Funktion

Material und Methode

Teil 2: Die perfekte Aufbissschiene


In diesem zweiten Teil des Beitrages wird der Werdegang einer Schiene aus lichthärtendem Werkstoff beschrieben.

Der erste Teil zur Herstellung der perfekten funktionstherapeutischen Aufbissschiene hatte grundsätzliche Anmerkungen zu Schienen, ihren Anforderungen und Materialien zum Inhalt. Dabei wurden die lichthärtenden Werkstoffe aufgrund ihres passenden Eigenschaftsprofils herausgefiltert. Hier folgt ein konkretes Beispiel der Schienenherstellung.

Viele Anforderungen in einem Material vereinigt

Ein lichthärtendes Komposit ist primosplint von primotec, Bad Homburg. Es lässt sich ebenso einfach wie schnell verarbeiten und weist keine klinisch relevante Schrumpfung auf. Das Material ist methylmetacrylat-(MMA-) sowie peroxidfrei und hat praktisch kein Allergiepotenzial. Geliefert wird primosplint in Strangform, besitzt bei Zimmertemperatur eine knetähnliche Konsistenz und verhält sich thixotrop. Das heißt, es muss nicht erwärmt werden, um es modellieren zu können. Aus primosplint hergestellte Schienen sind völlig geruchs- sowie geschmacksneutral und wegen der Freiheit von MMA und Peroxid für den Einsatz auch bei Allergiepatienten geeignet.

Einfache Anwendung führt schnell zu präzisen Ergebnissen

Grundsätzlich wird primosplint entweder direkt auf das Meistermodell oder aber auf eine vorher tiefgezogene Basis modelliert. Bei der direkten Modellation kann auf ein Duplikatmodell verzichtet werden. Da das Material thixotrop ist, sollte man es etwas in den Fingern bewegen beziehungsweise kneten. Dadurch wird es geschmeidig und kann leicht auf dem Zahnbogen aufgelegt werden (Abb. 4). Modelliert wird die Schiene in erster Linie mit den Fingern, die zuvor leicht mit der Isolierung, Metatouch, primotec, benetzt wurden (Abb. 5). Wenn die Grundform der Schiene modelliert ist, wird im Artikulator zuerst die Zentrik „eingebissen“ (Abb. 6 und 7), anschließend werden alle Disklusionsbewegungen durchgeführt. Das Material primosplint ist so formuliert, dass es die so erreichten okklusalen Informationen quasi „einfriert“ und sich nicht zurückstellt.

  • Abb. 4: Das lichthärtende Komposit primosplint wird bei Zimmertemperatur auf den Zahnbogen adaptiert … Bildnachweise: Klinische Abbildungen: Dr. Diether Reusch, Westerburg Produktabbildungen: primogroup, Bad Homburg
  • Abb. 5: … und mit den Fingern modelliert. Die Grundform wird so quasi „freihändig“ festgelegt, …
  • Abb. 4: Das lichthärtende Komposit primosplint wird bei Zimmertemperatur auf den Zahnbogen adaptiert … Bildnachweise: Klinische Abbildungen: Dr. Diether Reusch, Westerburg Produktabbildungen: primogroup, Bad Homburg
  • Abb. 5: … und mit den Fingern modelliert. Die Grundform wird so quasi „freihändig“ festgelegt, …

  • Abb. 6: … um dann im Artikulator die Zentrik …
  • Abb. 7: … wie auch die Exzentrik mit allen möglichen Bewegungsmustern auf primosplint zu übertragen.
  • Abb. 6: … um dann im Artikulator die Zentrik …
  • Abb. 7: … wie auch die Exzentrik mit allen möglichen Bewegungsmustern auf primosplint zu übertragen.

Ist das gewünschte Ergebnis erreicht, kann die Schiene in situ im Artikulator im Großraumlichthärtegerät, Metalight Classic, primotec, polymerisiert werden (Abb. 8). Alternativ ist die Polymerisation in allen gängigen Lichthärtegeräten möglich, die mit UV-A-Röhren im Wellenbereich zwischen 320 bis 400 Nanometer bestückt sind – wie zum Beispiel Metalight Mini oder Metalight Trend, primotec (Abb. 9). Leistungsstarke Stroboskop- Lichthärtegeräte mit hohen Polymerisationstemperaturen können die Passgenauigkeit negativ beeinflussen und sollten auf keinen Fall verwendet werden.

