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Registrate – wie Ihre Zahnärzte sie einsetzen, ohne später die Restauration einschleifen zu müssen!

Die sieben Wege zur Okklusion - Weg 7

18.12.2014


Unabhängig von unseren Schulen mit ihren zahlreichen, teils kontroversen Lehrmeinungen, die wir im Laufe unserer Aus- und Weiterbildung genossen haben, vereint uns Zahntechniker alle ein gemeinsames Ziel: Wir wollen neue Restaurationen passgenau eingegliedert sehen! Ohne dass es zu (langwierigem) Einschleifen am Patienten kommt. Und ohne lästige Wiederholungsarbeiten im Labor. Zielführend zeigt sich hier die Registrierung: als mein Weg 7 zur patientengerechten Okklusion.

Am Ende steht vor der Lieferung an den Zahnarzt: Eine zahntechnische Arbeit wird abschließend im Artikulator auf Passung überprüft. Die Okklusion wird statisch und dynamisch noch einmal akribisch mit Shimstock-Folie kontrolliert … Finden Ihre Zahnärzte dann bei der anschließenden Einprobe dieselbe Kontaktsituation im Patientenmund vor, sowohl approximal als auch okklusal? Oder ist das reines Wunschdenken? Träumerei? Nein, vielmehr ist es das Ergebnis einer perfekt aufeinander abgestimmten Arbeitskette und des systematisierten Dialogs zwischen Praxis und Labor. Die beiden Schlüssel zum Erfolg liegen dabei in der präzisen Übertragung Ihrer Therapieposition und der gezielt langlebig gestalteten dynamischen Okklusion.

Mess-Prinzipien

Hier können wir vom goldenen Handwerk lernen. Eine wichtige Tischler-Weisheit lautet: „Zweimal messen – einmal schneiden!“ Diese Regel gilt auch für den professionellen Prothetiker! Nach jedem definitiven Registrat für die Restauration und der Modellmontage inklusive Splitcast-Probe führt Ihr Zahnarzt ein erneutes, zweites Registrat an Ihrem Patienten durch: die Kontroll-Zentrik.

Mit dieser machen Sie sodann eine zweite Splitcast-Probe im Artikulator – und zwar an den mit dem Erstregistrat montierten Modellen. Schließen dabei die Splitcast-Sockel spaltfrei (hier: Original Quicksplit, Quicksplit Dentaltechnik, Memmingen), können Sie die Montage freigeben. Und Ihr Laborteam kann mit der Fertigstellung des hochwertigen Zahnersatzes beginnen. Dieses Protokoll für definitive Registrate ist mit die wichtigste Säule in unserem Point-Konzept (www.pointuniversity.de)!

Natürlich verlangt dies zusätzliche Investitionen von uns: hinsichtlich Zeit und Equipment. Zunächst benötigt Ihr Zahnarzt dazu in seiner Praxis einen Artikulator. Dieser ist mit Ihren Artikulatoren im Dentallabor gleichgeschaltet. Beide werden im Zuge eines gelebten Qualitätsmanagements in regelmäßigen Zeitabständen, wir empfehlen hier sechsmal im Jahr, von Ihnen als Laborpartner mit einem Justier-(Referenz-)Schlüssel überprüft (Abb. 1a und b).

  • Abb. 1a: Referenzschlüssel für den Artikulator.
  • Abb. 1b: Überprüfung der Artikulator-Justierung.
  • Abb. 1a: Referenzschlüssel für den Artikulator.
  • Abb. 1b: Überprüfung der Artikulator-Justierung.

