Kronen/Brücken


Mit 3Shape-Konstruktionsdaten zur Lava™ Zirkonoxid-Restauration

Abb. 1a u. b: Ausgangssituation mit Farbnahme.
Abb. 1a u. b: Ausgangssituation mit Farbnahme.

Nur vier Schritte trennen den Anwender eines 3Shape Scanners von der Fertigung hochpräziser und ästhetischer Restaurationen aus Lava™ Zirkonoxid. Bereits 2010 öffnete 3M ESPE für Nutzer der Scanner von 3Shape und Dental Wings Schnittstellen zum Lava™-Netzwerk. Seitdem können Dentallabore systemfremde Konstruktionen in autorisierten Lava™-Fräszentren fertigen lassen und ihr Portfolio so ohne größeres finanzielles Investment um Restaurationen aus dem bewährten CAD/CAM-Werkstoff Lava™ Zirkonoxid erweitern. Im Folgenden wird der Weg vom 3Shape-Scan zur LavaTM-Restauration beschrieben.

Von der Öffnung der Schnittstellen zum Lava- Netzwerk profitieren auch wir als Anwender des Scanners D700 und der Konstruktionssoftware DentalDesigner (beides 3Shape). Um mit diesem Equipment Restaurationen aus Lava Zirkonoxid herstellen zu können, mussten nur wenige Arbeitsschritte befolgt werden. Zunächst forderten wir die Lava-Materialliste „LavaMaterial ver 4_0.dme“ beim zuständigen 3Shape-Vertriebspartner an, der ebenfalls die 3M-Lava™-Ausgabe im Dongle (Kopierschutzvorrichtung) aktivierte. Anschließend erfolgte der Import der Dateien der Materialliste über das 3Shape Bedienfeld „Import-/Export-Material/Import“. Damit auf alle Materialien innerhalb der Lava™ Präzisionslösungen zugegriffen werden kann, müssen die Lava- Materialien einmalig akzeptiert werden. Im dritten Arbeitsschritt wurde kontrolliert, ob die Version 2.5.5.12 des 3Shape Dental Systems – oder höher – installiert war. Wenn dies der Fall ist, wird lediglich der Dongle im 3Shape-Bedienfeld „Dongle/Internet- Update“ aktualisiert. Ist diese Version noch nicht installiert, muss ein entsprechendes Update durchgeführt werden. Abschließend fehlte nur noch die Registrierung im Lava-Netzwerk über die Internetseite „www.3mespe.de/lava-Schnittstelle“. Dort sind alle Lava-Fräszentren sowie deren Kontaktdaten und das jeweilige Leistungsspektrum gelistet. Nach der erfolgreichen Registrierung unseres Dentallabors als Mitglied im Lava-Netzwerk wählten wir Geiger-Dentaltechnik + Lava-Fräszentrum in Schwäbisch Gmünd, das wir seitdem mit der CAM-Fertigung unserer Restaurationen aus Lava Zirkonoxid beauftragen.

Patientenfall

Wie hervorragend digitale Zahnheilkunde systemübergreifend funktioniert, zeigt sich in der Praxis an Patientenfällen wie dem vorliegenden: Durch den Zahnarzt Dr. Martin Bühner (Pforzheim) wurden wir mit der Versorgung von Zahn 11 einer Patientin, Jahrgang 1975, beauftragt. Diese bemängelte sowohl den dunklen Rand ihrer VMK-Krone als auch deren Oberfläche, die ihr zu matt erschien (Abb. 1).

Die Patientin wünschte als Ersatz für diese Versorgung eine Krone aus Vollkeramik. Daraufhin wurde eine Krone aus Zirkoniumdioxid (Lava) geplant, deren Gerüst mit Lava Ceram verblendet werden sollte. Nach der Entfernung der VMK-Krone wurde anhand eines vorbereiteten Wax-up mit der Patientin das gewünschte Ergebnis besprochen. Anschließend wurde der Stumpf nachpräpariert und ein konventioneller Abdruck dieser Situation genommen.

Digitaler Workflow mit Schnittstellen

Sowohl der Abdruck als auch das Wax-up wurden mit dem Scanner 3Shape D700 gescannt. Hierzu wurde in der Scanner-Software (ScanItRestoration) zunächst ein neues Auftragsblatt angelegt. In der Zahnübersicht wurde der Zahn markiert, für den die Restauration konstruiert werden sollte. Anschließend wurde in der Restaurationsschaltfläche die gewünschte Restauration, in diesem Fall „Krone“, und das gewünschte Material, aus dem die Krone gefertigt werden sollte, in diesem Fall „Lava Zirkonoxid“, markiert. Zudem können hier weitere Informationen, wie Auftraggeber, Auftragsnummer, Patientenname etc. hinterlegt werden (Abb. 2). Im nächsten Schritt wurde das Wax-up auf dem Modell gescannt. Abbildung 3 zeigt das gescannte Wax-up im STL-Dateiformat (Surface Tesselation Language), d.h., die Oberfläche wird anhand von zahlreichen Dreiecken beschrieben. In Abbildung 4 ist das gescannte Wax-up auf dem Stumpf zu sehen. Anschließend wurde das Modell des Stumpfes ohne Wax-up gescannt (Abb. 5 u. 6). Die so gewonnenen digitalen Daten des Stumpfes und des Wax-up wurden in die Software DentalDesigner für die digitale Konstruktion des Kronengerüstes importiert.

