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Er sollte auch für viele Breitensportarten zur Selbstverständlichkeit werden

Der Sportmundschutz – ein wachsendes Arbeitsgebiet


Während Helme beim Fahrradfahren und Skilaufen, Ellbogen- und Knieschützer beim Inlineskaten und Schienbeinschützer beim Fußballspielen mittlerweile zum alltäglichen Bild gehören, bleibt der Mund mit Zähnen, Kiefern und den Weichteilen bei den meisten sportlichen Aktivitäten auch heutzutage meist ohne Schutz [9,10,26]. Studien belegen, dass zirka ein Drittel der orofazialen Verletzungen beim Sport passiert [12,20,28] – auch bei Freizeitsportlern. Sportbedingte Verletzungen könnten durch einen guten Mundschutz nicht nur eingeschränkt, sondern vielfach vermieden werden [30].

Ein wichtiger Aspekt bei Sportunfällen: Nicht nur für den einzelnen Betroffenen, auch für die Allgemeinheit entstehen Kosten. Im orofazialen Bereich können nur Verletzungen an Lippen, Wangen, Zunge und Knochen vollständig verheilen; permanent aus dem Zahnfach herausgeschlagene oder frakturierte Zähne müssen oftmals aufwendig ersetzt werden. Einen großen Anteil der Verletzungen machen Kronenfrakturen aus [12]. Auch diese führen zu immer wiederkehrenden Kosten für Wurzelkanalbehandlung, Kompositaufbauten und/oder Anfertigung von künstlichen Kronen, die von Zeit zu Zeit erneuert werden müssen [19]. Das alles belastet die Geldbörse des Betroffenen und die Gesundheitskassen lebenslang [17].

Ein zusätzliches Arbeitsgebiet eröffnen: Viele treiben Sport – und wo bleibt der Sportmundschutz?

Eine Statistik basierend auf einer Million Sportverletzungen in Australien belegt, dass das Tragen eines Sportmundschutzes etwa dreißig Prozent weniger Verletzungen der Zähne und Lippen zur Folge hatte. Ebenso traten sportbedingte Verletzungen der Zunge und des Unterkiefers sowie Gehirnerschütterungen bei Verwendung eines Mundschutzes deutlich seltener auf [7]. Hier liegt demnach, auch in Deutschland, noch ein weites Feld für Zahnärzte und Zahntechniker, um zum Wohle der Patienten und im Sinne der Volksgesundheit aktiv zu werden. Die Anforderungen an einen Sportmundschutz variieren in Abhängigkeit von der Art und Größe der Gewalteinwirkung, der Größe des Mundes und dem Kommunikationsbedarf (Einzel-, Mannschaftssportart) [16].

Anforderungen an einen Sportmundschutz

Die Dämpfung und die Verteilung der Schlagenergie sind die Hauptfunktionen eines Mundschutzes, um Frakturen, Platzwunden, eigene Bissverletzungen und anderes mehr zu verhindern. Das Material des Mundschutzes muss folglich ausreichend elastisch zur Dämpfung und hinreichend starr zur Druckverteilung sein, um diese Funktionen erfüllen zu können. Folgende Anforderungen sind an einen Mundschutz zu stellen [14,29]: Biokompatibilität, hohe Schutzwirkung, guter Halt, keine Beeinträchtigung der Atmung und Sprache sowie der sportlichen Leistungsfähigkeit, hohe Haltbarkeit, einfache Reinigung und Handhabung, mögliche Anpassung an einen wachsenden Kiefer und Tragbarkeit auch mit festsitzenden kieferorthopädischen Geräten und Zahnersatz.

