Kronen/Brücken

CAD/CAM, PMMA, Langzeitprovisorium, Planung, Ästhetik

Hochleistungspolymere – Werkstoffe mit Potenzial Teil 1


Die CAD/CAM Technologie ist inzwischen aus dem dentalen Umfeld nicht mehr wegzudenken. Dieser digitalisierte Fertigungsablauf, der anfänglich durch den Werkstoff Zirkoniumdioxid angetrieben war, hat inzwischen ein wesentlich größeres Ausmaß angenommen. NEM-basierende Stegkonstruktionen können dank der CAD/ CAM-Technologie ohne aufkommende Spannungen hergestellt werden. Interessant ist in diesem Zusammenhang auch die Entwicklung der kunststoffbasierenden Komponenten. Dank der CAD/CAM Technologie ist es möglich, industriell vorgefertigte Kunststoffblöcke mit sehr guten physikalischen Materialeigenschaften weiter zu verarbeiten. Man spricht bei diesen Materialien auch von PMMA-basierenden Hochleistungspolymeren. Diese neue Generation der Kunststoffe erhält momentan eine enorm große Nachfrage zur temporären Versorgung von Defekten.

 

 

 

 

Der Einsatz temporärer Versorgungen ist ein wichtiger Arbeitsschritt im Rahmen indirekter restaurativer sowie interdisziplinärer Behandlungskonzepte. Sie dienen traditionell dem Schutz der beschliffenen Zahnhartsubstanzen und der Pulpa sowie der Stabilisation der Zahnposition. Zudem sind sie für den Erhalt oder die Rekonstruktion der Kaufunktion, der Phonetik und des ästhetischen Erscheinungsbildes unverzichtbar (Abb. 1 bis 6). Grundsätzlich werden nach dem Herstellungsmodus direkte, indirekte-direkte (Eierschalenprovisorium) und indirekte temporäre Restaurationen unterschieden.

  • Abb. 1: Provisorische Versorgung einer Totalsanierung.
  • Abb. 2: Klassische Ausgangssituation vor Therapiebeginn.
  • Abb. 1: Provisorische Versorgung einer Totalsanierung.
  • Abb. 2: Klassische Ausgangssituation vor Therapiebeginn.

  • Abb. 3: Herausgefräste Repositionsonlays zur Anhebung der vertikalen Dimension.
  • Abb. 4: Fertig ausgearbeitete Repositionsonlays.
  • Abb. 3: Herausgefräste Repositionsonlays zur Anhebung der vertikalen Dimension.
  • Abb. 4: Fertig ausgearbeitete Repositionsonlays.

  • Abb. 5: Aus einer PMMA-Ronde herausgefräste Kunststoffprovisorien.
  • Abb. 6: CAD/CAM gefertigte provisorische Implantatversorgung.
  • Abb. 5: Aus einer PMMA-Ronde herausgefräste Kunststoffprovisorien.
  • Abb. 6: CAD/CAM gefertigte provisorische Implantatversorgung.

Auf der Grundlage der durch den Herstellungsprozess bedingten Unterschiede in den Materialqualitäten werden verschiedene Tragedauern für die jeweiligen temporären Restaurationen empfohlen. Sie reichen von ein bis drei Monaten für die direkte Technik, bis zu 6 Monaten für die Eierschalenprovisorien und bis zu zwei Jahren für die indirekte Technik.

Die indirekte temporäre Restauration

Indirekte temporäre Restaurationen werden traditionell für einen längerfristigen Einsatz laborgefertigt und waren bis vor kurzem vor allem für die Brückentechnik durch ein Gerüstmaterial aus Metalllegierung oder Glasfasern verstärkt.Mittlerweile werden von zahlreichen Herstellern Hochleistungspolymere auf der Basis von hochvernetzten PMMA-Kunststoffen oder von Kompositen für die CAD/CAM-Bearbeitung angeboten, die zurzeit weltweit ein außergewöhnliches Interesse erfahren. Bedingt durch die industrielle Fertigung zeigen diese temporären Restaurationen aus Hochleistungspolymeren gegenüber solchen aus direkter Herstellung überlegene Materialeigenschaften, durch die zahlreiche neue Behandlungsmöglichkeiten eröffnet werden.

