Funktion

Eine Anti-Schnarchschiene fördert die Tiefschlafphase – sogar bei zwei Personen

Prävention sorgt für Ausgeglichenheit


Manchmal machen Zeitdauer und Intensität aus einer geringfügigen Störung eine große Belästigung. Und was für die Beteiligten nur mehr oder weniger unangenehm ist, kann sich für die Verursacher zu einem wirklichen gesundheitlichen Problem auswachsen: Die Rede ist von der Rhonchopathie. Besser bekannt unter dem Begriff „schnarchen“. Doch gibt es für die davon Betroffenen Hilfe – durch die individuelle Anfertigung einer Anti-Schnarchschiene. Wie das geht, beschreibt der folgende Bericht.

Zufrieden und in der Tiefschlafphase liegt der Dackel auf dem Sofa und ratzt. Sonntagnachmittag – und die Welt ist in Ordnung. Wäre da nicht auch das Herrchen, das genauso wie der Dackel auf dem Sofa liegt und schläft. Doch die Idylle, die den Schlaf des Gerechten stört, ist ein Geräusch. Welches? Es ist das Schnarchgeräusch, das hier die Musik macht, ein Sound, der sich in die Ohren vom Frauchen zwängt und ihre ganze Aufmerksamkeit über Hammer Amboss und Steigbügel vom Mittelohr in die Schaltzentrale bringt.

Das Schnarchgeräusch stört nicht den Verursacher, aber …

Während man bei der Formel eins im Fernseher auf dem Sofa glatt wegduselt und ins Reich der Träume eintaucht, ist das Schnarchen mit seinen Aussetzern und vielseitigen Wiederholungsrhythmen ein Adrenalinspender beim Zuhörer. Es stört und ist zugleich ein perfides Geräusch, welches langsam und beständig unsere Geduld und Ausgeglichenheit auf einen Angriffslevel bringt.

Nur das fliegende Sofakissen, welches zielgerichtet über den Dackel an den Kopf des Schnarchers fliegt, unterbricht dieses Schnarchgeräusch kurzfristig. Aber dann geht es auch schon wieder weiter mit der unendlichen Geschichte.

Anatomisch betrachtet ist die Sofalage auf dem Rücken der eigentliche „Casus knacksus“. Aber auf dem Bauch liegen geht auf dem Sofa überhaupt nicht. Und übrigens stört das Geräusch den Schlafenden ja auch gar nicht. Vom Sofa ins Bett wird diese Art der Unterhaltung weiterverlagert und kann sich so für den Akustikgeber und für den Akustiknehmer zum echten (Ehe) Problem auswachsen. Eines Morgens kommt dann beim ersten Gespräch auf die Schlafprobleme beider Partner der Spruch vom Bäume-fällen-im-Bett – und „das Sägen“ geht trotzdem munter weiter. Nicht mehr lange und der stete Tropfen höhlt den Stein. Hier muss grundlegend etwas geändert werden: mit einer Anti-Schnarchschiene, die den ruhestörenden Krach verschwinden lässt.

Dem Entschluss folgt die Tat: Auf zum Zahnarzt!

Deshalb kann und sollte man das Schnarchen in eine zahnärztliche Behandlungsplanung einbeziehen, bevor durch andere Maßnahmen das Spielfeld lediglich verlagert wird. Der Gang zum Profi ist angesagt und der Zahnarzt weiß vielleicht eine Lösung. Zumindest erklärt er die anatomischen Gegebenheiten des Schnarchens und ihre Entstehungsursachen. Diese reichen über das flatternde Gaumensegel bis hin zum Verlagern der Zunge in den dorsalen Mundraum – mit eventuellen Atemblockaden bis hin zum Atemstillstand, dann sprechen wir von Apnoe. Der Zahnarzt kann eine Entscheidungshilfe geben, die dem Schnarcher die Anti-Schnarschschiene als das kleinste Übel von allem erscheinen lässt. Außerdem hat „Frau“ auch eine Schiene bekommen, als die Verspannungen im Nacken immer heftiger wurden. Es war zwar eine Aufbissschiene, aber hier wird „gleich gezogen“. Und schon ist auch die Zahnarztfachangestellte mit der Vorbereitung der Abformung beider Kiefer beschäftigt – und sorgt für den Laborauftrag. Eine DocSnoreNix Schiene, Dreve Dentamid, Unna, die wird helfen. Diese Schiene, die mit geringem Aufwand und perfekter Passung fast unsichtbar und kaum zu spüren ist, die soll es werden. Vom Profi zum Profilabor geht der Auftrag und damit wird die Herstellung in die Hände von fachkundigen Zahntechnikern übertragen.

