Kronen/Brücken


Harmonisches Miteinander bei unterschiedlichen Indikationen


Indizes: Indikations- und Materialvielfalt, Planung, Modellherstellung,

Zirkondioxid, Veneers auf feuerfesten Stümpfen

Restaurationen in der ästhetisch sensiblen Zone fordern den Zahntechniker heraus. Das stetig steigende Angebot von Gerüst- und Verblendmaterialien sowie die hohen Erwartungen von Patient und Behandler erfordern viel Know-how im Umgang mit den Werkstoffen. Gerade bei unterschiedlichen Indikationen im Frontzahnbereich ist es eine Herausforderung, ein identisches Chroma und inzisales Feuer zu schaffen. Hinzu kommen die hohen Erwartungen bezüglich der Ästhetik in der roten Zone. Zahntechnikermeister Haristos Girinis zeigt, wie man in solchen Fällen vorgeht.

Unterschiedliche Indikationen sind immer eine große Herausforderung an das Behandlungsteam. Bei der Vorarbeit in der Praxis ebenso wie beim Ablaufprotokoll im Labor müssen viele „Rädchen“ sinnvoll ineinander greifen, damit das Resultat den Erwartungen des Patienten und nicht zuletzt auch den Ansprüchen des Teams gerecht wird. Die Zufriedenheit des Patienten steht jedoch immer an erster Stelle. Der folgende Fall zeigt das Ablaufprotokoll für eine Frontzahnrestauration mit drei Veneers in regio 12, 21 und 22 sowie einer Zirkondioxidkrone bei Zahn 11.

Wichtig: Wax-up und Mock-up

Als erstes entsteht eine Situationsabformung (Abb. 1). Auf dem daraus resultierenden Gipsmodell wird zunächst ein Wax-up erstellt (Abb. 2). Dabei wird bereits die Zahnform korrigiert beziehungsweise optimiert. Im Vorgespräch mit dem Patienten haben wir uns auf eine kombinierte Kronen- und Veneerversorgung geeinigt. So entstand anhand des Wax-up dann ein Mock-up. Dazu wurde ein Silikonwall über das Gipsmodell gezogen und im Mund mit dünnfließendem Kunststoff aufgefüllt. Damit erhält der Patient einen ersten optischen Eindruck. Zudem bietet das Mock-up auch gleichzeitig die Gelegenheit, Frontzahnlänge und –stellung zu kontrollieren. Somit dient das Mock-up auch als erste ästhetische und phonetische Einprobe. In dieser Phase ist es wichtig, auf die Patientenwünsche einzugehen, denn hier sammelt man wichtige Daten und Informationen für die definitive Restauration. Je genauer die Planung, desto sicherer erreicht man das Ziel. Zudem grenzen diese Parameter den Raum sinnvoll ein.

Präparation und Abformung

Ist der Patient mit dem Mock-up Vorschlag zufrieden, wird noch einmal ein Silikonwall darüber gezogen. Daraus entsteht die Präparationsschablone. Abbildung 3 zeigt die Situation vor der Präparation und dient als Vorgabe für die Farbe. Das ist gerade bei der Herstellung von Veneers eine wichtige Information, die man „einfrieren“ sollte. Anhand der Präparationsschablone erkennt man schnell, ob farblich und formbedingt gleiche Verhältnisse herrschen. Das erleichtert die Farb- und Formrekonstruktion beim Schichten. Somit können überall gleichmäßig dicke Anteile aufgetragen werden. Daraus ergibt sich eine farbliche Übereinstimmung und es muss nichts ausgeglichen werden. Abbildung 4 zeigt, dass sich der Behandler sehr genau an die Vorgaben gehalten und den Schleifer entlang der Schablone geführt hat, das ist echte Teamarbeit! Dann werden zwei Hydrocolloid- und eine Polyätherabformung genommen. Falls der Behandler nur einen Silikonabdruck abformen kann, sollte das Gipsmodell zunächst dubliert werden, denn man benötigt die Situation in dreifacher Ausführung: Ein Kontrollmodell sowie ein weiteres zur Herstellung der Stümpfe - und letztendlich müssen die Stümpfe in einem Gingivamodell reponiert werden.

