Kronen/Brücken


Der Statist außer Funktion


Im Folgenden geht es um die Herstellung einer implantatgetragenen Frontzahnkrone, bestehend aus einer Zirkoniumdioxid-Mesostruktur mit individuell angepresstem Emergenzprofil und einer patientengerecht geschichteten Krone. Es wird ein lateraler Oberkiefer-Schneidezahn entsprechend seiner Rolle als „Statist“ im funktionellen Zusammenspiel rekonstruiert.

In einem Ensemble hat jeder seine definierte Aufgabe, um das Gesamte zu komplettieren und zu einer Einheit zu führen. Da gibt es zum einen die Hauptrolle: Das sind im dentalen Theaterstück die oberen mittleren Schneidezähne. Sie brillieren als Mittelpunkt der Ästhetik und übernehmen bei einer Vorschubbewegung des Unterkiefers die Führung. Die Aufgabe der oberen Eckzähne mit ihren kräftig ausgebildeten Wurzeln besteht darin, den starken (laterotrusiven) Schubkräften bei einer Seitwärtsbewegung des Unterkiefers zu widerstehen und die Zahnreihen voneinander zu entkoppeln. Da die Artikulation in der räumlichen Orientierung durch die zahngeführte dynamische Beziehung der Kiefer – mit prominenter Funktion der mittleren Schneidezähne und der beiden Eckzähne – determiniert ist, stellt sich nun die Frage, welche funktionelle Rolle dem lateralen Schneidezahn im Oberkiefer zugedacht wird.

Der laterale Inzisivus im „Schauspiel-Ensemble“

Doch wenn wir uns erstmals die Anatomie der lateralen Inzisivi 12 und 22 genauer ansehen, so erkennen wir an der Zahnkrone die gleichen Krümmungsmerkmale wie bei den beiden mittleren Frontzähnen, nur dass diese ausgeprägter sind. Ebenso zeigt sich im Wurzelsegment eine wesentlich schwächere Geometrie. Der entscheidende Unterschied aber liegt im Querschnitt im Bereich des Zahnhalses: Dieser ist definitiv geringer als bei den Nachbarzähnen. Daraus kann man folgern, dass dem lateralen Oberkiefer-Inzisivus von Natur aus keine dominante Rolle im dynamischen Bewegungsablauf zugedacht worden ist, sondern schlicht und einfach eine Statistenrolle. Er füllt nur den Raum und unterstützt maximal die Schneidefunktion des Frontzahnbereiches. Da Statisten im Theater nur die Rolle des inszenierten Herumstehens zugedacht ist, um dramaturgische Lücken zu füllen, sollten sie nie in eine Hauptrolle, sprich in eine dominante Führungsrolle, gedrängt werden, da dies mit höchster Wahrscheinlichkeit in einem Desaster enden würde. Um auf die dentale Bühne zurückzukehren, so sehen wir die Auswirkungen in Form von Keramikabsplitterungen bei geschichteten Keramikkronen an der distalen Flanke der seitlichen oberen Inzisivi bis zu Zahnkronenfrakturen (Quer- und Tangentialfrakturen) im Zahnhalsbereich. Extrem hohe Bruchgefahr besteht zusätzlich bei endodontisch versorgten Zähnen.

Patientenfall mit Extremsituation

Der vorstellig gewordene Patient, 74 Jahre alt, lebt seit Jahrzehnten schon mit einem Deckbiss, der aber durch kontinuierlichen Zahnsubstanzabrieb im Alter immer progressiver wurde: Letztendlich reichten die oberen Inzisalkanten über die unteren Schneidezähne und überlappten diese im Schlussbiss komplett. An den im Artikulator montierten Modellen wird klar erkenntlich, dass eine Situation mit extrem steilen Führungselementen, bezogen auf die Achs-Orbital-Ebene, vorliegt. Der Defekt bezieht sich auf den frakturierten Zahn 22. Dieser wurde in seinem dentalen Lebenslauf schon einmal mit einer Metallkeramikkrone versorgt und zudem endodontisch behandelt.

