Kronen/Brücken


Digital ... ist die Welt … wird die Zahntechnik … muss die Ausbildung sein!

07.04.2012


„Digitale Techniken halten massiv Einzug in die Zahntechnik. Die Konstruktion und Herstellung von Kronen, Brücken, Implantat-Abutments“ … Halt! So hätte dieser Artikel vor 4 bis 5 Jahren zu Recht begonnen. Aber wir sind viele Schritte weiter. Der digitale Arbeitsablauf prägt den Arbeitsalltag schon in vielen Labors. Auch die Zusammenarbeit zwischen Praxis und Labor wird immer digitaler. Der Zahntechniker hat dabei häufig die Fäden des digitalen Marionettentheaters in der Hand. Um diesen Anforderungen gerecht zu werden, muss eine moderne Zahntechnikerin bzw. ein moderner Zahntechniker klassische handwerkliche, aber auch moderne digitale Kompetenzen vereinen.

Diese Kompetenzen müssen grundlegend in der Berufsausbildung gelegt werden. Labor und Berufsschule sind hier gleichermaßen gefragt. Auf dem klassischen Sektor sind beide Säulen des dualen Systems (bei allen Problemen rund um eine vernünftige Ausbildung, aber das ist ein anderes Thema …) gut gerüstet. Die digitalen Kompetenzen finden allerdings vielerorts nur langsam den Weg in den Berufsschulunterricht. Die Albrecht-Dürer-Schule in Düsseldorf versteht sich auf diesem Gebiet als Vorreiter. Dort ist CAD/CAM schon seit 1999 ein stetig wachsender Bestandteil des Berufsschulunterrichts für Zahntechniker. Seit diesem Jahr beginnt der digitale Kompetenzerwerb der Azubis schon im ersten Ausbildungsjahr. Ein einwöchiges Unterrichtsprojekt ermöglicht durchgängiges Arbeiten im digitalen Arbeitsablauf. Parallel erstellen die Auszubildenden ein persönliches Portfolio zu ihren CAD/CAM-Kompetenzen. Dieses Portfolio soll im Laufe der Ausbildung ergänzt werden. Es dokumentiert den persönlichen Stand ihrer CAD/CAMErfahrungen. Davon speziell und von weiteren Entwicklungen in den folgenden Ausbildungsjahren berichtet dieser Artikel (Abb. 1–3).

  • Abb. 1: Eine Schülerin schreibt am Portfolio mit dem privaten Computer und LibreOffice.
  • Abb. 2: Portfolio-Arbeit am Schul-Notebook mit Ubuntu-Linux und LibreOffice.
  • Abb. 1: Eine Schülerin schreibt am Portfolio mit dem privaten Computer und LibreOffice.
  • Abb. 2: Portfolio-Arbeit am Schul-Notebook mit Ubuntu-Linux und LibreOffice.

  • Abb. 3: CAD/CAM-Projektunterricht im ersten Ausbildungsjahr.
  • Abb. 3: CAD/CAM-Projektunterricht im ersten Ausbildungsjahr.

Der digitale Arbeitsablauf als Grundlage

Was macht ein Azubi u.a. im ersten Lehrjahr? Normalerweise ist er im Gipsraum! Was liegt also näher, als die Modellherstellung auch für den ersten Kontakt mit dem digitalen Arbeitsablauf zu nutzen? Intraoralscan, Modellkonstruktion, Modellfertigung – so lautet der digitale Dreisatz im Lernfeld 1, das sich laut Lehrplan mit der Erstellung und Bewertung von Arbeitsunterlagen beschäftigt. Von CAD/CAM steht in diesem Lehrplan (gültig seit 2004) zwar nichts, aber das sehen wir einmal nicht so eng.

Das digitale Modell

  • Abb. 4: Digitalisierung mithilfe einer Laserlinie und der Triangulation.

  • Abb. 4: Digitalisierung mithilfe einer Laserlinie und der Triangulation.
Die Schülerinnen und Schüler bekommen zu Beginn des einwöchigen Unterrichtsprojektes einen ersten Überblick über den tatsächlichen Arbeitsablauf anhand von Live-Vorführungen (Konstruktion, Fertigung) und Videos (Intraoralscan, Fertigung). Anschließend dient ein aus Papier gebastelter rechtwinkliger Papierstumpf exemplarisch als Grundlage für den digitalen Arbeitsablauf (Abb. 4).