  • Abb. 1: Situationsmodell.
  • Abb. 2: Das Wax-up.
  • Abb. 1: Situationsmodell.
  • Abb. 2: Das Wax-up.

  • Abb. 3: Die Situation vor der Präparation.
  • Abb. 4: Präpariert wird immer mit Präparationsschablone.
  • Abb. 3: Die Situation vor der Präparation.
  • Abb. 4: Präpariert wird immer mit Präparationsschablone.

Stumpf- und Modellherstellung

Nach der Abformung ergibt sich die Situation wie in Abbildung 5. Zahn 11 ist verstümmelt, wurde bereits mehrfach aufgebaut und bietet trotzdem wenig Retentionsfläche! Nachdem das Gipsmodell erstellt ist, werden die einzelnen Arbeitstümpfe mit einem konischen Wurzelanteil sowie einer mesialen und distalen Führungsrille plus einem appikalen Stopp herausgesägt (Abb. 6). Diese vier Stümpfe werden dann zunächst mit einem 1:1 Silikon dubliert und anschließend mit feuerfester Stumpfmasse ausgegossen. Jeder Stumpf wird konisch präpariert. Hierbei sollte man ihn wie ein rohes Ei behandeln. So entstehen vier Arbeitsstümpfe mit konischen Wurzelanteilen. Diese gilt es im Anschluss wieder als Zahnform zu verlängern beziehungsweise zu rekonstruieren. Bereits hier spielt die Morphologie eine große Rolle. Nun sollten die vier Stümpfe im appikalen Bereich mit einem Wachsdraht verlängert werden. Dazu werden sie isoliert und in der Silikonabformung reponiert (Abb. 7). Falls die Umschlagfalte zu dicht an den Gipsstümpfen liegt, sollte man die Silikonform ganz leicht zurückschneiden, damit das Gipsmodell eine gewisse Stabilität erhält. Anschließend sollte man beim Eingießen der Gipsmasse so leicht rütteln wie möglich.

Nun hat man ein Modell geschaffen, welches das komplette orale Umfeld aufzeigt: die rosa Zone, den gingivalen Verlauf und die Papillenspitzen usw. (Abb. 8). Das Modell wird dann von basal angetrimmt bis die Wachsdrähte sichtbar werden. Der Stumpf kann nun mit einem entsprechenden Instrument aus dem Sockel herausgedrückt werden. Somit erhalten wir ein Modell mit Zahnfächern beziehungsweise Alveolenhüllen, in denen der Zahn jederzeit exakt reponiert werden kann. Diese Art der Modellherstellung ent- und erhält sehr viel mehr Parameter als ein gewöhnliches Sägemodell. Darüber hinaus kann das Modell noch optimiert werden, indem man zum Beispiel mit einem Diamanten die interdentalen Dreiecke verschließt. Somit genügt es, die Keramik aufzulegen, den Rest der „Arbeit“ erledigt das Modell. Jetzt können die Stümpfe zurückgesetzt werden (Abb. 9).

  • Abb. 5: Zahn 11 bietet wenig Retentionsfläche.
  • Abb. 6: Die Arbeitstümpfe mit konischem Wurzelanteil, mesialer und distaler Führungsrille sowie appikalem Stopp.
  • Abb. 5: Zahn 11 bietet wenig Retentionsfläche.
  • Abb. 6: Die Arbeitstümpfe mit konischem Wurzelanteil, mesialer und distaler Führungsrille sowie appikalem Stopp.

  • Abb. 7: Die isolierten Arbeitsstümpfe werden in der Silikonabformung reponiert.
  • Abb. 8: Das Gipsmodell mit den Arbeitsstümpfen enthält wichtige Daten zum oralen Umfeld.
  • Abb. 7: Die isolierten Arbeitsstümpfe werden in der Silikonabformung reponiert.
  • Abb. 8: Das Gipsmodell mit den Arbeitsstümpfen enthält wichtige Daten zum oralen Umfeld.