Bei der altersbedingten Attrition zeigt der Deckbiss eine zunehmende Überlappung der Schneidezähne. Im vorgestellten Fall geht es so weit, dass die anteiligen Weichgewebe von den Inzisalkanten der Schneidezähne berührt werden. Dies führt dazu, dass funktionelle Kräfte breitflächig übertragen werden und das Frontzahnsegment mehr belasten. Bei der Analyse der defekten Zahnkrone zeigten sich an der Palatinalfläche extreme Schlifffacetten (Abb. 1), welche sich über die Jahre hinweg ausgebildet hatten. Die Ursache der Querfraktur liegt aber in der Kronenlänge des Zahnes 22, der bei einer zahngeführten lateroprotrusiven Unterkieferbewegung mit seiner Inzisalkante in die Artikulation zwischen den Zähnen 21 und 23 störend eingreift und die dominante Führungsrolle für einen kurzen Moment übernimmt. Die Zug- und Druckspannungen konzentrieren sich dabei maximal auf das schwächste Segment im Zahnhalsbereich. Durch den Bruch wird der Statist, seiner Rolle gemäß, wieder außer Funktion gesetzt, nur mit dem Unterschied, dass er nun nicht mehr mitspielt und eine Lücke hinterlässt.

  • Abb. 1: Die frakturierte Metallkeramikkrone mit starken Schlifffacetten im palatinalen Segment.
  • Abb. 2: Ausgangssituation. Bonelevel Crossfit Roxolid-Implantat der Firma Straumann regio 22.
  • Abb. 1: Die frakturierte Metallkeramikkrone mit starken Schlifffacetten im palatinalen Segment.
  • Abb. 2: Ausgangssituation. Bonelevel Crossfit Roxolid-Implantat der Firma Straumann regio 22.

Geplante „Neuinszenierung“

Ein neuer Statist sollte nun seine Aufgabe bestens auf Dauer erfüllen. Dazu wird er funktionell korrekt und ästhetisch in seine Grenzen verwiesen. An Position 22 (Abb. 2) wurde in das vorhandene Knochenangebot ein Straumann Bone Level Cross Fit Roxolid-Implantat (Durchmesser 4,1 Millimeter) inseriert [1,2]. Aufgrund der starken Achsendivergenz zwischen Implantat und prospektiver Zahnkrone kommt der Schraubenkanal labial am Abutment zu liegen, womit eine zementierte Lösung der Keramikkrone impliziert ist. Wir entschieden uns für eine Cares-Mesostruktur der Firma Straumann aus Zirkoniumdioxid. Die Literatur [3] empfiehlt, bei vorhandener Restbezahnung die Implantatversorgung leicht außer Okklusion zu nehmen, da die Resilienz im natürlichen Gebiss um einiges höher liegt. Laut Angabe beträgt die physiologische Beweglichkeit eines natürlichen Zahnes 60 bis 100 Mikrometer, während ein osseointegriertes, das heißt im Knochen ankylosiertes Implantat nur um 5 Mikrometer Auslenkung erfahren kann.

Technische Herstellung

Die Abformung mit A-Silikon wird im Labor, bevor das Hartgipsmodell hergestellt wird, galvanisch teilversilbert und das Modellimplantat mit einer Zahnfleischmaske umspritzt (Abb. 3). Da wir den emergenten Wurzelanteil mittels ZirkoniumdioxidÜberpresstechnik aus Zirpress, Ivoclar Vivadent, Schaan/Liechtenstein, anpressen wollen, muss das Zirkoniumdioxidabutment reduziert konstruiert werden. Zuerst wird ein Waxup-Sleeve in das Implantat analog eingesetzt und so modifiziert, dass für das noch anzupressende Emergenzprofil Platz geschaffen wird (Abb. 4a und b). Der reduzierte Aufbau wird mittels Scanner digitalisiert und nach erfolgter Freigabe und Übermittlung in ein entsprechendes Fräszentrum mit höchster Präzision hergestellt. Die vorgeschriebene Mindeststärke ist in jedem Konstruktionsprogramm (zum Beispiel Etcon, Straumann, Basel, Schweiz) integriert (Abb. 5) und kann vom Anwender nicht unterschritten werden. Dies sorgt für die standardisierte und zuverlässig getestete Stabilität des Zirkoniumdioxidabutments [4].

