KFO

Indirektes Kleben in der KFO

Schneller zum Erfolg, wenn sich das Labor einbringt


Zunehmend etabliert sich in kieferorthopädischen Fachpraxen die indirekte Klebetechnik. Stressfreie und rückenschonende Bebänderungen bei kürzeren Stuhlzeiten erleichtern den Praxisalltag. Das Labor übernimmt Vorarbeiten durch Herstellen einer Transfermaske.

In der heutigen Zeit ist es im Rahmen der immer wiederkehrenden Kostendämpfung für die kieferorthopädische Praxis von entscheidender Bedeutung, angemessen und flexibel auf die aktuelle Situation zu reagieren. Wir möchten mit dem folgenden Beitrag einen Denkanstoß geben, wie das indirekte Kleben von Brackets als eine Möglichkeit der besseren Praxisauslastung integriert werden kann.

Die eigene Erfahrung zeigt, dass jede Umstellung auf ein neues System Zeit und Geduld erfordert. Nicht selten schleichen sich zu Beginn Fehler und damit verbundene Misserfolge ein. Hat sich das indirekte Kleben in den Praxisabläufen eingespielt, stellt es eine effiziente Methode dar, die Behandlungszeit – vor allem aber die direkt am Patienten verbrachte Zeit – des Kieferorthopäden zu reduzieren.

Diese Technik gestattet bei einem gut organisierten Team, bequem mehrere Bebänderungen parallel durchzuführen, ohne dass die Qualität der einzelnen Bebänderung darunter leidet. Prinzipiell lassen sich alle gängigen Bracketsysteme präzise auf dem Modell setzen. Ihre Position kann dabei aus allen Blickrichtungen leicht kontrolliert werden. Die Transfermaske erlaubt eine exakte Übertragung der Brackets in den Mund. Selbst bei unruhigen Patienten oder starken Zahnfehlstellungen verläuft die Bebänderung problemlos und schnell. Die indirekte Klebetechnik sollte daher bei der Planung immer eine Überlegung wert sein.

Theoretische Grundlagen

Grundsätzlich besteht die Möglichkeit, die Brackets auf konventionelle Weise mit Zucker oder Prit-Kleber auf das Modell zu setzen. Bei dieser Methode des indirekten Klebens wird keine individuelle Basis geschaffen. Der hierbei verwendete Kleber wird nach der Herstellung der Transfermaske wieder vollständig entfernt und muss deshalb im Mund mit gefülltem Kunststoff ersetzt werden. Eine präzisere Variante ist die indirekte Bracketpositionierung mit individueller Kunststoffbasis. In diesem Fall werden die Brackets mit thermo-, autooder lichtpolymerisierendem gefüllten Kunststoff auf das Modell gesetzt. Bei der Übertragung in den Mund verbleibt durch die individuelle Kunststoffbasis zwischen Zahn und Bracket lediglich ein Mikrospalt, der mit einem geeigneten Bonding gefüllt wird. Die Transfermasken werden üblicherweise aus Silikon oder mit der Tiefziehtechnik hergestellt.

Von der Abformung zur Transfermaske – indirekte Bracketpositionierung mit individueller Kunststoffbasis

Der Abformung mit Alginat folgt eine zeitnahe und genaue Herstellung eines Arbeitsmodells (Abb. 1). Auf dem trockenen Modell werden die Zahnachsen und Inzisalkanten beziehungsweise Höckerverläufe angezeichnet. Die vom Behandler vorgegebene Slothöhe wird auf die Gipszähne übertragen (Abb. 2). Anschließend wird das Modell leicht isoliert. Nach genauen Vorgaben des behandelnden Kieferorthopäden werden jetzt die Brackets gesetzt und ausgehärtet (Abb. 3 und 4).

  • Abb. 1: Alginatabdruck.
  • Abb: 2: Anzeichnen der Slothöhe.
  • Abb. 1: Alginatabdruck.
  • Abb: 2: Anzeichnen der Slothöhe.

  • Abb. 3: Indirektes Positionieren eines Brackets.
  • Abb. 4: Vollständige Bracketplatzierung im Unterkiefer.
  • Abb. 3: Indirektes Positionieren eines Brackets.
  • Abb. 4: Vollständige Bracketplatzierung im Unterkiefer.

Erfolgt die Herstellung der Transfermaske mittels Tiefziehtechnik, ist es wichtig, stark unter sich gehende Bereiche und Häkchen auszublocken. Zuerst wird eine weiche 1 Millimeter starke Schiene mit einem geeigneten Tiefziehgerät angefertigt. Darüber wird anschließend eine harte 0,75 Millimeter starke Schiene gezogen und ausgearbeitet (Abb. 5).

  • Abb. 5: Ausgearbeitetes zweiphasiges Tiefziehtray.
  • Abb. 6: Ausgearbeitetes einphasiges Silikontray.
  • Abb. 5: Ausgearbeitetes zweiphasiges Tiefziehtray.
  • Abb. 6: Ausgearbeitetes einphasiges Silikontray.