  • Abb. 2: Anlegen eines Auftrags.
  • Abb. 3: Scannen des Wax-up mit der Software ScanItRestoration.
  • Abb. 2: Anlegen eines Auftrags.
  • Abb. 3: Scannen des Wax-up mit der Software ScanItRestoration.

  • Abb. 4: Gescanntes Wax-up auf dem Stumpf.
  • Abb. 5: Scannen des Stumpfes ohne Wax-up.
  • Abb. 4: Gescanntes Wax-up auf dem Stumpf.
  • Abb. 5: Scannen des Stumpfes ohne Wax-up.

  • Abb. 6: Gescannter Stumpf.
  • Abb. 6: Gescannter Stumpf.

Konstruktion

Ziel des nächsten Schritts war die Definition der exakten Präparationsgrenze für die zu modellierende Versorgung. Eine genau definierte Präparationsgrenze ist unerlässlich für einen präzisen Sitz; daher ist dieser Schritt einer der wichtigsten im gesamten Modellierungsprozess. Die Software unterbreitet automatisch einen Vorschlag für den Verlauf der Präparationsgrenze. Dieser ist durch acht grüne Punkte gekennzeichnet (Abb. 7). Die grünen Punkte können per Tastatur oder Maus individuell verändert werden. Sobald der Anwender die Präparationsgrenze definiert hat, wird sie als rote Linie dargestellt. Auch in diesem Fall wurde die Präparationsgrenze manuell angepasst, wie in Abbildung 8 ersichtlich. Anschließend wurde die Einschubrichtung des Kronengerüstes festgelegt (Abb. 9). Nun wurden die Stumpfparameter bearbeitet, die die innere Oberfläche (die Innenpassung) des Elements festlegen (Abb. 10).

  • Abb. 7: Die grünen Punkte, deren Positionen per Tastatur oder Maus verändert werden können, markieren einen Vorschlag der Software für die Präparationsgrenze.
  • Abb. 8: Die rote Linie markiert die durch den Anwender festgelegte Präparationsgrenze.
  • Abb. 7: Die grünen Punkte, deren Positionen per Tastatur oder Maus verändert werden können, markieren einen Vorschlag der Software für die Präparationsgrenze.
  • Abb. 8: Die rote Linie markiert die durch den Anwender festgelegte Präparationsgrenze.

  • Abb. 9: Festlegen der Einschubrichtung in der Software DentalDesigner.
  • Abb. 10: Darstellung der Stumpfparameter, wie z.B. Zementspalt und Passungsparameter, die individuell modifiziert werden können.
  • Abb. 9: Festlegen der Einschubrichtung in der Software DentalDesigner.
  • Abb. 10: Darstellung der Stumpfparameter, wie z.B. Zementspalt und Passungsparameter, die individuell modifiziert werden können.

Die Parameter für dieses Verfahren werden entweder in der Datei der Materialien oder manuell durch Ändern der Werte auf der Benutzeroberfläche definiert. Die Werte dieser Parameter sind abhängig von den jeweiligen Fertigungsmaschinen und den Materialien. Darüber hinaus können unter sich gehende Bereiche entfernt werden, damit die Restauration nach der Fertigung korrekt eingesetzt werden kann. Zudem kann eine Fräskorrektur angewendet werden, falls eine Fräsmaschine für die Fertigung verwendet werden soll. Anschließend wurde über den Stumpf das transparente Wax-up eingeblendet (Abb. 11), und die Software unterbreitete einen an das Waxup angepassten Vorschlag für das Kronengerüst (Abb. 12). Dieser Vorschlag wurde mittels Freiformwerkzeugen individuell modifiziert (Abb. 13). Anhand einer 2D- und 3D-Ansicht konnte der Raum für die Verblendschicht überprüft werden (Abb. 14). Schließlich wurde die virtuelle Konstruktion beendet (Abb. 15).
  • Abb. 11: Über den Stumpf wird das transparente Wax-up eingeblendet.
  • Abb. 12: Anpassen des Gerüstes an das Wax-up.
  • Abb. 11: Über den Stumpf wird das transparente Wax-up eingeblendet.
  • Abb. 12: Anpassen des Gerüstes an das Wax-up.

