Kronen/Brücken

Temporäre Versorgung, Hochleistungspolymere, CAD/CAM-Fertigung, ästhetische und funktionelle Rehabilitation, Langzeitprovisorien

Erarbeitung der Frontzahnästhetik mithilfe von langzeitprovisorischen Kronen aus Telio CAD

Die hohe Transluzenz von Telio-CAD-Materialien ermöglicht eine hohe Natürlichkeit in den provisorischen Restaurationen.
Die hohe Transluzenz von Telio-CAD-Materialien ermöglicht eine hohe Natürlichkeit in den provisorischen Restaurationen.

Durch den Einsatz moderner Fertigungstechnologien und die Verwendung industriell vorgefertigter Kunststoffe oder Komposite kann die Materialqualität provisorischer Restaurationen erheblich gesteigert werden. Industriell gefertigte Hochleistungspolymere verfügen aufgrund der optimalen Polymerisationsbedingungen und der hohen Homogenität über zahlreiche Vorteile gegenüber direkt gefertigten Materialien für Provisorien (Abb. 1). Dazu zählen eine höhere Langzeitstabilität, eine bessere Biokompatibilität, ein geringerer Verschleiß wie auch eine gegenüber keramischen Restaurationsmaterialien günstigere CAD/CAM-Verarbeitbarkeit bei geringen Schichtstärken. Die Materialgruppe der Hochleistungspolymere erfährt zurzeit weltweit ein großes Interesse aufgrund zahlreicher potenzieller Einsatzmöglichkeiten.

Im folgenden Artikel wird anhand eines Fallberichtes die Rehabilitation von Oberkiefer-Frontzähnen mit einem neu eingeführten Hochleistungspolymer dargestellt. Durch den Einsatz CAD/CAM-gefertigter, ästhetisch und funktionell hochwertiger Langzeitprovisorien aus Telio CAD konnte eine langfristige Überprüfung des Restaurationsentwurfes verwirklicht und somit eine hohe Vorhersagbarkeit für die später anzufertigenden definitiven Restaurationen geschaffen werden. Der Einsatz temporärer Restaurationen ist ein wichtiger Arbeitsschritt im Rahmen indirekter restaurativer und interdisziplinärer Behandlungskonzepte. Sie dienen traditionell dem Schutz der beschliffenen Zahnhartsubstanzen und der Pulpa sowie der Stabilisierung der Zahnposition. Zudem sind sie für den Erhalt oder die Rekonstruktion der Kaufunktion, der Phonetik und des ästhetischen Erscheinungsbildes unverzichtbar. Grundsätzlich werden nach dem Herstellungsmodus direkte, indirekt-direkte und indirekte temporäre Restaurationen unterschieden. Auf der Grundlage der durch den Herstellungsprozess bedingten Unterschiede in den Materialqualitäten werden verschiedene Tragedauern für die jeweiligen temporären Restaurationen empfohlen. Sie reichen von ein bis drei Monaten für die direkte Technik bis zu sechs Monaten für die Schalentechnik und bis zu zwei Jahren für die indirekte Herstellung. Das Telio- System bietet solche abgestimmten Lösungen für alle Arten von temporären Versorgungen.

Die indirekten temporären Restaurationen werden traditionell für einen längerfristigen Einsatz laborgefertigt und sind vor allem für die Brückentechnik durch ein Gerüstmaterial aus Metalllegierungen oder Glasfasernetzen verstärkt. Mittlerweile werden von zahlreichen Herstellern Hochleistungspolymere auf der Basis von hochvernetzten PMMA-Kunststoffen oder von Kompositen für die CAD/CAM-Bearbeitung angeboten, die zurzeit weltweit ein außergewöhnliches Interesse erfahren. Bedingt durch die nach industriellen Standards verlaufende Herstellung zeigen temporäre Restaurationen aus Hochleistungspolymeren gegenüber solchen aus direkter Herstellung überlegene Materialeigenschaften, durch die zahlreiche neue Behandlungsmöglichkeiten eröffnet werden.

Dazu gehört auch, wie in dem folgenden Patientenfall dargestellt, eine ausgedehnte Vorbehandlungsphase, die es unter Einsatz modifizierbarer temporärer Restaurationen dem Patienten und dem Behandlungsteam erlaubt, einen ersten Restaurationsentwurf nach ästhetischen, kaufunktionellen und phonetischen Gesichtspunkten langfristig klinisch zu überprüfen. In diese Vorbehandlungsphase können parodontologische Vorbehandlungen, der Aufbau endodontisch behandelter Zähne sowie eine genauere Evaluierung der Pfeilerqualität integriert werden. Werden Konstruktionsänderungen erforderlich, sind sie in der Vorbehandlungsphase aufgrund der einfachen Veränderbarkeit temporärer Restaurationen noch kostengünstig umzusetzen.

