Kronen/Brücken


Kompress: Die Herstellung von Komposit-Veneers und Table-Tops in der Küvetten-Press-Technik


Im Folgenden soll eine besondere Vorgehensweise aufgezeigt werden, gerüstfreie Restaurationen aus Komposit herzustellen. Sie erfolgt über eine spezielle Küvetten-Presstechnik, bei der die vollanatomische Wachsmodellation in eine formgetreue, homogene Kompositrestauration umgesetzt wird. Die Möglichkeit, die exakte anatomische Form nahezu 1:1 vom Wachs in Komposit umzuwandeln, bedeutet in den meisten Fällen und gerade bei aufwendigen, zirkulären Restaurationen eine große Zeitersparnis. Zusätzliche Vorteile dieser Technik sind aber auch eine saubere, bläschen- und staubfreie Verarbeitung, denn die Durchsetzung eines Komposits mit Lufteinschlüssen oder Schmutzpartikel, wie es beim Schichten von Hand oft passiert, mindert dessen Homogenität und damit auch die Qualität.

  • Abb. 1: Mundaufnahme der Ausgangssituation vor Behandlungsbeginn.

  • Abb. 1: Mundaufnahme der Ausgangssituation vor Behandlungsbeginn.
Der dargestellte Fallbericht zeigt die prothetische Vorbereitung für eine kieferorthopädische Behandlung eines erwachsenen männlichen Patienten, der durch Nichtanlagen und fehlende Zähne einen Lückenstand im Oberkiefer aufwies und zusätzlich durch massiven Substanzverlust der Zähne eine abgesenkte Vertikale zeigte (Abb. 1). Mit Hilfe von Komposit-Veneers und Table-Tops auf den Seitenzähnen sollte jetzt zum Einen im Oberkiefer mehr Retentionsfläche für die kieferorthopädische Bebänderung geschaffen werden, gleichzeitig konnte so aber auch schon eine Erhöhung der Vertikaldimension vorgenommen werden. Durch die kieferorthopädische Behandlung sollte im Oberkiefer zusätzlich Platz für Implantate geschaffen werden, um später die fehlenden Zähne ersetzen zu können.

Das Ziel in diesem Fall war es, ein Material zu verwenden, das auch nach längerer Tragedauer okklusionsstabil bleibt. Gleichzeitig sollte es aber auch relativ einfach zu kleben und vor allen Dingen nachträglich additiv komplettierbar sein: Das heißt die Möglichkeit zu haben, das Material ohne Probleme nachträglich ansetzen zu können. Im vorliegenden Fall bedeutete dies, Kontaktflächen oder auch okklusale Kontakte in Komposit antragen zu können, abhängig von der Entwicklung der kieferorthopädischen Behandlung. Des Weiteren war es in diesem Fall auch von Vorteil, dass nach Entfernen der Bebänderung die Kompositrestauration noch im Mund verbleiben und die Klebestellen durch einfaches Aufpolieren wieder aufbereitet werden können.

Falldarstellung

Zur Vorbereitung der prothetischen Arbeit wurden die Situationsmodelle in der habituellen Bisslage einartikuliert, die Sperrung der Vertikalen in der gewünschten Höhe vorgenommen und der Oberkiefer in der entsprechenden anatomischen Form aufgewachst (Abb. 2). Anschließend wird der Oberkiefer zur Aufnahme der Kompositrestauration präpariert: Alte Füllungen werden entfernt und die einzelnen Zähne möglichst substanzschonend vorbereitet (Abb. 3). Im Anschluss wird diese Situation abgeformt, über ein Sägeschnittmodell umgesetzt (Abb. 4) und ebenfalls einartikuliert. In diesem Fall wird der Sägekranz zwar abnehmbar gestaltet, aber noch nicht in Einzelstümpfe gesägt (Abb. 5a u. b). Ein spezielles Pinsystem (Jet-Pins von Jan Langner) ermöglicht abnehmbare Pins, die nicht geklebt, sondern gesteckt werden. Dies ist notwendig, um den kompletten Zahnkranz am Stück in die Küvette einbetten zu können. Die Wachsmodellation kann jetzt über einen glasklaren Schlüssel (Abb. 6) auf den Sägeschnitt-Zahnkranz übertragen werden (Abb. 7) und mit Hilfe eines Spezial-Knet-Silikons (Elarock/ Schütz-Härte 96 shore) in der Glasklar-Küvette platziert und die Oberfläche geglättet werden (Abb. 8).

  • Abb. 2: Das diagnostische Wax-up auf dem Situationsmodell.
  • Abb. 3: Die alten Füllungen werden entfernt, aufbereitet und die Situation zur Abformung vorbereitet.
  • Abb. 2: Das diagnostische Wax-up auf dem Situationsmodell.
  • Abb. 3: Die alten Füllungen werden entfernt, aufbereitet und die Situation zur Abformung vorbereitet.