Vom rohen Ei zum Datenträger

Die Dublierform der Stümpfe wird mit der feuerfesten Stumpfmasse Cosmotech Vest, GC (B-Leuven) ausgegossen. Diese sollte rund eine Stunde aushärten und wird anschließend im Vorwärmofen bei 1.000 Grad Celsius fünf Minuten entgast. Erst jetzt erhält der Stumpf seine endgültige Härte und ist bearbeitbar. Es
empfiehlt sich, die Präparationsgrenze mit einem feuerfesten Stift anzuzeichnen (Abb. 10). Die gehärteten Stümpfe sollten dann zunächst mindestens zehn Minuten in destilliertem Wasser gebadet werden, damit Sie nicht zu viel Schichtfeuchtigkeit „schlucken“. Erst wenn keine Bläschen mehr an die Wasseroberfläche aufsteigen, ist der Stumpf richtig getränkt.

  • Abb. 9: Das Modell wird optimiert.
  • Abb. 10: Die Präparationsgrenze wird mit einem feuerfesten Stift markiert.
  • Abb. 9: Das Modell wird optimiert.
  • Abb. 10: Die Präparationsgrenze wird mit einem feuerfesten Stift markiert.

  • Abb. 11: Die glasierten Veneerstümpfe auf dem Modell.
  • Abb. 12: Die gereinigte Zirkonkappe wird mit Stain-Liquid bepinselt.
  • Abb. 11: Die glasierten Veneerstümpfe auf dem Modell.
  • Abb. 12: Die gereinigte Zirkonkappe wird mit Stain-Liquid bepinselt.

  • Abb. 13: Fluoreszierende Schultermassen werden „aufgepudert“.
  • Abb. 14: Die aufgebrannte Fluoreszenz.
  • Abb. 13: Fluoreszierende Schultermassen werden „aufgepudert“.
  • Abb. 14: Die aufgebrannte Fluoreszenz.

  • Abb. 15: Die chromatisch fluoreszierende Kappe auf dem Modell.
  • Abb. 16: Flu-Kristalle überall.
  • Abb. 15: Die chromatisch fluoreszierende Kappe auf dem Modell.
  • Abb. 16: Flu-Kristalle überall.

Vorbereitungen zur Verblendung

Der Connectorauftrag geschieht meist mit Transpamasse Clear je nach Farbsituation. Im beschriebenen Fall sind die Veneer-Stümpfe nicht verfärbt, wohl aber der Stumpf unter der Zirkonkrone. Das stellt jedoch kein Problem dar, denn Zirkondioxid deckt Verfärbungen des Untergrundes relativ gut ab. Allerdings müssen Veneers und Zirkonkrone nun auf einen gemeinsamen farblichen Nenner gebracht werden (Abb. 11). Dazu trägt man zunächst einen Connector auf. Im inzisalen Teil handelte es hierbei um Schneide- und im inneren Bereich um Transpamasse neutral. Zu den Brennparametern bei feuerfesten Stümpfe ist folgendes zu beachten: Da der feuerfeste Stumpf rund 20 Grad „schluckt“, sollte man die Brenntemperatur entsprechend den Herstellerangaben 20 bis 30 Grad Celsius erhöhen. Dabei handelt es sich um einen ungefähren Richtwert, der eine optische Kontrolle einschließt. Wichtig: Der erste Connectorbrand erfolgt höher (970 Grad Celsius) als die darauf folgenden Brände, zum einen damit sich der Untergrund beim Brennvorgang nicht jedes Mal verändert und zum anderen verschließt dieser Brand die Oberfläche. Parallel dazu muss die eingefärbte Zirkonkappe für die keramische Verblendung vorbereitet werden. Da die Kappe meist mit einem leicht zu dicken Rand angeliefert wird muss sie im Labor optimiert werden. Das geschieht in jedem Fall unter dem Mikroskop. Zunächst mit einem grünen Steinchen für die groben Anteile und anschließend mit einem Gummirad für die Feinkorrektur. Die Kappe sollte so „stressfrei“ wie möglich bearbeitet und abgestrahlt werden. Danach erfolgt ein sogenannter Heilbrand bei 1.050 Grad Celsius 50 Minuten. Somit erhält man ein an der Oberfläche spannungsneutrales Käppchen, das nun vorbereitet ist zur Aufnahme der keramischen Massen.

