Festsitzende Implantatprothetik

Die prothetische Oberkiefer-Spätversorgung

Teil 2: Die zahntechnische Indikationsbreite präfabrizierter Doppelkronen


An dieser Stelle wird der im Internationalen Zahntechnik Magazin Juli/August 2014 publizierte Bericht über die Versorgung zahnloser Patienten mit kaufunktionellem und ästhetischem Zahnersatz fortgesetzt. Der Beschreibung einer prothetischen Unterkiefer-Spätversorgung aus Teil 1 schließen sich hier eine Oberkiefer-Spätversorgung sowie zwei Fälle mit Pfeilervermehrung an.

 

 

 

 

Fall 2: Prothetische Versorgung eines Oberkiefers in Spätversorgung

Im vorliegenden Fall wird die prothetische Spätversorgung einer 64-jährigen Patientin beschrieben. Zunächst wurden ihr im Oberkiefer sechs Ankylos-Implantate inseriert. Zur direkten Schienung der Implantate diente die vorhandene Prothese. (Bei direkter Versorgung werden die Implantate direkt geschient; das Konstruktionsprinzip an sich ist eine sekundäre Verblockung.) Nach sechsmonatiger Einheilphase und abgeschlossener Osseointegration bestand der Wunsch der Patientin nach einer brückenartig gestalteten, herausnehmbaren und ästhetisch anspruchsvollen Suprakonstruktion (Abb.13).

  • Abb. 13: Ausgangssituation im Oberkiefer.
  • Abb. 14: SynCone-Kappen im Munde des Patienten.
  • Abb. 13: Ausgangssituation im Oberkiefer.
  • Abb. 14: SynCone-Kappen im Munde des Patienten.

  • Abb. 15: Abformung im Oberkiefer.
  • Abb. 15: Abformung im Oberkiefer.

In Vorbereitung für die Herstellung einer solchen Neuanfertigung muss die exakte Position der Abutments auf ein Arbeitsmodell übertragen werden. Hierzu können neue Kappen auf den parallel ausgerichteten Aufbauten im Munde der Patientin aufgesteckt und mithilfe eines individuellen Löffels in einem Silikon abgeformt werden (Abb. 14 und 15). Für die Erstellung des Arbeitsmodells empfiehlt es sich, die Kappen mit Kunststoffstümpfen zu versehen. Auf diese Weise ist es möglich, ein exaktes und gleichermaßen kostengünstiges Meistermodell zu fertigen (Abb. 16). Beim weiteren Vorgehen wird der untere Retentionsbereich der Kappen, wie in diesem Fall, weitestgehend reduziert oder es kommen die im Sortiment angebotenen friktionsfreien Konuskappen zur Anwendung (Abb. 17).

  • Abb. 16: Meistermodell mit SynCone-Kappen.
  • Abb. 17: Reduzierter Retentionsbereich der SynCone-Kappen.
  • Abb. 16: Meistermodell mit SynCone-Kappen.
  • Abb. 17: Reduzierter Retentionsbereich der SynCone-Kappen.

Das Gerüst für die Vollverblendung wird in gewohnter Weise erstellt und bereits hier wird der Vorteil deutlich, dass die präfabrizierten Doppelkronen aufgrund ihrer geringen Fertigungshöhe eine erheblich grazilere Gestaltung der Suprakonstruktion als bei einer Stegkonstruktion zulassen. In der Vorbereitung für die Verklebung werden das Gerüst und die Kappen mit Metall-Primer konditioniert (Abb. 18). Um für den endgültigen Zahnersatz einen absolut spannungsfreien Sitz der Suprakonstruktion zu gewährleisten, sind die Verklebungen in jedem Fall intraoral vorzunehmen. Dabei ist darauf zu achten, dass die auf dem Modell vorbereiteten und gekennzeichneten Kappen auch intraoral an gleicher Position platziert werden (Abb. 19). Vor der Fixierung werden sowohl Gerüst als auch Sekundärteile mit einem handelsüblichen Metall- Primer benetzt. Auch hier müssen zwingend aus den schon erwähnten Gründen Polymerisationsmanschetten oder wie im beschriebenen Fall aus Platzproblemen individuelle Silikonringe über die Goldkappen gestülpt werden (Abb. 20). Nach endgültigem Aushärten des Klebers (Abb. 21 und 22) erfolgt eine erneute Überabformung über das gesamte Gerüst und die Erstellung eines neuen Arbeitsmodells. Anschließend wird das Oberkiefermodell mithilfe des Gesichtsbogens sowie einer Kieferrelationsbestimmung einartikuliert.

