Kronen/Brücken

Indices: Ästhetische Planung, Photodokumentation, Wachsup, Farbwahl, Schichtung

Kein Erfolg ohne Planung!


Das gestiegene ästhetische Bewusstsein der Patienten und die damit höhere Erwartungshaltung an Zahnarzt und Zahntechniker erfordern Behandlungskonzepte und zahntechnische Verfahrensweisen mit vorhersagbarem und reproduzierbarem Ergebnis. Analyse, Planung und Umsetzung werden im folgenden Artikel im Detail erläutert.

Eine mangelhafte ästhetische Frontzahnrekonstruktion war die Ausgangsbasis für eine neue Oberkiefer Rekonstruktion. Die vorhandene vollkeramische Versorgung war ca. 5 Jahre alt und sollte erneuert werden. Die Patientin konnte mit großer Genauigkeit Mängel und Veränderungswünsche formulieren. Ganz oben auf dieser Liste stand der Wunsch nach einer helleren Zahnfarbe und nach einer Harmonisierung hinsichtlich der Formgestaltung. Die ursprüngliche Versorgung wurde in der Zahnfarbe Vita A2 gefertigt. Die neuen Verblendungen sollten in der Noritake NW 0,5 angefertigt werden. Einer Neuanfertigung einer solchen Restauration muss eine eingehende ästhetische und funktionelle Planung vorausgehen. Die Vorgehensweise möchte ich im ersten Teil des Artikels erläutern.

Ästhetische Planung

Die Grundlage der ästhetischen Planung ist immer die Bestimmung des Ist-Zustandes. Hierfür eignet sich - neben Situationsmodellen - die digitale Fotografie hervorragend. Die Anfertigung und Übermittlung der Fotos ist schnell und kostengünstig. Die Abbildungen 1 bis 3 zeigen die Ausgangsituation. Diese Aufnahmen wurden aus verschiedenen Blickwinkeln in verschiedenen Perspektiven durchgeführt. Hierbei ist zu beachten, dass Aufnahmen in direkter frontaler Perspektive zum Fotoobjekt durchgeführt werden. Durch Veränderung des Aufnahmewinkels kommt es zur Veränderung in der ästhetischen Wirkung einer Restauration. So verfälscht ein Foto von oberhalb den Verlauf der Okklusionsebene (Abb. 2). Die Okklusionsebene wirkt rund und geschwungen im Frontzahngebiet.

  • Abb. 1: Situation vor Behandlungsbeginn – frontale Perspektive.
  • Abb. 2: Aufnahmeposition von oberhalb.
  • Abb. 1: Situation vor Behandlungsbeginn – frontale Perspektive.
  • Abb. 2: Aufnahmeposition von oberhalb.

  • Abb. 3: Aufnahme in statischer Situation.
  • Abb. 4: Modellmontage im Artikulator.
  • Abb. 3: Aufnahme in statischer Situation.
  • Abb. 4: Modellmontage im Artikulator.

Dagegen zeigt Abbildung 3 einen unharmonischen Verlauf der Okklusionsebene im Frontzahnbereich. Als alleinige Ausgangsbasis für eine ästhetische und funktionelle Planung sind Fotos demnach nicht ausreichend. Diagnostische Modelle und ein diagnostisches Wachsup sind unverzichtbare Planungsmittel. Die Modelle müssen schädelbezogen im Artikulator montiert sein. Wichtig ist hierfür die entprechende Ausrichtung des Gesichtsbogens nach Bipupillarlinie, Camperscher Ebene bzw. Frankfurter Horizontale oder gegebenenfalls die Patientenhorizontale - je nach verwendetem System (Abb. 4).

  • Abb. 5: Ausgangsbasis für die ästhetische Planung am Modell.

  • Abb. 5: Ausgangsbasis für die ästhetische Planung am Modell.
Die Modelle zeigen die sehr quadratische Form der oberen Inzisiven (Abb. 5). Die Patientin äußerte den Wunsch nach einer Harmonisierung der Zahnform: „Die neuen Zähne sollten weiblicher aussehen“. Als Orientierung für den Zahntechniker legte die Patientin ein Cover eines Modemagazins vor. Klar konnte man im Gespräch mit der Patientin feststellen, dass Sie eine genaue Vorstellung von ihren neuen Zähnen hatte. Diese habe ich bei der Anfertigung des Wachsups versucht umzusetzen.

