Kronen/Brücken


Meine Meisterarbeit mit digital hergestellter Zirkoniumdioxidkrone

16.06.2020
aktualisiert am: 02.07.2020

Die fertige Arbeit der praktischen Meisterprüfung mit Metallkeramikbrücke 11–17, Farbmuster 21 und 22, verblendeter Zirkoniumdioxidkrone auf Presskeramik-
Hybrid-Abutment 23 sowie Aufbissbehelf 24–27.
Die fertige Arbeit der praktischen Meisterprüfung mit Metallkeramikbrücke 11–17, Farbmuster 21 und 22, verblendeter Zirkoniumdioxidkrone auf Presskeramik- Hybrid-Abutment 23 sowie Aufbissbehelf 24–27.

Im folgenden Beitrag beschreibt ZTM Sandra Rosenthal die im Rahmen der praktischen Meisterprüfung in Stuttgart geforderte digitale Herstellung einer vollkeramischen Zirkoniumdioxidkrone auf einem individuellen Abutment. Die fachbezogene Meisterausbildung absolvierte sie an der Alexander-Fleming-Schule in Stuttgart. Dort bestand sie die praktische Abschlussprüfung als Jahrgangsbeste (2017/2018). Dadurch hat sie sich qualifiziert, am renommierten Klaus-Kanter-Wettbewerb teilzunehmen, bei dem sie den dritten Platz erringen konnte.

Als erster Prüfungsjahrgang in Stuttgart waren die Prüflinge aufgefordert, ein CAD/CAM-gefertigtes Gerüst anzufertigen. Das war für einige eine große Schwierigkeit, da es für diese durchaus Neuland war, digital zu arbeiten. Designt wurde während der Prüfung mit der Software von 3Shape (3Shape, Kopenhagen, Dänemark).

Aufgabe: Festsitzende Implantatversorgung

Im Folgenden soll die digitale Erstellung eines Zirkoniumdioxidgerüstes auf einem individuellen Abutment regio 23 im Mittelpunkt stehen. Ziel der Arbeit war die Umsetzung des Wax-ups der Patientensituation. Der Vollständigkeit halber soll erwähnt sein, dass im OK ebenfalls eine Metallkeramikbrücke von 11–17 gefordert war sowie ein Aufbissbehelf 24–27. Natürlich war im UK die obligatorische kombiniert abnehmbare-festsitzende Arbeit anzufertigen, die hier allerdings nicht beschrieben werden soll.

Prüfungsvorbereitung und Modellherstellung

An unserem ersten Prüfungstag, der „Planungstag“ war und bereits im April stattfand, ging es darum, die Grundlage unserer Modelle zu schaffen sowie die Konstruktion der Arbeit zu planen. Jeder bekam ein Modellpaar ausgehändigt, welches einartikuliert werden musste, um es dann so zu modifizieren, dass alle geforderten Elemente gut in die Gesamtarbeit integriert werden konnten.

Der Restzahnbestand konnte stehen bleiben, durfte aber auch bis 1 mm oberhalb des Zahnfleischrandes radiert werden. Ausnahme waren die Zähne 24–27, diese durften nur ca. zur Hälfte reduziert werden. Ich entschied mich für die konsequente Radierung, um ein schönes und harmonisches Wax-up durch Aufstellen von Wachs-Zähnen zu erzielen (Abb.1a–d). Die Schwierigkeit dabei war, Form, Stellung und Größe der Zähne so zu wählen, dass sich bei der Modellherstellung mit präparierten Steckstümpfen keine funktionellen oder ästhetischen Probleme ergeben würden.

  • Abb. 1a: Wax-up von frontal.
  • Abb. 1b: Wax-up von ...
  • Abb. 1a: Wax-up von frontal.
  • Abb. 1b: Wax-up von ...

  • Abb. 1c: ... lateral.
  • Abb. 1d: Wax-up.
  • Abb. 1c: ... lateral.
  • Abb. 1d: Wax-up.