Modifizierbare temporäre Restaurationen eignen sich zur Feineinstellung von Zahnform und -stellung nach ästhetischen, phonetischen und okklusalen Gesichtspunkten sowie zur Festlegung der definitiven Lage der Präparationsgrenze. Insbesondere bei umfangreichen Farb-, Form- und Stellungskorrekturen in den ästhetischen Zonen sind längere Vorbehandlungsphasen unverzichtbar, da wichtige Einflussfaktoren wie die Lippenposition und -dynamik bei der Festlegung der Lachlinie labortechnisch nicht hinreichend beurteilt werden können. Die temporäre Restauration stellt somit während dieses Behandlungsabschnittes das zentrale Kommunikationsmedium zwischen Patient, Zahnarzt und Zahntechniker dar. Der vorliegende Artikel soll diese Einsatzmöglichkeiten der neuen Werkstoffgruppe „Hochleistungspolymere“ bei der Vorbehandlung mit einer festsitzenden Restauration anhand eines Patientenfalles verdeutlichen.

Patientenfall

Eine 50-jährige Patientin stellte sich mit dem Wunsch vor, die bestehenden ästhetisch und funktionell unbefriedigenden Oberkiefer-Frontzahnkronen erneuern zu lassen. Um das Maximum zu erreichen, wurde vom Behandlerteam eine provisorische Versorgung angestrebt. Die Vorteile dieser Vorgehensweise sind eine schrittweise Erarbeitung der ästhetischen und funktionellen Wünsche des Patienten. Durch die Eingliederung von PMMA-basierenden Langzeitprovisorien sollte sich zudem auch die entzündete Zahnfleischsituation verbessern.

Technische Planung

  • Abb. 1: PMMA-basierte Telio-CAD-Blöcke der Firma Ivoclar Vivadent.

  • Abb. 1: PMMA-basierte Telio-CAD-Blöcke der Firma Ivoclar Vivadent.
Die computergestützte Umsetzung der provisorischen Versorgung erfolgte mit den PMMA-basierten Telio-CAD-Rohlingen der Firma Ivoclar Vivadent. Dank der guten Transluzenz dieser Kunststoffblöcke wird trotz des einfarbigen Aufbaus eine sehr hohe Natürlichkeit mit zunehmenden transluzenten Eigenschaften im Schneidebereich erreicht, die durch eine entsprechende Oberflächenbearbeitung unterstützt wird (Abb. 1).

Für die Konstruktion mittels CAD (computer-aided design) sowie die Herstellung mit CAM (computer-aided manufacturing) stehen zur Verarbeitung der Telio- CAD-Blöcke im Moment das InLab-System der Firma Sirona sowie das NobelProcera-System der Firma Nobel Biocare zur Auswahl.

Technisches Vorgehen

  1. Digitalisieren der Modellsituation
  2. Konstruktion der Kronen 11 bis 13
  3. Konstruktion der Kronen 21 bis 23 über das Spiegeln der Situation

Nach dem Entfernen der bestehenden insuffizienten Kronen wurden die Zahnstümpfe vorsichtig nachfiniert und die Situation im Doppelmischverfahren abgeformt. Die hergestellten Gipsmodelle wurden nach arbiträrer Scharnierachse in den Artikulator eingestellt. In einem nachfolgenden Arbeitsschritt ging es an die Digitalisierung der Ausgangssituation.

  • Abb. 2: Virtuelle Konstruktion der temporären Versorgungen.

  • Abb. 2: Virtuelle Konstruktion der temporären Versorgungen.
Im vorliegenden Patientenfall wurde das InLab-System der Firma Sirona eingesetzt. Um die Kosten für die Patientin in Grenzen zu halten, wurde auf das Anfertigen eines manuellen Wax-ups verzichtet. Das Ziel war eine digital basierte Fertigung. Die vorhandenen Informationen über das Arbeitsmodell, das Gegenkiefermodell und die Kieferrelation wurden in die Software eingespielt (Abb. 2).

Wie auch bei anderen CAD/CAM-Systemen üblich, wurde als Erstes der Patientenfall angelegt. Aufgrund der Baugröße wurde die Konstruktion zum Herausfräsen auf zwei Kunststoffrohlinge aufgeteilt. In der Praxis bedeutet dies, dass in einer ersten Planungsumsetzung die Kunststoffkronen 11 bis 13 konstruiert werden. Nach deren virtueller Konstruktion wurden die Fertigungsdaten abgespeichert und die digitalen Kronen auf das virtuelle Arbeitsmodell geladen. In einem zweiten Schritt wurde dann die Herstellung der Zähne 21 bis 23 vorgenommen. Dazu konnte in diesem Fall über den Befehl „Konstruktion spiegeln“ sehr effizient gearbeitet werden.

Vor dem Herausfräsen konnte die „dublierte“ Seite dann noch im Detail nachgearbeitet werden. Die Kronen wurden unter Wasserkühlung aus dem PMMA-basierten Telio-CAD-Block herausgeschliffen. Die herausgeschliffenen Kronenrohlinge sind in der Abbildung 3 dargestellt.