Dazu gehören zeitlich ausgedehnte Vorbehandlungsphasen, die es unter Einsatz modifizierbarer temporärer Restaurationen erlauben, dem Patienten und dem Behandlungsteam einen zahntechnisch erstellten ersten Restaurationsentwurf nach ästhetischen, kaufunktionellen und phonetischen Gesichtspunkten langfristig klinisch zu überprüfen. In diese Vorbehandlungsphase können parodontologische Vorbehandlungen, der Aufbau endodontisch behandelter Zähne sowie eine genauere Evaluierung der Pfeilerqualität integriert werden. Sind Konstruktionsänderungen erforderlich, sind sie in der Vorbehandlungsphase aufgrund der einfachen Veränderbarkeit temporärer Restaurationen noch kostengünstig umzusetzen. Unterfütterbahre und modifizierbare temporäre Restaurationen eignen sich zur Feineinstellung von Zahnform und Stellung nach ästhetischen, phonetischen und okklusalen Gesichtspunkten sowie zur Festlegung der definitiven Lage der Präparationsgrenze (Abb. 7 bis 9).

  • Abb. 7: Durch ein entsprechendes Herausarbeiten der Oberflächenstruktur kann auch mit einfarbigen PMMA-Kronen ein hohes Maß an Natürlichkeit erreicht werden.
  • Abb. 8: Non-Okklusion im Seitenzahnbereich.
  • Abb. 7: Durch ein entsprechendes Herausarbeiten der Oberflächenstruktur kann auch mit einfarbigen PMMA-Kronen ein hohes Maß an Natürlichkeit erreicht werden.
  • Abb. 8: Non-Okklusion im Seitenzahnbereich.

  • Abb. 9: Therapie mit Repositionsonlays.
  • Abb. 9: Therapie mit Repositionsonlays.

Auch Maßnahmen zur Augmentation und Konditionierung des Weichgewebes lassen sich in diese Behandlungsphase integrieren. Aus funktionstherapeutischer Sicht besteht der Wunsch, eine erfolgreiche reversible Positionierungstherapie mit Okklusionsschiene, wie sie bei einer Rekonstruktion der Vertikaldimension erforderlich wird, möglichst atraumatisch in ein dimensionsstabiles Langzeitprovisorium zu überführen. Insbesondere bei umfangreichen Farb-, Formund Stellungskorrekturen in der ästhetischen Zone sind längere Vorbehandlungsphasen unverzichtbar, da wichtige Einflussfaktoren wie die Lippenposition und –dynamik bei der Festlegung der Lachlinie labortechnisch nicht hinreichend beurteilt werden können. Die temporäre Restauration stellt somit während dieses Behandlungsabschnittes das zentrale Kommunikationsmedium zwischen dem Patienten, dem Zahnarzt und dem Zahntechniker dar.

Die auf dem Markt befindlichen Hochleistungspolymere

Vorzüge gegenüber direkt hergestellten temporären Versorgungen:

  • Günstige CAD/CAM-Verarbeitungseigenschaften
  • Höhere Homogenität
  • Kaum Restmonomergehalt
  • Höhere Festigkeit und geringere Festigkeitsstreuung
  • Verbesserte Biokompatibilität • Reduzierter Verschleiß • Gute Langzeitstabilität
  • Keine Polymerisationsschrumpfung

Bei den Polymeren zur CAD/CAM-Fertigung können momentan anhand ihrer Anwendung drei verschiedene Gruppen unterschieden werden:

1. Glasfaserfreie Hochleistungspolymere für vollanatomische Restaurationen

2. Keramik- und glasfaserverstärkte Hochleistungspolymere

3. Fräsbare Wachsrohlinge zum Gießen und Pressen

1. Glasfaserfreie Hochleistungspolymere für vollanatomische Restaurationen

1.1 artegral ImCrown (Merz Dental GmbH,Lütjenburg)

1.2 artbloc Temp (Merz Dental GmbH,Lütjenburg)

1.3 Telio CAD-temp (Ivoclar Vivadent GmbH,Ellwangen)

1.4 Vita CAD-temp (Vita Zahnfabrik H. Rauter GmbH & Co. KG, Bad Säckingen)

1.5 Zeno PMMA (Wieland Dental + Technik GmbH & Co. KG, Pforzheim)

1.6 Polycone ae – PMMA (Straumann GmbH, Freiburg)

1.7 BeCe Temp (BEGO Bremer Goldschlägerei Wilh. Herbst GmbH & Co. KG, Bremen)

1.8 BIOtec CP (TEAMZIEREIS GmbH, Engelsbrand)

1.9 New Outline CAT (Anaxdent GmbH, Stuttgart)

1.10 Cara PMMA (Heraeus Kulzer GmbH, Hanau)

1.11 Cercon base PMMA (DeguDent GmbH,Hanau)

1.12 Quattro Disc Eco PMMA (Goldquadrat GmbH, Hannover)

artegral ImCrown

Das Unternehmen Merz Dental hat mit dem Block artegral ImCrown einen Rohling für die CAD/CAM Bearbeitung entwickelt, der als so genanntes Halbzeug gestaltet ist. Die Außenkontur des Rohlings entspricht bereits der anatomischen Form eines Frontzahnes, während aus dem inneren Volumen des Zahnes die Form des Zahnstumpfes herausgeschliffen wird (Abb. 10 und 11).

