Funktion


Teil 5: Meine Meisterprüfung

Die im fünften Prüfungsteil umgesetzte Tanner-Schiene.
Die im fünften Prüfungsteil umgesetzte Tanner-Schiene.

Mit dem hier folgenden Beitrag schließt die Serie von ZTM Sebastian Palm über seine praktische Meisterprüfung vor dem Institut des Zahntechnikerhandwerks in Niedersachsen (IZN Hannover). In diesem letzten Teil 5 rückt er die Herstellung einer Tanner-Schiene sowie deren Funktion in den Mittelpunkt. Aus seiner Prüfung ging Sebastian Palm 2017 in Niedersachsen als Jahrgangsbester hervor, außerdem erzielte er auch mit allen fünf Prüfungsteilen bei der Verleihung des Klaus-Kanter-Preises für Meisterschüler bundesweit den dritten Platz.

  • Abb. 1: Unterkiefer-Arbeitsmodell und Gegenbiss als Grundlage für die Tanner-Schiene.

  • Abb. 1: Unterkiefer-Arbeitsmodell und Gegenbiss als Grundlage für die Tanner-Schiene.
    © Palm
Die Tanner-Schiene bezeichnet eine besondere Art der Stabilisierungsschiene zur Schmerzlinderung und Entlastung bei CMD (Aufbissbehelf bei craniomandibulärer Dysfunktion). Sie soll permanent Tag und Nacht getragen werden. Ein wesentlicher Unterschied zu anderen Schienen liegt darin, dass die Tanner-Schiene nur für den Unterkiefer vorgesehen ist. Zum einen ergibt sich hieraus eine geringere Beeinträchtigung bei der Lautbildung als bei beiderseitigem Tragen; zum anderen liegen ästhetische Folgen auf der Hand, da die Schiene im Unterkiefer nicht so auffällig ist wie im Oberkiefer. Da die Tanner-Schiene im Unterkiefer zur Anwendung kommt, dient demzufolge die Unterkiefersituation für das Arbeitsmodell. Als Gegenbiss musste die erste Prüfungsarbeit (siehe auch „Festsitzende Versorgung“) verwendet werden (Abb. 1).

Prüfungsvorbereitung

Ein Hauptkriterium der Arbeit war, dass die Schiene aus einem einzigen Material bestehen musste. Damit wurden die Möglichkeiten der Herstellung schon eingegrenzt. Natürlich wurde während des praktischen Unterrichts im Zuge der Meisterausbildung auch eine Methode der Herstellung vorgestellt: Wir benutzten die Streutechnik, bekannt für die Herstellung von KFO-Geräten. Diese war jedoch für die Fertigung der Tanner-Schiene eher ungeeignet. Da erstens der Streukunststoff ein Splitterpolymerisat ist, hat er nicht die gleiche Festigkeit wie ein Perlpolymerisat. Zweitens hat ein Splitterpolymerisat einen höheren Restmonomergehalt. Dass daher in der Prüfungssituation ein Perlpolymerisat (Schütz Dental, FuturaGen) gewählt wurde, war damit die logische Folge.

Zeitplanung

Wie bei den anderen Prüfungsteilen gehörte auch hier wesentlich ein Zeitplan zum Prüfungsablauf, um Realitätsnähe zur späteren Berufsausübung zu erreichen. Dabei erwies sich die generelle Zeitplanung während der Prüfung als vergleichsweise leichte Aufgabe, da hierfür lediglich vier Positionen gebraucht wurden (Abb. 2).

  • Abb. 2: Der während der Prüfung erarbeitete Zeitplan für die Tanner-Schiene.
  • Abb. 3a: Zeitliche Gliederung der gesamten Prüfung.
  • Abb. 2: Der während der Prüfung erarbeitete Zeitplan für die Tanner-Schiene.
  • Abb. 3a: Zeitliche Gliederung der gesamten Prüfung.

  • Abb. 3b: Zeitwerte für den ersten Prüfungstag als Beispiel für die Kalkulation des Kostenvoranschlages.
  • Abb. 3b: Zeitwerte für den ersten Prüfungstag als Beispiel für die Kalkulation des Kostenvoranschlages.

Für das Konzept wurde jedoch eine tägliche Zeitplanung gefordert, die dann später mit den Tagesprotokollen abgeglichen wurde. Die zeitliche Gliederung pro Tag war eine große Herausforderung, denn letztendlich mussten alle Zeiten mit den Kostenvoranschlägen und der eigentlichen Zeitplanung der einzelnen Arbeiten zusammenpassen. Der Tagesablauf musste zudem natürlich auch logisch sein. Es war erforderlich, dass die tägliche Arbeitszeit für jeden Prüfungsteil am Ende des Tages 480 Minuten ergab (Abb. 3a u. b).