  • Abb. 18: Gerüst auf dem Meistermodell.
  • Abb. 19: Die Konuskappen im Mund platziert.
  • Abb. 18: Gerüst auf dem Meistermodell.
  • Abb. 19: Die Konuskappen im Mund platziert.

  • Abb. 20: Konuskappen mit Silikonringen.
  • Abb. 21: Verklebtes Gerüst im Mund.
  • Abb. 20: Konuskappen mit Silikonringen.
  • Abb. 21: Verklebtes Gerüst im Mund.

  • Abb. 22: Ansicht von basal.
  • Abb. 22: Ansicht von basal.

Lichthärtende Zahnrestaurationsmaterialien wie mikrogefüllte Verblendwerkstoffe haben sich klinisch hervorragend bewährt und sind aufgrund ihrer ausgezeichneten Eigenschaften und einfachen Handhabung zum Standard geworden. Aus diesen Gründen haben wir uns auch bei dieser Versorgung für hochwertige individuelle Kompositverblendungen entschieden (Abb. 23 bis 26). Das natürliche Aussehen solcher implantatgetragenen Restaurationen wird entscheidend von einer harmonischen Gestaltung und der Farbgebung der Rot-Weiß-Ästhetik beeinflusst (Abb. 27). Das so erreichte Ergebnis stellte sowohl die Patientin, den Behandler als auch den Zahntechniker zufrieden.

  • Abb. 23 bis 26: Fertigstellung der Prothese.
  • Abb. 27: Die fertige Arbeit im Munde des Patienten.
  • Abb. 23 bis 26: Fertigstellung der Prothese.
  • Abb. 27: Die fertige Arbeit im Munde des Patienten.

Fall 3: Pfeilervermehrung im Oberkiefer am Beispiel einer Spätversorgung

Eine weitere Indikation für die Verwendung des SynCone-Systems ist aus unserer Sicht die Pfeilervermehrung, wenngleich diese Anwendung vom Unternehmen Dentsply Implants nicht freigegeben wurde. Speziell bei dem Verlust strategischer Pfeilerzähne ermöglicht die Doppelkronentechnik eine gute prothetische Versorgung. Der hier dargestellte Fall zeigt im ersten Quadranten drei inserierte Ankylos-Implantate, in die der Behandler nach abgeschlossener Osseointegration und Freilegung entsprechende Gingivaformer eingeschraubt hat. Die natürlichen Zähne 23, 25 und 26 wurden für die Aufnahme von Konuskronen präpariert (Abb. 28). Anschließend konnte nach der Abformung mit Übertragungspfosten ein Meistermodell erstellt werden (Abb. 29). Da in diesem Fall die Insertion der Implantate in den ortsständigen Knochen und nicht durch eine aufwendige Augmentation in eine ideale Position erfolgte, war die Richtung vorgegeben.

  • Abb. 28: Ausgangssituation im Oberkiefer.
  • Abb. 29: Meistermodell nach Abformung.
  • Abb. 28: Ausgangssituation im Oberkiefer.
  • Abb. 29: Meistermodell nach Abformung.