Individueller Mundschutz

  • Abb. 1: EVA-Folien in verschiedenen Farben und Designs. Bildnachweis für alle außer Abb. 16: Dr. Min-Jung Oh, Prof. Dr. Paul-Georg Jost-Brinkmann, Charité, Berlin

  • Abb. 1: EVA-Folien in verschiedenen Farben und Designs. Bildnachweis für alle außer Abb. 16: Dr. Min-Jung Oh, Prof. Dr. Paul-Georg Jost-Brinkmann, Charité, Berlin
Individuelle Mundschutze werden zumeist aus Ethylenvinylacetat (EVA) hergestellt. EVA ist nicht toxisch, elastisch, absorbiert nahezu kein Wasser und ist einfach zu verarbeiten [3]. Zudem kann es in beliebigen Farben hergestellt werden (Abb. 1). Dafür werden nach einer Alginatabformung beim Zahnarzt oder Kieferorthopäden Gipsmodelle vom Ober- und Unterkiefer angefertigt. Zusätzlich ist ein Konstruktionsbiss notwendig, um im Fixator beziehungsweise Artikulator Einbisse für den Gegenkiefer herstellen zu können. Bei Patienten mit neutraler oder distaler Verzahnung wird in der Regel ein unimaxillärer Mundschutz im Oberkiefer eingesetzt, da bei dentalen Verletzungen in bis zu 85 Prozent der Fälle die oberen mittleren Incisivi betroffen sind [12]. Der Unterkiefer wird durch individuelle Impressionen im Mundschutz fixiert und somit gegen einwirkende Schläge und vor Frakturen geschützt. Durch den Mundschutz als elastisches Dämpfungselement zwischen den Zahnreihen sinkt zudem das Risiko von Gehirnerschütterungen. Damit werden die Unterkieferzähne ebenfalls vor Verletzungen geschützt sowie das Risiko für Kondylus- oder Schädel-Hirn-Verletzungen reduziert [17]. Bei umgekehrter Schneidezahnrelation muss der Mundschutz im Unterkiefer eingegliedert werden.

Mithilfe eines Druckformgerätes beziehungsweise Tiefziehgerätes werden zumeist mindestens zwei EVA-Folien übereinander laminiert. Die Dicke der Folie steht in direktem Zusammenhang mit der Höhe der Energieabsorption: Je dicker, umso größer ist der Schutz [31]. Die Dicke des Mundschutzes lässt sich jedoch nicht beliebig steigern, da dies den Tragekomfort, die Sprache und die Atmung beeinträchtigen kann. Zur Erhöhung der Schutzwirkung kann zusätzlich ein Nylonnetz oder beispielsweise eine Duran-Einlage zwischen den Folien eingefügt werden. Die Stärke der Folien lässt sich je nach Sportart und dem damit verbundenen Verletzungsrisiko anpassen. Darüber hinaus kann der Zahnarzt/Kieferorthopäde individuelle Mundschutze so gestalten, dass das Tragen trotz Wachstum, Zahnwechsel und kieferorthopädischer Apparaturen etwa zwei Jahre lang möglich ist.

Sportmundschutz und Zahnspangen

Es sei betont: Der Sportmundschutz zielt längst nicht nur auf den Kreis der Erwachsenen, sondern ist auch für Kinder und Jugendliche wertvoll. Bei diesen kommt noch der Faktor der Gewöhnung hinzu. Wer in frühen Jahren mit einem Sportmundschutz versorgt war, zum Beispiel beim Hockey, Basketball oder Handball, ist auch als Volljähriger dafür sensibilisiert.

Eine besondere Gruppe stellen dabei Patienten mit kieferorthopädischen Apparaturen dar. Sie unterliegen aufgrund der Brackets, Bänder und Bögen einem höheren Risiko als andere, bei einwirkenden Schlägen oder Stürzen zusätzlich zu Zahnverletzungen Stanzverletzungen der Weichteile zu erleiden [15]. Zudem führen die Zahnstellungsänderungen während der Behandlung zu einem baldigen Nichtpassen des Mundschutzes. Durch ein Hohllegen beziehungsweise Ausblocken auf dem Modell kann man jedoch gezielt Freiräume für durchbrechende Zähne und Zahnstellungsänderungen schaffen, ohne einen guten Halt zu gefährden.