Digitalisierung

Der Stumpf wird mithilfe eines Schülers, der die Videokamera eines Intraoralscanners ersetzt, einer einfachen Laserlinie und zwei Linealen oder Geodreiecken digitalisiert. „Digitalisiert“ heißt hier, die Ecken des Stumpfes werden als 3D-Koordinaten in ein Koordinatensystem eingezeichnet. Dabei werden die ZKoordinaten mithilfe der Triangulation und der Laserlinie berechnet, während die X- und Y-Koordinaten aus der Sicht der „Kamera“ durch die Lineale direkt ablesbar sind. Zwar verwenden die verschiedenen Intraoralscanner unterschiedliche technische Verfahren zur Digitalisierung, allerdings dient die Triangulation, z.B. bei der Streifenlichtprojektion (Sirona InEOS), häufig zur Bestimmung der jeweiligen Z-Koordinate. Im Koordinatensystem entsteht so zeichnerisch eine Punktewolke, die noch in das Standard-Schnittstellenformat offener CAD/CAM-Systeme exportiert werden muss (Abb. 5–7). Hier beginnt für die Schüler nun ein harter „Kampf“ mit dem dreidimensionalen Vorstellungsvermögen, der Syntax des STL-Formats und der eigenen inneren Motivation. Über zwei Drittel der Schüler schaffen es aber erfahrungsgemäß, den kompletten „Stumpf“ ins STL-Format zu transferieren. Respekt! Die anderen schreiben Teile der Stumpfdatei und erfahren so ebenfalls, wie das STL-Format aufgebaut ist.

  • Abb. 5: Die Koordinaten der Punkte der Punktewolke.
  • Abb. 6: Teilweise gezeichnete Punktewolke mit Verbindungslinien.
  • Abb. 5: Die Koordinaten der Punkte der Punktewolke.
  • Abb. 6: Teilweise gezeichnete Punktewolke mit Verbindungslinien.

  • Abb. 7: Fertige Punktwolke mit Verbindungslinien.
  • Abb. 7: Fertige Punktwolke mit Verbindungslinien.

Sollten Sie sich an dieser Stelle wundern, was die Schüler alles lernen müssen, möchte ich dazu dieses kurze Statement abgeben: Ich bin der Überzeugung, dass nur der genaue Blick hinter die technischen Kulissen des digitalen Arbeitsablaufs ein kompetentes Handeln und Entscheiden in diesem Bereich ermöglicht. Genau diese Kompetenzen sollen die Schüler erwerben. In vielen anderen Bereichen (z.B. Anatomie, Metallurgie oder Kunststoffchemie) ist das übrigens selbstverständlich.

Um den Kompetenzerwerb für die Schülerinnen und Schüler nachvollziehbar zu machen und unterschiedliche Lernvoraussetzungen zu berücksichtigen, erhalten die Azubis ein Kompetenzraster, das den möglichen Kompetenzerwerb in verschiedene Level gliedert. So hat jede Schülerin und jeder Schüler Erfolgserlebnisse auf ihrem bzw. seinem persönlichen Niveau.

Bei dieser Art der manuellen Digitalisierung fällt das Matchen von Scans aus verschiedenen Blickwinkeln komplett unter den Tisch. Daher digitalisieren die Schülerinnen und Schüler den Papierstumpf, ein beliebiges Objekt oder auch ihr eigenes Gesicht mit dem DAVID-Laserscanner aus verschiedenen Blickwinkeln und matchen daraus ein Objekt mit neu berechneter Oberfläche. Dabei erfahren sie viele Details über die Problematik von Lichteinfall beim lichtoptischen Scannen, über die notwendige Überlappung der Punktewolken und die Qualität der Punktewolken in Abhängigkeit vom Reflexionsverhalten der Oberfläche des Objektes. Der DAVID-Laserscanner funktioniert mit geringstem Aufwand mit einem einfachen Linienlaser und einer Webcam. Die Software ist in einer etwas eingeschränkten Version kostenlos verfügbar (Abb. 8 u. 9).

  • Abb. 8: Aufbau eines DAVID-Laserscanners.
  • Abb. 9: Schüler matchen mehrere Scans eines Gesichts.
  • Abb. 8: Aufbau eines DAVID-Laserscanners.
  • Abb. 9: Schüler matchen mehrere Scans eines Gesichts.

