KFO

Die Oberkiefer-Dehnplatte

Teil 4: Meine Meisterprüfung

Die auch „Schwarzsche Platten“ genannten KFO-Apparaturen wurden nach 1930 von A. M. Schwarz und Mitarbeitern in vielen Varianten entwickelt, um einen Engstand des Oberkiefers zu behandeln. Hier gezeigt ist das Ergebnis von ZTM Sebastian Palm aus seine
Die auch „Schwarzsche Platten“ genannten KFO-Apparaturen wurden nach 1930 von A. M. Schwarz und Mitarbeitern in vielen Varianten entwickelt, um einen Engstand des Oberkiefers zu behandeln. Hier gezeigt ist das Ergebnis von ZTM Sebastian Palm aus seine

An die vorherigen Artikel anknüpfend, behandelt ZTM Sebastian Palm in diesem Beitrag den vierten Teil der insgesamt fünf praktischen Prüfungsarbeiten. Er absolvierte die Meisterausbildung vor dem Institut des Zahntechnikerhandwerks in Niedersachsen (IZN Hannover) und ging dort als Jahrgangsbester 2017 hervor. Hier schildert er die Planung und Herstellung eines KFO-Gerätes nach Schwarz.

  • Abb. 1: Diese Ausgangssituation lag den Prüfungsteilnehmen vor.

  • Abb. 1: Diese Ausgangssituation lag den Prüfungsteilnehmen vor.
    © Palm
Die Prüfungsteilnehmer erhielten vorab lediglich Bilder der Patientensituation ausgehändigt (Abb. 1). Wie schon bei einigen Prüfungsteilen zuvor erhielten die Kandidaten die Modelle erst zum Prüfungsbeginn. Dies lag darin begründet, dass es keine Möglichkeit geben sollte, unerlaubt Klammern oder Ähnliches vorab zu biegen und in die Prüfung mitzunehmen.

Prüfungsvorbereitung

 Infolgedessen konnte im Vorhinein nur die Planung der KFO-Platte durchgeführt werden. Damit wir diese adäquat bewerkstelligen konnten, gab der Prüfungsausschuss so gut wie alle Materialien vor, z. B. Halteelemente, Federn und die Farbe der Platte.

Zeitplanung

Wesentlicher Bestandteil des Prüfungsablaufs war der zu erstellende Zeitplan – hierauf legt das IZN besonderen Wert, auch in den anderen Prüfungsteilen. Im KFO-Bereich gestaltete sich die Planung als nicht so komplex: Das Biegen der Elemente konnte zuvor auch an anderen Modellen gut geübt werden. Somit war es möglich, hier die genauen Zeiten zu ermitteln und zu erfassen, welche während der Prüfung für diese Arbeit benötigt wurden (Abb. 2).

  • Abb. 2: Der individuell erarbeitete Zeitplan.
  • Abb. 3a u. b: Inhaltsverzeichnis für das Umsetzungskonzept.
  • Abb. 2: Der individuell erarbeitete Zeitplan.
  • Abb. 3a u. b: Inhaltsverzeichnis für das Umsetzungskonzept.

Analog zu den anderen Prüfungsteilen gab es auch hier eine eigene Farbcodierung, z. B. mit Orange und Gelb. Diese Farbcodierung wurde sowohl für das Umsetzungskonzept als auch für die Materialdokumentation gewählt: Dies sollte für die Prüfer und natürlich für einen selbst eine leichte Orientierung bei der Durchsicht der Dokumentation bieten. Das Inhaltsverzeichnis könnte beispielsweise wie in Abbildung 3a u. b dargestellt aussehen.

Aufgabenstellung

Zu diesem Prüfungsabschnitt gehörte es, eine dreidimensionale KFO-Befunderhebung durchzuführen, strikt nach Formular (Abb. 4). In das Schema mussten sämtliche Ist-/Soll-Werte, Fehlstellungen und Anomalien eingetragen werden. Am Ende stand der Vorschlag einer Therapieplanung und diese sollte natürlich der Aufgabenstellung der Prüfung entsprechen (Abb. 5). Zum Ermitteln der Werte benötigten die Prüfungsteilnehmer das „Korkhaus“-Besteck – hiermit wurden sämtliche Istwerte aufgenommen und die Sollwerte errechnet (Abb. 6).

  • Abb. 4: Vorlage für die durchzuführende dreidimensionale KFO-Befunderhebung.
  • Abb. 5: Beispiel einer Versorgung mit der Dehnplatte nach Schwarz.
  • Abb. 4: Vorlage für die durchzuführende dreidimensionale KFO-Befunderhebung.
  • Abb. 5: Beispiel einer Versorgung mit der Dehnplatte nach Schwarz.