Zusammenarbeit zwischen Zahnarzt und Zahntechniker: Sportmundschutzherstellung für einen Patienten mit Multibracket-Apparatur

Bevor Alginatabformungen vom Ober- und Unterkiefer beim Zahnarzt oder Kieferorthopäden genommen werden können, sollten die vestibulären Zahnflächen mit den Brackets durch einen rund zehn Millimeter breiten und etwa einen Millimeter dicken Wachsstreifen abgedeckt werden (Abb. 2). Dies erleichtert später das Einsetzen beziehungsweise Entfernen des fertigen Sportmundschutzes. Da mit den Zahnbewegungen auch der umgebende Alveolarfortsatz umgebaut wird, sollte der Wachsstreifen im Oberkiefer bis zur beweglichen Schleimhaut reichen. Jedoch muss der Wachsstreifen kürzer sein als der spätere Mundschutz.

  • Abb. 2: Mit einem etwa zehn Millimeter breiten Wachsstreifen ausgeblockte vestibuläre Zahnflächen mit Brackets im Ober- und Unterkiefer.
  • Abb. 3: Eine Alginatabformung des Oberkiefers mit vollständiger Darstellung der Umschlagfalte und der Bänder.
  • Abb. 2: Mit einem etwa zehn Millimeter breiten Wachsstreifen ausgeblockte vestibuläre Zahnflächen mit Brackets im Ober- und Unterkiefer.
  • Abb. 3: Eine Alginatabformung des Oberkiefers mit vollständiger Darstellung der Umschlagfalte und der Bänder.

Bei der anschließenden Abformung sollte die Alginatkonsistenz relativ fest sein, um die ganze Tiefe der Umschlagfalte und die Bänder in der Abformung deutlich darzustellen (Abb. 3). Wenn der Behandler mit eingesetztem Abformlöffel Wangen und Lippe bewegt, werden die Bänder eher zu groß dargestellt. Dies ist günstig, da es den Arbeitsaufwand beim Einsetzen des Mundschutzes reduziert. Zusätzlich ist ein Konstruktionsbiss notwendig. Es hat sich bewährt, dass die Bisssperre im Seitenzahngebiet mindestens fünfzig Prozent der summierten Dicken der verwendeten EVA-Folien beträgt. Wenn beispielsweise zwei EVA-Folien mit einer Stärke von zwei und vier Millimeter laminiert werden, dann sollte die Bisssperre im Seitenzahnbereich mindestens drei Millimeter betragen. Der Konstruktionsbiss muss zudem sagittal und transversal in der therapeutisch angestrebten Unterkieferposition genommen werden. Mithilfe des Konstruktionsbisses werden Ober- und Unterkiefermodelle in einen Fixator oder Artikulator einartikuliert (Abb. 4a bis d). Ein Groth-Fixator hat sich hierfür bewährt. Auch im Unterkiefer müssen gegebenenfalls die Zähne, insbesondere die Kauflächen und Inzisalkanten, bei jenen Zähnen ausgeblockt werden, die kieferorthopädisch bewegt werden oder durchbrechen sollen (Abb. 5 und 6).

  • Abb. 4a: Ober- und Unterkiefermodell aus Superhartgips mit eingesetztem Konstruktionsbiss in einem Groth-Fixator.
  • Abb. 4b: Makroaufnahme des Konstruktionsbisses mit einer Bisssperre im Seitenzahnbereich von drei Millimetern.
  • Abb. 4a: Ober- und Unterkiefermodell aus Superhartgips mit eingesetztem Konstruktionsbiss in einem Groth-Fixator.
  • Abb. 4b: Makroaufnahme des Konstruktionsbisses mit einer Bisssperre im Seitenzahnbereich von drei Millimetern.

  • Abb. 4c: Oberkiefergipsmodell mit rund 2,5 Millimeter tiefen Löchern. Diese wurden interdental etwa einen Millimeter gingival der stärksten Ausdehnung – entspricht dem Verlauf des Bogens der Multibracket-Apparatur – in der Front mittels eines Rosenbohrers gesetzt.
  • Abb. 4d: Oberkiefergipsmodell mit Löchern in der Front zur Herstellung von Retentionen.
  • Abb. 4c: Oberkiefergipsmodell mit rund 2,5 Millimeter tiefen Löchern. Diese wurden interdental etwa einen Millimeter gingival der stärksten Ausdehnung – entspricht dem Verlauf des Bogens der Multibracket-Apparatur – in der Front mittels eines Rosenbohrers gesetzt.
  • Abb. 4d: Oberkiefergipsmodell mit Löchern in der Front zur Herstellung von Retentionen.

