Kronen/Brücken


Die Schönheit natürlicher Zähne – eine Herausforderung

12.04.2010


Indizes: Schönheit, Ästhetik, Frontzahnrestauration, Harmonie,

Lippendynamik

Der amerikanische Zahntechniker Naoki Hayashi, Referent der Firma Noritake (Japan), verfügt über langjährige Erfahrung in der Versorgung von Frontzahndefekten sowohl in der weißen als auch in der roten Ästhetik. Neben seinem Engagement für ein perfektes Weichgewebsmanagement konzentriert er sich auch auf die individuelle Lippendynamik. Hayashi war viel beachteter Referent beim 3. Goldevent in Oberwiesenthal. Sein anschließender

2-tägiger Kurs war innerhalb weniger Tage ausgebucht. Der folgende Beitrag

gibt seinen Vortrag wieder und stellt die dentale Ästhetik als Kernpunkt seiner Arbeit heraus, speziell die natürliche Schönheit im Gegensatz zur künstlichen Nachahmung. Um diesem natürlichen Ideal gerecht zu werden, müssen Komponenten wie Lichtverhältnisse, Dynamik, Farbe, Textur, Funktion und Ausdruck im Gesamtkontext berücksichtigt werden, um die Wertigkeit der ästhetischen Zahnheilkunde darzustellen.

Eine klare und eindeutige Definition für „Schönheit“ zu finden, ist so gut wie ausgeschlossen. Lediglich im Bereich der Synonymfindung tauchen Begriffe wie Eleganz, Formvollendung und Subtilität auf. Um Schönheit nun in die dentale Welt zu transformieren, betrachtet man zunächst die Schönheit der Natur, von dieser der Mensch unendlich viel lernen kann. Dort gibt es verschiedene Orte, Lebewesen, Jahreszeiten und natürlich die Zeit selbst. Es gibt Licht, Farbe, Formen und die Dreidimensionalität. Von all diesen Dingen können wir lernen und es ist wichtig, sie zu erkennen, um Schönheit zu begreifen und zu schätzen. Im Bereich der Architekturstile ist, im Gegensatz zur Natur, die Ästhetik künstlich. Sie ist entworfen und von Menschen konzipiert. Vielfach geht es um Planung, Funktionalität und Zweckmäßigkeit. Aus diesem Grund kann eine Stadt wohl eher nicht als Kunstwerk verstanden werden. Im Gegensatz dazu sind Lebewesen mit einer natürlichen Schönheit ausgestattet. Darüber hinaus wird ihr ansprechendes Erscheinungsbild durch perfekte Funktionalität ergänzt, die sich im Laufe der Zeit immer weiterentwickelt. Und natürlich, nicht zu vergessen der Mensch als Individuum in seiner Funktions- und Erscheinungsvielfalt. Er ist mit Abstand das komplexeste Lebewesen auf der Welt. Seine Gestalt und sein Geist stecken voller Schönheit – und dennoch wünschen sich viele Menschen mehr davon. Insbesondere Frauen streben nach einem perfekten Äußeren mit Hilfe von Make-up, einer neuen Frisur sowie modischer Kleidung und Accessoires. Auch der Wunsch nach schönen, neuen Zähnen gehört dazu. Wir erfüllen unseren Patienten diesen Wunsch und schenken ihnen ein strahlendes Lächeln.

Lippendynamik – eine zentrale Rolle in der ästhetischen Zahnheilkunde

Lippen nehmen keine konstante Position ein – sie bewegen sich. Die Arbeit des Zahntechnikers muss sich natürlich einfügen, ungeachtet der Lippenform des Patienten. Jedoch überprüfen Zahntechniker und Zahnärzte diese Lippendynamik nur anhand der Frontzähne. Doch es geht um weit mehr als das, zumal die komplette Lippendynamik in der ästhetischen Zahnheilkunde eine zentrale Rolle spielt!

Bei natürlichen Zähnen ist eine Balance zwischen Dentin und Schneide festzustellen. Ebenfalls zu erkennen ist, dass die natürlichen Zähne einen scharf abgegrenzten Dentinkern im Bereich der Inzisalkante aufweisen. Schöne, natürliche Zähne sind dünn von Zahnschmelz umhüllt. Dieses Gleichgewicht, diese Balance von Dentin und Schneide muss unbedingt beachtet und eingehalten werden, sonst wirkt eine Krone unnatürlich wie ein Fremdkörper. Ein weiterer wichtiger Aspekt stellt die Beschaffenheit der Oberfläche dar. Deshalb sollte man insbesondere bei der Anfertigung von Kronen und Veneers den Fokus auf eine naturidentische Oberflächengestaltung legen. Doch was macht nun die Schönheit der Zähne im Mund aus? Das ist die mitunter wichtigste Frage im Zusammenhang mit ansprechender Ästhetik. Ein zentraler Punkt ist die Harmonie von Zähnen und Zahnfleisch. Stimmt diese nicht, ist der Anspruch einer ästhetischen Restauration nicht mehr gegeben. Daher ist es eine der Grundaufgaben, das Weichgewebsmanagement in allen Arbeiten zu berücksichtigen, um nicht nur eine schöne Krone, sondern auch eine rote Ästhetik und damit eine harmonische Mundsituation zu erzielen.