Konstruktion

Beim vergleichenden Blick auf den realen Arbeitsablauf liegen nun die STL-Daten des Intraoralscans vor. Daraus muss nun ein Modell-Segment konstruiert werden. Dazu wird im Unterrichtsprojekt die freie 3D-Software Blender verwendet. Blender ist eine sehr komplexe, aber auch mächtige Software, die viele zahntechnische Konstruktionsvorgänge simulieren kann. Eigentlich ist Blender für die Herstellung von 3D-Filmen gedacht. Ich verwende im Unterricht häufig freie Softwareprodukte, da die Schülerinnen und Schüler diese Software auch zu Hause legal und kostenfrei nutzen können und ich den Grundgedanken der freien Software überzeugend finde. Auch aus diesem Grund und wegen der Stabilität der Software verwende ich im Unterrichtsprojekt Notebooks mit Ubuntu-Linux als Betriebssystem. Nach vorhergehender gemeinsamer Planung wird der digitalisierte Stumpf nun nach unten verlängert, unterhalb der Präparationsgrenze verengt (Ditching) und an der Basis mit einem Loch für einen Pin versehen. Die Schülerinnen und Schüler lernen so die Manipulation der Daten (Punkte, Kanten und sowie das Skalieren und Verschieben von Flächen) direkt kennen. Das Loch wird durch Subtraktion eines entsprechenden Zylinders erzeugt. Begabte oder erfahrene Schülerinnen und Schüler können nun noch selbstständig unter Verwendung der gelernten Verfahren einen Modellsockel zum Stumpf konstruieren oder den Stumpf mit bereitgestellten Sockeln von model-tray oder dentona verbinden (Abb. 10–12). Gern nutzen die Schülerinnen und Schüler auch die Möglichkeit, ihr mit dem DAVID-Laserscanner digitalisiertes Gesicht in Blender mit einem Sockel zu versehen, es zu verkleinern, vielleicht noch ein Loch im Sockel zu konstruieren und es dann z.B. als Schlüsselanhänger zu drucken oder zu fräsen. Gerade solche Anwendungen der frisch erworbenen Kompetenzen sind extrem motivierend. Das Lernen läuft dann häufig von allein! Alle konstruierten Objekte werden zur weiteren Verarbeitung im STL-Format aus Blender exportiert.

  • Abb. 10: In Blender konstruierter Stumpf.
  • Abb. 11: Der Stumpf auf der Basisplatte von dentona.
  • Abb. 10: In Blender konstruierter Stumpf.
  • Abb. 11: Der Stumpf auf der Basisplatte von dentona.

  • Abb. 12: Die Basisplatte wurde vom Stumpf subtrahiert.
  • Abb. 12: Die Basisplatte wurde vom Stumpf subtrahiert.

Fertigung

Die Fertigung besteht eigentlich aus zwei Schritten. Die STL-Daten werden zunächst mit einer CAM-Software in Maschinenbefehle (G-Code) umgewandelt. Diese G-Code-Dateien werden dann in die Fertigungsmaschinen importiert und das Objekt wird gefertigt. Den Schülerinnen und Schülern stehen der von mir selbst zusammengebaute 3D-Drucker Rapman der Firma bitsfrombytes und die Fräsmaschine Quattro Mill Easy zur Verfügung, die ich mit großzügiger Unterstützung des Herstellers VHF und der Firma Goldquarat anschaffen konnte. Entsprechend wird die freie CAM-Software Skeinforge oder die CAM-Software der Fräsmaschine zur Erzeugung des G-Codes verwendet (Abb. 13–18).

  • Abb. 13: Der Stumpf wird überdimensional im 3D-Drucker additiv gefertigt.
  • Abb. 14: Der Druck ist fast abgeschlossen.
  • Abb. 13: Der Stumpf wird überdimensional im 3D-Drucker additiv gefertigt.
  • Abb. 14: Der Druck ist fast abgeschlossen.

  • Abb. 15: Nesting der Stümpfe in der CAM-Software der Fräsmaschine.
  • Abb. 16: Die Fräsmaschine (Quattro Mill Easy).
  • Abb. 15: Nesting der Stümpfe in der CAM-Software der Fräsmaschine.
  • Abb. 16: Die Fräsmaschine (Quattro Mill Easy).

  • Abb. 17: Fräsen der Stümpfe in einer Dreiachs-Maschine.
  • Abb. 18: Das Ergebnis der subtraktiven Fertigung der Stümpfe.
  • Abb. 17: Fräsen der Stümpfe in einer Dreiachs-Maschine.
  • Abb. 18: Das Ergebnis der subtraktiven Fertigung der Stümpfe.

