Herausnehmbare Implantatprothetik

Teil 1

Geschiebe elegant und unauffällig verarbeiten


Indizes: Planung, Modellation, Geschiebe, Gerüstgestaltung, Gußtechnik,

Frästechnik, EMF-Gerüst, Konditionierung.

Feinmechanik und Ästhetik für dauerhafte Versorgungslösungen sind die Schwerpunkte im Labor von ZTM Erich Werner (Aalen). In einem Fallbeispiel beschreibt er die kritischen Arbeitsschritte bei der Herstellung einer Geschiebearbeit, die den Zahntechniker wie beim modernen Fünfkampf in unterschiedlichen Disziplinen fordert. Das zieht sich vom präzisen Arbeiten in der Feinmechanik, über die ästhetischen Komponenten wie die Farbwiedergabe bis hin zum Wissen über die technisch aufeinander abgestimmten Abläufe. Das Ergebnis der handwerklichen Tätigkeit setzt sich aus zahlreichen Bausteinen zusammen, die perfekt aufeinander abgestimmt sind.

Der Befund im vorliegenden Fall zeigt, daß die Patientin im Oberkiefer mit einer Teleskoparbeit gut aufgestellt ist. Im Unterkiefer sind die Zähne 44 bis 33 vorhanden. Zähne 44, 43 und 33 sollten versorgt werden. Der Behandlungsplan sieht vor, den Unterkiefer mit einer Geschiebearbeit an den Pfeilerzähnen 44 und 33 zu rekonstruieren. Die Pfeilerzähne 44 und 33 werden distal mit einem Geschiebe versehen. Die Zähne 34, 35, 36, 45 und 46 sollen ersetzt werden.

Die Modellation der Schubverteiler

Als Arbeitsgrundlage dient dabei ein klassisches Sägemodell mit Pins, Blockpins, Gipssockel und Splitcast - für uns immer noch ein System mit nachvollziehbar hochwertigen Ergebnissen.
Auf dem Sägemodell wird die Kieferkamm-Mitte für die optimale Platzierung der Geschiebepatrize mit einem Farbstift angezeichnet. Alle nachfolgenden Arbeitsschritte bauen nun auf der richtigen Lage der Geschiebepatrize auf (Abb. 1). Danach wird das Sägemodell im Frässockel fixiert und auf die funktionelle gemeinsame Einschubrichtung eingestellt. Auf dem adaptierten Unterziehwachs wird an den endständigen Pfeilerzähnen die linguale Kronenform anatomisch mit Fräswachs modelliert (Abb. 2). Die Nachbarstümpfe werden nun entfernt und die Hülsen mit Pins verschlossen, damit kein Wachsrückstand zu Ungenauigkeiten führt. Mit einer Wachsfräse (Jan Langner) fräst man anschließend die linguale Fläche für den Schubverteiler mit Hohlkehle und Interlock vor.
Wir verwenden dabei das Centra-Lock II Geschiebe (ZL-Mikrodent) mit Kunststoffpatrize, die dann in der jeweiligen Aufbrennlegierung mit dem Gerüst gegossen wird. Die Patrize wird in den dafür vorgesehenen Parallelhalter eingesetzt und kann dann am Fräsgerät platziert und ausgerichtet werden (Abb. 3 und 4). Die Mitte der Patrize sollte mit der angezeichneten Markierung auf dem Kieferkamm ausgerichtet sein (Abb. 5). Patrize und Krone werden nun mit Hilfe der Sonde und Modellierwachs miteinander verbunden. Wichtig: das Wachs nicht zu heiß auftragen! Der gleiche Vorgang wiederholt sich, am gegenüberliegenden Quadranten durch das Anheben des Haltestiftes, nachdem das Wachs fixiert wurde. Die okklusale Ansicht zeigt die funktionsgerechte Platzierung der Centra-Lock II Patrize (Abb. 6 und 7) an den Pfeilerzähnen.
Im nächsten Arbeitsschritt modelliert man den Übergang zwischen Interlock und Keramikkrone als Abschluß zwischen Metall und Keramik (Abb. 8 und 9). Der Kronenrand wird an den Pfeilerzähnen unter dem Mikroskop in Wachs reduziert. Ein weiterer Baustein für die ästhetische Aussage insbesondere für die Patientin ist die individuelle Farbauswahl im Labor (Abb. 10).