Darüber hinaus sollte man besonderes Augenmerk auf den Lichtfluss richten. Die zahninterne Struktur sollte wie bei natürlichen Zähnen deutlich sichtbar sein. Arbeitet man auf der Mikroebene perfekt, zahlt sich das mit einem harmonischen Gesamtergebnis auf der Makroebene aus. Unser Ziel sollte es daher sein, ein möglichst natürliches Aussehen auch auf kurze Distanz zu schaffen. Hierfür bedarf es Harmonie, sowohl auf der Mikro- als auch auf der Makroebene.

Anforderungen des Patienten in Harmonie mit dessen Gesamtbild

Diese Anforderungen können im Bereich der Korrektur verfärbter Frontzähne, der Präsenz von übermäßigem Zahnfleisch, weißerer Zähne oder einfach im Austausch von Metallfüllungen liegen (Abb. 1). Vor diesem Hintergrund sind eine genaue Diagnostik sowie ein umfassender Behandlungsplan unerlässlich. Berücksichtigt werden müssen Ästhetik, Funktion und Struktur der Behandlung. Bei der anschließenden orofazialen Makroanalyse wird das Gesicht des Patienten geprüft und in Drittel aufgeteilt, um das Gleichgewicht zu beobachten. Die Linien werden unter dem Haaransatz, den Augenbrauen und der Nase gezogen. Ist zum Beispiel die Mittellinie der Frontzähne um zirka 1 mm verschoben, sollte man bei der Erarbeitung der Restauration dieses Problem berücksichtigen. Wird der Blick beispielsweise auf die Lachlinie gelenkt, so gilt es, den Fokus auf die Unterlippe zu richten, da die Lachlinie bei dem ein oder anderen Patienten durchaus eine Art „Gerade“ darstellen kann.

  • Abb. 1: Situation vor der Behandlung.
  • Abb. 2: Zirkoniumdioxid-Kronen als temporäre Versorgung zur Formung des Weichgewebes.
  • Abb. 1: Situation vor der Behandlung.
  • Abb. 2: Zirkoniumdioxid-Kronen als temporäre Versorgung zur Formung des Weichgewebes.

  • Abb. 3: Definitive Befestigung der beiden oberen Frontzähne nach nur 3 Tagen.
  • Abb. 4: Das Zahnfleisch ist in hervorragendem Zustand.
  • Abb. 3: Definitive Befestigung der beiden oberen Frontzähne nach nur 3 Tagen.
  • Abb. 4: Das Zahnfleisch ist in hervorragendem Zustand.

Von der Planung zur Lippendynamik

Um die Planung erfolgreich abschließen zu können, kann es hilfreich sein, ein diagnostisches Wax-up als physikalisches Mittel für die endgültige Restaurationsmaßnahme anzufertigen. Die daraus folgende provisorische Versorgung kann nun vom Patienten für mehrere Wochen getragen werden, um Ästhetik, Phonetik sowie Okklusion während dieser Zeit auszutesten (Abb. 2). Bereits während der provisorischen Phase sollte man sich auf die Lippendynamik konzentrieren. So richten sich die Augen zunächst auf ein vollständiges Lächeln. Hierbei gilt es, im Speziellen auf die Positionierung sowie die Größe der Zähne, als auch auf die Lachlinie zu achten. Die Zähne sollten immer bei einem vollem Lachen betrachtet werden, um die sich ständig ändernden Lippenformen beurteilen zu können. Auch Zahnersatz muss in jeder Form der Lippendynamik harmonisch wirken.

Die Restauration einer Einzelkrone ist anspruchsvoll und schwierig. Allerdings ist es in diesem Fall nicht notwendig, auf eine besondere Eigenständigkeit oder künstlerische Note zu achten, da Farbe, Form und die innere Struktur bereits durch die Nachbarzähne vorgegeben sind. Hier sollte man eher auf die Zahnfarbe beim Lachen, die Lustereffekte sowie Form und Struktur der Nachbarzähne eingehen. Die Kunst liegt darin, sehr präzise und naturidentisch zu arbeiten und keine „Neuentwicklung“ zu kreieren. In Fällen von Einzelzahnrestaurationen gilt es, mit viel Phantasie und Gespür sich diesen Vorgaben zu nähern (Abb. 3 und 4). Jede Form, ob als Einzelzahn oder im Verbund einer großen Restauration stellt auf ihre Art eine Herausforderung dar.

„Es gibt eine Menge großartiger Zahntechniker auf dieser Welt, die ihr Handwerk besser verstehen als ich. Aber das Lachen meiner Patienten ist allein von mir hergestellt worden und somit überlassen mir die Patienten ihr Lächeln. Unsere Arbeit ist meist nicht einfach und wir müssen hart arbeiten, um ein Lächeln zu erhalten.“

Näheres zum Autor des Fachbeitrages: Naoki Hayashi

Bilder soweit nicht anders deklariert: Naoki Hayashi


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