Weitere digitale Lernstationen

Während des Lernens erstellen die Schülerinnen und Schüler ein digitales Portfolio, das Artikel und Bilder (Fotos, Screenshots) enthält, die ihren Kompetenzerwerb dokumentieren. Dieses Portfolio ist zum Ende des einwöchigen Unterrichtsprojektes nicht vollständig. Es soll während der noch folgenden drei Ausbildungsjahre durch weitere Dokumentationen vom digitalen Arbeiten aus dem Labor, aus der überbetrieblichen Ausbildung und natürlich aus den folgenden Lernfeldern im Unterricht an der Berufsschule gefüllt werden. Der bzw. dem Auszubildenden liegt dann zum Abschluss der Ausbildung ein komplettes Portfolio ihrer bzw. seiner digitalen Kompetenzen vor. Im Unterricht an der Berufsschule folgen in fast allen Lernfeldern wichtige Lernsituationen aus dem CAD/CAM-Bereich.

Simulation von Unterkieferbewegungen

Die Übernahme von Unterkiefer-Bewegungsdaten in die Konstruktionssoftware für vollanatomische Kronen und Brücken wird zukünftig selbstverständlich sein. Ob es sich „nur“ um die mittelwertige Einstellung eines virtuellen Artikulators in der CAD-Software oder um die Übernahme individueller Patienten-Bewegungsdaten handelt – frischgebackene Zahntechnikerinnen und Zahntechniker sollten die technischen Möglichkeiten kennen.

Oberflächenbearbeitung

Ein ganz großes Thema sind die Bearbeitungsparameter für CNC-Maschinen. Im oben beschriebenen Unterrichtsprojekt bekommen die Schülerinnen und Schüler nur einen ersten, ganz kleinen Eindruck von den Einstellungsmöglichkeiten innerhalb der CAMSoftware. Im Lernfeld Oberflächenbearbeitung wird das Wissen z.B. über Werkzeuggeometrien, Werkzeugauswahl für verschiedene Bearbeitungsphasen, Bearbeitungsstrategien für verschiedene Geometrien (z.B. Kroneninnenflächen, Bohrungen, Kauflächen), Vorschub, Drehzahl, Bahnabstand usw. erworben bzw. vertieft. Die Zahntechnikerin bzw. der Zahntechniker soll zwar kein vollwertiger CNC-Zerspanungsmechaniker werden – das ist nämlich ein eigener Ausbildungsberuf –, aber entsprechende Kompetenzen sind notwendig, um z.B. Fehlerquellen und Verbesserungsmöglichkeiten zu erkennen und entsprechende Maßnahmen einzuleiten.

Kronen/Brücken

Die Konstruktion von Kronen und Brücken ist zurzeit sicherlich der Klassiker in Sachen CAD/CAM-Technik. Ständig werden neue Möglichkeiten in die gängigen CAD-Software-Produkte integriert. Der routinierte Umgang mit dieser Software muss im Labor und in der überbetrieblichen Ausbildung geübt werden. Hier sind die Ausbilder gefordert, ihren Azubis entsprechende Möglichkeiten zu bieten. Ein neuer überbetrieblicher Ausbildungskurs CAD/CAM ist bundesweit beschlossen und wird bis 2013 umgesetzt. Leider ersetzt dieser den Kurs zur Modellation von Kauflächen (Zahn 04). Ich halte das für falsch, da das manuelle Aufwachsen von funktionierenden Kauflächen die notwendige Grundlage für ihre sinnvolle digitale Konstruktion ist. Aber das ist wieder ein anderes Thema. Im Berufsschulunterricht sollte erneut hinter die Kulissen der CAD-Software geschaut werden. Beispiele dafür sind z.B. die Veränderung bzw. Anpassung des Dreiecksnetzes des digitalisierten Stumpfes beim Festlegen der Präparationsgrenze und deren Konsequenzen für die Passgenauigkeit des Zahnersatzes oder die Werkzeug-Radiuskorrektur von Kroneninnenflächen.

Rekonstruktion funktioneller Zahnflächen

Wie erwähnt, fällt der überbetriebliche Kurs zur funktionellen Aufwachstechnik leider zukünftig weg. Daher bleibt die Verantwortung für die Verknüpfung zwischen praktisch erlernter, funktioneller Aufwachstechnik (sicher ein Qualitätsmerkmal deutscher Zahntechnik) und dem Transfer dieser Kompetenzen in die CAD-Konstruktion funktioneller Zahnflächen bei den Berufsschulen hängen. Dort ist sie auch gut aufgehoben, wenn der Unterricht über das bloße Erlernen von Klickreihenfolgen mit CAD-Software hinausgeht. Themen wären hier z.B. die biogenerische Erzeugung von Kauflächen (Sirona 4.0 CAD-Software) oder die Auswahl geeigneter Bibliothekszähne. Allerdings sollte auch der kritische Blick auf die Funktionalität mancher CAD-konstruierter Kauflächen geschult werden. Ich sehe hier durchaus eine Gefahr für die Qualität des Zahnersatzes „made in Germany“.

