Kombinationsprothetik


Passgenaue EM-freie Doppelkronenbrücke im Einstückgussverfahren


Indizes: EM-freie herausnehmbare Brücke, Doppelkronentechnik, Sicherheit,

Stabilität, Wirtschaftlichkeit

Eine „schussfeste“ OK-Kombiarbeit sollte es werden - bei reduziertem Restzahnbestand eines Bruxers! Die „German-Crown “, wie sie leicht verächtlich in vielen Teilen Europas und anderswo genannt wird, hat einen jahrzehntelangen Optimierungsprozess durchlaufen. Gerade die EM-freie Doppelkronentechnik erlebt seit einigen Jahren eine regelrechte Renaissance.

Selbst in den letzten „Goldhochburgen“ beschäftigen sich immer mehr Zahntechniker mit den verschiedenen Herstellungstechniken und Unwägbarkeiten der EM-freien Doppelkronentechnik. Ausgehend von der kaum zu übertreffenden Passung bei der Aufgusstechnik, habe ich mich mit unterschiedlichen Produktionsverfahren zu EM-freien Teleskop-Prothesen beschäftigt. Bei dem hier gezeigten Fall, soll verdeutlicht werden, welche technischen und wirtschaftlichen Vorteile eine EM-freie herausnehmbare Brückenkonstruktion gegenüber klassischen Gold-/Galvano-Doppelkronen bieten kann.

Aufgabenstellung: stabil, sicher und bezahlbar

Mit der Praxis Dr. Rainer Uhl (Vogtsburg im Kaiserstuhl, bei Freiburg) arbeite ich seit Jahren erfolgreich zusammen. Wir dokumentieren viele unserer gemeinsamen Patientenfälle.

Zu restaurieren war ein auf acht Pfeilerzähne reduzierter Oberkiefer eines Bruxers mit zahlreichen Kunststoff-Füllungen (Abb. 1). Der Unterkiefer war zum Teil durch Vollguss- und Teilkronen versorgt (Abb.2). Der Patient wünschte sich eine dauerhafte und „schussfeste-” (also unkaputtbare) Komplett lösung. Natürlich spielten auch hier wirtschaftliche Überlegungen bei der Wahl der Prothetikvariante eine Rolle, denn fünf Teleskope sollte der Patient ganz und gar aus eigener Tasche finanzieren.

  • Abb. 1: Der Restzahnbestand...
  • Abb. 2: …mit einigen unschönen Füllungen im Frontzahnbereich.
  • Abb. 1: Der Restzahnbestand...
  • Abb. 2: …mit einigen unschönen Füllungen im Frontzahnbereich.

  • Abb. 3: Das Sägemodell mit codierten Stümpfen.
  • Abb. 4: Teleskopkronen in Wachs.
  • Abb. 3: Das Sägemodell mit codierten Stümpfen.
  • Abb. 4: Teleskopkronen in Wachs.

  • Abb. 5: Direkt angestiftete Primärkronen...
  • Abb. 6: ...auf dem Muffelformer positioniert.
  • Abb. 5: Direkt angestiftete Primärkronen...
  • Abb. 6: ...auf dem Muffelformer positioniert.

Primärkronen: Modellation und Einbetten

Ausgangspunkt ist die Abformung der entsprechend präparierten und aufbereiteten verbleibenden acht Zähne. Um die Stümpfe schneller zu ordnen zu können, ist es hilfreich, jedes Sägemodell und die dazu gehörenden Stümpfe entsprechend zucodieren (Abb. 3).

Die unter dem Mikroskop freigelegte und markierte Präparationsgrenze wird mit lichthärtendem Stumpflack versiegelt. Nach dem Ausblocken der Kavitäten werden die Stümpfe lackiert, isoliert und getaucht. Anschließend werden die Ränder der Wachskäppchen mit dem elektrischen Wachsmesser unter dem Mikroskop mit Cervikalwachs angeschwemmt (Abb. 4). Nicht gerade neu, aber modell schonend ist die Idee, den Frästisch mit Gummischlauch zubestücken. So läßt sich das Modell fest einspannen, ohne es zu beschädigen. Die Wachsprimärkronen werden nun mit einer umlaufenden etwa 2 bis 3 Millimeter hohen 0-Grad-Fräsung versehen (Abb. 5). Das Anstiften erfolgt einzeln und direkt. Wichtig ist hierbei, dass die Ränder etwas dicker modelliert sind und vom Hitzezentrum der Muffel wegzeigen (Abb. 6). Bei besonders langen und dünn wan digen Kronen sollte man, anders als abgebildet, alle Teile auf einer Seite der Muffel platzieren. Um die Gussobjekte beim Gießen entgegen der Abzugrichtung der Schleuder positionieren zukönnen, wird eine Hilfsmarkierung angebracht. Excellente Guss ergebnisse erzielen wir mit den NEM-Einbettmassen von Metalor, Heraeus, Shera, GC und Fegu ramed (Abb. 7 und 8).

