Kronen/Brücken

Intraorale Scans, digitale Prozesskette, zentrale Modellherstellung, CAD/CAM Fertigung

Der funktionierende Workflow für Praxis und Dentallabor


Die Anwendung des intraoralen Scans ist für die Praxis und das Labor ein aktuell vieldiskutiertes Thema. Bei Produktentscheidungen sollten „die wirkliche Arbeitserleichterung“ und „die Verbesserung des digitalen Workflows“ im Vordergrund stehen. Hierfür sind einige Voraussetzungen zu klären und abzuwägen. Dieser Beitrag zeigt am Beispiel des iTero Intraoralscanners (Abb.1) ein in der Praxis funktionierendes Gerät, den Workflow und dessen Besonderheiten auf.

 

 

 

 

Der Hersteller des Systems sollte dabei die Arbeitsschritte vom intraoralen Scan, über das gefräste Modell, zum Gerüst und bis zur fertigen Restauration für die Anwender bereits vorgedacht haben. Der funktionierende Workflow und die passende Restauration sind die entscheidenden Kriterien.

Sechs Schritte zum digitalen Zahnersatz

  • Digitaler Scan in der Praxis
  • Abstimmung am Bildschirm in Echtzeit, Datenbereinigung zentral
  • Modellherstellung zentral, CAD-Planung im Labor
  • Herstellung der Werkstücke zentral oder im Labor
  • Kontrolle der Passung, Verblendung und ästhetische Abstimmung im Labor
  • Einsetzen der Restaurationen in der Praxis

Digitaler Scan in der Praxis

Eine digitale Karteikarte enthält alle Patienteninformationen und wird bei Behandlungsbeginn erstellt und ab diesem Zeitpunkt gepflegt (Abb. 2). Dieselbe digitale Dateikarte wird dem Teampartner Labor zur Verfügung gestellt und enthält zu diesem Zeitpunkt bereits alle Informationen, die zur Herstellung des Zahnersatzes notwendig sind. Bereits vor der Zahnpräparation kann der Gegenbiss gescannt werden (Abb. 3 und 4).

  • Abb. 1: Der itero Intraoralscanner.
  • Abb. 2: Anlegen der digitalen Karteikarte.
  • Abb. 1: Der itero Intraoralscanner.
  • Abb. 2: Anlegen der digitalen Karteikarte.

  • Abb. 3: Vorbereitung des Scans.
  • Abb. 4: Scan des Gegenbisses.
  • Abb. 3: Vorbereitung des Scans.
  • Abb. 4: Scan des Gegenbisses.

Der Scanner des iTero-Systems arbeitet ohne Scanspray, das heißt z.B., dass der Patient während des Scanvorganges den Mund schließen oder sogar schlucken kann. Aktuell ist dies eines der Hauptmerkmale für den einfachen und reibungslosen Einsatz in der Zahnarztpraxis. Die Technik des Scanners arbeitet mit der parallelen-konfokalen Bildgebung, das heißt mittels Laserlicht und optischer Abtastung werden alle Elemente und Materialien erfasst, die sich im Mund befinden.

Merkmale des Systems sind, dass die sogenannte Kontaktscanmethode angewendet werden kann. Der Scankopf kann auf den Zähnen aufliegen, ohne Beeinträchtigung des Scanergebnisses. Es können einzelne Quadranten und komplette, zumindest teilbezahnte Kieferkämme mit bis zu 14 Einheiten, gescannt werden (Abb. 5). Die Präparationen können sowohl supragingival wie auch subgingival liegen.

Die Vorbereitung gleicht der herkömmlichen Abdrucknahme mit dem Legen von Fäden etc. Dabei stellt anders als bei herkömmlichen Abformungen ein leichter Feuchtfilm keinerlei Problematik dar. Die Erfassung erfolgt in 300 Messebenen, mit 100.000 perfekt fokussierten Laserpunkten. Dabei beträgt der Abstand der Fokusebenen ca. 50 ?m voneinander. Für Straumann Implantate sind Scanbodies verfügbar, die die spätere Herstellung von z.B. verschraubten Implantatbrücken möglich machen.

  • Abb. 5: Der Scanvorgang.
  • Abb. 6: Visuelle Menüführung.
  • Abb. 5: Der Scanvorgang.
  • Abb. 6: Visuelle Menüführung.

