Herausnehmbare Implantatprothetik

Indizes: Implantatprothetik, Galvanoforming, Teleskope, NEM-Tertiärgerüst

Galvanoforming in der implantatgetragenen Teleskoptechnik bei zahnlosen Patienten


Der Wunsch nach „festsitzendem“ Zahnersatz in der Totalprothetik wird von immer mehr Patienten geäußert. Sicherheit, Langlebigkeit, Ästhetik und einfaches Handling sind die Schlagwörter mit denen wir uns befassen müssen. Mit Hilfe der modernen Implantologie ist es heutzutage bei fast allen Patienten möglich, Zahnersatz zu fertigen, der mehr Lebensqualität verspricht.

Eine perfekte Passung, die mit herkömmlicher, gegossener Teleskoptechnik nicht erzielt werden kann, ist nur einer von zahlreichen Vorteilen der Galvano-Teleskopkronen-Technik. Zudem sind die Ergebnisse reproduzierbar und unabhängig von den geometrischen Formen der Sekundärkonstruktion. Durch die intraorale Verklebung insbesondere bei implantatgetragenen Brücken, erzielt man ein Optimum an Passungssicherheit und schützt die Implantate vor Fehlbelastungen. Fehlerquellen bei der Abdrucknahme oder Modellherstellung werden durch die intraorale Verklebung vermieden. Wie diese Vorteile in der täglichen Arbeit genutzt werden können, soll im folgenden Fall dargestellt werden.

Mehr Tragekomfort gewünscht

Ausgangssituation war ein Patient mit unbezahntem Ober- und Unterkieferkiefer (Abb. 1). Die Prothesen waren sehr großflächig und der Halt ungenügend. Der Wunsch des Patienten war es, die Prothesenbasen so klein wie möglich zu gestalten. Brückenähnliche, gaumenfreie Konstruktion – „einfach mehr Tragekomfort“ – waren seine Worte. Um diesem Wunsch gerecht zu werden, war die Insertion von je sechs Implantaten im Ober- und Unterkiefer nötig. Nach komplikationsloser Einheilung der Implantate folgte die Abdrucknahme und die Modellherstellung mit Zahnfleischmaske (Abb. 2).

Die Modelle wurden gelenkbezüglich eingestellt und ein Set-up hergestellt. Dieses dient der Gestaltung der Goldabutments, die sich bei teleskopierenden Arbeiten sehr bewährt haben. Funktionsflächen können anatomischer ausgeformt und modelliert werden als bei Standardpfosten.

Ästhetische und funktionelle Wünsche werden bereits beim Set-up berücksichtigt, da dieses in Kunststoff umgesetzt, als Interimsprothese dient. Nach dem Fräsen der Goldabutments (2 Grad) werden sie eingebettet und in einer hochgoldhaltigen Legierung gegossen.

  • Abb. 1: Ausgangssituation nach Freilegung der Implantate.
  • Abb. 2: Meistermodelle mit abnehmbarer Zahnfleischmaske zum Fräsen auf dem Modell.
  • Abb. 1: Ausgangssituation nach Freilegung der Implantate.
  • Abb. 2: Meistermodelle mit abnehmbarer Zahnfleischmaske zum Fräsen auf dem Modell.

  • Abb. 3: Die Modellation und das Fräsen der Abutments erfolgt in 2 Grad.
  • Abb. 4: Alle Abutments erhalten eine zirkuläre Schulter.
  • Abb. 3: Die Modellation und das Fräsen der Abutments erfolgt in 2 Grad.
  • Abb. 4: Alle Abutments erhalten eine zirkuläre Schulter.

  • Abb. 5: Erst die 2 Grad Fräsung erlaubt die intraorale Verklebung.
  • Abb. 6: Alle Schraubenkanäle werden mit Helioform®-Ausblockmaterial gefüllt …
  • Abb. 5: Erst die 2 Grad Fräsung erlaubt die intraorale Verklebung.
  • Abb. 6: Alle Schraubenkanäle werden mit Helioform®-Ausblockmaterial gefüllt …

  • Abb. 7: … und anschließend mit Helioform®-Abdecklack versiegelt.
  • Abb. 8: Das Helioform®-Verfahren liefert absolut glatte und homogene Sekundärteile.
  • Abb. 7: … und anschließend mit Helioform®-Abdecklack versiegelt.
  • Abb. 8: Das Helioform®-Verfahren liefert absolut glatte und homogene Sekundärteile.

  • Abb. 9: Zur Vorbereitung der Tertiärstruktur...
  • Abb. 10: ...werden alle Sekundärteile aufgesetzt.
  • Abb. 9: Zur Vorbereitung der Tertiärstruktur...
  • Abb. 10: ...werden alle Sekundärteile aufgesetzt.

Das Galvanoforming

Die Primärabutments werden daraufhin direkt, nach Abnahme der Zahnfleischmaske, auf den Modell in Gold gefräst. Eine zirkuläre Stufe ist bei der Herstellung von Helioform®-Galvanosekundärkronen von Vorteil (Abb. 4 und 5).

Die auf Hochglanz polierten Abutments werden vom Modell geschraubt und der Schraubenkanal mit Kunststoff und Abdecklack verschlossen. Anschließend bereitet man die Implantatpfosten zum Galvanisieren vor und trägt mittels einer Airbrushpistole (C. Hafner, Pforzheim) den Silberleitlack auf. Es ist damit gewährleistet, dass der Lack die Fräsflächen gleichmäßig dünn bedeckt. Mit dem Helioform® HF Vario Plus (C. Hafner, Pforzheim) ist es möglich, Galvanokronen mit definierter Stärke herzustellen, in unseren Fall ist die vorgewählte Schichtdicke 0,3 Millimeter. Die Sekundärteile werden mit dem Goldbad Helioform-H galvanisiert, welches härtere Strukturen liefert als konventionelle Galvanobäder (Abb. 8).