Vorteile der Handbissnahme

Bis heute werden die verschiedenen Registriertechniken am Patienten teils heftig und kontrovers diskutiert. Tatsächlich finden Sie in der Literatur genügend wissenschaftliche Abhandlungen, die die jeweilige Methode des Autors favorisieren. Uns Praktikern nützt das nicht viel. Wir wollen nur eins: „Einsetzen ohne einzuschleifen!“ Gleich mehrere klinische Nachteile aller Stützstift-Techniken sind für uns entscheidend:

  1. Eingeschränkter Zungenraum
    Ein Irrglaube ist, dass in Ruheschwebe die Zunge des Patienten lediglich den Raum vom Mundboden bis zur Okklusionsebene einnimmt. In Wahrheit verdrängt die Plattenvorrichtung die Zunge deutlich nach hinten unten. Daraus resultieren negative Auswirkungen auf eine physiologische und zugleich reproduzierbare Mandibula-Position.
  2. Herausforderung Tief-Deckbiss-Patient
    Systembedingt muss die Sperrung bei Tief-Deckbiss-Patienten deutlich erhöht werden. Und besonders diese Patienten korrelieren sehr häufig mit einer CMD-Problematik. Gerade hier wünschen unsere Behandler Registrierungen mit minimaler Bisssperrung. Die Aussagekraft solcher intraoralen Aufzeichnungen, sowohl analog als auch elektronisch, mit ausgeprägter Sperrung der Bisshöhe ist deutlich anzuzweifeln! Diese Problematik können Sie mit Plattenregistraten sehr elegant umgehen: Der anteriore Bereich der Registrierplatten, ob Wachs oder Kunststoff, wird einfach im Dentallabor großzügig ausgespart. Und Sie erhalten von Ihren Kunden auch und gerade bei Tief-Deckbiss-Situationen präzise Registrate – wie beim normalverzahnten Patienten.
  3. Hygiene-Kabel
    Nun haben die Hersteller allerdings reagiert und das Verbindungskabel zur elektronischen intraoralen Sensorplatte deutlich dünner gestaltet, damit die nötige Bisssperrung weiter reduziert werden kann. Aber in Zeiten der Praxishygienevorschriften (RKI-Richtlinien) überzeugt uns dieses „Hygiene-Kabel“ bei den intraoralen digitalen Stützstift-Systemen nicht.

Der Komfort-Test

  • Abb. 2: Komfort-Test der Registrierung.

  • Abb. 2: Komfort-Test der Registrierung.
Das schlagende Argument für die klassische Handbissnahme ist der Komfort-Test (Abb. 2) mit seinen Ergebnissen. Nachdem Ihr Zahnarzt sein Plattenregistrat fertiggestellt und die Impressionen flach geschnitten hat, überprüft er, wie sein Patient (ohne Anästhesie) diese Registratposition empfindet, in dem dieser mit dem fertigen Registrat in situ kraftfrei schließt. Falls die Zähne nicht gleichmäßig auf dem Registrat aufkommen und der Patient auf einer Seite (links/rechts, vorne/hinten) bevorzugt Druck empfindet, zeigt er dies mit dem Finger an. Ihr Behandler hat nun alle Möglichkeiten, die Aluwachs-Impressionen erneut über der Flamme einzuschwemmen und nachzuregistrieren.

Weder Registriersilikon noch Stützstift-Systeme lassen diesen so wichtigen Test am Patienten zu. Auch elektronische Positionsmessungen – selbst mit errechneten Werten auf hundertstel Millimeter – ersetzen nicht den genauesten Parameter in der Registriertechnik, der uns Zahnärzten und Zahntechnikern zur Verfügung steht: das Empfinden unserer Patienten!

Die physiologische Zentrik

Wir haben es tatsächlich geschafft, über fünfzig Jahre eine falsche Gelenkposition als Therapieposition zu definieren: die forcierte Zentrik (Abb. 3a). Entstanden ist diese beim Zahnlosen, als der Fokus darauf lag, eine Referenzposition des Unterkiefers nicht nur einmal beim Behandler einzunehmen, sondern sie mehrfach reproduzieren zu können. Dazu bediente man sich einer unphysiologischen Grenzposition „auf Anschlag“: möglichst weit hinten, möglichst weit oben und nicht seitenverschoben – im Englischen: „rearmost, upmost, midmost“ („R-U-M“).

  • Abb. 3a: Forcierte Zentrik (obsolet) manipuliert.
  • Abb. 3b: Physiologische Zentrik (kranial-anterior).
  • Abb. 3a: Forcierte Zentrik (obsolet) manipuliert.
  • Abb. 3b: Physiologische Zentrik (kranial-anterior).

  • Abb. 4: Physiologische Zentrik ohne Manipulation.
  • Abb. 4: Physiologische Zentrik ohne Manipulation.