Die inneren Werte

Immer wieder erweist sich die mangelnde Fluoreszenz der Zirkonkappe als ein ästhetisches Manko und muss nachgebessert werden. Um dem hohen Helligkeitswert entgegen zu wirken, arbeiten wir gerne mit eingefärbten Käppchen. Allerdings sollte der Großteil des Chromas über die Schichttechnik und die Massen gesteuert werden, denn erwünscht ist eine Farbangleichung mit den restlichen drei Veneers.

Fluoreszenz und Chroma werden von innen aufgebaut. Dazu trägt man Stain Liquid (Malfarbenflüssigkeit) auf, da diese mit ihrem öligen, klebrigen Charakter überall gleichmäßig haftet (Abb. 12). Anschließend werden die Überschüsse abgepustet, der Pinsel in das Döschen mit der fluoreszierenden Schultermasse eingetaucht und diese dann „aufgepudert“ (Abb. 13). Diese kristalline Oberfläche sorgt auch für die Reflexion innerhalb der Verblendung. Dasselbe geschieht bei den Veneers. Auch hier erzeugt man eine gleichmäßig kristalline Oberfläche. Trotz intensiver vorbereitender Maßnahmen erscheint die Stumpfgeometrie oft ungleichmäßig. Der erste Brand dient deshalb zunächst als Chromabrand zur Steuerung der Farbsättigung und, um die Stumpfgeometrie sowie das Schrumpfungsverhalten allgemein zu vereinheitlichen. Hier kommt einchromatisches Dentin zum Einsatz, welches in Form von kleinen Hörnchen aufgebaut wird. Der erste Brand erfolgt bei 920 Grad (Veneers) beziehungsweise 900 bis 930 Grad (Zirondioxidkrone) bei einer Haltezeit von zwei Minuten. Die Stumpfgeometrie, das heißt, die Verlängerung der Kappe und der Veneers mesial und distal ist nun weitgehend hergestellt - die Hörnchen bleiben (Abb. 14 bis 17).

Wichtige Datenbank: das orale Umfeld

Bevor man mit dem Auftragen der keramischen Massen beginnt, sollte man die Informationen des oralen Umfeldes genau betrachten. In unserem Fall haben wir mit den 2ern in Anlehnung an die Eckzähne begonnen. Inzisalmasse wird von palatinal platziert, und zwar genau dort, wo Sie vorher auch zu finden war. Danach stellt man den Approximalkontakt her und arbeitet die vorhandenen Informationen in die zu rekonstruierenden Anteile ein. So entsteht ein Schmelzplateau, in das von vestibulär die Dentinmassen aufgelegt werden. Diese Methode vermeidet die orovestibuläre Verschiebung der Massen. Und auf diese Weise lassen sich die Massen wesentlich gezielter hineinschwemmen, sodass ein gewachsener Eindruck entsteht. Zunächst wird ein Dentinkeil mittig auf dem Schmelzteller platziert. Dann ergänzt man von cervical mit Dentin 2,5 (eine Mischung aus A2 und A3) und im Bodybereich ein wenig mit A2 und A1, dünn auslaufend. Die sogenannten Marmelonstrukturen wurden mit Flu-Dentin bright angelegt. Die Schichtechnik erfolgte leicht mesialisierend in feinen Pinselstrichen. Das gibt Schwung und erzeugt Lebendigkeit. Nun kann das Dentin in einen Transpa-Mantel eingepackt werden.