Wir hatten nun ca. 6 Wochen Zeit, unsere dublierten Wax-ups n PU-Modelle umzusetzen und uns eine nahezu perfekte Ausgangssituation für die Prüfung zu schaffen. Für die Region 23 war eine vollkeramische Implantatversorgung geplant, das Implantatsystem und das Material für den individuellen Implantataufbau konnten frei gewählt werden.

Ich habe mich für Straumann (Basel, Schweiz) mit Titan-Basis (Straumann, RC Variobase, Ø 4,5 mm) sowie für einen modellierten Presskeramikaufbau in MO2 (e.max Press, Ivoclar Vivadent, Liechtenstein) entschieden. Die Prüfungsmodelle inklusive individuellem Implantataufbau und Farbmuster an 21 und 22 wurden dafür im Voraus selbst hergestellt und den Prüflingen erst zu Prüfungsbeginn wieder ausgehändigt (Abb. 2a u. b).

  • Abb. 2a: Gesamte Ausgangssituation im OK.
  • Abb. 2b: Ausgangssituation mit Farbmuster an 21 und 22 und individuellem
Abutment 23.
  • Abb. 2a: Gesamte Ausgangssituation im OK.
  • Abb. 2b: Ausgangssituation mit Farbmuster an 21 und 22 und individuellem Abutment 23.

Herstellung

Nun ging es also an die Herstellung des Zirkoniumdioxid-Käppchens. Alle Prüflinge haben ihr Käppchen mit der CAD-Software 3Shape (3Shape, Kopenhagen, Dänemark) konstruiert. Da mein Implantataufbau schon eine fast perfekt anatomisch reduzierte Form aufwies, reichte es mir, den Aufbau einzeln zu scannen. Das verschaffte mir einen kleinen zeitlichen Vorteil, da ich ja nicht das ganze Modell mit Gegenbiss scannen musste und somit der ganze Scanprozess recht kurz ausfiel. Als Gerüstform wählte ich die „anatomische Verblendkappe“ (Abb. 3a u. b).

  • Abb. 3a: Auftragsmaske in 3Shape.
  • Abb. 3b: Gescanntes Abutment.
  • Abb. 3a: Auftragsmaske in 3Shape.
  • Abb. 3b: Gescanntes Abutment.

Als Nächstes wurde die Krone über Punkte, die auf der Präparationsgrenze liegen sollen, begrenzt. Daraus wurde dann die perfekte Einschubrichtung berechnet (Abb. 4a) und anschließend die Präparationsgrenze vorgeschlagen, die dann den Kronenrand bildete (Abb. 4b). Noch ein paar (im vorherigen Kurs im Prüfungslabor in der HWK Stuttgart-Weilimdorf getestete) Parameter einstellen (Abb. 4c), und die Innenfläche der Krone war fertig.

  • Abb. 4a: Ausgewählte Einschubrichtung.
  • Abb. 4b: Festgelegt Präparationsgrenze.
  • Abb. 4a: Ausgewählte Einschubrichtung.
  • Abb. 4b: Festgelegt Präparationsgrenze.

  • Abb. 4c: Eingestellte Passungsparameter.
  • Abb. 4c: Eingestellte Passungsparameter.

Da ich approximal sowie inzisal noch minimal aufbauen musste, um die Verblendkeramik zu stützen, wählte ich einen Eckzahn aus der Zahnbibliothek, der ungefähr meiner angestrebten Form entsprach, und stellte diesen Bibliothekszahn in seiner vollen Anatomie über mein Abutment (Abb. 5a).

  • Abb. 5a: Vollanatomie.
  • Abb. 5b: Reduzierte Vollanatomie.
  • Abb. 5a: Vollanatomie.
  • Abb. 5b: Reduzierte Vollanatomie.

  • Abb. 5c: Fertiges Gerüstdesign.
  • Abb. 5c: Fertiges Gerüstdesign.