  • Abb. 10: artecral ImCrown von Merz Dental.
  • Abb. 11: artecral ImCrown von Merz Dental.
  • Abb. 10: artecral ImCrown von Merz Dental.
  • Abb. 11: artecral ImCrown von Merz Dental.

Die Rohlinge weisen eine natürliche Dentin Schneide Schichtung auf, so dass ein ästhetisch sehr ansprechendes Ergebnis erzielt werden kann. Die Blöcke artegral ImCrown können mit dem CAD/CAM System inLab der Firma Sirona verarbeitet werden. Es stehen fünf verschiedene Blockgrößen zur Verfügung: XS, S, M, L, XL. Die CAD-Konstruktion bedarf einer gewissen Übung, da sowohl die Größe als auch die Form und die Achsrichtung in allen drei Raumdimensionen verändert werden können. Der Schleifvorgang dauert je nach Größe zwischen fünfzehn und zwanzig Minuten. Nach der maschinellen Bearbeitung werden auf dem Meistermodell die approximalen und okklusalen Kontaktpunkte überprüft. Die labiale Oberfläche wird situationsbezogen noch überarbeitet und dann aufpoliert. Auf Grund der Oberflächengüte (auf Grund des hohen Vernetzungsgrades) der industriell gefertigten Halbzeuge wird ein hoher Glanzgrad erreicht, der einer keramischen Restauration ähnelt. Artegral ImCrown besteht aus dem Hochleistungswerkstoff IPN (Interpenetriertes Polymer Netzwerk). IPN ist ein ungefüllter Kunststoff auf PMMA-Basis mit stark vernetzter Makromolekularstruktur. Dieser wird unter industriellen Bedingungen bei circa 10 Tonnen Druck gepresst und bei 120 Grad Celsius polymerisiert. Die klinische Anwendung dieser Technik ist vor allem bei Vorliegen unsicherer Weichgewebssituationen für die ästhetisch anspruchsvolle Zone geeignet. So kann die Gingiva nach Eingliederung, z.B. nach paradontalchirurgischen Eingriffen, abheilen und die definitive Versorgung nach dem Abheilen in stabilen, kalkulierbaren Verhältnissen erfolgen. Die Bearbeitung erfolgt mit dem Cerec und InLab System der Firma Sirona.

Indikationen:

  • provisorische sowie temporäre Langzeitversorgung
  • Versorgung bei längeren Abheilungsphasen, beispielsweise nach Implantation
  • Versorgung zur Weichgewebskonditionierung
  • Versorgung bei Frontzahntraumata, z.B. Sportunfällen
  • Form- und Stellungskorrekturen

Technische Daten:

  • Biegefestigkeit 83,4 MPa

Kontakt: Merz Dental GmbH; www.merz-dental.de 

1.2 artbloc Temp

Das OMP-Netzwerk (Organisches Modifiziertes Polymer Netzwerk) ist ein innovativer, mehrkomponentiger organischer Werkstoff aus hochvernetztem, interpenetriertem PMMA mit einer hohen Dichte und Abrasionsfestigkeit sowie einem innigen Verbund zu PMMAKunststoffen.

  • Abb. 12: Der artbloc Temp von Merz Dental.

  • Abb. 12: Der artbloc Temp von Merz Dental.
Es basiert auf unterschiedlichen PMMAMakromolekühlkomponenten mit Pigmenten für die Zahnfarbe, jedoch ohne weitere anorganische Zusätze. Kleine, im Nano-Bereich vernetzte Makromolekühle gewährleisten eine hohe Dichte und besetzen im chemischen Verbund die Zwischenräume zwischen größeren Polymerperlen. Weitere Makromolekülkomponenten erhalten wiederum kleine Polymereinheiten, die einwirkende Kräfte in viele kleine Kraftkomponenten zerlegen und damit eine hohe mechanische Widerstandsfähigkeit bei gleichzeitiger Elastizität erzeugen. Mit festen, strukturierten Makromolekülkomponenten wird durch eine spezifische Polyreaktionsphase zum einen ein weiteres dreidimensionales Netzwerk gebildet und zum anderen eine Verfestigung des mehrkomponentigen organischen Werkstoffs erreicht (Abb. 12). Rohlinge des artbloc Temp werden in den Vita classic Farben angeboten. Verarbeitet werden können die Blöcke mit dem Cerec und inLab System. Das Material weist eine höchst zufrieden stellende Ästhetik auf.