Nach Ablauf der Galvanisierzeit werden die Objekte dem Goldbad entnommen und von den Implantatpfosten gelöst. Bei einer vorher gefrästen zirkulären Stufe kann man nun sehr leicht das übergalvanisierte Gold mittels eines Gummipolierers entfernen. Nachdem der Silberleitlack aus den Innenteleskopen gelöst ist (in 50-prozentiger Salpetersäure) werden diese zurückgesetzt und zum Dublieren für das Tertiärgerüst vorbereitet (Abb. 9 und 10).

Tertiärgerüst: Herstellung und Einprobe

Vom Set-up angefertigte Vorwälle erleichtern das gezielte Modellieren des Gerüstes. Wichtig ist, dass Front- und Eckzähne metallunterstützt sind. Das Tertiärgerüst wird ausgearbeitet und aufgepasst, so dass es passiv über die Galvanoteile fällt (Abb. 11). Zum ersten Anprobetermin werden die gefrästen Abutments, die Galvanosekundärkronen, die Tertiärgerüste mit Kunststoffbiss, Funktionslöffel und die fertig gestellte Interimsprothese geliefert.

Die Aufbauten werden definitiv eingeschraubt und die Galvanosekundärteile aufgesetzt. Der passive Sitz des Tertiärgerüstes wird überprüft sowie eine Bisskontrolle über den Kunststoffbiss auf dem Gerüst vorgenommen. Das Tertiärgerüst kann dann intraoral mit einem Attachmentkleber mit den Sekundärkronen verklebt werden. Es empfiehlt sich, beim Verkleben leicht in die Impressionen des Bisswalles einbeißen zu lassen. Bei implantatgetragenen Teleskoparbeiten ist es oft von Vorteil, intraoral zu verkleben, da Ungenauigkeiten durch die Abdrucknahme oder Modellherstellung vermieden werden.

Mit Patientenwünschen abgleichen

Im Anschluss wird ein Überabdruck mit dem individuellen Löffel genommen. Wichtig bei der Abformung ist, dass die Sättel ausreichend mit Abformmaterial unterspritzt werden (Abb. 12).

  • Abb. 11: Die Tertiärstruktur muss eine
  • Abb. 12: Nach erfolgter intraoraler Verklebung wird mit dem individuellen Löffel eine Überabformung vorgenommen.
  • Abb. 11: Die Tertiärstruktur muss eine "Wurfpassung" über die Sekundärkronen aufweisen.
  • Abb. 12: Nach erfolgter intraoraler Verklebung wird mit dem individuellen Löffel eine Überabformung vorgenommen.

  • Abb. 13: Nach Anfertifung der Kunststoffstümpfle wird ein neues Meistermodell ohne Übertragungsfehler hergestellt.
  • Abb. 14: Die Verblendung erfolgt mit Composite...
  • Abb. 13: Nach Anfertifung der Kunststoffstümpfle wird ein neues Meistermodell ohne Übertragungsfehler hergestellt.
  • Abb. 14: Die Verblendung erfolgt mit Composite...

  • Abb. 15: ...die atrophierte Gingiva wird durch rosa Kunststoff ersetzt.
  • Abb. 16: Basalansicht beider Arbeiten mit einer minimalen Gestaltung der Prothesenbasis für mehr Tragekomfort.
  • Abb. 15: ...die atrophierte Gingiva wird durch rosa Kunststoff ersetzt.
  • Abb. 16: Basalansicht beider Arbeiten mit einer minimalen Gestaltung der Prothesenbasis für mehr Tragekomfort.

  • Abb. 17: Frontalansicht des ehemals zahnlosen Patienten.
  • Abb. 17: Frontalansicht des ehemals zahnlosen Patienten.

Die Interimsprothese wird über die definitiv eingeschraubten Abutments gesetzt und der Biss kontrolliert. Der Patient hat nun die Möglichkeit seinen Zahnersatz Probe zu tragen und eventuell Änderungswünsche dem Behandler mitzuteilen. Der Zahntechniker hat dann noch die Möglichkeit auf diese Wünsche zu reagieren. Der Abdruck wird, nachdem Kunststoffstümpfe hergestellt wurden (Abb.13), mit Superhartgips ausgegossen.

Das Modell kann nun anhand des Kunststoffbisses auf den Tertiärgerüsten ohne Übertragungsfehler neu eingestellt werden. Die Vorwälle des Set-up werden, falls keine Änderungen vorzunehmen sind, beim Verblenden mit Composite zur Hilfe genommen. Durch Atrophie verursachter Schleimhautverlust wird gegebenenfallls durch rosa Kunststoff ersetzt (Abb. 14 bis 17).

Fazit

Galvanoteleskopbrücken sind durch das geringe spezifische Gewicht des NEM-Tertiärgerüsts sehr leicht und dadurch für den Patient angenehm zu tragen. Die minimierte Gestaltung der Basis im Ober- und Unterkiefer ist für viele Patienten der Hauptgrund, sich für eine solche Arbeit zu entscheiden. Friktionslose Teleskope erleichtern das Einund Ausgliedern der Brücken.

Da Galvanoteleskope ihre Haftkraft durch Adhäsion erhalten, ist der Verschleiß solcher Arbeiten sehr gering und die Langlebigkeit gewährleistet.

Bilder soweit nicht anders deklariert: ZTM Thorsten Karrasch , Dr. Alfred Kirk , Dr. Dr. Thies Henrik Jünger


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