So wäre es bei der Verwendung ausschließlich gerader Pfosten nicht möglich gewesen, eine gemeinsame Einschubrichtung zu definieren (Abb. 30). An dieser Stelle kommen die mit 7,5, 15, 22,5 und 30 Grad abgewinkelten Fünf-Grad- Abutments zum Einsatz (Abb. 31). Die so ermittelte Richtung wird mit laborgefertigten Übertragungsschlüsseln fest gesichert (Abb. 32 und 33). Diese aus Metall gefertigten Hilfsmittel sind mit einer Rotationssicherung ausgestattet, um bei der Übertragung in die Mundhöhle des Patienten die festgelegte Position zu rekonstruieren (Abb. 34). Mit dem Aufsetzen der SynCone-Kappen und der Anfertigung der Übertragungskäppchen aus Modellierkunststoff wie Palavit G, Heraeus Kulzer, Hanau, ist nun die Vorbereitung für die nächste Abformung abgeschlossen (Abb. 35). Intraoral werden anschließend alle Komponenten in gewohnter Weise platziert (Abb. 36) und auf ihre einwandfreie Passung kontrolliert (Abb. 37). Mithilfe eines individuellen Löffels werden die Kronen und Kappen abgeformt (Abb. 38) und ein Meistermodell hergestellt (Abb. 39). Das Tertiärgerüst wird im Sinne einer abnehmbaren Brücke gestaltet und für die intraorale Verklebung konditioniert (Abb. 40). In gewohnter Vorgehensweise wird die Arbeit fertiggestellt (Abb. 41 und 42). So liefern Behandler und Zahntechniker eine sehr hochwertige prothetische Versorgung und vermitteln der Patientin die Sicherheit, eine ästhetisch sowie kaufunktionell hervorragende Rekonstruktion zu bekommen (Abb. 43).

  • Abb. 30: Einschubrichtung mit geraden Pfosten.
  • Abb. 31: Abgewinkelte Abutments im Meistermodell.
  • Abb. 30: Einschubrichtung mit geraden Pfosten.
  • Abb. 31: Abgewinkelte Abutments im Meistermodell.

  • Abb. 32: Parallelisieren der Aufbauten.
  • Abb. 33: Ausgerichtete Aufbauten im Meistermodell.
  • Abb. 32: Parallelisieren der Aufbauten.
  • Abb. 33: Ausgerichtete Aufbauten im Meistermodell.

  • Abb. 34: Übertragungsschlüssel zur Repositionierung.
  • Abb. 35: SynCone-Kappen und Übertragungskäppchen im Modell.
  • Abb. 34: Übertragungsschlüssel zur Repositionierung.
  • Abb. 35: SynCone-Kappen und Übertragungskäppchen im Modell.

  • Abb. 36: Repositionierte Bauteile im Mund.
  • Abb. 37: Passungskontrolle intraoral.
  • Abb. 36: Repositionierte Bauteile im Mund.
  • Abb. 37: Passungskontrolle intraoral.

  • Abb. 38: Abformung der Kronen und Kappen.
  • Abb. 39: Übertragung auf das Meistermodell.
  • Abb. 38: Abformung der Kronen und Kappen.
  • Abb. 39: Übertragung auf das Meistermodell.

  • Abb. 40: Trägergerüst auf dem Modell.
  • Abb. 41 und 42: Die fertiggestellte Arbeit auf dem Modell.
  • Abb. 40: Trägergerüst auf dem Modell.
  • Abb. 41 und 42: Die fertiggestellte Arbeit auf dem Modell.

  • Abb. 43: Die fertige Prothese im Mund.
  • Abb. 43: Die fertige Prothese im Mund.