  • Abb. 3: Der Oberkieferabdruck wurde mittels galvanischen Verfahrens teilversilbert. Um das Modellimplantat regio 22 wird zuvor eine Zahnfleischmaske (Gingifast Rigid, Zhermack, Marl am Dümmer) in die Abformung eingespritzt. Im oberen Bildteil sind die programmierten Artikulatorwerte (SAM 2 Artikulator) sichtbar.
  • Abb. 4a und b: Der manipulierbare Kunststoffteil, genannt „Sleeve“, wird zurechtgeschliffen und in der passenden Angulation mit Wachs ergänzt. Weiters wird der modellierte Stumpf mit einem Scanner digitalisiert und von Straumann im Cares-Ablauf in Zirkoniumdioxid hergestellt.
  • Abb. 3: Der Oberkieferabdruck wurde mittels galvanischen Verfahrens teilversilbert. Um das Modellimplantat regio 22 wird zuvor eine Zahnfleischmaske (Gingifast Rigid, Zhermack, Marl am Dümmer) in die Abformung eingespritzt. Im oberen Bildteil sind die programmierten Artikulatorwerte (SAM 2 Artikulator) sichtbar.
  • Abb. 4a und b: Der manipulierbare Kunststoffteil, genannt „Sleeve“, wird zurechtgeschliffen und in der passenden Angulation mit Wachs ergänzt. Weiters wird der modellierte Stumpf mit einem Scanner digitalisiert und von Straumann im Cares-Ablauf in Zirkoniumdioxid hergestellt.

  • Abb. 5: Das Zirkoniumdioxid-Sekundärteil reduziert, noch ohne Emergenzprofil.
  • Abb. 5: Das Zirkoniumdioxid-Sekundärteil reduziert, noch ohne Emergenzprofil.

Eine Anmerkung sei mir erlaubt: Um allfällige Garantieansprüche zu wahren, sollte man unbedingt mit Originalkomponenten der Implantatsysteme arbeiten, da im Schadensfall die Kompetenz des Implantatherstellers von immensem Vorteil ist. Kommt es zutage, dass Plagiate verarbeitet wurden beziehungsweise Systeme mit Fremdprodukten gemischt wurden, müssen der Zahnarzt sowie der Zahntechniker die volle Verantwortung übernehmen. Angesichts eines immer aufgeklärteren Patientenkollektivs kann dies unangenehme juristische Folgen nach sich ziehen.

Das Zirkoniumdioxidabutment in seiner reduzierten Form wird im nächsten Schritt mit dem vorgeschriebenen Zirliner versehen und bei 960 Grad Celsius gebrannt. Auch hier bevorzugen wir in der Verarbeitungskette ebenso bei Orginalkomponenten zu bleiben und mit dem dazugehörigen Brennofen P510, der Keramikpresse EP 5010 (Abb. 6) sowie den darauf abgestimmten Press-Keramiken der Firma Ivoclar Vivadent zu arbeiten. Hier zeigt es sich, wie wertvoll es ist, kompetente Ansprechpartner jederzeit an der Hand zu haben. Bei der steigenden Anzahl von Materialien und deren Kombinationen untereinander ist es unumgänglich, die Wechselwirkung in Bezug auf den Restzahnbestand zu hinterfragen beziehungsweise kritisch zu beobachten. Dies ist ein wichtiges Feedback für die Industrie und weist einen Entwicklungsweg in die Zukunft, der eine bestmögliche Patientenversorgung gewährleistet.

  • Abb. 6: Die beiden Keramiköfen, links Programat P510 und rechts das Kombigerät Programat EP 5010, leisten in unserem Laboralltag einen wertvollen und zuverlässigen Beitrag.
  • Abb. 7: Das Austritts- oder Emergenzprofil des Zahns wird durch Ausformung der Zahnfleischmaske anatomisch gestaltet.
  • Abb. 6: Die beiden Keramiköfen, links Programat P510 und rechts das Kombigerät Programat EP 5010, leisten in unserem Laboralltag einen wertvollen und zuverlässigen Beitrag.
  • Abb. 7: Das Austritts- oder Emergenzprofil des Zahns wird durch Ausformung der Zahnfleischmaske anatomisch gestaltet.

  • Abb. 8: Im Durchlicht nimmt man ein sehr ähnliches natürliches Erscheinungsbild bis tief in das Gewebe hinein wahr. Gut erkennbar ist die Schraube im Schraubenkanal.
  • Abb. 9: Das Emergenzprofil wurde in Wachs an das Zirkoniumdioxidabutment anmodelliert und für das Überpressen vorbereitet.
  • Abb. 8: Im Durchlicht nimmt man ein sehr ähnliches natürliches Erscheinungsbild bis tief in das Gewebe hinein wahr. Gut erkennbar ist die Schraube im Schraubenkanal.
  • Abb. 9: Das Emergenzprofil wurde in Wachs an das Zirkoniumdioxidabutment anmodelliert und für das Überpressen vorbereitet.