  • Abb. 5: Oberkiefergipsmodell. Damit die kieferorthopädisch zu bewegenden Zähne im Mundschutz Spiel haben, sind diese Bereiche mit lichthärtendem Kunststoff (hier: Triad, Dentsply DeTrey, Konstanz) ausgeblockt worden.
  • Abb. 6: Unterkiefergipsmodell mit Ausblockungen aus Triad.
  • Abb. 5: Oberkiefergipsmodell. Damit die kieferorthopädisch zu bewegenden Zähne im Mundschutz Spiel haben, sind diese Bereiche mit lichthärtendem Kunststoff (hier: Triad, Dentsply DeTrey, Konstanz) ausgeblockt worden.
  • Abb. 6: Unterkiefergipsmodell mit Ausblockungen aus Triad.

Im Anschluss wird das Modell als Platzhalter mit einer ein Millimeter dicken Tiefziehfolie aus Polyethylen, zum Beispiel Copyplast, überzogen (Abb. 7). Diese Folie muss aus einem Material gefertigt sein, das sich nicht mit EVA verbindet. Der Platzhalter schafft Bewegungsspielraum für alle Zähne, um den Sportmundschutz trotz Zahnbewegung mehr als ein Jahr tragen zu können. Der Platzhalter sollte so weit gekürzt werden, dass er zirkulär etwa vier Millimeter vor der vestibulären beziehungsweise palatinalen Begrenzung des Sportmundschutzes endet (Abb. 8). Anschließend wird eine zwei bis vier Millimeter dicke EVA-Folie, zum Beispiel Bioplast, über die Copyplast-Folie gezogen (Abb. 9) und mit einer Schere bis zur Modellbasis gekürzt. Die Dicke des Materials hängt ab von der Sportart sowie von individuellen Faktoren wie Alter (Kraft) und Größe.

  • Abb. 7: Die auf das Oberkiefergipsmodell gezogene Platzhalterfolie (1,0 Millimeter Copyplast) wird mit einer Schere gekürzt.
  • Abb. 8: Oberkiefergipsmodell mit einer gekürzten Platzhalterfolie …
  • Abb. 7: Die auf das Oberkiefergipsmodell gezogene Platzhalterfolie (1,0 Millimeter Copyplast) wird mit einer Schere gekürzt.
  • Abb. 8: Oberkiefergipsmodell mit einer gekürzten Platzhalterfolie …

  • Abb. 9: … sowie mit einer darüber gezogenen und gekürzten EVA-Folie (zwei Millimeter Bioplast).
  • Abb. 9: … sowie mit einer darüber gezogenen und gekürzten EVA-Folie (zwei Millimeter Bioplast).

In Sportarten, bei denen harte Gegenstände punktuell auf die Zähne treffen können, etwa (Eis-)Hockey oder Baseball, kann durch das Einbauen einer harten Einlage eine bessere Kraftverteilung erreicht werden. Dazu wird im Frontzahnbereich eine 0,75 Millimeter dicke Folie aus Polyethylenterephthalat-Glycol-Copolyester, zum Beispiel Duran, adaptiert. Um die Duran-Folie zur Bearbeitung leicht von der Bioplast-Unterlage abnehmen zu können, wird die EVA-Folie mit Silikon-Trennmittel besprüht. Im Anschluss wird das Oberkiefermodell, auf dem sich bereits die Copyplast-Folie und die erste EVA-Folie befinden, nur im Fronzahnbereich mit der Duran-Folie überzogen. Nach Anzeichnung der Ausdehnung wird diese vom Modell abgenommen und gekürzt.

  • Abb. 10: Okklusale Ansicht des Modells nach Anzeichnen der Ausdehnung der Duran-Folie.