Indikationen:

  • temporäre Versorgung mit Einzelkronen
  • temporäre Versorgung mit Teilrestaurationen
  • temporäre Versorgung mit Brücken
  • Sofortversorgung von Implantaten

Technische Daten:

  • Biegefestigkeit 93 MPa
  • Elastizitätsmodul 2.680 MPa
  • Frei von anorganischen Füllstoffen

Kontakt: Merz Dental GmbH; www.merz-dental.de

1.3 Telio CAD-temp

Beim Telio CAD Block handelt es sich um einen Block aus Polymethylmethacrylat (PMMA), aus dem mittels CAD/CAM-Technologie sowohl Einzelzähne als auch ein- oder mehrgliedrige vollanatomische Restaurationen für Provisorien geschliffen werden können. Mit dem Block können Restaurationen sowohl im Labor (labside) als auch direkt beim Zahnarzt (chairside) gefertigt werden. Mittels zusätzlicher Schichtmassen und Malfarben können ästhetische Optimierungen vorgenommen werden. Die bisherigen klinischen Erfahrungen für Telio CAD sind sehr gut und belegen die Eignung des Materials. Die Handlingseigenschaften überzeugen Zahntechniker als auch Zahnärzte. Die Schleifbarkeit und die Polierbarkeit der Restaurationen aus Telio CAD wurden als sehr gut bewertet, ebenso die ästhetischen Eigenschaften und Modifikationsmöglichkeiten (Abb. 13 bis 16).

  • Abb. 13: Telio CAD Blöcke von Ivoclar Vivadent.
  • Abb. 14: Provisorische Totalsanierung mit Telio CAD.
  • Abb. 13: Telio CAD Blöcke von Ivoclar Vivadent.
  • Abb. 14: Provisorische Totalsanierung mit Telio CAD.

  • Abb. 15: Provisorische Totalsanierung mit Telio CAD.
  • Abb. 16: Repositionsonlays mit Telio CAD.
  • Abb. 15: Provisorische Totalsanierung mit Telio CAD.
  • Abb. 16: Repositionsonlays mit Telio CAD.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Telio CAD in seinem bisherigen klinischen Einsatz durchwegs positiv bewertet wird. Für einen erfolgreichen klinischen Einsatz und zur Vermeidung vorzeitiger Retentionsverluste ist jedoch Folgendes zu beachten: Neben einer retentiven Gestaltung der Präparation hängt die zuverlässige Befestigung der Telio CAD-Restauration mit einem provisorischen Zement (z.B. Telio CS Link) von der Passgenauigkeit ab. Diese Passgenauigkeit ist vom CAD/CAM-Schleifsystem abhängig. Außerdem sind bei Langzeitprovisorien, d.h. bei einer Tragedauer von mehr als 4 Wochen, regelmäßige Kontrollen und Nachuntersuchungen erforderlich, um die Restauration gegebenenfalls zu rezementieren. Prüfkörper aus Telio CAD wurden auf Zytotoxizität und Mutagenität untersucht. Im XTT-Test auf Zytotoxizität ergab sich kein zytotoxisches Potential, im AMES-Test wurde keine mutagene Wirkung festgestellt. Die Ergebnisse beider Tests zeigen, dass Telio CAD weder zytotoxisch noch mutagen ist und bei bestimmungsgemäßer Anwendung, die in der Gebrauchsinformation bzw. den jeweiligen Verarbeitungsanleitungen beschrieben ist, kein toxikologisches Risiko darstellt. Verarbeitet werden können die Telio CAD-Blöcke mit dem Procera System der Firma Nobel Biocare, sowie mit dem Cerec und In- Lab System der Firma Sirona.