  • Abb. 8: Im Metalight Classic findet selbst ein Vollwertartikulator Platz.
  • Abb. 9: Alternativ kann primosplint in allen gängigen Lichthärtegeräten polymerisiert werden.
  • Abb. 8: Im Metalight Classic findet selbst ein Vollwertartikulator Platz.
  • Abb. 9: Alternativ kann primosplint in allen gängigen Lichthärtegeräten polymerisiert werden.

  • Abb. 10: Das Ausarbeiten der Schiene ist mit allen handelsüblichen Fräsern schnell getan.
  • Abb. 10: Das Ausarbeiten der Schiene ist mit allen handelsüblichen Fräsern schnell getan.

Da primosplint während und nach der Polymerisation absolut dimensionsstabil ist, bleibt ein vergleichsweise geringer Arbeitsaufwand für das Ausarbeiten (Abb. 10) sowie das Überprüfen von Zentrik und Disklusion. Ein aufwendiges Einschleifen der Schiene ist bei dieser Technik nicht notwendig.

Oberflächenkonditionierung unterstützt Diagnose und Therapie

Über eine nachfolgende Oberflächenendbehandlung lässt sich der Transluzenzgrad des Materials von semi-transluzent bis fast transparent beeinflussen. Wird die Oberfläche mit Sandpapier geglättet und danach mit Bimsstein vor- und dann hochglanzpoliert, bekommt die primosplint Schiene eine leicht weißliche Transluzenz. Viele Behandler ziehen diese Variante vor, denn die Kontaktpunkte sind dadurch auf der Schiene auch in situ sehr einfach zu erkennen. Dies wird der Anforderung „möglichst problemlos einzugliedern und, sofern notwendig, schnell einzuschleifen und zu polieren“ gerecht – bei gleichzeitigem ansprechendem Aussehen der Schiene.

Soll die funktionstherapeutische primosplint Aufbissschiene möglichst transparent sein, wird sie nicht mit Sandpapier geglättet, sondern innen wie außen vorsichtig mit 110 Mikrometer Aluminiumoxid bei zwei bar abgestrahlt und dann mit zwei dünnen Schichten primoglaze Glanzlack – der mit primosplint eine chemische Verbindung eingeht – versehen (Abb. 11). So oder so, das Resultat ist eine sehr passgenaue und ästhetisch ansprechende Aufbissschiene ohne „Schaukler“ oder „Wipper“, die in der Regel ohne oder mit nur sehr geringen Korrekturen am Patienten eingesetzt werden kann (Abb. 12 und 13).

  • Abb. 11: Der primoglaze Glanzlack verbindet sich chemisch mit primosplint und sorgt für eine nahezu transparente Optik ...
  • Abb. 12: … und die Anforderung „möglichst ohne Nacharbeit einzugliedern“ ist voll erfüllt.
  • Abb. 11: Der primoglaze Glanzlack verbindet sich chemisch mit primosplint und sorgt für eine nahezu transparente Optik ...
  • Abb. 12: … und die Anforderung „möglichst ohne Nacharbeit einzugliedern“ ist voll erfüllt.

  • Abb. 13: Weder eine klinisch relevante Schrumpfung noch Spannungen oder Verzug – die primosplint Schiene nach der Lichthärtung.
  • Abb. 13: Weder eine klinisch relevante Schrumpfung noch Spannungen oder Verzug – die primosplint Schiene nach der Lichthärtung.

Materialeigenschaften erfüllen klinische Anforderungen

Letztlich wird eine funktionstherapeutische Aufbissschiene aus primosplint also allen im ersten Teil dieses Berichtes aufgeführten Anforderungen gerecht (Abb. 14). Zumal Bruchfestigkeit und E-Modul des Materials für die Anwendung Aufbissschiene besonders angepasst wurden. Das heißt, obwohl die Schienen hochstabil sind, werden sie bei Fehlbelastungen, wie sie durch einen verzogenen Abdruck, Blasen im Gipsmodell oder Ähnliches resultieren können, eher brechen als das Kiefergelenk negativ zu beeinflussen. Weiterhin schont primosplint die Zahnsubstanz, denn das Komposit ist „abrasionsoptimiert“. Eventuelle Frühkontakte beißen sich dadurch schneller ein. Sobald aber alle Zähne gleichzeitig die Schiene berühren, bleibt die Vertikalposition optimal erhalten.

Näheres zum Autor des Fachbeitrages: ZT Joachim Mosch

Bilder soweit nicht anders deklariert: ZT Joachim Mosch



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