  • Abb. 10: Okklusale Ansicht des Modells nach Anzeichnen der Ausdehnung der Duran-Folie.
Die so hergestellte hart-elastische Zwischeneinlage sollte die Frontzähne vestibulär bis zur Hälfte der Eckzähne bedecken und die Inzisalkanten wie eine Kralle leicht umfassen (Abb. 10). Nach dem Kürzen wird die Einlage auf dem Modell positioniert. Um ein blasenfreies Aufbringen der nächsten EVA-Folie sicherzustellen, sind Perforationen der ersten EVA-Folie bis in den Modellgips mit einem feinen Rosenbohrer in den Bereichen notwendig, wo die nächste Folie Luft einschließen könnte, wie zum Beispiel in der Umschlagfalte, am tiefsten Punkt des Gaumens und auch interdental.

Bevor die abschließende vier Millimeter dicke EVA-Folie laminiert wird, müssen die erste Bioplast- Folie und die abschließende Folie mit Ethanol entfettet werden, um einen guten Verbund herzustellen. Wenn die zweite EVA-Folie seitensensitiv ist, zum Beispiel Bioplast Xtreme, ist für den sicheren Verbund entscheidend, sie so in das Gerät einzuspannen, dass die Verbundseite zur ersten EVA-Folie zeigt.

Eine weitere Möglichkeit, den Sportmundschutz noch individueller zu gestalten, ist das Einfügen von Initialen oder auch Wappen, Vereinslogos und anderem mehr zwischen beide EVA-Folien. Die letzte EVA-Folie kann eine Verstärkung in der Folie selbst beinhalten, zum Beispiel bei Bioplast Xtreme. Diese Folien haben einen keilförmigen Einsatz mit Shore-Härte 92 A, während die übrige Folie mit Shore-Härte 85 A weicher ist. Die Keilform erlaubt es, die Verstärkung auf die individuelle Ausdehnung der Oberkieferfrontzähne anzupassen.

Als Abschluss wird nach dem Auflaminieren der zweiten EVA-Folie die Kaufläche okklusal mit dem Heizstrahler des Tiefziehgerätes für etwa 120 bis 150 Sekunden erwärmt und erweicht. Durch sofortiges Schließen des Fixators werden dann die Einbisse hergestellt (Abb. 11 und 12). Ein vorheriges Isolieren oder Wässern des Unterkiefermodells ermöglicht, das Modell nach den Einbissen leicht von der EVA-Folie zu trennen.

  • Abb. 11: Ober- und Unterkiefermodell im Groth-Fixator nach dem Erwärmen der abschließenden EVA-Folie zur Herstellung der Einbisse. Vor dem Schließen des Fixators sollte das Unterkiefermodell befeuchtet werden, um ein Verkleben zu verhindern.
  • Abb. 12: Okklusale Ansicht eines grob gekürzten EVAMundschutzes mit Einbissen vor der weiteren Bearbeitung.
  • Abb. 11: Ober- und Unterkiefermodell im Groth-Fixator nach dem Erwärmen der abschließenden EVA-Folie zur Herstellung der Einbisse. Vor dem Schließen des Fixators sollte das Unterkiefermodell befeuchtet werden, um ein Verkleben zu verhindern.
  • Abb. 12: Okklusale Ansicht eines grob gekürzten EVAMundschutzes mit Einbissen vor der weiteren Bearbeitung.

Nach vollständigem Abkühlen des Sportmundschutzes kann die Platzhalterfolie entfernt werden (Abb. 13). Anschließend können die Ränder mit einer Schere gekürzt und mit Polierscheiben für flexible Materialien geglättet werden, zum Beispiel mit Dimo Pro Slim. Mit einer Alkoholflamme lassen sich die Ränder noch weiter glätten. Beim Ausarbeiten sollte der Mundschutz am Gaumen relativ stark gekürzt und ausgedünnt werden, da er anderenfalls beim Tragen als störend empfunden werden kann. Der fertig ausgearbeitete Sportmundschutz (Abb. 14 und 15) muss beim Patienten hinsichtlich Passung und Druckstellen überprüft und gegebenenfalls angepasst werden.