Nach ein paar kleineren Änderungen ging es mit dem nächsten Schritt weiter, die Anatomie vollständig zu reduzieren: hier 0,8 mm (Abb. 5b). Ränder und Kanten wurden mit dem Glättungstool bearbeitet. Dann war die Konstruktion nach dem Prüfen der Mindestwandstärke von 0,6 mm abgeschlossen (Abb. 5c).

Nun musste das Käppchen noch in Zirkoniumdioxid umgesetzt werden. Für das Nesten (Abb. 6) und Heraustrennen aus dem Blank waren die Prüflinge selbst zuständig, das Einsetzen der Ronden und Starten der Fräsmaschine sowie das Sintern wurde von der Prüfungsaufsicht übernommen. Auch die Materialauswahl wurde für uns übernommen, denn die Ronden wurden gestellt (IPS e.max ZirCad LT, Ivoclar Vivadent, Liechtenstein).

Weiterverarbeitung und Verblendung

Das fertige Käppchen konnte nun weiterverarbeitet werden (Abb. 7). Als Erstes mussten minimale Aufpassarbeiten erledigt werden, aber mein Käppchen saß schon ziemlich gut, klemmte nicht, ließ sich aber auch nicht rotieren. Danach habe ich den Rand vorsichtig unter dem Mikroskop mit einer feinen, flexiblen Diamantscheibe ausgedünnt bzw. angeschrägt, um einen passenden Verlauf zum Abutment herzustellen.

Danach verblendete ich die Krone mit einer mir sehr bekannten Keramik: IPS e.max Ceram (Ivoclar Vivadent). Die Metallkeramikbrücke und die Farbmusterzähne wurden mit der entsprechenden Keramik IPS InLine (Ivoclar Vivadent) verblendet, die ich ebenfalls sehr gut kannte. Das Prinzip der Massen ist weitgehend gleich, somit war es für mich keine Schwierigkeit, zwei verschiedene Materialien miteinander zu kombinieren, ohne einen Farbversatz zu kreieren. Das Schichtschema war gleich. Ich trug den entsprechenden ZirLiner (Ivoclar Vivadent) auf, machte anschließend einen Washbrand und begann zu schichten. Im Voraus habe ich mir ein Schichtschema überlegt, das einerseits der Farbvorgabe von VITA A3 entspricht, gut reproduzierbar in einer (stressigen) Prüfungssituation ist, andererseits aber auch ein wenig individuell und „chic“ ist (Abb. 8).

  • Abb. 6: Genestete Kappe.
  • Abb. 7: Fertig gesinterte Kappe.
  • Abb. 6: Genestete Kappe.
  • Abb. 7: Fertig gesinterte Kappe.

  • Abb. 8: Schichtschema.
  • Abb. 8: Schichtschema.

Nach zwei Dentin-Bränden und Ausarbeitung der Form und Oberflächenstruktur war die Krone fertig für den Glanzbrand. Diesen führte ich, wie auch bei der Metallkeramik, nur mit etwas Malfarbe und Glasurflüssigkeit aus – allerdings ohne Glasur, um die Oberflächenstruktur zu erhalten. Die Brenntemperatur für den Glanzbrand stellte ich geringfügig niedriger ein, um das Risiko zu minimieren, eine überbrannte und speckige Krone aus dem Ofen zu holen, dessen Brennergebnisse ich natürlich nicht perfekt kannte. Ziel war es, einen leichten Glanz zu haben, den ich mittels Diamantpolierpaste perfektionieren konnte (Abb. 9a–c). Mein Vorgehen gab mir Recht: Am Ende fügte sich die Vollkeramikkrone perfekt ins Gesamtbild ein und war auf den ersten Blick nicht als „andere“ Krone herauszudeuten.

  • Abb. 9a: Fertige Krone von labial.
  • Abb. 9b: Fertige Krone von mesial.
  • Abb. 9a: Fertige Krone von labial.
  • Abb. 9b: Fertige Krone von mesial.

  • Abb. 9c: Fertige Krone von palatinal.
  • Abb. 9c: Fertige Krone von palatinal.