Als wichtige Orientierung für meine Restaurationen verwende ich dieses in Abbildungen 6 und 7 dargestellte Schema. Sie dienen mir zur ästhetischen Beurteilung und enthalten viele Informationen, die es bei der Planung und Umsetzung einer solchen Restauration zu beachten gilt. Die weiße Linie zeigt den korrekten Gingivaverlauf (Abb. 6). Unterschiede ergeben sich häufig durch Stellungsanomalien, Rezessionen und falsch konturiertem Zahnersatz. Ein unharmonischer Verlauf wird häufig als störend empfunden. Bei der Gestaltung einer Oberkieferfront ist auf eine gleichmäßige, harmonische zervikale Länge der Frontzähne - insbesondere der beiden mittleren Incisiven - zu achten. Eine Asymmetrie im Bereich der seitlichen Schneidezähne und Eckzähne wird hingegen als weniger störend empfunden. Der Zahntechniker kann durch die Ausformung des Pontics und des Überganges von Kronenrand zur Gingiva gezielt die Zahnlage beeinflussen. Die rote Linie zeigt den Verlauf der Papillenspitzen. Ihre Form und Höhe richtet sich nach den interdentalen Kontaktbereichen - hier grün dargestellt. Häufig muss gerade bei verkürzten Papillen die Entstehung von „schwarzen Dreiecken“ durch geschicktes Schließen mit Keramik vermieden werden. Die Lage der Kontaktpunkte steigt von den mittleren Schneidezähnen bis zu den Eckzähnen apikalwärts an (Abb. 6). Daraus resultiert eine unterschiedliche Größe der interdentalen Dreiecke; in Abbildung 6 blau dargestellt. Die Größe der interdentalen Dreiecke nimmt zu den Eckzähnen an Tiefe und Weite zu.

  • Abb. 6: Der Verlauf der Gingiva und der Papillenspitzen. Die Lage der Kontaktpunkte ist Grün dargestellt. Die interdentalen Dreiecke sind mit Blau dargestellt.
  • Abb. 7: Die Zahnachsen und die gingivalen Scheitelpunkte.
  • Abb. 6: Der Verlauf der Gingiva und der Papillenspitzen. Die Lage der Kontaktpunkte ist Grün dargestellt. Die interdentalen Dreiecke sind mit Blau dargestellt.
  • Abb. 7: Die Zahnachsen und die gingivalen Scheitelpunkte.

Die Zahnachsen der Oberkieferfrontzähne sind im Idealfall nach mesial geneigt (Abb. 7). Während die Neigung bei den mittleren Inzisiven fast senkrecht ist, nimmt sie nach distal hin zu. Minimale Abweichungen von der idealen Zahnachse werden bei den mittleren Schneidezähnen als störend empfunden. Hingegen hat man bei den seitlichen Schneidezähnen einen größeren Gestaltungsspielraum. Die gingivalen Scheitelpunkte befinden sich leicht distal von der Zahnmitte - in Abbildung 7 blau dargestellt.

Das Wachsup

Das Wachsup ist unter Berücksichtigung einer vorhergegangenen ästhetischen Analyse angefertigt worden. Um hier rationell und schnell zu arbeiten verwende ich die Architekt Wachsfacetten. Diese Facetten gibt es in unterschiedlicher Größe und Form (Abb. 8 bis 12).

  • Abb. 8: Oberkiefer Wachsup.
  • Abb. 9: Die verwendeten Wachsfacetten – Architekt Wachs von Smile Line.
  • Abb. 8: Oberkiefer Wachsup.
  • Abb. 9: Die verwendeten Wachsfacetten – Architekt Wachs von Smile Line.

  • Abb. 10: Wachsup von linkslateral.
  • Abb. 11: Wachsup von rechtslateral.
  • Abb. 10: Wachsup von linkslateral.
  • Abb. 11: Wachsup von rechtslateral.

  • Abb. 12: Das Wachsup unter Berücksichtigung der ästhetischen Analyse.
  • Abb. 12: Das Wachsup unter Berücksichtigung der ästhetischen Analyse.

Farbwahl

Die Patientin äußerte den Wunsch nach einer helleren Zahnfarbe. Das Grundsortiment der Noritake CZR enthält die zwei Bleachingfarben NW 0,5 und NW 0 (Abb. 13 und 14). Wir entschieden uns für die Farbe NW 0,5. Der Farbton NW 0 hat einen höheren Helligkeitswert. Speziell für Patienten, welche noch hellere Kronen haben möchten, wurde das Noritake Esthetic White Kit entwickelt (Abb. 15). Ursprünglich für den amerikanischen Markt vorgesehen, ist es jetzt auch in Deutschland über die Firma Goldquadrat erhältlich. Mit diesem Set ist es möglich, auch das hellste Hollywoodlächeln zu erschaffen.