Totale Prothese

  • Abb. 19: Schüler versuchen eine Basis auf einem zahnlosen Modell zu konstruieren.

  • Abb. 19: Schüler versuchen eine Basis auf einem zahnlosen Modell zu konstruieren.
Zur IDS 2011 waren verschiedene praktische Studien zur digitalen Konstruktion und Herstellung totaler Prothesen zu bestaunen. Haben die Schülerinnen und Schüler den digitalen Arbeitsablauf erst verinnerlicht, ist der Transfer zur Totalprothese keine besondere Herausforderung mehr. Obwohl ich für den CAD/CAM-Unterricht in diesem Lernfeld noch in der Planungsphase stecke, ist es sicherlich möglich, mit freier Software die prinzipiellen Konstruktionsprozesse für totale Prothesen nachzuvollziehen. Dabei können sowohl konfektionierte als auch mit-konstruierte Ersatzzähne zum Einsatz kommen. Die passenden Werkstoffe und Fertigungsverfahren sind ein zweites wichtiges Thema (Abb. 19).

Partielle Prothese

Mit der Sensable Dental Lab Software inklusive eines haptischen Eingabeinstrumentes (haptische „3D-Maus“) wird die Konstruktion von partiellen Prothesen schon seit Jahren von Antonius Köster (Meschede) in Deutschland angeboten und in verschiedenen Dentallabors praktiziert. Der Umgang mit dem Eingabeinstrument und die Arbeitsabläufe erinnern stark an ein digitales „Wachsmesser“ oder „Aufwachsinstrument“ und kommen den herkömmlichen Arbeitsabläufen recht nahe. Zusammen mit den passenden additiven Fertigungsverfahren gehört diese Variante des digitalen Arbeitsablaufes in jedes Azubi-CAD/CAM-Portfolio.

Osseointegrierter Zahnersatz

Die Planung der Implantatposition und die Herstellung der Implantataufbauten werden zurzeit durch den Einsatz digitaler Werkzeuge deutlich vereinfacht und damit letztendlich für den Patienten sicherer. Am Ende dieser Entwicklung steht ein komplett digitales Backward Planning der Versorgung mit osseointegriertem Zahnersatz. Neu für den zukünftigen Zahntechniker ist der Umgang mit der Implantat-Planungs-Software. Sie erfordert z.B. die zumindest grundlegende Analyse des Knochenangebotes auf der Basis der in die Planungssoftware importierten DICOM-Daten. Die Auswahl der konfektionierten bzw. die Konstruktion der individuellen Abutments sind weitere Schritte im digitalen Arbeitsablauf.

Auf die Schulen kommen im Rahmen all dieser Kompetenzbereiche unter Umständen hohe Investitionskosten für außerdem ständig upgedatete Soft- und Hardware zu. Sehr wichtig ist dabei die Hilfe der Industrie. Für die Albrecht-Dürer-Schule konnten wir z.B. die Firma Materialize gewinnen, die uns die Software SimPlant 2011 für den Unterricht zur Verfügung stellt. Meine Unterrichtsplanungen auf www.wikidental.de binden aber vorzugsweise freie Software ein, die für alle Beteiligten kostenlos und legal zu verwenden ist. Immer mehr Schülerinnen und Schüler bringen ihre Notebooks mit in die Schule. Auch für sie steht diese Software dann zur Verfügung. Ein tolles Beispiel ist in diesem Zusammenhang die Software 3D-Slicer, mit der DICOM-Daten dreidimensional analysiert, segmentiert und als STL-Dateien exportiert werden können. Mit dem anschließenden Import in Blender kann so zumindest prinzipiell das digitale Backward Planning auch mit freier Software nachvollzogen werden. Entsprechende Unterrichtsplanungen sind von meinen Kolleginnen der Pädagogischen Arbeitsgemeinschaft Zahntechnik (www.pazev.de) und mir entwickelt und auf www.wikidental.de veröffentlicht worden (Abb. 20–23).