  • Abb. 7: Das Gussergebnis mit glatter homogener Oberfläche.
  • Abb. 8: Ohne Nacharbeiten: Die gegossenen Primärkronen passen exakt, langes Aufpassen entfällt.
  • Abb. 7: Das Gussergebnis mit glatter homogener Oberfläche.
  • Abb. 8: Ohne Nacharbeiten: Die gegossenen Primärkronen passen exakt, langes Aufpassen entfällt.

  • Abb. 9: Abdruck mit individuellen Pattern-Stümpfen.
  • Abb. 10: Mittels der Übertragungsspinne werden die Teleskopkronen...
  • Abb. 9: Abdruck mit individuellen Pattern-Stümpfen.
  • Abb. 10: Mittels der Übertragungsspinne werden die Teleskopkronen...

  • Abb. 11: ...auf das Fräsmodell übertragen...
  • Abb. 12: ...und entsprechend reduziert.
  • Abb. 11: ...auf das Fräsmodell übertragen...
  • Abb. 12: ...und entsprechend reduziert.

  • Abb. 13: Mit einem wasserfesten Marker wurde der Gingivaverlauf auf die Kronen übertragen...
  • Abb. 14: ...feingefräst und dann gummiert.
  • Abb. 13: Mit einem wasserfesten Marker wurde der Gingivaverlauf auf die Kronen übertragen...
  • Abb. 14: ...feingefräst und dann gummiert.

Anprobe mit Überabformung

Tipp: Oft ist es hilfreich, kleine Nasen beziehungsweise Tropfen in Längsrichtung an den Kronen anzubringen, als Rotationsschutz bei der Überabformung. Sollten die Primärkronen dennoch nicht im Abdruck verbleiben, sind sie problemlos reponierbar, da die fließend verlaufenden Unterschnitte den Abdruck nicht beschädigen.

Im Abdruck werden die Kronen exakt bis zum Rand mit Modellierkunststoff aufgefüllt (Abb. 9). Doppelt abge win kelte Dowelpins gewährleisten einen sicheren Halt der Kunststoffstümpfe im Meistermodell aus Superhartgips.

Tipp: Anhand der Basis für das Pfeil win kelregistrat, die an den Innenteleskopkronen abge stützt wird, kann zusätzlich die Position der Innenteles im Mund überprüft werden. Mit Hilfe des Gesichtsbogens und dem verschlüsselten Registrat wird anschließend einartikuliert.


  • Abb. 15: Die polierten Primärkäppchen auf dem Modell von palatinal...
  • Abb. 16: ...und von lateral.
  • Abb. 15: Die polierten Primärkäppchen auf dem Modell von palatinal...
  • Abb. 16: ...und von lateral.

  • Abb. 17: Die Teleskopkronen werden mit einer dünnen Schicht Pattern Resin überzogen...
  • Abb. 18: ...anschließend mit zahnfarbenem Wachs zur anatomischen Zahnform ergänzt...
  • Abb. 17: Die Teleskopkronen werden mit einer dünnen Schicht Pattern Resin überzogen...
  • Abb. 18: ...anschließend mit zahnfarbenem Wachs zur anatomischen Zahnform ergänzt...

  • Abb. 19: ...und angestiftet zum Abheben und Einbetten des Einstück-Balkengusses.
  • Abb. 20: Das gegossene Sekundärgerüst.
  • Abb. 19: ...und angestiftet zum Abheben und Einbetten des Einstück-Balkengusses.
  • Abb. 20: Das gegossene Sekundärgerüst.