  • Abb. 13: Noritake Shade Guide.
  • Abb. 14: Noritake Bleachingfarben und die Noritake NP Farben mit etwas höherem Pinkanteil.
  • Abb. 13: Noritake Shade Guide.
  • Abb. 14: Noritake Bleachingfarben und die Noritake NP Farben mit etwas höherem Pinkanteil.

  • Abb. 15: Noritake Esthetic White Kit.
  • Abb. 16: Vergleich der hellsten Zahnfarben mit dem Noritake Esthetic White Kit.
  • Abb. 15: Noritake Esthetic White Kit.
  • Abb. 16: Vergleich der hellsten Zahnfarben mit dem Noritake Esthetic White Kit.

  • Abb. 17: Die vorbereiteten Gerüste zur Verblendung.
  • Abb. 17: Die vorbereiteten Gerüste zur Verblendung.

Abbildung 16 zeigt die Noritake Bleachingfarben im Vergleich zu den klassischen Vitafarben. Leicht zu erkennen ist der extreme Helligkeitswert der EW 00. Die Bleachingfarben sind sowohl für die Metallkeramik Noritake EX-3 als auch für die Zirkonkeramik Noritake CZR erhältlich. In Abbildung 17 sieht man die zum Verblenden vorbereiteten Gerüste. Im Molarenbereich wurde bewusst auf hochgoldhaltige Gerüste geachtet.

Fluoreszenz

In natürlichen Zähnen entsteht Fluoreszenz im Dentin. Der natürliche Zahnschmelz zeigt hingegen weniger Fluoreszenz (Abb. 18). Abgebildet sind Zahnschnitte unter UV Licht. Deutlich sieht man die Verteilung der Fluoreszenz. Zirkoniumdioxid als Gerüstmaterial für unsere Verblendungen weist diese Eigenschaft nicht auf (Abb. 19).

  • Abb. 18: Zahnschnitte unter UV-Licht.
  • Abb. 19: Zirkoniumdioxid unter UV Licht.
  • Abb. 18: Zahnschnitte unter UV-Licht.
  • Abb. 19: Zirkoniumdioxid unter UV Licht.

Aus diesem Grund verwenden wir fluoreszierende Verblendmaterialien. Mit Hilfe der neuen IS Fluoround Shade Base Stain Massen lässt sich die Fluoreszenz in den Verblendungen steuern (Abb. 20). Die neuen IS Fluoromassen lassen sich direkt auf das Gerüst auftragen oder gezielt in eine Masse einmischen (Abb. 21 und 22).

  • Abb. 20: Die neuen Noritake Fluoromassen.
  • Abb. 21: Auftragen des Linerbrandes.
  • Abb. 20: Die neuen Noritake Fluoromassen.
  • Abb. 21: Auftragen des Linerbrandes.

  • Abb. 22: Das Ergebnis des Linerbrandes. Deutlich sieht man die gestiegene Fluoreszenz.
  • Abb. 22: Das Ergebnis des Linerbrandes. Deutlich sieht man die gestiegene Fluoreszenz.

Schichtung

Die Schichtung wird in den folgenden Aufnahmen kurz erläutert. Die Abbildung 23 zeigt den geschichteten Dentinkern. Anschließend wird ein Cutback durchgeführt und Platz für Enamel und Lustermassen geschaffen. Hier habe ich Mamelonstrukturen mit Mamelon 1 nachgebildet (Abb. 24).

  • Abb. 23: Der komplette Dentinaufbau.
  • Abb. 24: Anschließendes Cutback und Auftragen der Mamelonmassen.
  • Abb. 23: Der komplette Dentinaufbau.
  • Abb. 24: Anschließendes Cutback und Auftragen der Mamelonmassen.

Die Enamelmassen werden bei dieser Keramik sehr reduziert verwendet und haben den Charakter einer Effektmasse. Es wird ein Band aus Enamelmassen E1 im incisalen Drittel der Verblendung aufgetragen. Die Enamelmassen erzeugen einen diffusen Verlauf und verwischen den Dentinkern (Abb. 25). Anschließend erfolgt der erste Dentinbrand. Das Ergebnis wird anhand von Silikonschlüsseln des Wachsups überprüft (Abb. 26). Auf einen möglichen Internal Stainbrand zur Charakterisierung habe ich verzichtet.