  • Abb. 17: Kleine chromatische Hörnchen schaffen eine einheitliche Stumpfgeometrie.
  • Abb. 18: Nach dem chromatischen ersten Brand ist die Geometrie wiederhergestellt.
  • Abb. 17: Kleine chromatische Hörnchen schaffen eine einheitliche Stumpfgeometrie.
  • Abb. 18: Nach dem chromatischen ersten Brand ist die Geometrie wiederhergestellt.

  • Abb. 19: Fehlendes wird ergänzt und Vorhandenes übernommen.
  • Abb. 20: Schmelzteller mit chromatischem Untergrund.
  • Abb. 19: Fehlendes wird ergänzt und Vorhandenes übernommen.
  • Abb. 20: Schmelzteller mit chromatischem Untergrund.

  • Abb. 21: Dentistruktur wird in einen Transpa-Mantel eingepackt.
  • Abb. 22: Die Erweiterung des Mantels in einer bläulichen Inzisalmasse (aquamarin).
  • Abb. 21: Dentistruktur wird in einen Transpa-Mantel eingepackt.
  • Abb. 22: Die Erweiterung des Mantels in einer bläulichen Inzisalmasse (aquamarin).

  • Abb. 23: Gleichmäßige Schrumpfung nach dem ersten Brand.
  • Abb. 24: Licht im Approximalraum durch ein fluoreszierendes Dentin (bright).
  • Abb. 23: Gleichmäßige Schrumpfung nach dem ersten Brand.
  • Abb. 24: Licht im Approximalraum durch ein fluoreszierendes Dentin (bright).

Transparenz erzeugt Tiefenwirkung

Mit dem Auftrag des Transpa-Mantels erzeugen wir Tiefe und Dreidimensionaliät im kompletten Bereich des Zahnes. Zudem werden damit auch die eingelegten Effekte sichtbar. Je nach Transluzenzgrad oder Farbe (gelblich, orange oder blau) des Zahnes wird eine entsprechende transparente Masse verwendet. Im unserem Fall haben wir das Dentin in eine neutrale transparente Masse „eingepackt“ und mit Schmelzmasse komplettiert (Abb. 21). Die Stümpfe werden nun aus dem Modell genommen, approximal mit entsprechender Dentin- und bläulicher transparenter Masse vervollständigt (Abb. 22). Die Zirkondioxidkrone wird bei 900 Grad Celsius, die Veneers werden bei 930 Grad Celsius gebrannt. Dabei sollte man unbedingt die Aufheizrate für die Zirkondioxidkeramik beachten. Der Hersteller gibt 45 Grad Celsius pro Minute an. Es ist jedoch empfehlenswert, auf 30 bis 35 Grad Celsius pro Minute zu gehen.

Abbildung 23 zeigt die gleichmäßige Schrumpfung nach dem ersten Brand. Man muss nicht mehr reduzieren, sondern kann sofort mit dem inzisalen Schmelzauftrag beginnen, das spart Zeit. Zunächst wird die interdentale Verschlussleiste aufgetragen (Abb. 24). Dazu nutzen wir das Gipsmodell. Jetzt wird die Form mit unterschiedlichen Schmelzmassen ergänzt. Hierzu erstellt man einen Rahmen, das heißt, man beginnt mesial mit einer inzisalen Wechselschichtung. Dieser inzisale Rahmen wird komplettiert und anschließend können kleine Effekte wie Schmelzrisse eingelegt werden, indem man eine kleine Kerbe mit dem Pinsel in die Masse einstreicht und etwas Flu-Dentin bright hinein schwemmt. Das funktioniert allerdings nur, wenn die Massen feucht gehalten werden. Arbeitet man zu trocken, erhält man einen Zwiebelschaleneffekt, denn die Strukturen können nicht ineinander fließen. Um den Riss sichtbar zu machen, sollte man eine transparente Masse darüber und daneben legen. Ein Torsionsband quer über den Zahn aus opalen Inzisalmassen rundet die Schichtung ab (Abb. 25 bis 28).