Indikationen:

  • temporäre Versorgung mit Einzelkronen
  • temporäre Versorgung mit Teilrestaurationen
  • temporäre Versorgung mit bis zu 4-gliedrigen Brücken
  • Sofortversorgung von Implantaten

Technische Daten:

  • Biegefestigkeit 130 MPa
  • Elastizitätsmodul 3.200 MPa

Kontakt: Ivoclar Vivadent GmbH; www.ivoclarvivadent.de

1.4 Vita CAD-temp

Die Vita CAD-temp bestehen aus einem faserfreien, homogenen, hochmolekularen und vernetzten Acrylatpolymer mit Mikropartikelfüllstoff. Dieser Werkstoff wird als MRP Material (MRP = Microfiller Reinforced Polyacrylic) bezeichnet. Bei diesem durch die Firma Vita entwickelten Kunststoffmaterial werden anorganische Mikrofüllstoffe (14 Gew.-%) in das Netzwerk einpolymerisiert und durch ein Nachpressverfahren wird ein homogenes, methylmetacrylatfreies Material geschaffen. Diese Tatsache bewirkt, dass die Blöcke Vita CAD-Temp sehr gute Materialeigenschaften – insbesondere eine gute Polierbarkeit und eine hohe Abrasionsfestigkeit – aufweisen. Blöcke aus dem Material Vita CAD-Temp sind für die Herstellung von voll- und teilanatomischen Kronen- und Brückenkonstruktionen mit bis zu zwei Zwischengliedern geeignet. Sie werden in vier verschiedenen Vita System 3D Master Farben angeboten. Die Vita CAD-Temp gefrästen Rohlinge können mit dem lichthärtenden Mikropartikel-Composite Vita VM LC individualisiert werden. Besonders im Frontzahnbereich kann durch die Reduktion des Dentinkerns und das individuelle Aufschichten des Schneideanteils ein großes Maß an Natürlichkeit erreicht werden (Abb. 17 und 18). Zur Verarbeitung des Materials stehen das KaVo Everest System, sowie das Cerec und InLab System der Firma Sirona zur Verfügung.

  • Abb. 17: Provisorische Kronen aus Vita CAD-temp.
  • Abb. 18: Einfarbiger Vita CAD-temp Rohling.
  • Abb. 17: Provisorische Kronen aus Vita CAD-temp.
  • Abb. 18: Einfarbiger Vita CAD-temp Rohling.

Indikationen:

  • voll-und teilanatomische Kronen-und Brückenprovisorien bis zu zwei Zwischengliedern
  • Langzeitprovisorien in der Implantologie

Technische Daten:

  • Biegefestigkeit 80 MPa
  • Elastizitätsmodul 2.800 MPa
  • Anorganischer Füllstoffanteil 14 % (Gewichtsprozent)

Kontakt: VITA Zahnfabrik H. Rauter GmbH & Co. KG; www.vita-zahnfabrik.com

1.5 Zeno PMMA

Zeno PMMA ist ein hochwertiges Material, das zur direkten Herstellung von Kronen und Brücken (bis zu zwei Glieder) als Langzeitprovisorien dient. Das Material wird in den zahnähnlichen Farben A3 und B1 angeboten und weist eine natürliche Transluzenz auf. Darüber hinaus zeigt der Werkstoff aufgrund seines homogenen Gefüges eine sehr geringe Plaqueaffinität. ZENO PMMA ist äußerst wirtschaftlich zu bearbeiten, da durch die in der Konstruktionssoftware Dental Designer hinterlegten Kauflächen und die natürliche Transluzenz eine nachträgliche Verblendung meist nicht mehr notwendig ist (Abb. 19 bis 21). Verarbeitet werden können die Zeno PMMA Ronden mit allen Zenotec Maschinen der Firma Wieland.

  • Abb. 19: Herausfräsen einer Wieland Zeno PMMA Krone.
  • Abb. 20: Herausgefräste Wieland Zeno PMMA Kronen.
  • Abb. 19: Herausfräsen einer Wieland Zeno PMMA Krone.
  • Abb. 20: Herausgefräste Wieland Zeno PMMA Kronen.

  • Abb. 21: Auf Implantataufbauten verklebte provisorische Kronen, zur gezielten Ausformung des Parodont.
  • Abb. 21: Auf Implantataufbauten verklebte provisorische Kronen, zur gezielten Ausformung des Parodont.