  • Abb. 25: Auftragen der Enamelmassen.
  • Abb. 26: Kontrolle der Zahnform nach dem ersten Brand.
  • Abb. 25: Auftragen der Enamelmassen.
  • Abb. 26: Kontrolle der Zahnform nach dem ersten Brand.

Noritake Lustermassen

Mit Hilfe der Lustermassen wird die Zahnform komplettiert. Diese Lustermassen verfügen über opaleszierende Eigenschaften und sind ein besonderer Bestandteil des Noritake Keramik Systems. Abbildungen 27 und 28 zeigen die opaleszierenden Eigenschaften der Noritake Tblue Lustermasse. Diese Masse wird für jugendliche Zähne mit einer bläulichen opaleszierenden Schneide verwendet (Abb. 29 und 30). Deutlich erkennt man die farbliche Veränderung: Bei Auflicht bläulich und bei durchscheinendem Licht orange. Anlässlich der diesjährigen IDS hat die Firma Noritake die neuen Lustermassen LT yellow, LT Super Gray, Aqua blue1 und 2 vorgestellt (Abb. 31 bis 33).

  • Abb. 27: Die Wirkung der neuen Noritake Lustermassen LT yellow, LT Super Gray, Aqua blue 1 und Aqua blue 2.
  • Abb. 28: Die Wirkung der neuen Noritake Lustermassen LT yellow, LT Super Gray, Aqua blue 1 und Aqua blue 2.
  • Abb. 27: Die Wirkung der neuen Noritake Lustermassen LT yellow, LT Super Gray, Aqua blue 1 und Aqua blue 2.
  • Abb. 28: Die Wirkung der neuen Noritake Lustermassen LT yellow, LT Super Gray, Aqua blue 1 und Aqua blue 2.

  • Abb. 29: Komplettierung der Zahnform mit Lustermassen. In diesem Fall mesial und distal LT Aqua blue 1.
  • Abb. 30: Komplettierung der Zahnform mit Lustermassen.
  • Abb. 29: Komplettierung der Zahnform mit Lustermassen. In diesem Fall mesial und distal LT Aqua blue 1.
  • Abb. 30: Komplettierung der Zahnform mit Lustermassen.

  • Abb. 31: Die neuen Noritake Lustermassen LT Super Gray, Aqua blue 1 und Aqua blue 2.
  • Abb. 32: Die neuen Noritake Lustermassen LT yellow, LT Super Gray, Aqua blue 1 und Aqua blue 2.
  • Abb. 31: Die neuen Noritake Lustermassen LT Super Gray, Aqua blue 1 und Aqua blue 2.
  • Abb. 32: Die neuen Noritake Lustermassen LT yellow, LT Super Gray, Aqua blue 1 und Aqua blue 2.

  • Abb. 33: Die Verwendung der neuen Lustermasse Aqua blue 1.
  • Abb. 33: Die Verwendung der neuen Lustermasse Aqua blue 1.

Fertige Ergebnisse

Die nachfolgenden Abbildungen 34 bis 37 zeigen die fertigen Verblendungen. Deutlich zu erkennen ist die Wirkung der neuen Aqua blue 1 Lustermasse in Abb. 36 unten.

  • Abb. 34: Ergebnis nach Fertigstellung.
  • Abb. 35: Ansicht von lateral.
  • Abb. 34: Ergebnis nach Fertigstellung.
  • Abb. 35: Ansicht von lateral.

  • Abb. 36: Ergebnis im Detail. Deutlich kann man die Wirkung von Aqua blue 1 mesial und distal erkennen.
  • Abb. 37: Restauration unter Schwarz-Licht.
  • Abb. 36: Ergebnis im Detail. Deutlich kann man die Wirkung von Aqua blue 1 mesial und distal erkennen.
  • Abb. 37: Restauration unter Schwarz-Licht.

Fertigstellung und die Versorgung in Situ

Die Abbildungen 38 bis 40 zeigen die eingesetzte Versorgung im Detail.

  • Abb. 38: Restauration in Situ.
  • Abb. 39: Detailaufnahmen der Oberkiefer Front.
  • Abb. 38: Restauration in Situ.
  • Abb. 39: Detailaufnahmen der Oberkiefer Front.

  • Abb. 40: Eine zufriedene Patientin.
  • Abb. 40: Eine zufriedene Patientin.

 

 


Danksagung

Bedanken möchte ich mich bei Frau Dr. Kathleen Berger, Leipzig für die freundliche Unterstützung und die klinischen Aufnahmen.

Näheres zum Autor des Fachbeitrages: ZTM Andreas Piorreck

Bilder soweit nicht anders deklariert: ZTM Andreas Piorreck


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