  • Abb. 1: Geschiebesatz mit Patrize aus Kunststoff und Matrize mit Kunststoffhülse auswechselbar mit Metallkasten.
  • Abb. 2: Parallelhalter im Fräsgerät mit Patrize.
  • Abb. 1: Geschiebesatz mit Patrize aus Kunststoff und Matrize mit Kunststoffhülse auswechselbar mit Metallkasten.
  • Abb. 2: Parallelhalter im Fräsgerät mit Patrize.

  • Abb. 3: Angesetzte Patrize an der in Wachs gefrästen Krone.
  • Abb. 4: Mit Fräswachs verbundene Patrize, auch der Interlock ist gut zu erkennen.
  • Abb. 3: Angesetzte Patrize an der in Wachs gefrästen Krone.
  • Abb. 4: Mit Fräswachs verbundene Patrize, auch der Interlock ist gut zu erkennen.

  • Abb. 5: Die Modellation der angelegten Patrizen von okklusal.
  • Abb. 5: Die Modellation der angelegten Patrizen von okklusal.


  • Abb. 6: Detailaufnahme der harmonischen Übergänge in Wachs...
  • Abb. 7: ...von lingual....
  • Abb. 6: Detailaufnahme der harmonischen Übergänge in Wachs...
  • Abb. 7: ...von lingual....

  • Abb. 8: ....und von vestibulär.
  • Abb. 9: ....und von vestibulär.
  • Abb. 8: ....und von vestibulär.
  • Abb. 9: ....und von vestibulär.

  • Abb. 10: Farbauswahl im Labor für ein Schichtschema.
  • Abb. 11: Der abgestrahlte Guß weist eine feinkörnige Struktur auf.
  • Abb. 10: Farbauswahl im Labor für ein Schichtschema.
  • Abb. 11: Der abgestrahlte Guß weist eine feinkörnige Struktur auf.

Exakter Ablauf sorgt für Qualitätssicherung

Die Gerüstmodellation wird nun angestiftet, eingebettet und laborüblich vorgewärmt und gegossen. Dabei haben wir in diesem Fall die hochgoldhaltige Aufbrennlegierung (Alphador PT, Schütz-Dental) verwendet (Abb. 11). Der Guß weist eine sehr homogene, feinkörnige Metall- und Oberflächenstruktur auf.
Das Aufpassen der Gerüste auf das Sägemodell zur Kontrolle und das Umsetzen auf ein ungesägtes Kontrollmodell sind für uns unerläßliche Arbeitsschritte hin zu einer gleichbleibenden Qualitätssicherung. Einprobe und Überabformung mit individuellem Löffel bilden einen Arbeitsschritt, den ich als wichtige Schnittstelle zwischen dem Praxis- und dem Laborteam bezeichnen möchte. Die exakte Fixier- und Überabformung dient uns als Grundlage für ein Meistermodell mit Kunststoffstümpfen (Abb. 12 bis 14).
Die weiteren funktionellen Arbeitschritte umfassen eine Bißregistrierung verbunden mit einem Gesichtsbogenregistrat, damit die Modelle im individuellen Artikulator zweiphasig eingestellt werden können (Abb. 15).

  • Abb. 12: Das angefertigte Meistermodell nach der Einprobe....
  • Abb. 1: Geschiebesatz mit Patrize aus Kunststoff und Matrize mit Kunststoffhülse auswechselbar mit Metallkasten.
  • Abb. 12: Das angefertigte Meistermodell nach der Einprobe....
  • Abb. 1: Geschiebesatz mit Patrize aus Kunststoff und Matrize mit Kunststoffhülse auswechselbar mit Metallkasten.