Zahnform, Morphologie und Funktion

Nach dem Brand wird erstmals geschliffen und die anatomische Form optimiert. In die planen Flächen werden nun die Konkavitäten und Konvexitäten hineingearbeitet. Damit wir der Morphologie gerecht werden (chromatisch sind wir auf der sicheren Seite) übernehmen wir die Informationen der Eckzähne. Ebenso sollte man das Emergenzprofil sowie die Lichtleisten (Line angle) definieren und entsprechend kontourieren, denn diese bestimmen die optische Breite des Zahnes. Der Approximalkontakt bleibt erhalten, es entsteht eine Approximalfläche beziehungsweise ein Approximalsteg. Das inzisale Dreieck entsteht, indem man den inzisalen Bereich des distalen Flügels bis zum Approximalkontakt aufzieht (Abb. 29 bis 33).

  • Abb. 25: Es beginnt der Inzisalaufbau.
  • Abb. 26: Inzisale Wechselschichtung.
  • Abb. 25: Es beginnt der Inzisalaufbau.
  • Abb. 26: Inzisale Wechselschichtung.

  • Abb. 27: Auch der inzisale Bereich weist Individualitäten auf…
  • Abb. 28: … umso erhabener, umso opaleszierender.
  • Abb. 27: Auch der inzisale Bereich weist Individualitäten auf…
  • Abb. 28: … umso erhabener, umso opaleszierender.

  • Abb. 29: Gebranntes Ergebnis.
  • Abb. 30: Die Oberfläche wird neutralisiert.
  • Abb. 29: Gebranntes Ergebnis.
  • Abb. 30: Die Oberfläche wird neutralisiert.

  • Abb. 31: Vorhandene Informationen werden auf die Restauration übertragen.
  • Abb. 32: Weiß ist die Vestibulärfläche, rot ist der Line angle, und blau ist die approximale Fläche.
  • Abb. 31: Vorhandene Informationen werden auf die Restauration übertragen.
  • Abb. 32: Weiß ist die Vestibulärfläche, rot ist der Line angle, und blau ist die approximale Fläche.

  • Abb. 33: Das inzisale Dreieck entsteht, indem man den inzisalen Bereich des distalen Flügels bis zum Approximalkontakt aufzieht.
  • Abb. 34: Die distocervikale und die mesioinzisale Flucht verstärken die Torsion.
  • Abb. 33: Das inzisale Dreieck entsteht, indem man den inzisalen Bereich des distalen Flügels bis zum Approximalkontakt aufzieht.
  • Abb. 34: Die distocervikale und die mesioinzisale Flucht verstärken die Torsion.

  • Abb. 35: Perikymatien ziehen nun ihre Kreise.
  • Abb. 36: Form follows function.
  • Abb. 35: Perikymatien ziehen nun ihre Kreise.
  • Abb. 36: Form follows function.

  • Abb. 37: Ein funktioneller Inzisalkantenverlauf.
  • Abb. 38: Die Oberfläche nach dem modifizierten Glanzbrand.
  • Abb. 37: Ein funktioneller Inzisalkantenverlauf.
  • Abb. 38: Die Oberfläche nach dem modifizierten Glanzbrand.

  • Abb. 39: Die Struktur ist vorhanden, doch der gewünschte Glanzgrad noch nicht erreicht.
  • Abb. 40: Mit Texturpuder kann die Oberfläche sichtbar gemacht werden.
  • Abb. 39: Die Struktur ist vorhanden, doch der gewünschte Glanzgrad noch nicht erreicht.
  • Abb. 40: Mit Texturpuder kann die Oberfläche sichtbar gemacht werden.

  • Abb. 41: Der Glanzgrad nach der manuellen Politur.
  • Abb. 42: Erarbeitetes ist vollständig erhalten.
  • Abb. 41: Der Glanzgrad nach der manuellen Politur.
  • Abb. 42: Erarbeitetes ist vollständig erhalten.

  • Abb. 43: Bite-X zur Kontrolle der Passung.
  • Abb. 44: Die Keramikteile werden auf die Originalstümpfe zurückgesetzt.
  • Abb. 43: Bite-X zur Kontrolle der Passung.
  • Abb. 44: Die Keramikteile werden auf die Originalstümpfe zurückgesetzt.