Indikationen:

  • provisorische Einzelkronen
  • provisorische Brücken (im Seitenzahnbereich bis zu zwei Zwischenglieder)
  • Langzeitprovisorien in der Implantologie

Technische Daten:

  • Biegefestigkeit 97 MPa
  • Zugfestigkeit 80 MPa
  • Dehngrenze 60 MPa

Kontakt: WIELAND Dental + Technik GmbH & Co. KG; www.wieland-dental.de

1.6 polycone ae – PMMA

Die Firma Straumann bietet mit polycone ae einen Acrylat-Kunststoff auf PMMA-Basis mit so genanntem IPN (stark vernetztes, interpenetriertes Polymernetzwerk) an. Dieser Werkstoff weist eine hohe Festigkeit und gute Abrasionswerte auf. Dadurch ist er für die Bearbeitung von Zahnersatz durch Fräsen, wie beispielsweise die Herstellung provisorischer Kronen- und Brückenrestaurationen im Front- und Seitenzahnbereich, besonders geeignet. Die Materialeigenschaften von polycone ae bleiben durch die CAM-Bearbeitung der industriell hergestellten Kunststoffrohlinge erhalten. Das Material ist in der Zahnfarbe B1 erhältlich. Für die Nachbearbeitung der im CAD/ CAM-Verfahren gefrästen Restaurationen sind kunststoffgeeignete, kreuzverzahnte Hartmetall-Fräsen zu empfehlen. Dabei ist eine maximale Drehzahl von 20000 U/min zu beachten, um eine Verschmierung zu vermeiden. Während des Ausarbeitens ist eine starke Wärmeentwicklung zu vermeiden, um Passungsungsungenauigkeiten ausschließen zu können (Abb. 22 und 23). Verarbeitet wird der polycone ae Werkstoff mit dem CAD/CAM-System der Firma Straumann.

  • Abb. 22: Ein aus polycone ae hergestelltes Kunststoffgerüst zur individuellen Verblendung.
  • Abb. 23: Eine aus polycone ae hergestellte povisorische Krone.
  • Abb. 22: Ein aus polycone ae hergestelltes Kunststoffgerüst zur individuellen Verblendung.
  • Abb. 23: Eine aus polycone ae hergestellte povisorische Krone.

Indikationen:

  • provisorische Einzelkronen im Front- und Seitenzahnbereich
  • provisorische Brücken mit maximal einem Zwischenglied

Technische Daten:

  • Dichte 1,19 g/cm3
  • Biegefestigkeit 83 MPa
  • Löslichkeit 0,2 ?g/mm3

Kontakt: Straumann GmbH; www.straumann.de

1.7 BeCe Temp

BeCe Temp ist ein eingefärbter Kunststoff auf PMMA Basis zur Herstellung temporärer präprothetischer Kronen und Brückenversorgungen im CAD/CAM Verfahren. Die speziellen Polymere ergeben in hochvernetzter Form eine hohe Bruchfestigkeit bei gleichzeitig glatter und somit plaqueresistenter Oberfläche, die ein zuverlässiges Weichgewebsmanagement – insbesondere bei Implantatversorgungen – sicherstellt. BeCe Temp ist sowohl für den Front- als auch den Seitenzahnbereich geeignet. BeCe Temp ist ein hochvernetztes Polymethylmethacrylat (PMMA). Enthalten sind zusätzlich vernetzte Copolymere der Methacrylsäure, Farbstoffe und Restperoxyd. Methylmethacrylat kann als Restmonomer bis max. 2 % enthalten sein. BeCe Temp ist als langzeitprovisorischer Zahnersatz für eine maximale Tragedauer von 6 Monaten vorgesehen. Es zeichnet sich durch eine gute Polierbarkeit und Abrasions-beständigkeit aus (Abb. 24 und 25). BeCe Temp wird mit dem CAD/CAM System der Firma Bego verarbeitet.

  • Abb. 24: Aus BeCe Temp hergestellte provisorische Brücken.
  • Abb. 25: 14-gliedriges Provisorium aus BeCe Temp.
  • Abb. 24: Aus BeCe Temp hergestellte provisorische Brücken.
  • Abb. 25: 14-gliedriges Provisorium aus BeCe Temp.

Indikationen:

  • provisorische Einzelkronen im Front- und Seitenzahnbereich
  • provisorische Brücken mit maximal zwei Zwischengliedern

Technische Daten:

  • Dichte 1,19 g/cm3
  • Biegefestigkeit 91,5 MPa
  • Löslichkeit 0,2 ?g/mm3

Kontakt: Bremer Goldschlägerei Wilh. Herbst GmbH & Co. KG; www.bego.com

1.8 BIOtec CP

BIOtec CP Blanks basieren auf der Materialtechnik hochverträglicher Thermoplaste, die auch für den dauerhaften Einsatz in der Mundhöhle indiziert sind, mit geringer Feuchtigkeitsaufnahme, ohne unangenehme Geruchsbildungen, ausgestattet mit einer hohen Dauerbiegefestigkeit ohne Bruchgefahr und versehen mit einem hohen Tragekomfort und einer perfekten Gewebeverträglichkeit. Dank dieser Herstellungsmethode handelt es sich hierbei um einen Werkstoff, der frei von toxischen Stoffen wie z.B. Monomeren ist, die bei Chemoplasten gewöhnlich als Katalysator benötigt werden (Abb. 26 und 27).