  • Abb. 3: CAD/CAM-gestützte maschinell umgesetzte Kronen.
  • Abb. 4: Ausgearbeitete Telio-CAD-Kronen nach der CAM-Fertigung auf dem Gipsmodell.
  • Abb. 3: CAD/CAM-gestützte maschinell umgesetzte Kronen.
  • Abb. 4: Ausgearbeitete Telio-CAD-Kronen nach der CAM-Fertigung auf dem Gipsmodell.

Mit kreuzverzahnten Kunststofffräsen wurden die gefrästen Kronen ausgearbeitet und auf das Modell aufgepasst (Abb. 4). Sehr wichtig bei diesen homogenen, einfarbigen PMMA-Rohlingen ist die natürliche Gestaltung der Oberflächenstruktur. Durch deren Herausarbeitung werden ein bemerkenswertes Lichtspiel und eine hohe Natürlichkeit in dem Erscheinungsbild der Kronen erzielt.

Zur Erarbeitung der Form und der wichtigen Oberflächenstruktur eignet sich ein Texturpuder, das die Konturen der Kronen unabhängig von farblichen Differenzen darstellt. Mit entsprechender Kunststoffpolitur und einem Ziegenhaarbürstchen wurden die Kronen auf den gewünschten Glanzgrad aufpoliert (Abb. 5 u. 6).

  • Abb. 5: Die Oberflächenstruktur kann mithilfe von Silberpuder sehr detailliert herausgearbeitet werden.
  • Abb. 6: Übersichtsaufnahme der fertiggestellten Telio-CADKronen.
  • Abb. 5: Die Oberflächenstruktur kann mithilfe von Silberpuder sehr detailliert herausgearbeitet werden.
  • Abb. 6: Übersichtsaufnahme der fertiggestellten Telio-CADKronen.

Die Prothetik auf dem Modell zeigen die Abbildungen 7–11, die klinische Darstellung der fertig gestellten temporären Versorgung die Abbildungen 12 und 13. Das Zahnfleisch zeigt noch einen hohen Entzündungsgrad, der sich in den darauffolgenden Wochen komplett reduzierte.

  • Abb. 7: Die ausgearbeiteten Kronen aus inzisaler Ansicht.
  • Abb. 8: Die fertiggestellte Arbeit aus frontaler Sicht.
  • Abb. 7: Die ausgearbeiteten Kronen aus inzisaler Ansicht.
  • Abb. 8: Die fertiggestellte Arbeit aus frontaler Sicht.

  • Abb. 9: Aus lateraler Betrachtung stellt sich die Makro- und Mikrotextur der Kronenoberfläche deutlich dar.
  • Abb. 10: Aus lateraler Betrachtung stellt sich die Makro- und Mikrotextur der Kronenoberfläche deutlich dar.
  • Abb. 9: Aus lateraler Betrachtung stellt sich die Makro- und Mikrotextur der Kronenoberfläche deutlich dar.
  • Abb. 10: Aus lateraler Betrachtung stellt sich die Makro- und Mikrotextur der Kronenoberfläche deutlich dar.

  • Abb. 11: Der zur Schneide zunehmende transluzente Anteil wird allein durch den meißelförmigen Schneideverlauf erzeugt.
  • Abb. 12: Palatinalansicht der mit temporärem Befestigungsmaterial eingegliederten Kronen.
  • Abb. 11: Der zur Schneide zunehmende transluzente Anteil wird allein durch den meißelförmigen Schneideverlauf erzeugt.
  • Abb. 12: Palatinalansicht der mit temporärem Befestigungsmaterial eingegliederten Kronen.

  • Abb. 13: Labialansicht der eingegliederten Kronen. Die Gingiva weist noch einen hohen Entzündungsgrad auf, der in den nachfolgenden Wochen der provisorischen Phase komplett abklang.
  • Abb. 13: Labialansicht der eingegliederten Kronen. Die Gingiva weist noch einen hohen Entzündungsgrad auf, der in den nachfolgenden Wochen der provisorischen Phase komplett abklang.

Schlusswort

Mit der Einführung von CAD/CAM-gefertigten Hochleistungspolymeren sind qualitativ hochwertige temporäre Restaurationsmaterialien verfügbar, deren Einsatz zahlreiche wertvolle Informationen für die endgültige Versorgung liefert und damit ein Schlüsselelement eines Behandlungskonzeptes darstellt. Durch die Möglichkeiten der Modifikation und Feinjustierung kann das definitive Restaurationsziel unter Einbeziehung des Patienten schrittweise erarbeitet werden. 

Näheres zum Autor des Fachbeitrages: ZTM Björn Maier - Prof. Dr. Daniel Edelhoff

Bilder soweit nicht anders deklariert: ZTM Björn Maier , Prof. Dr. Daniel Edelhoff


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