  • Abb. 7: Menüführung am Bildschirm.
  • Abb. 7: Menüführung am Bildschirm.

Die Scanzeit eines vollständigen Kiefers beträgt nicht mehr als 3 bis 5 Minuten. Der Scan kann dabei jederzeit unterbrochen und fortgesetzt werden. Die Menüführung ist intuitiv und die Software führt den Anwender visuell und mit sprachlichen Anweisungen (Abb. 6 und 7). Die Zusammenführung mit dem Gegenkiefer dauert ca. 30 Sekunden, um anschließend das Gesamtergebnis von allen Richtungen bewerten zu können.

Abstimmung am Bildschirm in Echtzeit, Datenbereinigung zentral

Die sichere Vernetzung der Workstation im Labor, mit den Scannern in den Praxen, zu Cadent und der Kundenbetreuung ist die wichtigste Grundlage des funktionierenden Workflows mit dem iTero-System. Durch die offene Architektur kann der intraorale Scan mit verschiedenen dentalen CAD/CAM Systemen weiterverwendet werden. Das Labor behält seine vollständige Flexibilität und Unabhängigkeit. Wer auf den Workflow zu Straumann CARES CAD/CAM setzt, nutzt die gesicherte Prozesskette mit Herstellerknow-how.

Der mit dem iTero-System durchgeführte Scan stellt als Beginn der gesamten Prozesskette die Perfektion des Scan-Ergebnisses in den Vordergrund (Abb. 8). Können doch alle nachfolgenden Prozessschritte nur so gut sein, wie die Vorgabe zu Beginn. Der Intraoralscan verringert die derzeitige Quote der zu wiederholenden Abformungen und/oder Restaurationen. Die wirtschaftlichen Vorteile sind sowohl dem Zahnarzt wie dem Zahntechniker bewusst (Abb. 9). Nicht nur bezüglich des zusätzlichen Zeitbedarfs und des finanziellen Aufwandes, sondern auch für die Patientenkommunikation und die Patientenzufriedenheit. Ist doch jeder zu wiederholende Abdruck oder die „nicht-optimal-passende-Restauration“ erklärungsbedürftig.

  • Abb. 8: Das Scanergebnis.
  • Abb. 9: Herkömmliche Abformung.
  • Abb. 8: Das Scanergebnis.
  • Abb. 9: Herkömmliche Abformung.

  • Abb. 10: Beurteilung der okklusalen Verhältnisse.
  • Abb. 10: Beurteilung der okklusalen Verhältnisse.

Die Prüfung der zusammengefügten virtuellen 3-DModelle nimmt der Behandler möglichst direkt nach dem Scan am Bildschirm vor. Der digitale Artikulator ermöglicht dabei die Bewertung z.B. der okklusalen und interapproximalen Verhältnisse (Abb. 10). Mit der Maus kann der Scan in jede gewünschte Richtung gedreht werden. Viel besser als bei einem Abdruck kann so z.B. die Darstellung der Präparationsgrenze geprüft werden. Der Behandler nimmt notwendige Änderungen sofort vor, so lange der Patient noch im Behandlungsstuhl sitzt.

Anschließend erfolgt der Versand des Datensatzes über eine kabellose gängige Internetleitung an die zentrale Datenbereinigungsstelle von Cadent. Nach ca. 4 Stunden kommen die bereinigten Daten an der Workstation des beauftragten Labores an. Das Dentallabor erhält genau die Informationen, die es für eine ästhetische CAD/CAM Restauration benötigt.

Ein wichtiger Vorteil der Teamarbeit zwischen Zahnarzt und Zahntechniker mit dem System ist die Möglichkeit der Abstimmung zwischen den Teammitgliedern am jeweiligen Bildschirm (Abb. 11). Die Daten können direkt in der CAD-Planung weiter verarbeitet werden. Gleichzeitig kann die Bestellung des Fräsmodelles ausgelöst werden.

Modellherstellung zentral, CAD-Planung im Labor

Der vom Hersteller vorgedachte Workflow beinhaltet bereits die Modellerstellung. Die Polyurethanmodelle werden zentral in Leipzig gefertigt. Auf Sicht könnte im Labor die Gipsküche, mit allen hier vorhandenen Fehlerquellen, wie z.B. Blasen, falsches Mischungsverhältnis, Staub und Schmutz beim Trimmen und Beschleifen, usw., überflüssig werden.