  • Abb. 4: Das vorbereitete Meistermodell, noch ohne Sägeschnitte.
  • Abb. 5a u. b: Das Sägeschnittmodell mit den Steckpins (Jet-Pin, Jan Langner), um den Kranz problemlos einbetten zu können.
  • Abb. 4: Das vorbereitete Meistermodell, noch ohne Sägeschnitte.
  • Abb. 5a u. b: Das Sägeschnittmodell mit den Steckpins (Jet-Pin, Jan Langner), um den Kranz problemlos einbetten zu können.

  • Abb. 6: Ein glasklarer Silikonschlüssel dient zur Übertragung des Wax-up auf das Sägeschnittmodell.
  • Abb. 7: Der Zahnkranz kann jetzt im ungesägten Zustand in die Pressküvette umgesetzt werden.
  • Abb. 6: Ein glasklarer Silikonschlüssel dient zur Übertragung des Wax-up auf das Sägeschnittmodell.
  • Abb. 7: Der Zahnkranz kann jetzt im ungesägten Zustand in die Pressküvette umgesetzt werden.

  • Abb. 8: Mit einem Spezialsilikon wird der Zahnkranz mit dem Wax-up in der Küvette fixiert.
  • Abb. 8: Mit einem Spezialsilikon wird der Zahnkranz mit dem Wax-up in der Küvette fixiert.

Die Silikonoberfläche wird mit Vaseline isoliert und im Anschluss der Küvetten-Konter mit einem Klarsilikon (hardglass/Schütz-Härte 76 shore) aus der Kartusche hergestellt. Hierzu wird die Wachsmodellation vorsichtig mit dem Klarsilikon umspritzt, der Küvetten-Konter aufgefüllt, die beiden Hälften zusammengesetzt und mit drei Stell-Schrauben fixiert (Abb. 10). Nach dem Aushärten des Silikons kann jetzt die Küvette geöffnet und das Wachs entfernt werden. Der Gips-Zahnkranz wird sorgfältig durch Abdampfen gesäubert und im Anschluss gegen das Komposit isoliert. Die Kompositrestaurationen können einphasig oder zweiphasig hergestellt werden, auch abhängig davon, welcher ästhetische Anspruch besteht. In diesem Fall sollte eine zweiphasige Pressung, also Dentin und Schneide, zur Anwendung kommen. So wird der Konter jetzt erst mit dem entsprechenden Dentin bestückt (Abb. 11), leicht erwärmt, um das Material in eine etwas pastösere Form zu bringen, die Küvette geschlossen und langsam die Stellschrauben festgezogen. Die geschlossene Küvette wird ins Lichthärtegerät platziert und das Material nach Angaben des Herstellers ausgehärtet.
  • Abb. 9: Der Konter wird mit Klarsilikon aufgefüllt.
  • Abb. 10: Die geschlossene Küvette wird mit drei Stellschrauben fixiert.
  • Abb. 9: Der Konter wird mit Klarsilikon aufgefüllt.
  • Abb. 10: Die geschlossene Küvette wird mit drei Stellschrauben fixiert.

  • Abb. 11: Das Befüllen des Konters im ersten Arbeitsgang mit dem ausgewählten Dentin.
  • Abb. 11: Das Befüllen des Konters im ersten Arbeitsgang mit dem ausgewählten Dentin.

Im Anschluss kann die Küvette wieder geöffnet und mit dem Reduzieren der Dentinpressung begonnen werden. War nicht genügend Material im Konter platziert, ist dies leicht an den etwas porösen Oberflächen der Pressung zu erkennen (Abb. 12). Bei zweiphasigen Pressungen ist das allerdings nie ein Problem, da die Okklusalfläche ohnehin zur Aufnahme der Schneideschicht reduziert werden muss. Durch vorher angefertigte Labial- und Okklusalschlüssel aus Silikon kann eine gute Kontrolle zur Reduzierung geschaffen werden. Die so reduzierten Flächen werden im Anschluss mit speziellen farbgebenden Flows (malfarbene, dünnfließende Komposite, z.B. Chroma-Flow/Schütz) eingefärbt und zwischengehärtet (Abb. 13). Der Konter wird nun mit der passenden Schneidemasse bestückt (Abb. 14) und das Dentin nach demselben Verfahren mit der Schneidemasse überpresst (Abb. 15). Nach dem Aushärten der zweiten Pressung wird die Küvette erneut geöffnet und der eingebettete Gips-Zahnkranz vorsichtig aus dem Silikon herausgelöst. Jetzt kann der Zahnkranz auf das Sägemodell aufgesteckt und die notwendigen Schleif-Korrekturen in der Okklusion vorgenommen werden. Im Anschluss werden die einzelnen Stümpfe mit der Gipstrennscheibe getrennt und gesäubert. Nun können an den einzelnen überpressten Teilkronen eventuelle Korrekturen im Randbereich vorgenommen werden (Abb. 16). In solchen Fällen eignen sich Flow-Komposite besonders gut, da sie sich sehr fein auftragen und mit Ihnen kleinste Stellen problemlos antragen lassen. Sind alle Korrekturen vorgenommen, erfolgt die abschließende Oberflächenbearbeitung: Die Ausarbeitung der Formgebung erfolgt mit feinen Hartmetallfräsen, eine Vorpolitur mit weichen Spezialgummierern und die abschließende Politur mit dem Ziegenhaarbürstchen und Polierpaste. Erst dann werden die Teile vorsichtig vom Originalstumpf gelöst und die Kontaktfläche durch vorsichtiges Abdampfen und Reinigung im Alkoholbad gesäubert und entfettet.

