnahmen oder gar Pfeilerextraktion. Allerdings sahen wir uns im Labor einer sehr ungünstigen Einschubrichtung der Implantate gegenüber (Abb. 3a-c). Eine Teleskoparbeit ließ sich aber realisieren (Abb. 4, 5ac). Diese sollte Spannungen effektiver vermeiden helfen als eine Steg-Versorgung, v. a., da wir sie mit Galvano-Sekundärgerüsten planten.

  • Abb. 2a u. b: Sehr ungünstige Einschubrichtung der Implantate für die geplante Neuanfertigung der Teleskoparbeit.
  • Abb. 3a u. b: Wachsmodellation der Primärteleskope.
  • Abb. 2a u. b: Sehr ungünstige Einschubrichtung der Implantate für die geplante Neuanfertigung der Teleskoparbeit.
  • Abb. 3a u. b: Wachsmodellation der Primärteleskope.

  • Abb. 3c: Schraubenöffnung an sehr ungünstiger Stelle.
  • Abb. 4: Primärteleskope zum Guss angestiftet.
  • Abb. 3c: Schraubenöffnung an sehr ungünstiger Stelle.
  • Abb. 4: Primärteleskope zum Guss angestiftet.

  • Abb. 5a-c: Primärteleskope ausgearbeitet und gefräst.
  • Abb. 6: Aufstellung der Frontzähne am Patienten.
  • Abb. 5a-c: Primärteleskope ausgearbeitet und gefräst.
  • Abb. 6: Aufstellung der Frontzähne am Patienten.

Zum Patiententermin mit der Anprobe der Primärteleskope war auch die Aufstellung der Frontzähne am Patienten vorgesehen (Abb. 6). Arbeiten dieser Art werden in unserem Labor nie anonym angefertigt; d. h. die Frontzahnaufstellung wird zusammen mit dem Patienten nach ästhetischen und phonetischen Gesichtspunkten erstellt. Zusätzlich ist die Anwesenheit einer Vertrauensperson seitens des Patienten immer von Vorteil. Auch positive ästhetische Veränderungen sind Veränderungen; der Patient muss sich zuerst daran gewöhnen und das Feedback einer ihm vertrauten Person kann dabei sehr nützlich sein. Außerdem sehen vier Augen mehr als zwei.

Zurück im Labor gibt uns ein Silikonschlüssel der Aufstellung Aufschluss über die Platzverhältnisse (Abb. 7). Es folgt die Herstellung der Galvano-Käppchen und des Tertiärgerüsts (Abb. 8 u. 9).

  • Abb. 7: Silikonschlüssel der Aufstellung als Hilfe für das weitere Vorgehen.
  • Abb. 8a u. b: Galvano-Sekundärteile auf den Primärteilen.
  • Abb. 7: Silikonschlüssel der Aufstellung als Hilfe für das weitere Vorgehen.
  • Abb. 8a u. b: Galvano-Sekundärteile auf den Primärteilen.

  • Abb. 9: Metall-Tertiärstruktur auf dem Modell, schon mit Opaker grundiert. Bei Zahn 16 Metallkaufläche aufgrund geringer Platzverhältnisse.
  • Abb. 9: Metall-Tertiärstruktur auf dem Modell, schon mit Opaker grundiert. Bei Zahn 16 Metallkaufläche aufgrund geringer Platzverhältnisse.

Auf dieses werden Veneers analog der Patientenaufstellung aufgebracht (Abb. 10-13).

  • Abb. 10a-c: PalaVeneers (Heraeus Kulzer, Hanau) zur Verblendung vorbereitet. An den Übergangsstellen zum Befestigungsmaterial werden diese sandgestrahlt und geschmirgelt, um einen nicht erkennbaren Übergang zwischen Facette und Dentin zu erreichen.
  • Abb. 11: PalaVeneer Dentine: zahnfarbenes Befestigungsmaterial für die Veneers.
  • Abb. 10a-c: PalaVeneers (Heraeus Kulzer, Hanau) zur Verblendung vorbereitet. An den Übergangsstellen zum Befestigungsmaterial werden diese sandgestrahlt und geschmirgelt, um einen nicht erkennbaren Übergang zwischen Facette und Dentin zu erreichen.
  • Abb. 11: PalaVeneer Dentine: zahnfarbenes Befestigungsmaterial für die Veneers.

  • Abb. 12: Übertragung der aufgestellten Veneers auf das Metallgerüst und anschließende Ausmodellierung mit Wachs.
  • Abb. 13a u. b: Gerüst mit den befestigten Veneers.
  • Abb. 12: Übertragung der aufgestellten Veneers auf das Metallgerüst und anschließende Ausmodellierung mit Wachs.
  • Abb. 13a u. b: Gerüst mit den befestigten Veneers.

Der letzte zahntechnische Schritt beinhaltet nur noch das Verkleben der Arbeit mit den Galvano-Käppchen (Abb. 14), bevor sich die Arbeit vor unserem Zahnarzt und beim Patienten bewähren muss (Abb. 15 u. 16). Die Rückmeldung zeigte Zufriedenheit auf beiden Seiten und einen wieder strahlenden Patienten (Abb. 17).

  • Abb. 14: Arbeit zum Verkleben der Galvanos vorbereitet.
  • Abb. 15a u. b: Fertige Arbeit von okkusal und labial.
  • Abb. 14: Arbeit zum Verkleben der Galvanos vorbereitet.
  • Abb. 15a u. b: Fertige Arbeit von okkusal und labial.

  • Abb. 16: Im Mund des Patienten.
  • Abb. 17: Der zufriedene Patient.
  • Abb. 16: Im Mund des Patienten.
  • Abb. 17: Der zufriedene Patient.

Schlussbetrachtung: Unser Vergleich zwischen Steg und Teleskop

Bei der alten wie der neuen Versorgung konnte Gaumenfreiheit realisiert werden, was ein sehr komfortables Tragegefühl bedeutet. Der augenfälligste Unterschied besteht für den Patienten darin, dass die Steg-Konstruktion festsitzend realisiert war, die neue Teleskop-Arbeit nun aber abnehmbar ist. Der Patient konnte jedoch von den Langzeit-Vorzügen überzeugt werden. Erstens sind die untersichgehenden Bereiche nun der Hygiene zugänglich. Das beugt einer Periimplantitis sowie Mundgeruch vor. Zweitens wird dem Abplatzungs-Problem wirksam begegnet. Bei rein implantatgetragenem Zahnersatz treten unkalkulierbar starke Kaukräfte auf, was – wie im vorliegenden Fall – zu Frakturen an den Zähnen führen kann. Unsere gewählte Galvano-Lösung als Baustein innerhalb des Teleskop-Konzepts dient als „Pufferzone“, sodass der neue Zahnersatz eine größere Sicherheit gegen Abplatzungen bietet. Sollte es aber auch bei der abnehmbaren Konstruktion dazu kommen, sind die Veneers leicht und sofort zu ersetzen. Der Patient kann auf die Reparatur warten, sehr angenehm für ihn. An einem dritten Vorteil der Teleskop-Versorgung, auf die Lebensperspektive ausgerichtet, fand der Patient ebenfalls Gefallen: Bei Verlust eines Implantats kann die Gesamtkonstruktion problemlos weiter getragen werden. Die Sekundärteile werden einfach mit Kunststoff aufgefüllt.

Näheres zum Autor des Fachbeitrages: ZTM Horst-Dieter Kraus

Bilder soweit nicht anders deklariert: ZTM Horst-Dieter Kraus


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