  • Abb. 7: Im Silikontray gefasste Brackets.
  • Abb. 7: Im Silikontray gefasste Brackets.

Besonders bewährt hat sich die einphasige Übertragung aus Silikon. Das transparente Material wird aus einer Kartusche um die Brackets herum aufgetragen und mit den Fingern modelliert. Nachdem das Silikon vollständig ausgehärtet ist, wird das Tray mit einem scharfen Skalpell entsprechend zurückgeschnitten (Abb. 6 und 7).

Um ein einfaches Herauslösen des Silikontrays aus dem Mund zu erreichen, sollte das Silikon an jedem Brackets mittig eingeschnitten werden (siehe Abb. 10). Nach Fertigstellung des Übertragungstrays müssen die individuellen Kunststoffbasen sorgfältig sandgestrahlt und gereinigt werden.

Vorgehen am Patienten

Beim Patiententermin machen die Anprobe der Übertragungsmasken im Mund und die Überprüfung der Passgenauigkeit den Anfang. Anschließend werden die Kunststoffbasen mit Alkohol gereinigt und gründlich mit Aceton eingerieben. Die Vorbereitung am Patienten entspricht im Wesentlichen der Vorgehensweise beim direkten Kleben (Abb. 8). Nach einer gründlichen Reinigung der Zähne empfiehlt es sich allerdings, die Zahnoberflächen zusätzlich mit Aluminiumoxid abzustrahlen. Dann erfolgt ein sorgfältiges Ätzen der Klebeflächen an den trockengelegten Zähnen. Je nach Belieben kann nun ein Haftvermittler oder Bracketumfeldversiegler den Herstellerangaben entsprechend aufgetragen werden. Zum eigentlichen Kleben der Brackets hat sich ein zweiphasiges Bonding bewährt, da es völlig zeit- und temperaturunabhängig arbeitet. Die erste Phase wird auf die individuellen Kunststoffbasen aufgetragen, während die zweite Phase gleichzeitig auf die vorbereiteten Klebeflächen appliziert wird. Das Transfertray wird nun eingesetzt (Abb. 9) und gleichmäßig angedrückt. Nach einer kurzen Aushärtephase wird die Übertragungsmaske vorsichtig herausgelöst (Abb. 10). Im Anschluss werden die Brackets auf festen Halt überprüft und gegebenenfalls Überschüsse des Bondings mit dem Scaler entfernt. Jetzt können die Bögen einligiert werden (Abb. 11).

  • Abb. 8: Auftragen des Bondings auf die Zahnoberflächen.
  • Abb. 9: In beiden Kiefern eingegliederte Silikontrays.
  • Abb. 8: Auftragen des Bondings auf die Zahnoberflächen.
  • Abb. 9: In beiden Kiefern eingegliederte Silikontrays.

  • Abb. 10: Herauslösen des Silikontrays.
  • Abb. 11: Brackets mit Ligaturen in situ.
  • Abb. 10: Herauslösen des Silikontrays.
  • Abb. 11: Brackets mit Ligaturen in situ.

Vorteile der indirekten Bracketpositionierung:

  • Stuhlzeit und vor allem Arztzeit pro Bebänderung wird gespart
  • keine anstrengende Sitzposition für den Behandler (Rücken!)
  • mehrere Bebänderungen bequem parallel möglich
  • leichte Bebänderung unruhiger Patienten
  • genauere Positionierung der Brackets möglich
  • Fälle sind schneller fertig, da kaum umgeklebt werden muss beziehungsweise weniger Finishing-Biegungen nötig werden
  • Weitere Auslastung des Labors möglich

Fazit

In Anbetracht der überwiegenden Vorteile des indirekten Klebens sollte diese Methode für die moderne Praxis immer eine Überlegung wert sein. Für den Einstieg in die indirekte Klebetechnik hat es sich bewährt, die Indikation des einzelnen Patientenfalls zu prüfen. Ein Wechselgebiss mit Teilbeklebung, zu bebändernde Molaren sowie ein zu langer Zeitraum zwischen Abformung und Eingliederung der Multibracketapparatur mittels Klebetrays können ungünstige Faktoren für eine einwandfreie und problemlose indirekte Bracketübertragung sein. Ideale Voraussetzung für den Einstieg ins indirekte Kleben ist deshalb das vollständige permanente Gebiss.


VERWENDETE MATERIALIEN

Übertragungstray:
Lingusil, Dentaurum, Ispringen

Kleber für die individuelle Klebebasis:
Opal Bond, Ortho-Service Deutschland,
Wörrstadt, oder Sure Ortho Bond, Sure
Orthodontics, Genf, Schweiz

Bracket-System:
In Ovation C, Dentsply GAC, Gräfelfing

Näheres zum Autor des Fachbeitrages: ZT Michael Schön - Dr. Johanna Franke

Bilder soweit nicht anders deklariert: ZT Michael Schön , Dr. Johanna Franke


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