  • Abb. 13: Die Platzhalterfolie, zum Beispiel Copyplast, wird entfernt, bevor die Ränder gekürzt und anschließend geglättet werden.
  • Abb. 14: Ein fertig ausgearbeiteter individueller Sportmundschutz auf dem Modell.
  • Abb. 13: Die Platzhalterfolie, zum Beispiel Copyplast, wird entfernt, bevor die Ränder gekürzt und anschließend geglättet werden.
  • Abb. 14: Ein fertig ausgearbeiteter individueller Sportmundschutz auf dem Modell.

  • Abb. 15: Intraorale Ansicht einer Patientin mit Multibracket-Apparatur und individuell angefertigtem Sportmundschutz.
  • Abb. 15: Intraorale Ansicht einer Patientin mit Multibracket-Apparatur und individuell angefertigtem Sportmundschutz.

Reinigung und Lagerung von Sportmundschutzen

Sofort nach jedem Tragen sollte der Sportmundschutz mit kaltem oder lauwarmem Wasser abgespült werden, um Speichel, Bakterien und Ablagerungen zu entfernen [6]. Zudem sollte er regelmäßig mit Zahnpasta und Zahnbürste gereinigt werden. Ein anschließendes Abspülen mit einer Mundspüllösung kann für einen frischen Geschmack sorgen [6]. Danach ist eine trockene Lagerung an der Luft [30] und anschließend in einer dafür vorgesehenen Box sinnvoll, um Verformungen des Mundschutzes vorzubeugen. Langfristige Sonneneinstrahlung ist zu vermeiden, da dies das Material versprödet. Eine regelmäßige Kontrolle des Sportmundschutzes beim Zahnarzt beziehungsweise Kieferorthopäden ist ratsam, um die Passung und damit eine sichere Anwendung sowie den optimalen Schutz sicherzustellen.

Sportmundschutz und Leistungssteigerung

Es gibt Hinweise, dass Änderungen der Okklusion einen Einfluss auf die Beweglichkeit der Hals-, Brust- und Lendenwirbelsäule haben – wie ja auch von der Behandlung einer craniomandibuären Dysfunktion her bekannt. Aufbissbehelfe oder Schienen können zu einer Verbesserung der Stabilität dieser Wirbelsäulenabschnitte führen [18]. Die Änderung der Körperhaltung wirkt sich anscheinend günstig auf die Leistungsfähigkeit der Sportler aus. Aus einer Studie von Ohlendorf et al. geht hervor, dass das Tragen eines individuell adaptierten Mundschutzes verbunden mit einer Kiefergelenkpositionierung zu einer quantitativen Verbesserung der einzelnen Bewegungsausführungen führte [25].

Fazit

Sportarten mit engem Körperkontakt und hoher Geschwindigkeit sowie solche, die mit Schlägern ausgeübt werden, bergen ein erhöhtes Risiko für Verletzungen der Zähne. Die Deutsche Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (DGZMK) empfiehlt bei den folgenden Sportarten einen Sportmundschutz [23]: American Football, Baseball, Basketball, Boxen und andere Kampfsportarten, Eishockey, Feldhockey, Fußball, Geräteturnen, Handball, Inline-Skating, Radsport, Reiten, Rugby, Skate-Boarding und Wasserball. Das Tragen eines Mundschutzes schützt nicht zwangsläufig vor Verletzungen [21]. Es ist aber unbestritten, dass die Häufigkeit beziehungsweise Schwere der Verletzungen verringert werden kann [5,19,21]. Entscheidend für einen wirksamen Schutz ist unter anderem eine gute Passung. Viele Kritikpunkte von Mundschutzen, wie schlechter Tragekomfort, Probleme mit der Atmung und der Sprache, sind im Zusammenhang mit – den hier nicht vorgestellten – konfektionierten oder „Boil & Bite“- Mundschutzen zu sehen. Bei Befragungen von Sportlern, die Erfahrungen mit verschiedenen Mundschutztypen hatten, wurde festgestellt, dass die wenigsten Beschwerden mit einem individuell hergestellten Mundschutz auftraten [1,22]. Auch die Beeinträchtigung der Ästhetik war ein weiterer Kritikpunkt der Sportler [9]. Mithilfe verschiedenfarbiger EVA-Folien kann ein persönlicher Mundschutz hergestellt werden.