  • Abb. 26: BIOtec CP Ronde der Firma Team Ziereis.
  • Abb. 27: Die BIOtec CP Ronden werden in mehreren Farben nach dem Vita Classic System angeboten.
  • Abb. 26: BIOtec CP Ronde der Firma Team Ziereis.
  • Abb. 27: Die BIOtec CP Ronden werden in mehreren Farben nach dem Vita Classic System angeboten.

Indikationen:

  • provisorische und definitive Einzelzahnkronen im Front- und Seitenzahnbereich
  • provisorische und definitive Brücken mit maximal einem Zwischenglied
  • Sekundärteile von Teleskoparbeiten

Kontakt: TEAMZIEREIS GmbH; www.teamziereis.de

1.9 New Outline CAT

Die Anaxdent PMMA Kunststoff-Blanks sind zur provisorischen Kronen- und Brückenrekonstruktion geeignet. In der Regel bleibt diese Versorgung zwischen drei und zwölf Monaten im Mund. Die PMMA Kunststoff-Blanks sind von ihren Eigenschaften her ungefährlich. Sie werden im auspolymerisierten Zustand angeliefert. Die Handhabung dieses Produktes darf nur durch geschultes Personal vorgenommen werden. Jeglicher Kontakt mit Feuchtigkeit ist zu vermeiden, ebenso Staubbildung und Staubablagerung bei der Bearbeitung. Für eine ausreichende Belüftung und eine geeignete Absaugung ist zu sorgen. Die Restaurationen können mit NewOutline oder auch mit anaxblend unterfüttert und verblendet werden. Zum Einsetzen der provisorischen Restauration empfehlen sich eugenolfreie temporäre Zemente (Abb. 28 bis 30). New Outline CAT kann mit dem Organical System der Firma Rübeling & Klar oder dem offenen Zeno System der Firma Wieland verarbeitet werden.

  • Abb. 28: Provisorische Versorgung mit dem New Outline CAT der Firma Anaxdent.
  • Abb. 29: Brücken, Kronen und Repositions Onlays aus New Outline CAT der Firma Anaxdent.
  • Abb. 28: Provisorische Versorgung mit dem New Outline CAT der Firma Anaxdent.
  • Abb. 29: Brücken, Kronen und Repositions Onlays aus New Outline CAT der Firma Anaxdent.

  • Abb. 30: Auf Hochglanz polierte provisorische Brückenkonstruktion.
  • Abb. 30: Auf Hochglanz polierte provisorische Brückenkonstruktion.

Indikationen:

  • provisorische Front- und Seitenzahnkronen
  • provisorische Brücken mit bis zu zwei Zwischengliedern

Technische Daten:

  • Dichte 1,14 g/cm3
  • Zugfestigkeit 85 MPa

Kontakt: Anaxdent GmbH; www.anaxdent.com

1.10 Cara PMMA

Die Firma Heraeus bietet mit dem Cara PMMA einen Methylmetacrylat basierenden Kunststoff an, der durch seine industrielle Fertigung eine hohe Festigkeit und gute Abrasionswerte aufweist. Wie die Cara-Restaurationen aus Zirkoniumdioxid zeichnen sich auch die gefrästen Kunststoffrestaurationen durch ein hohes Maß an Präzision und glatten Oberflächen aus. Die Nacharbeit beschränkt sich damit auf das Aufpolieren des Kunststoffes. Der in der Farbe Vita A3,5 angebotene Hochleistungspolymer eignet sich für die Herstellung provisorischer Kronen- und Brückenrestaurationen im Front- und Seitenzahnbereich. Die Materialeigenschaften von Cara PMMA Halbzeugen bleibt durch die CAM-Bearbeitung der industriell hergestellten Kunststoffrohlinge erhalten (Abb. 31 bis 33). Für die Nachbearbeitung der im CAD/ CAM-Verfahren gefrästen Restaurationen sind kunststoffgeeignete, kreuzverzahnte Hartmetall-Fräsen zu empfehlen. Dabei ist eine maximale Drehzahl von 20.000 U/min zu beachten und während des Ausarbeitens ist eine starke Wärmeentwicklung zu vermeiden.