Im folgenden Schritt wird das Emergenzprofil (Abb. 7) mit einer zirkulären Stufe an das Zirkoniumdioxidabutment anmodelliert. Der Zahnkronenrand wird absichtlich supragingival gelegt, um einerseits den ästhetischen Wurzelanteil darzustellen und um andererseits zu einer gesicherten adhäsiven Zementierung in einem kontrollierbaren Umfeld zu kommen. Da Zirkoniumdioxid bekannterweise nicht ätzbar ist, bevorzugen wir zwei ätzbare Keramiken wie Zirpress (Fluorapatitkeramik) im Emergenzbereich sowie e.max (Lithiumdisilikat) im Kronenteil adhäsiv miteinander zu verbinden, um einen Verbund höchster Güte zu erzeugen. Auch das Licht wird über die Keramikkrone in das Emergenzprofil des Abutments und tief ins Weichgewebe geleitet. Da sich die Fluorapatitkeramik hinsichtlich der Fluoreszenz zahnähnlich verhält, hat sie somit einen klaren ästhetischen Vorteil gegenüber der Zirkoniumdioxidkeramik (Abb. 8).

Der mit Wachs übermodellierte Zirkoniumdioxidaufbau wird mit zwei Presskanälen versehen (Abb. 9) und mit der Pressvest Speed- Einbettmasse von Ivoclar Vivadent eingebettet.

Nach 35 Minuten Abbindezeit wird die Muffel sofort in dem auf 850 Grad Celsius vorgewärmten Auswachsofen mit der Muffelöffnung nach unten platziert. Nach weiteren 45 Minuten Vorwärmezeit empfiehlt es sich, die Muffel mit dem bereitgestellten MO1-Rohling zu bestücken und zügig in den Pressofen einzubringen. Der neue Pressofen EP 5010 ist mit einer sehr praktischen automatischen Muffel- und Vorwärmetemperaturerkennung ausgestattet, was für die einfache und sichere Handhabung sorgt. Ebenso problemlos funktioniert die Muffelbrucherkennung, die mir schon manche Depression erspart hat, da die Pressobjekte fast immer intakt ausgebettet werden können.

Das Ausbetten erfolgt mit dem Sandstrahler mit 50 Mikrometer Glanzstrahlmittel und mit circa ein bar. Es folgt das vorsichtige Abtrennen der Presskanäle etwa 1 bis 2 Millimeter vom Objekt entfernt, um nicht Spannungsrisse durch Überhitzung direkt in das Pressobjekt zu leiten. Danach werden die Überstände weggeschliffen und mit einem diamantierten Poliergummi wird die endgültige Form des Emergenzprofils nachpoliert. Darauf folgen der farbliche Abgleich (Abb. 10a und b) und der Charakterisierungsbrand bei 770 Grad Celsius im Keramikofen. In unserem Fall ist es der P510 mit der neuen Infrarottechnologie. Diese erkennt die Objekttemperatur am Brennträger und steuert so den Schließmechanismus für eine optimal geführte Durchwärmung des Brennobjekts. Auch die Langzeitabkühlung ist in diesem Ofen auf die Keramik wie Zirkoniumdioxid optimiert und sichert somit ein spannungsfreies Abkühlen in jeder Objektgröße. Für mich als Zahntechniker ist es von absoluter Wichtigkeit, eine gleichbleibende Qualität der Keramikobjekte durch Anwendung einer materialspezifischen Brenndauer und Brenntemperatur zu erzielen. Diese vorprogrammierten Brandführungsparameter sind im Vorfeld von der Forschungs- und Entwicklungsabteilung der Herstellerfirma verlässlich für die gesamte Materialpalette ausgetestet worden.

  • Abb. 10a und b: Da der Wurzelanteil aus einer Fluorapatitkeramik und der Kronenanteil (Kappe/Lithiumdisilikatkeramik, Schichtmaterial/Fluorapatitkeramik) besteht, kann ein unauffälliger ästhetischer Übergang der Materialien erzielt werden.
  • Abb. 11a und b: Der Wurzelanteil des Sekundärteiles wurde mit Fluorapatitglaskeramik (IPS e.max Zirpress, Ivoclar Vivadent) angepresst und farblich charakterisiert. Der sichtbare Schraubenkanal liegt aufgrund der starken Angulation labial; daher ist nur eine zementierte Lösung möglich.
  • Abb. 10a und b: Da der Wurzelanteil aus einer Fluorapatitkeramik und der Kronenanteil (Kappe/Lithiumdisilikatkeramik, Schichtmaterial/Fluorapatitkeramik) besteht, kann ein unauffälliger ästhetischer Übergang der Materialien erzielt werden.
  • Abb. 11a und b: Der Wurzelanteil des Sekundärteiles wurde mit Fluorapatitglaskeramik (IPS e.max Zirpress, Ivoclar Vivadent) angepresst und farblich charakterisiert. Der sichtbare Schraubenkanal liegt aufgrund der starken Angulation labial; daher ist nur eine zementierte Lösung möglich.