Die Arbeitsschritte im Labor

Nach der Herstellung der Arbeitsmodelle (Abb. 1 und 2) erfolgt die richtige Einstellung im Schlussbiss. Mittels Registrat oder anhand der Modellanalyse werden die Modelle perfekt zusammengesetzt. Wie beim dreidimensionalen Trimmen von kieferorthopädischen Arbeitsmodellen geht es um die dorsale Modellbegrenzung beider Modelle im rechten Winkel zur Tuberebene am Gipstrimmer (Abb. 3 und 4).

  • Abb. 1: Modellherstellung mit hohem Sockel.
  • Abb. 2: Modellherstellung mit hohem Sockel.
  • Abb. 1: Modellherstellung mit hohem Sockel.
  • Abb. 2: Modellherstellung mit hohem Sockel.

  • Abb. 3: Modellpaar im Schlussbiss wird von dorsal rechtwinklig plan zurückgeschliffen.
  • Abb. 4: Modellpaar im Schlussbiss wird von dorsal rechtwinklig plan zurückgeschliffen.
  • Abb. 3: Modellpaar im Schlussbiss wird von dorsal rechtwinklig plan zurückgeschliffen.
  • Abb. 4: Modellpaar im Schlussbiss wird von dorsal rechtwinklig plan zurückgeschliffen.

Nun kann man die Modelle auf dem Tisch hochkant stellen und die Okklusion überprüfen (Abb. 5 und 6).

  • Abb. 5: Ausrichten der Modelle mit Protrusionslehre.
  • Abb. 6: Ausrichten der Modelle mit Protrusionslehre.
  • Abb. 5: Ausrichten der Modelle mit Protrusionslehre.
  • Abb. 6: Ausrichten der Modelle mit Protrusionslehre.

Der nächste Schritt besteht aus der Herstellung von jeweils einer circa zweieinhalb bis drei Millimeter dicken Tiefziehschiene (Abb. 7 und 8). Diese Schiene wird so gestaltet, dass sie im Frontzahnbereich die Schneidekanten um circa zwei bis drei Millimeter fasst. Im Seitenzahnbereich wird bukkal der Schienenrand ebenfalls circa zwei bis drei Millimeter über die Gingiva belassen. Lingual sowie palatinal bildet die Hartsubstanz die Begrenzung der Schiene (Abb. 9 und 10).

  • Abb. 7: Tiefziehen mit Tiefziehfolien und Isolierfolie.
  • Abb. 8: Tiefziehen mit Tiefziehfolien und Isolierfolie.
  • Abb. 7: Tiefziehen mit Tiefziehfolien und Isolierfolie.
  • Abb. 8: Tiefziehen mit Tiefziehfolien und Isolierfolie.

  • Abb. 9: Ausarbeiten der Schiene.
  • Abb. 10: Ausarbeiten der Schiene.
  • Abb. 9: Ausarbeiten der Schiene.
  • Abb. 10: Ausarbeiten der Schiene.

Einen Artikulator kann man nicht verwenden. Zum einen, weil für die weitere Herstellung der Unterkiefer in eine progene Bisssituation geführt wird. Zum anderen, weil eine Distraktion im Seitenzahngebiet die Kiefergelenke entlasten soll. Deshalb wird das Unterkiefermodell auf eine Protrusionsplatte gestellt (Abb. 11 und 12), die einen Vorschub von circa sechs Millimetern bewirkt.

  • Abb. 11: Ausrichten auf einer Protrusionslehre und Fixierung der neuen Modellposition mit Knetsilikon.
  • Abb. 12: Ausrichten auf einer Protrusionslehre und Fixierung der neuen Modellposition mit Knetsilikon.
  • Abb. 11: Ausrichten auf einer Protrusionslehre und Fixierung der neuen Modellposition mit Knetsilikon.
  • Abb. 12: Ausrichten auf einer Protrusionslehre und Fixierung der neuen Modellposition mit Knetsilikon.