  • Abb. 13: Der Vorschlag kann mittels Freiformwerkzeugen individuell bearbeitet werden.
  • Abb. 14: 2D- und 3D-Ansicht des konstruierten Gerüstes.
  • Abb. 13: Der Vorschlag kann mittels Freiformwerkzeugen individuell bearbeitet werden.
  • Abb. 14: 2D- und 3D-Ansicht des konstruierten Gerüstes.

  • Abb. 15: Fertig modelliertes Kronengerüst.
  • Abb. 15: Fertig modelliertes Kronengerüst.

Von 3Shape ins Lava-Netzwerk

Der Datensatz mit dem konstruierten Kronengerüst wurde nun an das Lava-Fräszentrum gesendet. Nach Eingabe der URL „www.3MESPE.de/lava-schnittstelle. com“ erfolgte der Login mit Benutzernamen und Passwort. Anschließend wurden die 3Shape Designdaten über eine gesicherte Internetverbindung in das Lava-Netzwerk hochgeladen. Bevor das Lava-Fräszentrum mit der Fertigung beauftragt wurde, konnten noch spezielle Auftragsdetails festgelegt werden. Nach der Auswahl des Fräszentrums konnten über ein Eingabefeld Kommentare zum Auftrag angefügt werden. Abschließend wurden alle Auftragsdaten kontrolliert. Die Übermittlung der Konstruktionsdaten vom 3Shape-System an das Lava- Netzwerk war damit abgeschlossen.

Das beauftragte Lava-Fräszentrum, Geiger-Dentaltechnik + Lava-Fräszentrum, importierte den Datensatz zunächst in die Lava™ Design-Software. Die systemfremden Dateien wurden dabei analog den systemeigenen Lava-Daten verarbeitet, d.h., es standen auch für die Datensätze von 3Shape alle Funktionen und Werkzeuge in der Lava Design-Software zur Verfügung. So wurde die geplante Konstruktion im virtuellen Rohling ausgerichtet und angestiftet sowie nach der Berechnung der Werkzeugwege schließlich der Fräsprozess gestartet.

Fertigstellung der Restauration

Die Restauration wurde nach dem Fräsen gesintert an das Dentallabor zurückgesandt. Nach der Aufpassung des Gerüstes auf dem Modell wurde dieses manuell mit Lava Ceram verblendet (Abb. 16). Eine erste Einprobe in situ erfolgte nach dem Rohbrand (Abb. 17 u. 18). Nach dem abschließenden Glanzbrand wurde die Krone mit RelyX Unicem (3M ESPE) eingegliedert. Die neue Krone aus Lava Zirkonoxid harmonisiert mit dem Gesamtbild (Abb. 19) und die Patientin zeigte sich äußerst zufrieden mit dem Ergebnis (Abb. 20).

  • Abb. 16: Das Käppchen aus Lava Zirkonoxid auf dem Modell.
  • Abb. 17: Erste Einprobe nach dem Rohbrand.
  • Abb. 16: Das Käppchen aus Lava Zirkonoxid auf dem Modell.
  • Abb. 17: Erste Einprobe nach dem Rohbrand.

  • Abb. 18: Nach der Verblendung mit Lava Ceram und dem Rohbrand.
  • Abb. 19: Die Krone gliedert sich harmonisch in das Gesamtbild ein.
  • Abb. 18: Nach der Verblendung mit Lava Ceram und dem Rohbrand.
  • Abb. 19: Die Krone gliedert sich harmonisch in das Gesamtbild ein.

  • Abb. 20: Der Natur ein Stück näher.
  • Abb. 20: Der Natur ein Stück näher.

Fazit

Offene Schnittstellen, wie die hier beschriebene, sind eine zukunftsweisende Entwicklung für eine patientengewandte, systemübergreifende digitale Dentaltechnik. Seit 3M ESPE die Schnittstellen für die Scanner von 3Shape und Dental Wings geöffnet hat, können viele Dentallabore ihren Kunden mit Lava Zirkonoxid- Restaurationen aus einem der besten CAD/CAMWerkstoffe der Dentaltechnik anbieten. Dazu beitragen wird auch die Komplettöffnung des Lava Scan ST und somit die Öffnung des Lava™ Designsystems. Für Dentallabore bedeutet diese Entwicklung eine Steigerung der Flexibilität und eine noch größere Palette an Indikationen, die mit einer Fülle von Materialien und Workflow-Optionen realisiert werden können. 

Näheres zum Autor des Fachbeitrages: ZTM Jan Langner

Bilder soweit nicht anders deklariert: ZTM Jan Langner


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