  • Abb. 16: Beim Kampf um Punkte, wie hier im Basketball, kommt es öfter zu orofazialen Verletzungen, als man allgemein denkt. Bildnachweis: Rike/<a href=pixelio.de" origsrc="typo3temp/GB/9d6543a9ef.jpg" style="cursor:pointer;">

  • Abb. 16: Beim Kampf um Punkte, wie hier im Basketball, kommt es öfter zu orofazialen Verletzungen, als man allgemein denkt. Bildnachweis: Rike/pixelio.de
Weitere Aufklärung und Werbung in Vereinen und in Schulen für einen individuellen Mundschutz ist erforderlich, um aus einem notwendigen Schutz ein schickes Sportequipment zu kreieren. Durch Basketballer, Handballer und auch Hockeyspieler, die während ihres Sporteinsatzes mit ihren Sportmundschutzen im Fernsehen zu sehen sind, sind ein besseres Bewusstsein und eine Steigerung des Bedarfs für einen Mundschutz eingetreten. Die Zahnärzte und Kieferorthopäden sind entsprechend aufgefordert, den Bedarf als Spezialisten für den Sportmundschutz zu decken.

Nun führt der Besitz eines Mundschutzes nicht zwangsläufig zu einem regelmäßigen Gebrauch [13,28]. Es ist notwendig, dass Kinder bereits zu Beginn ihrer Sportkarriere regelmäßig einen Mundschutz beim Ausüben des entsprechenden Sports tragen. Damit wird der Mundschutz ein selbstverständlicher Teil der Sportausrüstung. Dabei ist der korrekte Sitz ausschlaggebend für die Akzeptanz und die regelmäßige Benutzung [4]. Speziell für Patienten in kieferorthopädischer Behandlung ist ein individuell hergestellter Mundschutz bedeutsam, da hier Zahnbewegungen und Unterkieferverlagerungen mit berücksichtigt werden müssen. Insbesondere diese Patienten sind angesichts der erhöhten Zahnbeweglichkeit und der orthodontischen Apparatur einem höheren Verletzungsrisiko ausgesetzt [24].

Bei Sportarten wie Boxen oder American Football sind Sportmundschutze ein fester Bestandteil der Ausrüstung und auch Basketball-Star Dirk Nowitzki sowie viele Handballer tragen einen Sportmundschutz. Beim Fußball sind sie eher unüblich. Studien belegen jedoch, dass auch Fußballer (rund 23 Prozent) ohne den Gebrauch von Sportmundschutzen orofaziale Verletzungen erleiden [11,21]. Daher muss in diesen Bereichen ebenfalls eine intensivere Aufklärung erfolgen.

Im Beitrag genannte Produkte von Scheu-Dental:

Gerade die Aufklärung der Trainer und Eltern seitens der Zahnärzte zum Thema Sportmundschutz ist notwendig, um die Akzeptanz von Sportmundschutzen zu steigern (Abb. 16). Folglich ist eine Frage nach den sportlichen Aktivitäten in der Anamnese beim Zahnarzt oder Kieferorthopäden als der erste Schritt zur Präventionsmaßnahme zu betrachten. Die Initiative des Landessportbundes Berlin, der Zahnärztekammer Berlin sowie die Stellungnahme der Stiftung Warentest sollten gute Beispiele für eine breite Öffentlichkeitsarbeit sein.

Näheres zum Autor des Fachbeitrages: Prof. Dr. Paul-Georg Jost-Brinkmann - Dr. Min-Jung Oh

Bilder soweit nicht anders deklariert: Prof. Dr. Paul-Georg Jost-Brinkmann , Dr. Min-Jung Oh



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