  • Abb. 12: Die erste Dentinpressung zeigt durch die leicht blasige Oberfläche, dass etwas zu wenig Material verwendet wurde.
  • Abb. 13: Die reduzierte Dentinpressung kann jetzt mit entsprechenden Malfarben modifiziert werden.
  • Abb. 12: Die erste Dentinpressung zeigt durch die leicht blasige Oberfläche, dass etwas zu wenig Material verwendet wurde.
  • Abb. 13: Die reduzierte Dentinpressung kann jetzt mit entsprechenden Malfarben modifiziert werden.

  • Abb. 14: Zur zweiten Pressung mit entsprechender Schneidemasse wird der Konter erneut bestückt.
  • Abb. 15: Die entformte Schneidepressung.
  • Abb. 14: Zur zweiten Pressung mit entsprechender Schneidemasse wird der Konter erneut bestückt.
  • Abb. 15: Die entformte Schneidepressung.

  • Abb. 16: Kleine Korrekturen, speziell in den Randbereichen, können mit Flowkomposit vorgenommen werden.
  • Abb. 16: Kleine Korrekturen, speziell in den Randbereichen, können mit Flowkomposit vorgenommen werden.

Generell sollte man bei Verblendkompositen nicht mit dem Dampfstrahler reinigen, da sich durch die extreme Erhitzung zweier unterschiedlicher Materialien (Komposit und Gerüst), bedingt durch den unterschiedlichen WAK, sofort feine Randspalten bilden können und damit schon erste Verfärbungen und Ablösungen der Verblendung vorprogrammiert sind. Im Falle von gerüstfreien Konstruktionen darf der Dampfstrahler allerdings durchaus eingesetzt werden. Die Kompositrestauration ist jetzt fertig (Abb. 17) und wird zur abschließenden Kontrolle auf das ungesägte Meistermodell gesetzt. Auf den Abbildungen 18a und b ist sehr schön zu erkennen, dass sich durch Kompress, die Presstechnik in Komposit, eine anatomische Wachsmodellation nahezu 1:1 in Komposit umsetzen und dadurch eine deutliche Zeitersparnis erwirtschaften lässt. Das ist gerade für größere Labore ein weiterer Vorteil, da eine solche Vorgehensweise deutlich einfacher zu kontrollieren und zu beaufsichtigen ist. Abbildungen 19a und b zeigen die fertige Restauration nach dem Kleben im Mund und im Anschluss mit dem bereits aufgeklebten kieferorthopädischen Regulierungsband (Abb. 20a u. b).

  • Abb. 17: Die Kompositrestauration im Durchlicht.
  • Abb. 18a u. b: Durch die Presstechnik kann das Wax-up exakt und formgetreu umgesetzt werden.
  • Abb. 17: Die Kompositrestauration im Durchlicht.
  • Abb. 18a u. b: Durch die Presstechnik kann das Wax-up exakt und formgetreu umgesetzt werden.

  • Abb. 19a u. b: Die eingeklebte Kompositrestauration von der kieferorthopädischen Behandlung.
  • Abb. 20a u. b: Die aufgeklebte Bebänderung zu Beginn der Behandlung.
  • Abb. 19a u. b: Die eingeklebte Kompositrestauration von der kieferorthopädischen Behandlung.
  • Abb. 20a u. b: Die aufgeklebte Bebänderung zu Beginn der Behandlung.

Fazit

Durch eine immer weiter fortschreitende Weiterentwicklung der CAD/CAM-Technik, gerade im Bereich von fräsbaren Kunststoffen und Kompositen, können solche Arten von Restaurationen heutzutage durchaus am Computer designt und technisch umgesetzt werden. Mit der Presstechnik wird hier allerdings eine absolut praktikable Alternative geschaffen, Komposite in sauberer und kontrollierbarer Arbeitsweise zu verarbeiten. Die exakte Umsetzung der Wachsmodellation in die Kompositrestauration bietet einen sicheren Weg zu einem homogenen und damit qualitativ hochwertigen Ergebnis. 

Näheres zum Autor des Fachbeitrages: ZTM Annette v. Hajmasy

Bilder soweit nicht anders deklariert: ZTM Annette v. Hajmasy


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