  • Abb. 13: Ausrichten auf einer Protrusionslehre und Fixierung der neuen Modellposition mit Knetsilikon.
  • Abb. 13: Ausrichten auf einer Protrusionslehre und Fixierung der neuen Modellposition mit Knetsilikon.

Die Modelle werden in dieser Position zueinander gestellt und beim ersten Kontakt der Folie in dieser Position festgesetzt. Mithilfe von Modellknete oder Vorwallsilikon über die Modellinnenflächen wird diese Situation perfekt eingefroren (Abb. 13). Und die Fixierung wird unter Beachtung der patientengerechten Medianlinie ausgerichtet. Nun werden die Schienen mittels eines SNX Federsystems seitlich rechts und links miteinander verbunden (Abb. 14 bis 16). Nach Herstellerangaben werden die Federbögen vorbereitet und mittels lichthärtenden Kunststoffs an den Schienen befestigt. Wesentlich ist die richtige Position der Federbügel, welche sich vertikal distal zwischen den beiden Molaren befinden. Genau hier soll der Wendepunkt der Federbögen im Bereich der Okklusionsebene positioniert sein.

  • Abb. 14: Positionieren und Befestigen der SNX Federelemente.
  • Abb. 15: Positionieren und Befestigen der SNX Federelemente.
  • Abb. 14: Positionieren und Befestigen der SNX Federelemente.
  • Abb. 15: Positionieren und Befestigen der SNX Federelemente.

  • Abb. 16: Positionieren und Befestigen der SNX Federelemente.
  • Abb. 16: Positionieren und Befestigen der SNX Federelemente.

Die komplette Einarbeitung der Federbügel kann mithilfe von lichthärtendem Kunststoff – Lithdon Gel, Dreve Dentamid, Unna – zur besseren Kraftaufnahme bis zu den zweiten Molaren impaktiert werden. Die Überschichtung der Federschenkel sollte mindestens einen Millimeter betragen. Es folgt das Ausarbeiten, die Politur (Abb. 17 und 18) sowie die anschließende Freilegung des SNX Federelementes geschehen durch das Abziehen der Platzhalterschläuche. Damit wird die Funktion des Federelementes freigegeben und kann fein justiert werden.

  • Abb. 17: Schiene ausarbeiten.
  • Abb. 18: Schiene ausarbeiten.
  • Abb. 17: Schiene ausarbeiten.
  • Abb. 18: Schiene ausarbeiten.

Die eigentliche Einstellung vollzieht sich dann beim Patienten. Hier kann der Behandler die Verriegelung mittels einer speziellen Zange aufheben und verschieben. Dadurch kann der vom Hersteller vorgegebene Protrusionsvorschub von sechs Millimetern individuell von drei bis zehn Millimetern im Vorschub patientengerecht eingestellt werden (Abb. 19). Ein erholsamer Schlaf sollte sich damit wieder einstellen – und das nicht nur für den Patienten.

Fazit

  • Abb. 19: Die Schiene in situ.

  • Abb. 19: Die Schiene in situ.
Diese vorgestellte Anti-Schnarchschiene ist ein geeignetes Hilfsmittel, mit dem geplagte Patienten dem Schnarchen entgegenwirken können. Dieses SNX Schienensystem nach Dr. Schmitt-Bylandt bringt den Unterkiefer während der Schlafphase in eine Protrusionslage. Der Rachenraum wird vergrößert und damit die Gefahr der Verlegung der Atemwege stark reduziert. Weitere Vorteile sind die maximale Reduktion der Kondylusbelastung durch die superelastischen Verbinder aus Nitrol. Dieses Material wird bereits seit vielen Jahren in der Herzchirurgie eingesetzt und zeichnet sich durch seinen optimalen Memoryeffekt, die extrem hohe Biegefestigkeit und die hervorragende Biokompatibilität aus. Das Schlucken und die freie Bewegung der Kiefer sind für den Patienten sehr angenehm. Die Bewegungseinschränkungen werden in der Regel als unbedeutend bezeichnet.

Näheres zum Autor des Fachbeitrages: ZTM Andreas Hoffmann

Bilder soweit nicht anders deklariert: ZTM Andreas Hoffmann