Fall 4: Pfeilervermehrung im Unterkiefer als Spätversorgung

Mit dem vorliegenden Fallbeispiel soll die Indikation einer Pfeilervermehrung im Unterkiefer dargestellt werden. Der Restzahnbestand umfasst die erhaltungswürdigen Zähne 33 und 34; die Pfeilerzähne 43 und 44 wurden extrahiert und an ihrer Stelle zwei Ankylos-Implantate inseriert. Nach gedeckter Einheilung und abgeschlossener Osseointegration erfolgten die Freilegung beider Implantate sowie das Einbringen von Gingivaformern (Abb. 44). Eine Woche später konnten die Abformpfosten sowie die nachpräparierten Stümpfe in einem Überabdruck dargestellt werden (Abb. 45). Auf einem Meistermodell wurden die neuen Teleskop-Innenteile gefertigt sowie gleichzeitig die Einschubrichtung für die SynCone-Abutments parallelisiert und mit einem gegossenen Einbringschlüssel fest fixiert. Mithilfe dieses Schlüssels konnten nun intraoral die Pfosten in den Implantaten platziert und die Innenteile auf die Stümpfe aufgesetzt werden (Abb. 46). Die Abbildung 47 macht deutlich, dass das SynCone-System mit seinen präfabrizierten Elementen viele Vorteile für Patient, Behandler und Labor mit sich bringt. Die Restzähne werden zusätzlich bei der Belastung durch die sekundäre Schienung gegen Hebel- und Rotationskräfte und einer daraus resultierenden möglichen Lockerung entlastet. Der Zahnarzt erfährt durch die konfektionierten Komponenten eine Vereinfachung in der Vorgehensweise und gleichzeitig eine Verkürzung der gesamten Behandlungsdauer. Für das zahntechnische Labor ergeben sich völlig neue Möglichkeiten der Versorgung von Implantaten ohne zusätzliche Neuinvestitionen bei kalkulierbaren Kosten. In der weiteren Vorgehensweise wurden die Fünf-Grad-Kappen sowie die Teleskopinnenteile in einem erneuten Überabdruck abgeformt (Abb. 48). Die Fertigstellung der Arbeit erfolgte dann in gewohnter Weise (Abb. 49).

  • Abb. 44: Ausgangssituation im Unterkiefer mit Gingivaformern regio 43 und 44.
  • Abb. 45: Abformpfosten auf den Implantaten.
  • Abb. 44: Ausgangssituation im Unterkiefer mit Gingivaformern regio 43 und 44.
  • Abb. 45: Abformpfosten auf den Implantaten.

  • Abb. 46: Sekundärteile im Mund des Patienten.
  • Abb. 47: Die SynCone-Pfosten auf den Implantaten.
  • Abb. 46: Sekundärteile im Mund des Patienten.
  • Abb. 47: Die SynCone-Pfosten auf den Implantaten.

  • Abb. 48: Vorbereitung für erneute Überabformung.
  • Abb. 49: Die fertige Arbeit im Patientenmund.
  • Abb. 48: Vorbereitung für erneute Überabformung.
  • Abb. 49: Die fertige Arbeit im Patientenmund.

Fazit

Das zunächst nur für die Sofortbelastung im zahnlosen Unterkiefer konzipierte Ankylos SynCone-Konzept bietet sowohl bei Spät- als auch bei Sofortversorgungen im Ober- und Unterkiefer viele facettenreiche Varianten zur Erstellung anspruchsvoller Restaurationen. Die technische Vorgehensweise mit präfabrizierten Doppelkronen ist sehr gut reproduzierbar. Darüber hinaus setzt das System keine größeren laborseitigen Investitionen voraus. So wächst bei vielen Anwendern die Einsicht, dem Patienten mit Ankylos SynCone funktionelle und ästhetische Lösungen anbieten zu können, die darüber hinaus durch kalkulierbare Kosten für das Labor von hohem wirtschaftlichem Interesse sind.

Danksagung

Wir bedanken uns herzlich bei: Dr. Natascha Holtmann, Münster, Dr. Marcus Köster, Unna und Dr. Dittmar May, Lünen.

Erstveröffentlichung in der ZMK, Jahrgang 29, Ausgabe 10, Oktober 2013.

Näheres zum Autor des Fachbeitrages: ZTM Jürgen Alt und ZTM Gerhard Schmidt

Bilder soweit nicht anders deklariert: ZTM Jürgen Alt und ZTM Gerhard Schmidt



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