Kronen/Brücken


Flugsicherheit und Zirkonoxid


Indizes: Zirkonoxidrohling, Kosten, Qualität, Sicherheit

Bei Urlaubs- oder Geschäftsflügen verlässt man sich darauf, dass die eingesetzten Komponenten und Ersatzteile umfangreich geprüft und freigegeben sind. Ein sicheres Gefühl, um seinen Zielort ohne Anspannung zu erreichen. Und was man für seine Flugreise erwartet, das muss doch erst recht für medizinische Produkte Gültigkeit haben. In der Zahnmedizin ist dies aktuell offenbar nicht unbedingt so. Denn neben den Angeboten der CAD/CAM-Systemanbieter tauchen auf dem Markt immer wieder preisaggressive Zirkonoxid-Angebote auf. Wie soll sich ein Dentallabor in dieser Situation verhalten? Klar: auf das Angebot der Systemanbieter zurückgreifen. Damit ist auch schon alles gesagt – und doch stellen sich drei berechtigte Fragen, die im Folgenden beantwortet werden.

1. Warum soll ein Labor Zirkonoxid nicht zu einem niedrigeren Preis erwerben wenn dies angeboten wird?

Preiswettbewerb im Allgemeinen gehört zum normalen Geschäftsalltag, schont den Geldbeutel des Kunden und bringt ihm damit einen nachvollziehbaren Nutzen. In unserem „privaten Leben“ nutzen wir dies gerne jeden Tag. Die Voraussetzung, dass dies funktioniert, liegt allerdings in der fairen Information über die Qualität. Einem Zirkonoxidrohling allerdings ist es nicht anzumerken, ob er aus einer Produktion mit stringenter Qualitätssicherung, angefangen beim Rohstoffabbau, stammt. Ob verschnittenes oder recyceltes Material eingesetzt wurde, sieht man dem Rohling nicht an. Zirkonoxid ist eben nicht gleich Zirkonoxid.

Der für zahnmedizinische Zwecke verwendete Werkstoff enthält außer der Hauptkomponente zirka fünf Prozent Yttriumoxid, weniger als zwei Prozent Hafniumoxid sowie zusammengenommen weniger als ein Prozent Aluminiumoxid und Siliciumdioxid. Die Nebenkomponenten spielen dabei eine wesentliche Rolle. Yttriumoxid beispielsweise sorgt für eine Stabilisierung der Struktur auf atomarer Ebene. Selbst der geringe Aluminiumoxidanteil hat eine entscheidende Funktion: Es macht die Gerüste langzeitstabil, indem es das Eindringen von Feuchtigkeit entlang der Korngrenzen (so genannte „Wasserkorrosion“) verhindert. Da Aluminiumoxid einen Trübungseffekt hervorruft, wird bei sehr transluzenter Zirkonoxidkeramik ein geringerer Anteil gewählt.

Vielleicht ist dem einen oder anderen aufgefallen, dass es „zirka“ fünf Prozent Yttriumoxid sind. Die geringen Schwankungen der Zusammensetzung führen bei werkstoffgerechter spanender Bearbeitung im vorgesinterten Zustand dazu, dass die eingesetzten Weißlinge von Charge zu Charge minimal unterschiedliche Schrumpfwerte beim abschließenden Sintern aufweisen. Daher muss im Barcode jedes Rohlings unter anderem der richtige Schrumpfwert codiert sein. Die bloßen geometrischen Abmessungen reichen zwar als Information für eine frästechnische Bearbeitung. Die gewünschte Passgenauigkeit jedoch wird allenfalls zufallsbedingt erreicht. In diesem Stadium merkt der Zahntechniker, dass er „unechtes“ Zirkonoxid eingesetzt hat, da nur der Systemanbieter seinen Werkstoff optimal auf sein System abstimmen kann.

2. Was soll an einem Zirkonoxidrohling verkehrt sein, der doch das Gütesiegel „CE“ trägt?

Zunächst einmal ist die CE-Kennzeichnung für ein Medizinprodukt, wie zum Beispiel einen Zirkonoxidrohling für CAD/CAM-Systeme, in Europa gesetzlich vorgeschrieben. Wenn sie fehlt, ist die Inverkehrbringung strafbar. Allerdings stellt die CE-Kennzeichnung kein Gütesiegel dar, sondern steht lediglich für die Einhaltung der grundlegenden Sicherheitsanforderungen gemäß den anwendbaren Richtlinien der Europäischen Gemeinschaft (CE = Communauté Européenne). Die Prüfung kann ein Hersteller in Eigenverantwortung vornehmen, also ohne eine behördliche oder anderweitige externe Kontrolle.