Heute wissen wir mehr. Die heutige Definition der physiologischen Zentrik (Abb. 3b) beschreibt eine stabile Kiefergelenkposition, bei der alle beteiligten Gewebe maximal entspannt sind (Abb. 4). Bei gesundem, intaktem Kondylus-Diskus-Komplex resultiert also eine Referenzposition, die nach kranial-anterior (nach „vorne/oben“) gerichtet ist. Dadurch war nun ein völlig neues Phänomen des funktionellen Gelenkraums zutage getreten: Unsere Patienten können ihre Kondylen physiologisch nach hinten bewegen („Retrusion“).

Dies war – bereits vor vielen Jahren – ein echter Paradigmenwechsel! So verfügen wir heute über Artikulatoren, die neben den üblichen Parametern auch einen Retrusivraum freigeben. Nun brauchen wir Zahntechniker nur noch Zahnärzte, die diesen Gelenkraum auch für uns messen (Freecorder BlueFox, orangedental, Biberach, oder zebris, Deutschlandvertrieb: Schütz Dental, Rosbach), Näheres siehe im Beitrag zum Weg 3: „Digi-Check – wie und warum Kiefergelenke elektronisch vermessen?“.

Der okklusionsnahe Raum

Ein Protrusionsregistrat erfasst die Position eines circa fünf Millimeter protrudierten Unterkiefers. Dadurch können Sie rückwirkend im Artikulator die individuelle Gelenkbahnneigung Ihres Patienten einstellen. Wir bevorzugen mit unserem Point-Konzept immer schon die Aufzeichnung der gesamten Protrusionsbewegung. Dadurch können Sie zusätzlich zur Gelenkbahnneigung den okklusionsnahen Raum beurteilen. Aus zahntechnischer Sicht ist dieser für uns viel interessanter: Wie laufen die ersten zehntel Millimeter einer beginnenden exzentrischen (= Pro-, Latero- und Retrusiv-) Bewegung unseres Patienten ab? Werden alle Seitenzahnkontakte initial freigegeben („sofortiges Diskludieren“)? Oder erst nach zwei ganzen Millimetern? Das sind die entscheidenden Informationen, die uns Zahnärzten und -technikern eine gute Prognose für die Langlebigkeit unserer geplanten vollkeramischen Restaurationen möglich machen. Wenn zum Beispiel der Patient eine relativ flache Gelenkbahnneigung aufweist, kann es passieren, dass die Seitenzahnkontakte von Ober- und Unterkieferzähnen trotz beginnender dynamischer Bewegungen noch Kontaktmöglichkeiten besitzen. Nach der definitiven Eingliederung Ihrer vollkeramischen Seitenzahn-Restaurationen bedeutet das eine große Gefahr für mögliche Kollisionen dieser Kauflächen bis hin zum Chipping. Hier sind die extraoralen, berührungsfreien, elektronischen Registriersysteme (Freecorder BlueFox, zebris) einfach unschlagbar: mittels Software können Ihre Zahnärzte nun alle Details des okklusionsnahen Raums statisch und dynamisch exakt auswerten.

Kombinieren sie mit dem Zentrik- und Kontrollregistrat (mit Komforttest), sind Ihre Zahnärzte am Ziel: Ihre Restaurationen passen auf Anhieb. Ihre Kunden erleben Einsetzen ohne Einschleifen regelmäßig und standardisiert. Alle Beteiligten profitieren von dieser neuen Präzision. Vor allem aber unsere Patienten.

Hiermit schließt die Serie. Alle sieben Teile – Mini-Check, Arti-Check, Digi-Check, Point-Schiene (Weg 4a) und Eierschalen-Provisorien (Weg 4b), die keramikgerechte Präparation, die Präzisionsabformung sowie den vorliegenden zu Registraten – finden Sie unter der Rubrik Technik, ebenso den vorgeschalteten Übersichtsbeitrag „Die sieben Wege zur Okklusion. Der neue Dialog zwischen Praxis und Labor: analog und digital.“

Näheres zum Autor des Fachbeitrages: Piet Troost

Bilder soweit nicht anders deklariert: Piet Troost



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