Fazit

Für mich persönlich war die Aufgabe der digitalen Erstellung dieser Zirkoniumdioxidkrone vor allem deshalb eine kleine Herausforderung, weil ich bis dahin nur Erfahrungen mit Cercon art (ehemals DeguDent, jetzt Dentsply Sirona) und später exocad (exocad Dental CAD, Darmstadt) hatte. Da ich aber bereits während meiner Ausbildungszeit meine ersten Versuche im digitalen Design machen konnte und auch dann als ausgelernte Zahntechnikerin regelmäßig meine eigenen Gerüste konstruieren musste und durfte, um sie selbst zu verblenden, war es für mich kein größeres Problem, nun für die Prüfung 3Shape kennenzulernen. Allerdings muss ich auch dazu sagen, dass alles, was neu ist, in einer Prüfung besonders nervenaufreibend ist. Deshalb war es für mich sehr wichtig, zum größten Teil bekannte Materialien und Verfahren zu verwenden, sofern dies möglich war.

Die größte Herausforderung lag für mich in der Modellherstellung. Es gab so viel zu beachten und ich hatte nur wenige Erfahrungen in der Meisterschule gemacht, aus denen ich vorher hatte lernen können. Vieles habe ich da zum ersten Mal gemacht, aber die fertigen, sehr aufwendigen Modelle konnten sich doch sehen lassen. Insgesamt gab es während meiner Prüfung keine größeren Probleme, ich war gut vorbereitet und vor allem im festsitzenden Bereich ziemlich routiniert aufgestellt. Auch mit dem Endergebnis war und bin ich ziemlich zufrieden, im Großen und Ganzen habe ich alles so umsetzen können, wie ich es mir vorgestellt und geplant hatte (Abb. 10a–f).

  • Abb. 10a: Hybrid-Abutment mit Schraube und fertiger Krone.
  • Abb. 10b: Fertige Arbeit – Metall-Keramik-Brücke 11–17, Farbmuster 21 und 22, verblendete Zirkoniumdioxidkrone auf Presskeramik-Hybrid-Abutment 23, Aufbissbehelf 24–27.
  • Abb. 10a: Hybrid-Abutment mit Schraube und fertiger Krone.
  • Abb. 10b: Fertige Arbeit – Metall-Keramik-Brücke 11–17, Farbmuster 21 und 22, verblendete Zirkoniumdioxidkrone auf Presskeramik-Hybrid-Abutment 23, Aufbissbehelf 24–27.

  • Abb. 10c: Hybrid-Abutment.
  • Abb. 10d: Fertige Arbeit von palatinal.
  • Abb. 10c: Hybrid-Abutment.
  • Abb. 10d: Fertige Arbeit von palatinal.

  • Abb. 10e: Fertige Arbeit von labial.
  • Abb. 10f: Fertige Arbeit von okklusal.
  • Abb. 10e: Fertige Arbeit von labial.
  • Abb. 10f: Fertige Arbeit von okklusal.

Rückblickend auf meine Meisterschul- und Prüfungszeit kann ich sagen: Zwar hat sie mir einiges abverlangt ( jetzt, mit einigem Abstand, gefühlt nicht mehr so sehr wie zu der Zeit), aber ich habe auch extrem viel gelernt. Nicht nur technisch, sondern vor allem auch das ganze Drumherum. Und ich habe das Gefühl, sehr an dieser Zeit und diesen Aufgaben (beruflich und schulisch und nicht zuletzt auch privat) gewachsen zu sein. Mein besonderer Dank gilt vor allem meinem ehemaligen Chef Robert Jung, der mich materiell und mit seiner kulanten Einstellung zu meinen Arbeitszeiten extrem gut unterstützt hat, sowie meinem geschätzten ehemaligem Kollegen ZTM Hartmut Diehm, von dem ich schon vor der Meisterschule so viel lernen durfte. Danke!

Näheres zum Autor des Fachbeitrages: ZTM Sandra Rosenthal


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