Jetzt beginnen wir den Zahn zu rekonstruieren und verleihen ihm eine stark strukturierte Form und Oberfläche. Anschließend nehmen wir ihn unter funktionalen Aspekten so weit zurück bis wir an unserem ästhetischen Ziel angelangt sind, denn Ästhetik ergibt sich aus der Funktion. Zunächst werden die distalen Einziehungen eingearbeitet, das hebt die Torsion hervor. Danach werden kleine Wachstumsrillen, sogenannte Perikymatien hineingearbeitet: beginnend von inzisal in kleinen Bögen in immer größere Verläufe mündend bis in den mittleren Bereich. Dort verlaufen die Linien relativ gerade und gehen dann wieder in cervicale Bögen über. Das zeichnen wir an und arbeiten diese Rillen mit einem kleinem Stein TC 4/4F (Shofu Dental, Ratingen) mit 5.000 Umdrehungen pro Minute aus. Danach wird die Oberfläche mit einem Schmirgelkoni (1.000 bis 5.000 Umdrehungen pro Minute) geschmirgelt. Die erhabenen Anteile, wie zum Beispiel die Leisten, werden mit einem Gummirad abgezogen, bis sie leicht zu glänzen beginnen. Das schafft einen hohen Reflexionsgrad an den äußeren Kanten, hebt die optische Breite hervor und lässt sie trotz ihrer Rundungen und Wölbungen markant erscheinen.

Sind die optischen Marker gesetzt werden die Arbeitsschritte hinsichtlich der Funktion im Artikulator überprüft: Protrusion, Laterotrusion, Okklusion. Anschließend kürzt man die inzisalen Flächen unter funktionalen Aspekten und zieht die Funktionsbahnen nach. Damit verändern sich auch die Schneidekanten. So entsteht ein inzisales Muster, das Stück für Stück eingearbeitet wird (Abb. 34 bis 37).

Die hohe Kunst des Glänzens

Sobald die funktionellen Arbeitsschritte abgeschlossen sind, geht man zum modifizierten Glanzbrand über. Wir verwenden keine Glasurmasse, damit sich die sorgsam eingearbeiteten Strukturen nicht verschließen. Wir streben eine „eigenverschlossene“ Oberfläche an, die wir mit einem moderaten Glanzbrand und unterschiedlichen Politurschritten erzielen (Abb. 38 und 39). Dazu poliert man die Kronen zunächst mit einem abgearbeiteten schwarzen Bürstchen und einem Bims- / Wasser- / Flüssigpoliermittel- Gemisch leicht vor. Das Bimsmehl sollte eine mittlere bis feine Körnung aufweisen. Insbesondere die Perikymatien können damit sehr gut ausgearbeitet werden. Anschließend werden die Teile kurz im Ultraschallbad gereinigt und sauber abgedampft. Die Oberfläche weist nun einen leicht vorpolierten Effekt auf, ist aber noch rau und kann deshalb mit Stain-Liquid bepinselt werden. Das visualisiert die Schichttechnik, die Internas und insbesondere die Stellen, welche noch farbliche Defizite aufweisen. Diese finden sich meist im Randbereich. Dann werden die Kronen bei 870 Grad Celsius, die Veneers bei 900 Grad Celsius mit einer Haltezeit von einer Sekunde gebrannt. Die Oberfläche verschließt sich dabei ganz von selbst, die Strukturen bleiben jedoch erhalten. Jetzt werden die Quer- und Längsrillen am Poliermotor herausgearbeitet, diesmal mit einer Ziegenhaarbüste und dem bewährten Poliermittelgemisch. So können wir den Glanzgrad individuell nach dem oralen Umfeld einstellen. Je älter die Zähne, umso glatter sind sie. Der Hochglanz wird mit einer Schwabbel bei 1.500 Umdrehungen erzeugt. Wieder arbeitet man sich von grob nach fein. Nun poliert man mit einer Schwabbel bei 1.500 Umdrehungen pro Minute auf Hochglanz. Je länger man die Fläche bearbeitet, desto höher der Glanzgrad. Die erhabenen Stellen werden somit glatt und in den tiefer gelegenen Stellen bleiben die Strukturen erhalten, altersgerecht und dem oralen Umfeld angepasst (Abb. 40 bis 42).