  • Abb. 11: Abstimmung zwischen Zahnarzt und Zahntechniker.
  • Abb. 12: Die Polyurethanmodelle.
  • Abb. 11: Abstimmung zwischen Zahnarzt und Zahntechniker.
  • Abb. 12: Die Polyurethanmodelle.

  • Abb. 13: Polyurethanmodelle mit herausnehmbaren Stümpfen.
  • Abb. 13: Polyurethanmodelle mit herausnehmbaren Stümpfen.

Die Modelle haben eine gipsähnliche angenehme Farbe, sind beim Herunterfallen nicht zerbrechlich und weisen eine geringe Abnutzung im Laborbetrieb auf (Abb. 12). Über den Intraoralscan werden die okklusalen Verhältnisse direkt an den iTero- Artikulator übertragen. Das gesamte CAD läuft im Labor ab, dann erfolgt die Modellbestellung und bis zur Lieferung kann bereits das designte Gerüst, die Krone oder die Suprastruktur gefräst werden. Der Zahntechniker kann gewohnte Arbeitsweisen anwenden. Die Modelle sind jederzeit aufgrund des vorhandenen Datensatzes auf den Maschinen in gleicher Qualität wiederholbar. In der virtuellen CAD-Planung nimmt der Zahntechniker die Bestimmung der Präparationsgrenze vor, die beim Modellfräsen exakt von der Maschine nachvollzogen wird. Das „Arbeitsmodell“ ist zugleich das Mastermodell, um die Weichgewebsverhältnisse zu kontrollieren (Abb. 13).

Herstellung der Werkstücke zentral oder im Labor

Der Intraoralscan mit dem iTero System zwingt den Zahntechniker nicht, auf CARES CAD/CAM Restaurationen zurückzugreifen. Der bereinigte Datensatz ist eine offene STL-Datei, die frei weiterverwendet werden kann. Neben Materialen im Bereich Zirkoniumdioxid, Metallen und Kunststoffen, bietet die zentrale Fertigung auch z.B. IPS e.max CAD Restaurationen von Ivoclar und Mark II Restaurationen von VITA.

Dabei ist das fräsbare Spektrum sehr groß. Vom Inlay bis zur 14-gliedrigen Brücke, vom verschraubten Steg bis zur verschraubten Implantatbrücke werden die Anwendungen von der CARES Visual Software unterstützt. Für die spätere Weiterverarbeitung zählt im Labor, dass die designte Restauration in ein entsprechendes Werkstück umgesetzt wurde, das nun ästhetisch verblendet oder fertig gestellt werden kann (Abb. 14 und 15).

  • Abb. 14. Bearbeitung.
  • Abb. 15: Fertigstellung der Arbeit.
  • Abb. 14. Bearbeitung.
  • Abb. 15: Fertigstellung der Arbeit.

Kontrolle der Passung, Verblendung und ästhetische Abstimmung im Labor

Gleichgültig welcher Weg der Herstellung gewählt wurde, ist der Zahntechniker gefordert, die Feinabstimmung der Passung vorzunehmen. Je weniger Zeit hier investiert werden muss, um so effektiver ist der CAD/CAM Prozess und dessen voreingestellte Parameter. Je nach Material und Größe der Restauration wird nun die ästhetische Anpassung an das orale Umfeld des Patienten vorgenommen. Viele Zahntechniker nutzen die aus der CAD/CAMFertigung gewonnene Zeit, um mehr im Patientenservice aktiv zu sein.

Ein Dentallabor in dem weniger gegipst wird und in dem mehr und mehr die Schleifstäube der Gerüsterstellung entfallen, wird zum attraktiven Beratungsraum für die Patienten. Die ästhetische Feinabstimmung, die Konzentration auf Form, Farbe und Funktion sind Marketingwerkzeuge, die gemeinsam mit dem Intraoralscan beim behandelnden Zahnarzt für ein Weiterempfehlungsmanagement sorgen. Dabei sind die heute am Markt erhältlichen Verblendwerkstoffe und Malfarben so hochästhetisch einzusetzen, dass der „naturidentische Zahnersatz“ Wirklichkeit wird. Die Fertigkeit des Zahntechnikers liegt unter anderem darin zu erkennen, welche Werkstoffe für genau diesen Patientenfall die besten Ergebnisse bringen.