Nach Fertigstellung des Emergenzprofils (Abb. 11a und b) wird das Full-Waxup der ästhetischen Krone fertiggestellt und in den vorprogrammierten Artikulator (Bennettwinkel und horizontale Kondylenbahnneigung) in der Lateralbewegung sowie in der Protrusion exakt eingepasst. Wichtig ist, eine sogenannte Mischbewegung zwischen Protrusion und Laterotrusion auszuführen und dabei genau auf die modellierte Inzisalkante der Implantatkrone zu achten, damit diese ohne Schleifkontakt entlang der unteren Frontzähne vorbeiführt [5-7]. Auch in allen Bewegungen initial (also schlussbissnahen Bewegungen), das heißt in den ersten ein bis zwei Millimetern, muss die Krone außer Kontakt gebracht werden. Es ist unumgänglich, einen Sicherheitsabstand von einem Zehntel Millimeter einzubauen, da die Krafteinleitung vornehmlich durch Propriozeption, das heißt Reizaufnahme durch Rezeptoren im Endodont und Parodont der natürlichen Zähne, innerhalb eines kybernetischen Regelkreises gesteuert wird [8,9].

Wenn all diese Parameter in das Wax-up integriert worden sind, kann man vom funktionellen anatomischen Wax-up einen Vorwall anfertigen und labial das Wachs reduzieren. So erhalten wir nach der Pressung im palatinalen Anteil die volle Stabilität der Lithiumdisilikatkeramik (von 360 Megapascal). Labial können wir eine differenzierte Schichtung mit der an einer Vielzahl Keramikmassen reichen Farbpalette naturnah umsetzen.

Die Pressung einer e.max-Krone erfolgt standardisiert im neuen EP 5010 mit automatischer Muffel-Temperaturerkennung. Die Krone wird ausgebettet und mittels Kontaktspray vorsichtig angepasst. Palatinal wird diese einschließlich Glasurbrand fertiggestellt. Nun ist die komplette Funktion palatinal fixiert und wir können unser Augenmerk vollkommen auf die farbliche Gestaltung der Schichtung legen (Abb. 12a und b). Dabei sind jetzt natürlich die Länge der Inzisalkante mit dem Vorwall abzugleichen und der Bewegungsablauf noch einmal im Artikulator zu überprüfen (Abb. 13 und 14). In der Gegenüberstellung von alter und neuer Krone sehen wir anhand des Silkonschlüssels den fehlenden funktionellen Freiraum. Die neu gefertigte Krone hat aus funktioneller Sicht eine höhere Langzeitprognose (Abb. 15).

  • Abb. 12a und b: Labialer Schichtvorgang der IPS e.max Ceram-Keramik auf einer e.max Press-Kappe mit lingualem vollanatomischem Pressteil.
  • Abb. 13: Überprüfung des funktionellen Freiraumes der Keramikkrone bei einer lateralen Bewegung nach links. Die Zähne 21 und 23 berühren in der laterotrusiven Bewegung die Unterkieferfront. Der Zahn 22 aber muss absolut frei von exzentrischen Kontakten sein.
  • Abb. 12a und b: Labialer Schichtvorgang der IPS e.max Ceram-Keramik auf einer e.max Press-Kappe mit lingualem vollanatomischem Pressteil.
  • Abb. 13: Überprüfung des funktionellen Freiraumes der Keramikkrone bei einer lateralen Bewegung nach links. Die Zähne 21 und 23 berühren in der laterotrusiven Bewegung die Unterkieferfront. Der Zahn 22 aber muss absolut frei von exzentrischen Kontakten sein.

  • Abb. 14: Die funktionell und ästhetisch fertiggestellte Keramikkrone.
  • Abb. 15: Der Silikonschlüssel zeigt die Ausdehnung der defekten Krone im Vergleich zur neuen, korrekt hergestellten. Sichtbar ist jetzt die nicht vorhandene funktionelle Freiheit im palatinalen sowie im inzisalen Bereich.
  • Abb. 14: Die funktionell und ästhetisch fertiggestellte Keramikkrone.
  • Abb. 15: Der Silikonschlüssel zeigt die Ausdehnung der defekten Krone im Vergleich zur neuen, korrekt hergestellten. Sichtbar ist jetzt die nicht vorhandene funktionelle Freiheit im palatinalen sowie im inzisalen Bereich.