  • Abb. 45: Approximalkontakte und Randbereiche werden auf dem ungesägten Modell überprüft.
  • Abb. 46: Das harmonische Miteinander…
  • Abb. 45: Approximalkontakte und Randbereiche werden auf dem ungesägten Modell überprüft.
  • Abb. 46: Das harmonische Miteinander…

  • Abb. 47: … von Schichttechnik, Morphologie und Oberfläche.
  • Abb. 48: Die Restauration in situ.
  • Abb. 47: … von Schichttechnik, Morphologie und Oberfläche.
  • Abb. 48: Die Restauration in situ.

Die Stunde der Wahrheit

Zum Finish der Veneers wird die feuerfeste Stumpfmasse mit Glasperlen abgestrahlt. Meist werden überstehende Ränder sichtbar, die sich leicht unter dem Mikroskop entfernen lassen. Die eingangs dublierte Silikonform wird nun noch einmal mit Gips ausgegossen. Daraus entstehen Arbeitsstümpfe beziehungsweise Kontrollstümpfe, um die Passung der Veneers zu kontrollieren. Vorher sollte man die Stümpfe jedoch mit Lupe (Yeti) isolieren und mit Bite-X Paste (Tanaka Dental) eingepinselt werden. Sobald alle Teile passen, können die Veneers und die Krone auf das Originalmodell umgesetzt und die Approximalkontakte eingeschliffen werden (Abb. 43 bis 45).

Nun werden die Restaurationen zum Einsetzen vorbereitet. Dazu werden sie mit Gel angeätzt, abgewaschen, danach im Ultraschall in einem kleinen Döschen mit Alkohol zwei Mal fünf Minuten gereinigt und anschließend abgedampft. Zeitgleich sollten die Zähne im Mund konditioniert werden. Nach dem Silanisieren sind die Veneers bereit zum Eingliedern. Das Ergebnis zeigt die nahezu perfekte Symbiose mit dem oralen Umfeld. Die farbliche Angleichung der Keramiken an die unterschiedlichen Indikationen ist harmonisch gelungen. Damit entspricht die Arbeit sowohl den Erwartungen von Patient und Behandler als auch unserem eigenen Anspruch an eine ästhetische Rekonstruktion (Abb. 46 bis 49).


VERWENDETE MATERIALIEN

Gips:
Fuji Rock white, GC (B-Leuven)
Abformsilikon:
P2 Heraeus Kulzer (Hanau)
Knetsilikon:
Fifty-Fifty, Klasse 4 (Augsburg)
Feuerfeste Stumpfmasse:
Cosmotech Vest , GC (B-Leuven)
Zirkondioxidkappe:
Rübeling & Klar (Berlin)
Verblendmaterialien Veneers:
Reflex®, Wieland Dental+Technik (Pforzheim)
Verblendmaterialien Zirkondioxid:
Zirox®, Wieland Dental+Technik (Pforzheim)
Schleifwerkzeuge:
Dura Green® TC4/TC4F, Shofu Dental (Ratingen)
Silberpuder:
Majesthetik Texturpuder, Picodent
(Wipperfürth)
Aufpasspaste:
Bite-X, Tanaka Dental

Näheres zum Autor des Fachbeitrages: ZTM Haristos Girinis

Bilder soweit nicht anders deklariert: ZTM Haristos Girinis


Vom 30.11. bis  07. 12.2020 können Sie im Online-Shop von DENTAURUM Angebote entdecken und sparen. 

Profitieren Sie zusätzlich von 16% MwSt.! 

Hier geht's zum Shop

Besuchen Sie uns doch mal auf unserer Facebookseite! Wir freuen uns über jeden Like und sind gespannt auf Anregungen, Kommentare, Kritik und Ideen für neue Themen!

Hier geht's direkt zur Seite