Die Herstellung mit Perlpolymerisat

Da Beschädigungen am Arbeitsmodell zu Punktabzug führen würden, wurde dieses während der Prüfung dubliert.

Die Bisssperrung im Bereich der 6er sollte 1,5–2 mm betragen. Deshalb musste der Stützstift um einiges mehr angehoben werden, um dies zu erreichen. Dies konnte dann kontrolliert werden, indem die Prüfungsteilnehmer einen kleinen Silikonwall im Bereich der 6er anfertigten und dann die Stärke des Walles maßen.

  • Abb. 4: Um eine Front-Eckzahn-Führung und Disklusion der Seitenzähne zu erreichen, wurden die Ränder vor dem Stopfverfahren noch etwas dicker gestaltet.

  • Abb. 4: Um eine Front-Eckzahn-Führung und Disklusion der Seitenzähne zu erreichen, wurden die Ränder vor dem Stopfverfahren noch etwas dicker gestaltet.
    © Palm
Nachdem die Höhe richtig eingestellt war, wurden der Stützstift noch etwas angehoben und die Unterkieferzähne mit rosafarbenem Plattenwachs aufgebaut. Somit wurde die Schiene in Wachs schon funktionell eingestellt. Das bedeutet, dass im Seitenzahnbereich nur die Spitzen der palatinalen Höcker Kontakt haben und diese bei einer Laterotrusion und Protrusion direkt diskludieren.

Voraussetzung für die Disklusion der Seitenzähne ist eine Front-Eckzahn- Führung. Dafür ist die Schiene im Bereich der Frontzähne aufzubauen (Abb. 4). Um das Stopfen einfach und schnell durchzuführen, kam zu diesem Zweck eine Einmalspritze nach folgendem Verfahren zum Einsatz:

  • Nach dem Modellieren wurde im Bereich der 7er ein Gusskanal angebracht, anschließend erfolgte die Anfertigung des Vorwalls.
  • Das Wachs wurde entfernt (abgedampft) und es folgte das Ausblocken untersichgehender Stellen.
  • Das Modell wurde mit einer Kunststoff-Gips-Isolierung separiert.
  • Der Vorwall war zu befestigen und die Spritze wurde mit FuturaGen Klar gefüllt.
  • Mit einer gleichmäßigen Geschwindigkeit – nicht zu schnell, aber auch nicht zu langsam – galt es, den Hohlraum mit Kunststoff zu füllen.
  • Nachdem die Schiene im Drucktopf ausgehärtet war, musste sie noch aufgepasst werden.
  • Die Funktion wurde, wie oben beschrieben, eingeschliffen und alles zuletzt noch auf Hochglanz poliert (Abb. 5).

  • Abb. 5: Frontansicht der fertiggestellten Schiene.

  • Abb. 5: Frontansicht der fertiggestellten Schiene.
    © Palm
Die Vorteile dieses Verfahrens gegenüber der Streutechnik sind ganz klar: Die Schiene kann vorab viel gezielter hergestellt werden, somit geht das Ausarbeiten viel schneller vonstatten. Außerdem würde das hierzu zu verwendende Splitterpolymerisat mehr kontrahieren, was die Passung beeinträchtigen kann.

Fazit

Der fünfte Prüfungsteil gehörte mit zu den angenehmsten Abschnitten während der insgesamt neun Prüfungstage. Natürlich war es hier zwingend erforderlich, dass die festsitzende Versorgung (Prüfungsteil 1) fertig und für deren Fertigung eine angemessene Zeitspanne eingehalten worden war. Hätte ein Prüfungsteilnehmer bei diesem Teil schon zeitliche Probleme gehabt oder die festsitzende Versorgung gar nicht erst finalisiert, hätte auch die Schiene nicht hergestellt werden können.

Im Laboralltag sieht die Herstellung einer Schiene allerdings meist anders aus, da diese gefräst, gedruckt oder auch klassisch mit einem Tiefziehgerät produziert wird. Die Indikation für eine (Tanner-)Schiene liegt meist in der Zentrierung und Stabilisierung des Kiefergelenkes und der Behebung von Muskelstörungen. Da im Labor eine Schiene mit adjustierter Oberfläche regelmäßig angefordert wird und damit eine wichtige Arbeit im Alltag eines Zahntechnikers darstellt, war auch dieser Aufgabenteil ein aussagefähiger und alltagsorientierter Prüfungsteil für eine Meisterprüfung und ein würdiger Abschluss dieser mehrteiligen Prüfung. 

Näheres zum Autor des Fachbeitrages: ZTM Sebastian Palm



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