  • Abb. 21: Innen polierte Sekundärteile.
  • Abb. 22: Zum Sandstrahlen für die Verblendung vorbereitetes Sekundärgerüst.
  • Abb. 21: Innen polierte Sekundärteile.
  • Abb. 22: Zum Sandstrahlen für die Verblendung vorbereitetes Sekundärgerüst.

  • Abb. 23: Parodontium schonender Übergang von den Primärteilen zur Sekundärkonstruktion.
  • Abb 24: Anpassung auf dem Modell.
  • Abb. 23: Parodontium schonender Übergang von den Primärteilen zur Sekundärkonstruktion.
  • Abb 24: Anpassung auf dem Modell.

  • Abb. 25: Die Wachsfacetten liefern wertvolle Informationen für Funktion, Phonetik und Ästhetik...
  • Abb. 26: ...und vermitteln dem Patienten einen ersten Eindruck.
  • Abb. 25: Die Wachsfacetten liefern wertvolle Informationen für Funktion, Phonetik und Ästhetik...
  • Abb. 26: ...und vermitteln dem Patienten einen ersten Eindruck.

Fräsen: Rundungen erleichtern das Ein- und Ausgliedern

Für das Fräsmodell werden, mittels einer Übertragungsspinne, die Teleskopkronen auf den Frästischtransferiert (Abb. 10 und 11).

Tipp: Um den Verlauf des Marginalsaumes an den einzelnen Kronen sowie dicke oder besonders dünne Stellen zu markieren, sind wasser feste Stifte in unterschiedlichen Farben hilfreich (Abb. 13). Rundet man die gefrästen Teleskopkronen im oberen Drittel ab, erleichtert dies dem Patienten das spätere Ein und Ausgliedern der fertigen Arbeit (Abb. 14 bis 16). Für die Abhebetechnik, werden wie gewohnt, alle Sattelbereiche mit Vorbereitungswachs (Abb. 17), als Platz halter für den Prothesenkunststoff, ausgeblockt. Der ausbrennbare Kunststoff wird auf den Kronen exakt mit dem Pinsel bis an die Ränder adaptiert. Die Pattern-Käppchen werden leicht von den Teleskopkronen abgehoben und wie der aufgesetzt. Anschließend werden die Teile mittels Pattern Resin auf dem Modell verblockt und im Artikulator mit Modellierwachs aufgewachst (Abb. 18). Es empfiehlt sich, beim Gießen voluminöser Objekte insbesondere bei EM-freien Legierungen, kleine Stäbchen oder ähnliches als Kristallisationskeime anzubringen. Das Anstiften und Einbetten erfolgt analog zur Brückentechnik. Allerdings steuert man bei der Kerneinbettung die exakte Passung jedes einzelnen Sekundärteils mit unterschiedlichen Liquid-Konzentrationen.

EM-frei: Die Vorteile sprechen für sich

Das Sekundärteil wird nach dem Guss abgetrennt und mit feinkörnigen Steinchen und Hartmetallfräsern grob ausgearbeitet sowie im Anschluss mit diversen Gummipolierern nach bearbeitet. Die Friktion wird erst bei der Politur mit Pinsel bürsten und diamantierter Polierpaste ein gestellt. Der Einsatz friktiver Hilfs- oder Zusatz selemente entfällt (Abb. 20 und 21).

Die gute Passung (Abb. 23 und 24) zwischen Primärkronen und Sekundärgerüst ist Parodontium schonend und spart den Platz, welchen man bei der Galvanotechnik für die Galvanolaufhülse und den Klebespalt benötigen würde.

Zudem ermöglichen EM-freie Legierungen eine grazile und dennoch sehr stabile Transversal verbinder freie Gerüstgestaltung, die weder verklebt noch gelötet werden muss.

  • Abb. 27: Die Oberflächentextur hervorgehoben mit Majesthetik Silberpuder...
  • Abb. 28: ...und in finaler Version.
  • Abb. 27: Die Oberflächentextur hervorgehoben mit Majesthetik Silberpuder...
  • Abb. 28: ...und in finaler Version.

  • Abb. 29: Detailansicht Oberflächenglanz.
  • Abb. 30: Die fertige Arbeit auf dem Meistermodell von palatinal...
  • Abb. 29: Detailansicht Oberflächenglanz.
  • Abb. 30: Die fertige Arbeit auf dem Meistermodell von palatinal...