  • Abb. 16: Die einzelnen Komponenten im Überblick – Modellimplantat mit 4,1 Millimeter Durchmesser, Zirkoniumdioxid-Sekundärteil mit Presskeramik, Schraube für das Zirkoniumdioxidsekundärteil mit geradem Schraubenkopf, Kronenteil in Schichttechnik auf Presskeramik.
  • Abb. 16: Die einzelnen Komponenten im Überblick – Modellimplantat mit 4,1 Millimeter Durchmesser, Zirkoniumdioxid-Sekundärteil mit Presskeramik, Schraube für das Zirkoniumdioxidsekundärteil mit geradem Schraubenkopf, Kronenteil in Schichttechnik auf Presskeramik.

Die intraorale Eingliederung des Abutments (Abb. 16) folgt dem Einschraubprozedere der Firma Straumann, wobei peinlichst auf Sauberkeit des Schraubenkanals zu achten ist, um den Schraubensitz mit einer Vorspannung von 35 Newtonzentimeter nicht negativ zu beeinflussen [10,11]. Vor dem darauffolgenden adhäsiven Zementieren unter Kofferdam müssen die Innenfläche der e.max-Krone (20 Sekunden mit 5 Prozent Flusssäure; IPS Ceramic Etching Gel) sowie die Stufe des Abutments und der Stumpfaufbau (ebenfalls 20 Sekunden mit 5 Prozent Flusssäure; IPS Ceramic Etching Gel) geätzt werden. Danach sind alle Keramikflächen gründlich mit Wasser zu spülen und nach Trocknung und Silanisierung (nach Applikation des Haftvermittlers Monobond Plus) mit dem Befestigungscomposite Variolink II (mehrere Minuten mit Licht aushärten) zu zementieren [12]. Das Klebeprotokoll der Firma Ivoclar Vivadent ist dank übersichtlicher Anleitung einfach zu handhaben. Die Technik der adhäsiven Fügung sollte vonseiten der Zahnärzteschaft sehr ernst und gewissenhaft studiert und auf Kursen geübt werden, da die Langzeitprognose einer Versorgung von diesem letzten und wichtigen Schritt ebenso abhängig ist.

Fazit

  • Abb. 17: Die inserierte Keramikkrone nach dreimonatiger Tragezeit im Mund des Patienten. In Anbetracht des Defektes ist es dem Team gelungen, die Rekonstruktion unauffällig in den Restzahnbestand einzufügen.

  • Abb. 17: Die inserierte Keramikkrone nach dreimonatiger Tragezeit im Mund des Patienten. In Anbetracht des Defektes ist es dem Team gelungen, die Rekonstruktion unauffällig in den Restzahnbestand einzufügen.
Entscheidend für einen Langzeiterfolg implantatgetragener Versorgungen ist es, die Basics in Funktion sowie Materialkenntnis und das Verarbeitungsprotokoll zu beherrschen. Die Industrie steht uns hilfreich zur Seite, aber dennoch bedarf es einer fundamentalen Kenntnis auf verschiedensten Ebenen vonseiten des Ärzteteams, bestehend aus Chirurgen und Prothetikern sowie dem Zahntechniker, um eine vordergründig kleine, aber dennoch komplexe Versorgung eines Patienten zum Erfolg zu führen (Abb. 17).

An dieser Stelle möchte ich ausdrücklich betonen, dass das Erstellen einer Konformitätserklärung eine ganz wichtige Rolle für die Zukunft einnimmt. Die Industrie bringt zunehmend Neuerungen und im Laufe der Zeit wird die Lage immer unübersichtlicher werden: Welche Teile und Materialien wurden im Patientenmund verarbeitet? Wie wir wissen, ist diese „Baustelle“ niemals ganz fertig.

Schlussbemerkung

Um den Kreis zu schließen und auf die Statisten im Ensemble zurückzukommen, erkennen wir, dass es deren ursprüngliche Aufgabe ist, nicht aktiv in das Geschehen einzugreifen. Im Gegensatz zu seinen Mitspielern, die in die Handlung eingebunden sind, muss der Statist lediglich seinen zugedachten Platz beibehalten und schlichtweg „nur“ eine gute Figur machen.

Näheres zum Autor des Fachbeitrages: ZT Christoph Zobler

Bilder soweit nicht anders deklariert: ZT Christoph Zobler



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