Die individuell erstellten Arbeiten werden auf den Modellen eingeschliffen und überprüft, bevor sie an die Zahnarztpraxis geliefert werden. Das Teamwork zwischen Zahnarzt und Zahntechniker wird über den intraoralen Scan mit dem iTero System weiter gefestigt.

Einsetzen der Restaurationen in der Praxis

Das Einsetzen in der Praxis wird zu einer zeitsparenden Tätigkeit. Durch den itraoralen Scan mit dem System wurden im Vorfeld der Herstellung viele Fehlerquellen der bisherigen Abformungen umgangen.

  • Abb. 16: Die Arbeit vor Eingliederung.
  • Abb. 17: Zufriedenstellendes Ergebnis.
  • Abb. 16: Die Arbeit vor Eingliederung.
  • Abb. 17: Zufriedenstellendes Ergebnis.

Okklusal und approximal sind nur noch feinste Korrekturen notwendig. Abb. 16: Die Arbeit vor Eingliederung. Abb. 17: Zufriedenstellendes Ergebnis. Die Innenpassung ist perfekt eingestellt und die Randspaltgenauigkeit kann nicht z.B. durch eine verzerrte Abformung oder Fehler bei der Modellherstellung negativ beeinflusst sein (Abb. 16 und 17). Zusätzliche Vorteile sind:

  • Einfache Dokumentation, da der Datensatz erhalten bleibt
  • Zeitersparnis für die Praxis, das Labor und den Patienten
  • Aktives Gestalten der digitalen Zahnheilkunde
  • Angenehmeres und einfacheres Arbeiten für den Zahnarzt
  • Patienten empfinden einen höheren Komfort

Fazit

Die Vorteile und Potenziale der CAD/CAM gestützten Prozesse werden von immer mehr Laboratorien aktiv genutzt. Dabei hat die IDS 2011 gezeigt, dass es bereits etablierte intraorale Scansysteme am Markt gibt, die z.B. auf über 500.000 Intraoralscans und weltweit über 2000 im Einsatz befindliche Systeme verweisen können. Der gesicherte Workflow ist gerade zum Einstieg in diese neue Technologie ein wichtiger Grund, sich für ein etabliertes System zu entscheiden. Der Einsatz neuer Restaurationsmaterialien und bereits etablierter und erprobter CAD/CAM-Technologien bieten aktuell hervorragende Möglichkeiten für innovative Behandlungskonzepte. Die beste Versorgung des einzelnen Patienten muss der Fokus bleiben. Der frühe Einstieg in die intraoralen Scantechnologien verschafft dem Zahnarzt und dem Dentallabor im Moment mehrere Vorteile:

  • Starkes Patientenmarketingtool
  • Technologievorsprung zum Mitbewerb
  • Handlingvorsprung, starker Gesprächspartner
  • Digitalen Zeitgeist aktiv nutzen
  • Zahnmedizinische und zahntechnische Zukunft mitgestalten
  • Computergestützte Prozesse durch alle Steps des Workflows

Die fortschreitende Digitalisierung in Zahnmedizin und Zahntechnik birgt für alle Beteiligten Chancen, wenn die neuen Technologien sinnvoll eingesetzt werden. Der frühzeitige Einstieg und die bewusste Wahl kompetenter Partner sind dabei die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Zukunft von Praxis und Labor.



Näheres zum Autor des Fachbeitrages: Petra Ina Wanschka

Bilder soweit nicht anders deklariert: Petra Ina Wanschka


Vom 30.11. bis  07. 12.2020 können Sie im Online-Shop von DENTAURUM Angebote entdecken und sparen. 

Profitieren Sie zusätzlich von 16% MwSt.! 

Hier geht's zum Shop

Besuchen Sie uns doch mal auf unserer Facebookseite! Wir freuen uns über jeden Like und sind gespannt auf Anregungen, Kommentare, Kritik und Ideen für neue Themen!

Hier geht's direkt zur Seite