  • Abb. 6: Besteck nach Professor Korkhaus als Grundlage der Istwert-Messung und Sollwert-Berechnung.
  • Abb. 6: Besteck nach Professor Korkhaus als Grundlage der Istwert-Messung und Sollwert-Berechnung.

Erarbeitung

Nachdem der Befund aufgenommen war, erfolgte die Fertigung folgender Arbeiten:

  • Die Situation wies eine retrudierte Front und ein Diastema mediale auf. Zum Schließen des Diastemas wurde vestibulär eine Fingerfeder am Labialbogen angelötet. Als Lot wurde ein niedrig schmelzendes Universal-Silberlot (Henry Schein) herangezogen. Dieses eignet sich sehr gut zum Löten mit der Handflamme und somit musste nicht das Wasserstofflötgerät benutzt werden. Da die Frontzähne protrudiert werden sollten, wurde ein palatinales Federelement verwendet. Zum Aktivieren der Protrusionsfeder wurden zwei Loops gebogen, ein Vorgang, der dann mit der Retention in der Basisplatte endete.
  • Eine transversale Kompression im Seitenzahnbereich war ebenfalls vorhanden, diese sollte mit einer Dehnschraube (Dentaurum) gedehnt werden. In solch einem Fall wird dem Patienten vom Behandler regulär ein Schlüssel zur selbstständigen Aktivierung mitgegeben.
  • Der Durchbruch des Zahnes 25 war durch die Aufwanderung des Zahnes 26 verhindert; dieser sollte mit einer Sektorenschraube (Dentaurum) wieder distalisiert werden. Da hierfür der Platz sehr gering war, konnte nur die Mini-Variante der Sektorenschraube gewählt werden.
  • Hinzu kamen verschiedene Halteelemente zum Sichern der Apparatur vor dem Herausfallen, wie z. B. die Adams-Klammer, C-Klammer und Dreiecksklammer.

Nachdem alle Elemente gebogen waren und die Schrauben platziert wurden, galt es, die aktuelle Situation – noch vor dem Streuvorgang – fotografisch zu dokumentieren (Abb. 7a u. b).

  • Abb. 7a u. b: Platzierung der Halte- und Funktionselemente.
  • Abb. 8: Beschreibung der einzelnen Halte- und Funktionselemente.
  • Abb. 7a u. b: Platzierung der Halte- und Funktionselemente.
  • Abb. 8: Beschreibung der einzelnen Halte- und Funktionselemente.

Die Halte- und Funktionselemente (Abb. 8) wurden nach dem Polieren mit Thermowachs (Dentaurum) auf dem Modell befestigt. Dieses Wachs verhindert die Trübung des Kunststoffes. Nach der Wässerung stand die Streuung des Kunststoffes auf dem Programm. Es war vorgegeben, einen transparenten Kunststoff ohne Glitter zu verwenden. Damit der Kunststoff keinen Gelbstich bekommt, wurde vorab ein wenig Blau in das transparente Monomer eingemischt. Durch diesen Kniff bleibt die Platte transparent und verfärbt sich nicht.

Fazit

  • Abb. 9a–d: Verschiedene Ansichten der erarbeiteten Dehnplatte.

  • Abb. 9a–d: Verschiedene Ansichten der erarbeiteten Dehnplatte.
    © Palm
Mit Biegeübungen und ein paar Tipps und Tricks von einem Zahntechniker, der regelmäßig KFO-Arbeiten fertigt, war die hier dargestellte Arbeit gut zu schaffen (Abb. 9a–d). Auch wenn die Herstellung einer Dehnplatte möglicherweise auf den ersten Blick nicht als große Herausforderung erscheinen mag, bedarf sie doch des „Fingerspitzengefühls“ und der Erfahrung des Zahntechnikers, um sicherzustellen, dass das Gerät funktionell einwandfrei ist. Dieses Ziel ist von großer Bedeutung, denn schließlich geht es darum, mit einer gelungenen Arbeit die Zähne des Patienten in die richtige Position zu bringen und eine Verschlimmerung der Situation des Patienten auszuschließen. Daher erwies sich auch dieser Prüfungsteil als angemessene Aufgabe und willkommene Herausforderung, sein Können unter Beweis zu stellen.

Insgesamt und am Ende erwies es sich als wichtig, dass jeder Teilnehmer für diese Prüfungsarbeit ebenfalls genug Zeit einplante. Nur auf diese Weise war es möglich, genug Punkte zu sammeln, um zu einem guten Ergebnis zu kommen.

Näheres zum Autor des Fachbeitrages: ZTM Sebastian Palm



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