  • Abb. 14: Gut zu erkennen: Die harmonischen Übergänge von der Krone zur Patrize.
  • Abb. 15: Unterkiefermodell nach der Bißregistrierung im Artikulator eingestellt.
  • Abb. 14: Gut zu erkennen: Die harmonischen Übergänge von der Krone zur Patrize.
  • Abb. 15: Unterkiefermodell nach der Bißregistrierung im Artikulator eingestellt.

  • Abb. 16: Die Gerüste werden ausgearbeitet....
  • Abb. 17: ....und paßgenau auf dem Sägemodell reponiert.
  • Abb. 16: Die Gerüste werden ausgearbeitet....
  • Abb. 17: ....und paßgenau auf dem Sägemodell reponiert.

  • Abb. 18: Anschließend erfolgt die Kontrolle.....
  • Abb. 19: ...der Gerüste auf dem Meistermodell.
  • Abb. 18: Anschließend erfolgt die Kontrolle.....
  • Abb. 19: ...der Gerüste auf dem Meistermodell.

Geschiebetechnik erfordert kompromißlose Gerüstgestaltung

Die Gerüste werden nun für die Keramikverblendung ausgearbeitet. Dabei messen wir der Randgestaltung eine große Bedeutung bei, damit keine überbrannten Kronenränder entstehen (Abb. 16 bis 20).Die kompromißlose Gerüstgestaltung ist nicht nur in der Geschiebetechnik wichtig für eine dauerhafte Funktion und Haltbarkeit der Materialkomponenten.Das Gerüst wird nach dem Ausarbeiten mit 125 ym Aluoxid abgestrahlt, gereinigt und entsprechend den Herstellerangaben der Legierung oxidiert (Abb. 21). Sowohl der Washbrand als auch der deckende Opakerbrand mit individueller Farbgestaltung dienen als Vorbereitung für die anschließende Keramikschichtung (Nuance 850, Schütz-Dental). Die Keramikverblendung wird nach dem Schichtschema gemäß Farbauswahl geschichtet und gebrannt. Nach dem ersten Brand sind nur noch leichte Korrekturen interdental und okklusal für den zweiten Brand erforderlich (Abb. 22 bis 25).

  • Abb. 20: Blick von okklusal
  • Abb. 21: Die abgestrahlten Gerüste weisen eine gleichmäßige Oberflächenstruktur auf und sind somit vorbereitet für den Oxidbrand.
  • Abb. 20: Blick von okklusal
  • Abb. 21: Die abgestrahlten Gerüste weisen eine gleichmäßige Oberflächenstruktur auf und sind somit vorbereitet für den Oxidbrand.

  • Abb. 22: Der aufgetragene Opaker für den Washbrand. Die Übergänge zu den Geschieben sollten dabei nicht überbrannt werden.
  • Abb. 23: Gemäß Farbauswahl erfolgt nun das Schichtschema für den ersten Brand.
  • Abb. 22: Der aufgetragene Opaker für den Washbrand. Die Übergänge zu den Geschieben sollten dabei nicht überbrannt werden.
  • Abb. 23: Gemäß Farbauswahl erfolgt nun das Schichtschema für den ersten Brand.

  • Abb. 24: Besonderes Augenmerk gilt den Übergängen von der Patrize zur Keramik sowie dem gefrästen Lager und dem Schubverteilungsarm.
  • Abb. 25: Eine Keramikschulter sollte auf Wunsch der Patientin nicht angefertigt werden.
  • Abb. 24: Besonderes Augenmerk gilt den Übergängen von der Patrize zur Keramik sowie dem gefrästen Lager und dem Schubverteilungsarm.
  • Abb. 25: Eine Keramikschulter sollte auf Wunsch der Patientin nicht angefertigt werden.

Näheres zum Autor des Fachbeitrages: ZTM Erich Werner

Bilder soweit nicht anders deklariert: ZTM Erich Werner


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