  • Abb. 31: ...und von frontal.
  • Abb. 32: Vor dem Eingliedern in der Praxis.
  • Abb. 31: ...und von frontal.
  • Abb. 32: Vor dem Eingliedern in der Praxis.

  • Abb. 33: Polierte Sekundärteile...
  • Abb. 34: ...nach der Fertigstellung von basal.
  • Abb. 33: Polierte Sekundärteile...
  • Abb. 34: ...nach der Fertigstellung von basal.

  • Abb. 35: Die Mundsituation mit eingesetzten Primärteleskopen.
  • Abb. 36: Die fertige Arbeit in situ.
  • Abb. 35: Die Mundsituation mit eingesetzten Primärteleskopen.
  • Abb. 36: Die fertige Arbeit in situ.

  • Abb. 37: Ende einer erfolgreichen Rekonstruktionsphase – Freude bei allen Beteiligten. Oben links: Freund und Kollege ZTM Olaf Garz half bei den Abschlußbildern. Unten rechts: Behandler Dr. Rainer Uhl.
  • Abb. 37: Ende einer erfolgreichen Rekonstruktionsphase – Freude bei allen Beteiligten. Oben links: Freund und Kollege ZTM Olaf Garz half bei den Abschlußbildern. Unten rechts: Behandler Dr. Rainer Uhl.

Ästhetik auch im „roten“ Bereich

Zahnfarbene Wachsfacetten ermöglichen dem Behandler während der Gerüstanprobe leichte Korrekturen an Form und Stellung der Zähne vorzunehmen und geben dem Patienten eine erste Vorschau auf seine fertige Versorgung (Abb. 25 und 26).

Der Haftverbund heutiger Komposit-Verblendsysteme ist so zuverlässig, dass auf Retentionsperlen oder ähnliches meistens verzichtet werden kann (Abb. 22). Für die individuelle Schichtung kam hier Signum und Signum-Matrix zum Einsatz (Abb. 28 und 29).

Die dazugehörigen Creactive-Farben und Gum-Massen verwenden wir zur Rekonstruktion aller Arten und Farben von zu ersetzender Gingiva, wie zum Beispiel Pappillen – sogar interdentale „schwarze“ Dreiecke“ lassen sich so kaschieren. Die Oberflächentextur erarbeiten wir uns mit Silberpuder. Die Funktionsbewegungen werden vor der Endpolitur noch einmal im Artikulator überprüft.

Fazit

Bei Rekonstruktionen mit Doppelkronentechnik kommt es letztlich darauf an, alle maßgeblichen Herstellungs-Parameter aufeinander abzustimmen. Somit kann man auch mit EM-freien Legierungen dauerhafte, reproduzierbare und wirtschaftlich wie auch technisch gute Ergebnisse erzielen.

Die Materialeigenschaften, die den Zahntechnikern zunächst die Verarbeitung von EM-freien Legierungen erschweren, erweisen sich für den Patienten allerdings als sehr nützlich. So ermöglichen EM-freie Legierungen Parodontien schonende Übergänge, verkratzen nicht und behalten ihre Friktion bei. Darüber hinaus bieten sie, neben einem erheblichen Einsparpotential bei den Gerüstkosten, Transversal verbinder freie grazile Gestaltungs möglichkeiten bei hoher Stabilität, einen besseren Komposit-Haftverbund gegenüber einer Galvano- beziehungsweise Goldvariante und damit einen hohen Nutzen für Patient und Behandler (Abb. 30 bis 37).


VERWENDETE MATERIALIEN

Legierung:
MetalloyCC, Metalor Dental GmbH (Stuttgart)
Modellierkunststoff:
Pattern Resin, GC Europe (B-Leuven)
Einbettmasse:
Feguravest ultra neu, Feguramed GmbH
(Buchen-Hattingen)
Polierpaste:
Legabril, metalor Dental GmbH (Stuttgart)
Verblendmaterial:
Signum und Signum-Matrix, Heraeus Kulzer
(Hanau)
Superhartgips:
Shera Hardrock, Shera (Lemförde)
Silberpuder:
Majesthetik Texturpuder, picodent (Wipperfürth)

Näheres zum Autor des Fachbeitrages: ZTM Andreas Simon

Bilder soweit nicht anders deklariert: ZTM Andreas Simon


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