  • Abb. 31: Mit dem Cara System der Firma Heraeus gefertigte Repositionsonlays.
  • Abb. 32: CAD-Konstruktion mit dem Cara System der Firma Heraeus.
  • Abb. 31: Mit dem Cara System der Firma Heraeus gefertigte Repositionsonlays.
  • Abb. 32: CAD-Konstruktion mit dem Cara System der Firma Heraeus.

  • Abb. 33: Ausgearbeitete PMMA Provisorien aus Hochleistungspolymer von basal.
  • Abb. 33: Ausgearbeitete PMMA Provisorien aus Hochleistungspolymer von basal.

Indikationen:

  • provisorische Front- und Seitenzahnkrone
  • provisorische Brücken mit bis zu zwei Zwischengliedern

Technische Daten:

  • Dichte 1,19 g/cm³

Kontakt: Heraeus Kulzer GmbH; www.heraeus-dental.de

1.11 Cercon base PMMA

Cercon base PMMA sind Rohlinge aus Polymethylmetacrylat und vernetzten Copolymeren der Metacrylsäure. Sie dienen der Herstellung von Provisorien für Kronen- und Brückengerüste für festsitzende prothetische Rehabilitationen. Eine Tragedauer von 6 Monaten soll laut Hersteller nicht überschritten werden. Die mit der Cercon brain Expert gefrästen Kronenrohlinge können mit kreuzverzahnten Hartmetallfräsen und Discs ausgearbeitet werden. Um Passungenauigkeiten nach der Gerüstherstellung zu vermeiden, soll wahrend des Ausarbeitens und Polierens starke Wärmeentwicklung vermieden werden. Cercon base PMMA Kronen können nicht individuell verblendet werden (Abb. 34 und 35).

  • Abb. 34: Cercon Blanks.
  • Abb. 35: Gefrästes Cercon Gerüst.
  • Abb. 34: Cercon Blanks.
  • Abb. 35: Gefrästes Cercon Gerüst.

Indikationen:

  • provisorische Front-und Seitenzahnkronen
  • mehrgliedrige Brücken bis 16 Zahneinheiten (mit einem Zwischenglied zwischen den Pfeilerkronen)

Technische Daten:

  • Dichte: 1,19 g/cm3
  • Löslichkeit: ? 7,5 ?g/mm3
  • Biegefestigkeit? 65 MPa
  • Wasseraufnahme: ? 40 ?g/mm3
  • Biegemodul: ? 2.000 MPa

Kontakt: DeguDent GmbH; www.degudent.de

1.12 Quattro Disc Eco PMMA

Bei dem Quattro Disc Eco PMMA handelt es sich um einen Rohling aus vernetztem Polymethylmethacrylat (PMMA), aus dem mittels CAD/CAM Technologie sowohl Einzelzähne als auch ein- oder zweigliedrige vollanatomische Restaurationen für Provisorien geschliffen werden können.

  • Abb. 36: Die Quattro Disc Eco PMMA von der Firma Goldquadrat wird in den Farben A2, A3 und B1 angeboten.

  • Abb. 36: Die Quattro Disc Eco PMMA von der Firma Goldquadrat wird in den Farben A2, A3 und B1 angeboten.
Mit den Blanks können Restaurationen im Labor hergestellt werden. Mittels handelsüblicher Schichtmassen und Malfarben können ästhetische Optimierungen vorgenommen werden (Abb. 36). Die bisherigen klinischen Erfahrungen für Quattro Disc Eco PMMA sind sehr gut und belegen die Eignung des Materials. Die Schleifbarkeit und die Polierbarkeit der Restaurationen kann mit handelsüblichen kreuzverzahnten Kunststofffräsen sowie dazugehörigen Polierpasten und weichen Bürsten durchgeführt werden. Das Material ist auf eine maximale intraorale Tragedauer von 6 Monaten freigegeben.

Indikationen:

  • temporäre Versorgung mit Einzelkronen
  • temporäre Versorgung mit Teilrestaurationen
  • temporäre Versorgung mit viergliedrigen Brücken

Technische Daten: 

  • Biegefestigkeit 114 MPa
  • Elastizitätsmodul 2.771 MPa
  • Vickershärte 26,60 HV

Kontakt: GOLDQUADRAT GmbH; www.goldquadrat.de

Im zweiten Teil des Beitrages stellt ZTM Björn Maier glasfaserverstärkte Hochleistungspolymere sowie fräsbare Wachsrohlinge für die CAD/CAM-Bearbeitung vor.

 

Näheres zum Autor des Fachbeitrages: ZTM Björn Maier

Bilder soweit nicht anders deklariert: ZTM Björn Maier



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