Ein Labor investiert seinerseits viel Zeit und Mühe in eine Zirkonoxidrestauration: Es beachtet die Kautelen peinlich genau, wie zum Beispiel eine verkleinerte anatomische Gerüstform, werkstoffgerechte Gerüstwandstärken, Verbinderstärken und Bearbeitung des gesinterten Gerüsts ausschließlich mit rotierenden wassergekühlten Instrumenten ohne kerbendes Schleifen der Verbinder mit der Trennscheibe - und ist idealerweise ein vom Systemanbieter geschulter Betrieb, wie zum Beispiel ein Cercon smart ceramics System-Anwender. So sollte das Labor auch von seinem Lieferanten, über die bloße CE-Kennzeichnung hinaus, eine lückenlose Rückverfolgbarkeit des gesamten Weges vom Rohstoff bis zum Rohling erwarten können. Zudem sollte die Qualität des verwendeten Materials durch zahlreiche einschlägige Studien in vitro und in vivo umfassend dokumentiert sein.

  • Abb. 1: Die beste Voraussetzungen: Wahl zwischen weißen und eingefärbten Gerüsten.
  • Abb 2: Langzeitstabil dank eines aufeinander abgestimmten und kontrollierten Vorgehens vom Rohstoff über die Rohlingsfertigung sowie die zahntechnische Verarbeitung bis in den Patientenmund: Cercon-Restauration in situ.
  • Abb. 1: Die beste Voraussetzungen: Wahl zwischen weißen und eingefärbten Gerüsten.
  • Abb 2: Langzeitstabil dank eines aufeinander abgestimmten und kontrollierten Vorgehens vom Rohstoff über die Rohlingsfertigung sowie die zahntechnische Verarbeitung bis in den Patientenmund: Cercon-Restauration in situ.

3. Wie verhalte ich mich als Labor gegenüber Angeboten metallfreier Restaurationen zu Dumping-Preisen?

Das Angebot von Restaurationen unterliegt natürlich der individuellen Kalkulation eines jeden Labors. Eine alltägliche Situation: Der Mitbewerber kann selbst preisaggresive Angebote vorlegen. Denn auch eine Billig-Zirkonoxid-Krone, in der keine Forschung und Entwicklung, kein klinisches Monitoring, keine laufende Dokumentation steckt und die mit keinerlei Möglichkeit zur technischen Beratung durch einen renommierten Hersteller verbunden ist, hat eine Qualität – allerdings ist die Frage: welche?

Unsere Eingangsbemerkung mag das verdeutlichen: Nur wenige Menschen würden auf die Idee kommen, in ein Flugzeug einzusteigen, in das Teile von ungeprüfter Herkunft und ohne Abstimmung auf das Gesamtsystem eingebaut sind. Nach dem Motto: Es wird schon gut gehen. Umso weniger dürfen sich Labor oder Praxis eine solche Sicherheitslücke dort erlauben, wo es in noch unmittelbarerer Form um die Gesundheit des Patienten geht. Dies lässt sich in einem Gespräch meist recht schnell deutlich machen. Der Vorteil eines Labors, das mit einem renommierten Zirkonoxid-Hersteller zusammenarbeitet, kann sich darüber hinaus in einer mehrjährigen Patientengarantie auf die entsprechende Restauration ausdrücken. Speziell bei der Diskussion mit dem Zahnarzt-Kunden dienen als starke Argumentationshilfe die einschlägigen Studienergebnisse in gut lesbarer Form1. Sie bieten unter anderem eine konkrete Hilfe bei der Indikationsstellung und zeigen auf, in welchen Bereichen das verwendete Zirkonoxid nach dem Stand der Wissenschaft als sicher angesehen werden kann.

Schlussfolgerung

Die Verwendung von Original-Zirkonoxid ist verfahrenstechnisch und klinisch angezeigt. Sie ist sogar ethisch gesehen die einzig mögliche Option, denn jede weniger sichere Werkstoffvariante sollte zum Wohle des Patienten ausgeschlossen werden. Wissenschaftliche Studien, eine transparente industrielle Produktionskette, die werkstoffgerechte labortechnische Verarbeitung – das sind sichere Voraussetzungen für den Erfolg einer Zirkonoxidrestauration. Das zahntechnische Labor kann die Chance nutzen, in diesem Sinne eine klare Position zu beziehen und sie offensiv nach außen zu vertreten. Dieses Vorgehen sichert den langfristigen Erfolg des Werkstoffs Zirkonoxid und sichert das Renommee des Labors und des Zahnarztes. Nicht zuletzt für den Patienten wird es auch ökonomisch die richtige Wahl sein.

 

Näheres zum Autor des Fachbeitrages: Jürgen Pohling

Bilder soweit nicht anders deklariert: Jürgen Pohling