  • Abb. 20: Analyse eines DVT in der freien Software 3D-Slicer.
  • Abb. 21: Simulation einer Implantatplanung in Blender mit Modell, Knochen (3D-Slicer) und Implantat (Fa. Medentis).
  • Abb. 20: Analyse eines DVT in der freien Software 3D-Slicer.
  • Abb. 21: Simulation einer Implantatplanung in Blender mit Modell, Knochen (3D-Slicer) und Implantat (Fa. Medentis).

  • Abb. 22: Selbst erstelltes Implantatmodell zur Simulation der Planung.
  • Abb. 23: Selbst erstelltes Implantatmodell zur Simulation der Planung.
  • Abb. 22: Selbst erstelltes Implantatmodell zur Simulation der Planung.
  • Abb. 23: Selbst erstelltes Implantatmodell zur Simulation der Planung.

Ästhetische Planung

Aktuellstes Beispiel für die ästhetische Planung von Zahnersatz ist das System der Firma Pritidenta. Ein Gesichtsscan des Patienten wird mit der CAD-Software kombiniert. Der Zahntechniker kann die Konstruktion sozusagen direkt „am Patienten“ vornehmen – ein gigantischer Fortschritt gegenüber der anonymen Arbeit mit Gipsmodell und Artikulator. Datenfluss, Dateiformate und Digitalisierung des Gesichts sind dabei stellvertretend für neue Kompetenzbereiche, die eine zukünftige Zahntechnikerin bzw. ein zukünftiger Zahntechniker abdecken muss. Das DAVID-Laserscanner-Projekt und Blender bieten auch hier die Möglichkeit, ohne bzw. mit sehr geringem finanziellem Einsatz, aber extrem hohem Aufforderungscharakter Gesichter von Schülern mit Textur (ein Foto des Gesichts wird auf die 3D-Oberfläche gelegt) zu erstellen, in Blender zu importieren und dort Zähne dazu „aufzustellen“. Es geht im Unterricht erneut eher um das Erlernen der Prozesse, der Dateiformate und um das Beherrschen auftretender Schwierigkeiten als um das Erlernen von bestimmten Klickreihenfolgen (Abb. 24–25).

  • Abb. 24: Digitalisiertes Gesicht einer Schülerin mit Textur in der Vorschau des DAVID-Laserscanners.
  • Abb. 25: Digitalisiertes Gesicht einer Schülerin mit Textur in der Vorschau des DAVID-Laserscanners.
  • Abb. 24: Digitalisiertes Gesicht einer Schülerin mit Textur in der Vorschau des DAVID-Laserscanners.
  • Abb. 25: Digitalisiertes Gesicht einer Schülerin mit Textur in der Vorschau des DAVID-Laserscanners.

Fazit

„Um diesen Anforderungen gerecht zu werden, muss eine moderne Zahntechnikerin bzw. ein moderner Zahntechniker klassische handwerkliche, aber auch moderne digitale Kompetenzen vereinen“, lautete meine Forderung in der Einleitung dieses Artikels. Der beschriebene Unterricht, in diesem Fall an der Albrecht-Dürer-Schule in Düsseldorf, wird helfen, diesem Ziel näher zu kommen. Die Pädagogische Arbeitsgemeinschaft Zahntechnik arbeitet weiter an den beschriebenen Unterrichtssequenzen und in meinem Online-Lehrbuch www.wikidental.de stelle ich allen an der Berufsausbildung Beteiligten diese Informationen zur Verfügung. Nur ständige Weiterbildung aller Beteiligten (Lehrer, Ausbilder, Azubis) und der Blick über den (digitalen) Tellerrand wird die Position der Zahntechnikerinnen und Zahntechniker im Planungs- und Herstellungsprozess von Zahnersatz erhalten oder auch festigen können. 

Näheres zum Autor des Fachbeitrages: Markus Lensing

Bilder soweit nicht anders deklariert: Markus Lensing


Kostenlose Live Veranstaltung – D:EX Dental Experience by Pluradent
Unbenannt

Bei der kostenlosen D:EX Dental Experience von Pluradent am 24. April 2021 ab 10 Uhr werden Produktneuheiten und Impulsvorträge präsentiert. Vorgestellt werden aktuelle Entwicklungen in den Bereichen digitale Transformation, Praxismanagement und Hygiene.

Besuchen Sie uns doch mal auf unserer Facebookseite! Wir freuen uns über jeden Like und sind gespannt auf Anregungen, Kommentare, Kritik und Ideen für neue Themen!

Hier geht's direkt zur Seite